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Höchstadt a.d. Aisch (bs) Im Frühjahr verließ Tim Zimmermann seinen Heimatverein, die Bayreuth Tigers, und damit die DEL2. Seit August spielt der Bayreuther für... Tim Zimmermann: Dank Alligators wieder Spaß am Eishockey!

Tim Zimmermann – © by A. Vögel, Tigers Media

Höchstadt a.d. Aisch (bs) Im Frühjahr verließ Tim Zimmermann seinen Heimatverein, die Bayreuth Tigers, und damit die DEL2. Seit August spielt der Bayreuther für die Höchstadt Alligators in der Oberliga Süd. Wir haben den Flügelstürmer am Kieferndorfer Weg getroffen.

 

Vormittags beim Vater im Büro, abends auf dem Eis in der „Grünen Hölle“. Fast täglich pendelt Tim Zimmermann von Bayreuth nach Höchstadt. Kein Problem für den Oberfranken. Mit Bruder Nico (20), der bei den Bayreuth Tigers unter Vertrag steht und das Tor der U20 hütet, lebt der 22-Jährige noch im „Hotel Mama“. Nur übers Wochenende bezieht der junge Angreifer seine Wohnung im Aischgrund. Der Job in der Immobilienfirma gefällt ihm. Trotzdem ist Eishockey das Familienthema Nummer eins. Vater Holger stürmte selbst für die Wagnerstädter und trainierte viele Jahre den Nachwuchs am Roten Main. Mutter Sabine betreute die EHC-Jugendmannschaften, für die auch die beiden Zimmermann-Brüder spielten. Von 2019 bis 2022 lief Tim dann in der DEL2 für die Tigers auf. Warum sein Eishockeyherz jetzt für Höchstadt schlägt und seine Eltern den Mittelfranken die Daumen drücken, hat er uns im Gespräch verraten.

Herr Zimmermann, Hand aufs Herz: Wie frustrierend war für Sie die Situation zuletzt bei den Bayreuth Tigers?
Sehr frustrierend! Und zum Saisonende war ich wirklich am Sagen: Ich hab die Lust am Eishockey ein bisschen verloren. Ich wollte mich fast nur noch auf den Job konzentrieren. Dann war mir aber doch schnell klar: Das mit dem Eishockey kann ich nicht lassen!

Petri Kujala, damals noch Tigers-Headcoach, hat Ihre Leistung als Stürmer geschätzt. Trotzdem erhielten Sie immer weniger Eiszeit. 
Von Petri Kujala hab ich immer mal wieder das Vertrauen bekommen. Und im ersten Jahr nach der Förderlizenz lief es für mich gar nicht so schlecht. Da wir in Bayreuth durch Corona oft nur mit zwei Reihen spielen konnten, hatte ich pro Spiel circa 15 bis 20 Minuten Eiszeit. Das sind sehr gute Werte. Ich konnte mich beweisen und zeigen, dass ich mithalten kann. Warum ich dann im Jahr darauf weniger Eiszeit erhielt, ist mir bis heute ein Rätsel.

Nach dem Trainerwechsel Ende Januar wurde es sogar noch schlimmer.
Richtig. Unter Robin Farkas durfte ich so gut wie gar nicht mehr spielen. Ich war zwar immer im Training. Bei den Spielen wurde ich jedoch unbegründet aus dem Kader gestrichen. Warum, wissen wohl nur Herr Farkas oder eine andere Person.

Dabei hatten Sie im zweiten Spiel der Playdowns gegen Selb einen recht gelungenen Einsatz.
Ja. Nachdem ich in Selb das halbe Spiel zuschauen musste, durfte ich doch noch spielen und erzielte ein Tor. Als „Dank“ durfte ich den Rest der Playdowns dann nicht mehr spielen. Also hab ich mir gesagt: Die letzten Wochen beende ich in Bayreuth, trainiere trotzdem weiter und schau dann im Sommer, was passiert.

Sie wechselten nach Höchstadt, das aktuell den dritten Tabellenplatz der Oberliga Süd belegt. Bayreuth betrachtet nach einer Pleitenserie die DEL2 von ganz unten – zum Unmut der heimischen Fans. Einige hätten Sie gerne weiter im gelb-schwarzen Trikot gesehen. Wie erleben Sie die Krise der Tigers?
Ich krieg das natürlich alles mit und verfolge auch die Medien. Ich denke, viele Fans wünschen sich einfach Bayreuther Spieler fürs Team, die sich mit dem Verein richtig identifizieren. Mein Bruder Nico ist als letzter echter Bayreuther ja leider nur der dritte Torwart. Bislang hat er keine Chance bekommen, auch wenn er noch so auf seinen ersten Einsatz brennt. Von daher hat er wenig Anteil an der misslichen Lage der Tigers. Wenn ich das Geschehen dort so verfolge, bin ich im Rückblick eher dankbar, in Höchstadt nun in einem richtigen Team aufgenommen zu sein. Näher will ich mich dazu nicht äußern.

