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Iserlohn. (MK) Erst am Dienstagmittag war der neue Iserlohner Headcoach Greg Poss in der Waldstadt eingetroffen. Schon am Abend stand er gegen die Bietigheim... Greg Poss ist zurück am Seilersee – „Unser Ziel ist es jeden Tag ein kleines bisschen besser zu werden“

Greg Poss – © Sportfoto-Sale (JB)

Iserlohn. (MK) Erst am Dienstagmittag war der neue Iserlohner Headcoach Greg Poss in der Waldstadt eingetroffen. Schon am Abend stand er gegen die Bietigheim Steelers hinter der Bande der Sauerländer. Also bei jenem Klub, bei dem er zwischen 1997 und 2003 schon einmal tätig war.

„Ich fliege nicht die ganze Nacht, nur um ein Spiel zu schauen“, lebte Poss auch gleich vor, dass er die Dinge direkt anpacken will.

Seine Rückkehr löste bei einigen Anhängern der Roosters schon im Vorfeld der Partie eine kleine Euphorie aus und weckte so manche Erinnerung aus vergangenen Tagen. Poss selbst widmete sich blitzschnell der Gegenwart und die hieß zunächst Bietigheim Steelers. Am Ende gewannen die Roosters klar und deutlich mit 7:1.

„Pierre hat die Mannschaft gut informiert und den ganzen Game-Plan gemacht. Ich habe gar nicht so viel gemacht“, gab Poss nach dem Spiel das Kompliment an seinen zukünftigen Co-Trainer Pierre Beaulieu weiter, der nach dem Sieg am Sonntag gegen Frankfurt das Team auch auf die Steelers vorbereitet hatte. „Ich habe nur eine kleine Ansprache an die Mannschaft gehalten. Sie haben das alle gut gemacht, aber der nächste Test kommt am Freitag“, so der neue Iserlohner Bandenchef.

Poss und Beaulieu hatten bereits als Gegner Berührungspunkte in der damaligen EBEL (Erste Bank Eishockey Liga, heute Win2day Icehockey League). Greg Poss arbeitete in Salzburg und Pierre Beaulieu in Innsbruck. Nun sollen sie gemeinsam den in der bisherigen Saison festgefahrenen Iserlohner Karren aus dem Dreck ziehen.

Kurios ist, dass die Roosters nun drei Heimsiege in Serie feiern konnten und das mit drei verschiedenen Trainern hinter der Bande. Kurt Kleinendorst feierte noch den Derbysieg gegen Köln, Pierre Beaulieu zeichnete sich für den Frankfurt-Sieg verantwortlich und unter der Begleitung von Poss gelang nun der Dreier gegen Bietigheim.

Nach Spielende wurde auch der neue / alte Headcoach ausgiebig gefeiert. Der verschloss aber vor der Realität nicht die Augen. Er lobte sein Team dafür, dass es gegen die Steelers die Kleinigkeiten richtig gemacht und über sechzig Minuten konstant gespielt habe. Gefallen habe ihm, so Poss, dass auch noch kurz vor Ende Schüsse geblockt wurden. Sein Gegenüber Daniel Naud von den Steelers hätte sich ein besseres Ergebnis gewünscht, machte aber vor allem die fehlende Frische und Kraft für die am Ende doch deutliche Niederlage fest.


„Ich habe mir immer gewünscht irgendwann zurückzukommen“

„Jeder Punkt ist wichtig und es geht für uns gegen den Abstieg“, verschließt Greg Poss keinesfalls die Augen vor der Realität.

Greg Poss absolvierte nach dem Spiel einen kleinen „Presse-Marathon“, war nach der langen Anreise sichtlich froh nun etwas Ruhe zu haben und freute sich darauf, dass er sich ab Mittwoch so richtig in die eigentliche Arbeit stürzen kann. Am Handgelenk trug er übrigens sein Abschiedsgeschenk aus dem Jahr 2003. Eine Breitling-Uhr, die ihm seinerzeit Klubchef Wolfgang Brück geschenkt hatte. „Ich habe sie immer getragen und so sehr oft an Iserlohn gedacht“, so der 57- jährige US-Amerikaner.

„Ich habe mir immer gewünscht irgendwann zurückzukommen, aber ich habe nicht erwartet, dass es so schnell gehen wird. Deshalb habe ich sofort Ja gesagt“, so Poss zu den Beweggründen erneut ein Engagement am Seilersee anzunehmen.

