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Neuss. (JR) Rund ein Viertel der Hauptrunde sind in der Deutschen Eishockey Liga absolviert. Nachfolgend ein erstes Fazit unseres Autors Jörg Reich, der sich... “Die Drittelpause”: Ein Fazit zum Saisonstart und den Baustellen der DEL – Zeit für Veränderungen?

© Sportfoto-Sale (JB)

Neuss. (JR) Rund ein Viertel der Hauptrunde sind in der Deutschen Eishockey Liga absolviert. Nachfolgend ein erstes Fazit unseres Autors Jörg Reich, der sich auch mit den Rahmenbedingungen kritisch auseinandersetzt.

Spielplan: Der Spielplan ist dicht gedrängt, 15 Mannschaften und die Olympiapause führen dazu, dass der eh schon immer anspruchsvolle Spielplan weiter aufgebläht wurde. Ungeliebte Spiele unter der Woche gehören in dieser Saison zur Normalität. Bei 15 anstatt 14 Clubs erhöht sich die Anzahl der Spieltage bei einer Doppelrunde um vier. Durch die Corona-Pandemie werden immer wieder Spiele ausfallen und verlegt werden müssen, bei diesem eng gesteckten Terminplan eine Mammutaufgabe für Verantwortliche und Clubs.

Zuschauerzahlen: Die Spiele sind überwiegend nur mäßig besucht. Corona hindert sicherlich viele Menschen daran, ins Stadion zu gehen. Spiele unter der Woche waren noch nie ein Zuschauermagnet und werden es auch nie werden. Ob es deshalb sinnvoll ist, eine solch hohe Anzahl an Spieltagen zu haben, ist fraglich. Man sollte wohl lieber auch in den nächsten Monaten und wohl auch Jahren nicht damit rechnen, die Auslastung der Zuschauerränge vor der Corona-Krise wieder zu erlangen.

Anzahl der Kontingentstellen: Die Anzahl der erlaubten Kontingentspieler blieb im Vergleich zu den Vorjahren unverändert. Neun Importspieler auf dem Spielbericht sind erlaubt, elf dürfen während einer Saison verpflichtet werden. Diese hohe Anzahl an ausländischen Spielern in der Liga verhindert den Einsatz von mehr jungen Deutschen Spielern. Eine Reduzierung ist längst überfällig, die DEL-Clubs sehen diese Notwendigkeit bisher leider nicht. Aktuell sicherlich die größte Baustelle der Liga.

U 23-Spieler: In der DEL wurde die Anzahl der auf dem Spielbericht reservierten Plätze für U 23-Spieler von zwei auf drei erhöht. In der Realität hat man den Eindruck, dass dies für die Clubs nur eine lästige Pflicht ist. Die Einsatzzeiten der meisten U 23-Spieler sind überschaubar und ausbaufähig. Eine Weiterentwicklung ist für diese Spieler kaum möglich. Förderung junger Spieler findet nach wie vor nicht statt. Selbst bei Clubs wie den Eisbären Berlin oder Red Bull München bekommen die jungen Spieler in der Regel wenig Eiszeit. Dies ändert sich nur dann, wenn die Clubs eine Vielzahl von Ausfällen zu beklagen haben. Rücken die ausgefallenen Spieler wieder ins Lineup, reduziert sich die Eiszeit der jungen Spieler sofort wieder bzw. werden sie aus dem Spieltagskader gedrängt.

Deutsche Spieler über 23 Jahren: Durch die Erhöhung der U 23-Stellen wurden Deutsche Ü 23-Spieler aus der Liga gedrängt und viele dieser Spieler spielen inzwischen in der DEL2 oder sogar der Oberliga. Ü 23-Spieler aus der DEL2 bleibt eine Rückkehr in die DEL meist verwehrt, weil es kaum Clubs in der DEL gibt, die einem 24- oder 25jährigen Deutschen aus der DEL2 verpflichten. Bestes Beispiel dafür ist Lois Spitzner von den Kassel Huskies, der längst seine Chance in der DEL bekommen müsste. 41 Scorerpunkte in der DEL2 reichten nicht für einen DEL-Vertrag.