Ihre Entscheidung für die Alligators ließ im Sommer nicht lange auf sich warten. Welchen Anteil hatte Ihr Berater Klaus Weber daran? 
Nach meiner Zeit bei den Tigers hab ich Klaus Weber (Bayreuther Eishockeylegende, Anm. d. Red.) um Rat gefragt. Klaus hat viele Spiele der Tigers gesehen, bei denen ich mitspielen durfte. Er hat beteuert, dass ich ihm bei meinen Einsätzen positiv aufgefallen bin und er die Entscheidung der Tigers-Verantwortlichen nicht nachvollziehen kann. Im Sommer war er dann mit mir in Pilsen, Tschechien. Dort waren wir eine gemischte Truppe. Neben Trainer Mikhail Nemirovsky waren auch Spieler aus Höchstadt dabei. Wir waren zusammen auf dem Eis und es hat richtig Spaß gemacht! Die Entscheidung ist daher recht schnell gefallen. Höchstadt war für mich von der Lage und den Gesprächen mit den Verantwortlichen her einfach die beste Lösung für die Kombination Eishockey und Arbeit.

Und bekannt war Ihnen der Verein auch. Als Förderlizenzspieler mussten Sie mit den Selber Wölfen unter anderem gegen den HEC ran. Wie haben Sie die Alligators verfolgt?
Ja, mit Selb habe ich damals in der Oberliga gespielt und es war auch eine schöne Zeit dort. Ich hatte viel Eiszeit und das Vertrauen der Trainer. Gegen Höchstadt zu spielen, war allerdings nicht einfach (lacht). Ein Kumpel von mir, mit dem ich in der DNL für Ingolstadt gespielt hab, war drei Jahre in Höchstadt. Nick Dolezal. Von ihm durfte ich ein bisschen was über die Alligators erfahren. Genauso wie von Jari Neugebauer und Anton Seewald. Mit ihnen hab ich vor den Vorbereitungen in Nürnberg trainiert, zusammen mit den Ice Tigers. Und die Oberliga-Tabelle der letzten Saison spricht natürlich auch Bände.

Das Wiedersehen mit der Oberliga ermöglicht Ihnen nicht nur mehr Eiszeit. Was hat sich für Sie mit dem Wechsel nach Höchstadt noch verändert? 
Also hauptsächlich ist es die Geschwindigkeit, die sich auf dem Eis verändert hat. Wenn ich beispielsweise ins Eck gehe und die Scheibe aufnehme, hab ich meistens ein paar Sekunden mehr Zeit. Das war in der DEL2 nicht so. Deshalb war es für mich in Höchstadt anfangs etwas schwierig, weil ich immer viel zu schnell den Puck spielen wollte.

In Höchstadt möchten Sie sich als Stürmer auch weiterentwickeln. Welche Ziele haben Sie sich kurzfristig und langfristig gesetzt?
Vor allem wollte ich hier den Spaß am Eishockey wiederfinden. Und ich hab ihn gefunden. Natürlich möchte ich auch persönlich besser werden, mehr Tore schießen, mehr Vorlagen geben und mit der Mannschaft so erfolgreich wie möglich sein. Das ist das Wichtigste. Ich mach mir aber keinen Druck.

Sie haben also dank der Alligators wieder Spaß am Eishockey?
Ja, volle Kanne! (lacht)

Nach einem Traumstart in die Saison geht die Erfolgsstory für den HEC weiter. Ihr bislang größter Erfolg in Höchstadt war der Siegtreffer zum 4:3 in Landsberg. Wo sehen Sie noch Potenzial?
Nach Landsberg hatte ich zweimal die Möglichkeit, diesen Erfolg zu wiederholen. Ich war aber nicht abgezockt genug. Ärgerlich! Und der vergebene Penalty in Deggendorf: Das ist halt immer eine 50:50-Chance. Außerdem stand mir auch ein sehr erfahrener früherer DEL-Torwart gegenüber. Es ist, wie es ist. Und ich werde weiter an mir arbeiten!

Trainer Mikhail Nemirovsky, Höchstadt Alligators – © Sportfoto-Sale (MK)


Wie lange zerbrechen Sie sich über verpasste Chancen den Kopf?
Das ist sehr schwierig, weil ich sehr ehrgeizig bin. Aber meistens ist es nur der Abend oder die Nacht danach. Da denke ich mir: Heute hätte ich wieder zwei Chancen zu Toren machen können. Ich will meine Gelegenheiten, die ich bekomme, halt auch nutzen. Und wenn das nicht klappt, bin ich frustriert und stinksauer auf mich. Am Morgen hab ich es dann aber meist abgehakt. Und im nächsten Spiel schau ich, dass ich es besser mache.

Wie hilft Ihnen Coach Mikhail Nemirovsky (Nemo) dabei, sich zu verbessern? 
Nemo ist ein Trainer, der dich besser machen kann, wenn du es auch willst. Er spricht offen mit mir, ist ehrlich und auch mal stinkig, wenn es nicht gut läuft. So jemanden braucht man einfach. Ein „Gut gemacht“ bringt mich beziehungsweise einen Profisportler auf Dauer nicht weiter. Nemo ist auch in der Kabine ein wichtiger Faktor. Er ist ehrgeizig, lustig, hält sehr gute Ansprachen und lässt uns einfach Spaß haben. Die ganze Mannschaft hat Spaß und das macht uns wohl auch so erfolgreich. Wir haben einfach Bock! Letztendlich war Höchstadt das Beste, was mir vor der Saison passieren konnte.

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