Erster Eindruck: „Läuferisch stark und körperlich fit“

Auf sein neues Team angesprochen: „Wir müssen dem Team auch vertrauen und vielleicht nach zehn, fünfzehn oder zwanzig Spielen eine tiefe Analyse machen. Aber es ist ein guter Anfang und Bietigheim ist kein leichter Gegner. Die Jungs haben ganz gut gespielt. Jetzt müssen wir uns noch mehr steigern für das Spiel am Freitag in Berlin.“ Und weiter: „Unser Ziel ist es jeden Tag ein kleines bisschen besser zu werden. Natürlich geht es auch um gewinnen und verlieren. Wir wollen natürlich gewinnen. Wenn wir versuchen uns über Tage, Wochen und Monate täglich zu verbessern, dann kommen wir auch an unser Ziel.“ Sein erster Eindruck vom neuen Kader ist, dass die Roosters läuferisch stark und körperlich fit sind.

Am für das Team trainingsfreien Mittwoch fanden weitere Gespräche statt. „Wir haben heute in der Kabine mit dem ganzen Trainerstab über unseren Spielstil diskutiert. Woran müssen wir arbeiten und wo können wir etwas austauschen, um stärker zu sein.“

„Eishockey ist eine kleine Welt“

Die DEL hat Poss auch in den 14 Jahren seiner Abwesenheit nie aus den Augen verloren. In seiner Salzburger Zeit gab es natürlich Berührungspunkte mit dem Kooperationspartner aus München. Im österreichischen TV hat er ebenfalls DEL-Spiele live sehen können und zahlreiche ehemalige DEL-Spieler tummeln sich mittlerweile dort ebenfalls in der Liga. „Eishockey ist eine kleine Welt. Es ist nicht so hart Eishockey gleichzeitig in Nordamerika und Europa zu beobachten.“

In der DEL wird er einige ehemalige Weggefährten wiedertreffen. Schon am Sonntag steht in eigener Halle das Duell gegen Straubing und damit gegen seinen Freund seit Schulzeiten, Tom Pokel, an. Brad Tapper, in Florida Assistent von Poss und bis vor knapp einem Jahr Headcoach am Seilersee, ist mittlerweile in Ingolstadt tätig.

Mentalcoach, Buchautor und noch eine App …

Seit seiner Salzburger Zeit widmete sich der dreifache Familienvater seiner Tätigkeit als Mentalcoach für Profisportler. Hier machte er sich einen Namen bei Eishockey- und Golfspielern. Im Gegensatz zu früher möchte Poss den Spielern viel Positives und einen starken Glauben an die eigene Stärke vermitteln. Die Spieler sollen keine Angst haben, dass sie nach einem Fehler nicht mehr spielen oder ihren Platz im Team verlieren. Außerdem hat er ein Buch geschrieben, das in Zukunft auch ins Deutsche übersetzt und auf den Markt gebracht werden soll, sowie Lehrvideos erstellt. Die Entwicklung einer App für die mentale Stärke von Sportlern steht ebenfalls kurz vor dem Abschluss.

In Iserlohn will er auch seinen Ansatz als Mentalcoach einfließen lassen. Eigentlich war es Poss´ Plan als „Feuerwehrmann“ erst im November oder Dezember wieder als Headcoach einzusteigen. Das Angebot nach Iserlohn zurückzukehren kam aber zum passenden Zeitpunkt. Vorstellbar ist für ihn auch ein längeres Engagement als nur bis zum Saisonende. Um das aber zu erreichen, müsse man erstmal als Feuerwehrmann erfolgreich sein, erklärt Poss.

„Wir alle haben ein gutes Netzwerk“

Seit Wochen erhoffen sich die Anhänger weitere Verstärkungen für den Kader. Zwei Importlizenzen sollen noch vergeben werden. „Momentan liegt das mehr bei Christian und Karsten. Aber natürlich sprechen wir, wenn sie einen Spielernamen nennen. Momentan liegt mein Fokus aber auf der Mannschaft, die wir hier haben. Wir alle haben ein gutes Netzwerk, jeder hat andere Kontakte und das ist ein Vorteil“, so Poss.

Positiv überrascht hat ihn nicht nur der warme Empfang der Anhängerschaft. Auch der sehr professionell aufgestellte Staff imponiert ihm. An Iserlohn selbst schätzt er die Innenstadt. Und an Europa mag er im Gegensatz zum immer sommerlichen Florida, dass es hier auch wettertechnisch vier Jahreszeiten gibt.

Seine erste Amtszeit in Iserlohn bezeichnet er als seine schönste Zeit in seiner Karriere. Und damit ist spätestens klar, dass die Roosters kein normaler Job für ihn sind. Sie sind eine Herzensangelegenheit.

Fotostrecke zum Spiel gegen Bietigheim

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Iserlohn Roosters - Bietigheim Steelers - © Sportfoto-Sale (JB)
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