Auf- und Abstieg: Die DEL strebt durch Auf- und Abstieg eine Rückkehr zu 14 Mannschaften an. Dies hat sich in der Vergangenheit bewährt. In der vergangenen Saison wurde der Abstieg ausgesetzt und die Liga auf 15 Teams erhöht. Durch Corona sind bisher schon einige Spiele ausgefallen und wurden verlegt, auch in den nächsten Monaten muss damit weiterhin gerechnet werden. Dies führt dazu, dass eine Wettbewerbsverzerrung stattfindet und einige Clubs bevorteilt oder benachteiligt werden. Es ist zu bezweifeln, ob es deshalb einen oder zwei Absteiger geben wird und man wird sicher darüber nachdenken, den Abstieg erneut auszusetzen. Sollten die Löwen Frankfurt aufsteigen, würde die DEL in der Saison 2022/2023 dann sogar mit 16 Mannschaften spielen.

Fazit zum Saisonstart: Die Liga hat Rückschritte gemacht. Die Zuschauerzahlen und die Corona bedingten Spielausfälle sind ein Grund, sich Sorgen machen zu müssen. Es gibt eine Vielzahl von Spielen, in denen die Clubs nur mit drei Reihen spielen. Die jungen Spieler sind oft nur Statisten und bekommen zu wenig Eiszeit, um sich weiterentwickeln zu können. Es werden weniger Deutsche Spieler über 23 Jahren eingesetzt als in den Spielzeiten zuvor. Die Scorerlisten werden dadurch noch mehr von Importspielern dominiert.

Notwendige Veränderungen für die Zukunft: Sollte die Saison 2022/2023 tatsächlich mit 16 Mannschaften stattfinden, müsste man über eine Reduzierung des Spielplans nachdenken. Es würde sich ein Spielplan mit 44 Spieltagen anbieten, Hauptrunde mit 30 Spieltagen, Endrunde(1-8) und Qualifikationsrunde(9-16) mit 14 Spieltagen und anschließenden Playoffs. Man kann nicht unbedingt damit rechnen, dass es Corona bis dahin nicht mehr geben wird und bei coronabedingten Ausfällen könnte man besser reagieren. Spieltage unter der Woche würden fast komplett entfallen.

Eine stufenweise Reduzierung der Kontingentstellen ist längst überfällig und es ist Aufgabe der DEL-Führung gemeinsam mit dem DEB, einen Stufenplan auf den Weg zu bringen. Im Konzept Powerplay 2026 ist vorgesehen, die Importstellen bis 2026 auf sechs je Club zu reduzieren. Man könnte dadurch junge Deutsche Spieler besser entwickeln, die Breite an Deutschen Spielern erhöhen und die Nationalmannschaft stärken. Das gesamte deutsche Eishockey würde davon profitieren.

Problematik: Die Führung der DEL ist über Jahre eine Konstante und es ist schwierig, längst notwendige Veränderungen herbeizuführen. Die Verantwortlichen der Liga beharren auf ihren Standpunkten. Der DEB ist ein Spielball der Liga, vermeidet jegliche Streitigkeiten mit der DEL und ist kaum in der Lage sich durchzusetzen. Dass dieser Zustand eine Weiterentwicklung des Eishockeys in Deutschland verhindert, scheint niemanden zu interessieren. Der Aufschwung des Deutschen Eishockeys ist aktuell stark gefährdet, sollte in Zukunft nicht an den richtigen Stellschrauben gedreht werden. Die Liga muss sich hinterfragen, wie sie die Zukunft gestalten möchte und wie weit sie daran interessiert ist, nicht nur ihre eigenen Befindlichkeiten zu vertreten, sondern auch das Deutsche Eishockey voranzubringen. Es ist Zeit für einen Zukunftsplan, gemeinsam DEB, DEL und DEL2.

Über „Die Drittelpause“: In der sogenannten „Drittelpause“ greifen verschiedene Autoren aktuelle Themen auf und beziehen hier klar persönlich Stellung. Hierbei wird Nebensächliches zur Hauptsache gemacht und umgekehrt. Es wird gerne überspitzt, frech und vielleicht auch manchmal einfach nur „anders“ argumentiert und kommentiert. Mal laut, mal leise, mal mit einem Augenzwinkern und mal mit dem Dampfhammer oder in Satireform. „Die Drittelpause“ ist nicht neutral und ausgeglichen, sie ist die oft persönliche Meinung des Autors / der Autorin und soll Anlass zur Diskussion bieten.

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