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Essen. (EM) Noch keine drei Monate ist der neue Essener Vorstand im Amt und schon muss er versuchen einen „Großbrand“ zu löschen. Nachdem die... Wirtschaftliche Schieflage in Essen! Moskitos verzichten auf die Oberliga und wollen in der Regionalliga an den Start gehen

Der erste Vorsitzende Thomas Böttcher – © Eh.-Mag. (U. Schmitz)

Essen. (EM) Noch keine drei Monate ist der neue Essener Vorstand im Amt und schon muss er versuchen einen „Großbrand“ zu löschen. Nachdem die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) am Mittwoch über eine erneute wirtschaftliche Schieflage der Moskitos berichtet hatte, nahm der erste Vorsitzende der Essener, Thomas Böttcher, am Donnertagabend dazu Stellung.

„Letztendlich war uns bewusst, dass wir hier mit Verbindlichkeiten zu kämpfen haben. Über die sind wir auch informiert worden. Jetzt sind in den letzten ein bis zwei Wochen Verbindlichkeiten dazu gekommen, die im sechsstelligen Bereich sind. Dann müssen wir uns als Vorstand Gedanken machen, wie wir das stemmen können. Es waren halt viele Rechnungen aus der Vergangenheit, die nicht beglichen worden sind“, so Böttcher. Und weiter: „Wir haben das mit Leuten aus dem Aufsichtsrat und der Wohnbau e.G. kommuniziert und erörtert, wie man uns weiter unterstützen und helfen kann, damit wir auch die kommende Saison entsprechend planen können.“

Böttcher zeigte sich im Gespräch über das Ausmaß überrascht. Die größten Forderungen seien unter anderem die Berufsgenossenschaft, bei der die Moskitos nach der Beitragserhöhung im Frühjahr mit einer Forderung von rund 40.000 Euro dastehen. Hinzu kämen Finanzamt, nicht regelmäßig gezahlte Krankenkassenbeiträge und viele weitere Dinge.
Schwer zu schaffen machen den Moskitos auch fehlende Sponsorengelder, die im März durch die Corona-Krise nicht mehr geflossen sind. Hier beläuft sich der Fehlbetrag auf rund 45.000 bis 48.000 Euro.

Sportlich hatten die Moskitos in den letzten Wochen ihre Planungen mit einem reduzierten Etat für die kommende Saison in der Oberliga Nord vorangetrieben. Mit Frank Petrozza übernahm ein neuer Mann die sportliche Leitung als Trainer und Manager. Verträge mit aktuell neun Spielern wurden für die Oberliga bereits abgeschlossen. Unter ihnen mit Aaron McLeod ein Importspieler aus Kanada.

Moskitos melden nicht für die Oberliga

In Abstimmung mit dem DEB und der Ligenleitung haben die Moskitos aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation keine Lizenzunterlagen für die Oberliga eingereicht und werden die Frist, die am 31.Mai endet, auch dementsprechend verstreichen lassen. In der kommenden Saison wird die Zukunft der Moskitos laut Thomas Böttcher in der Regionalliga liegen.

Ein positives Signal für die Essener ist sicherlich, dass Frank Petrozza auch in der Regionalliga an Bord bleiben wird. Er wird nun mit dem ihm vorgelegten Etat eine schlagkräftige Mannschaft für die Regionalliga aufbauen. Mit den Spielern, die bereits einen Oberligavertrag unterzeichnet hatten, sollen zeitnah Gespräche geführt werden. Verständnis äußerte Böttcher für die Spieler, die aufgrund des deutlich geringeren Etats den Weg in die Regionalliga nicht mitgehen werden. In den nächsten zwei bis drei Tagen will man hier nach den Gesprächen mit den Spielern mehr Klarheit haben.

Unter Vertrag standen bislang die Verteidiger Dennis König und Florian Spelleken, sowie die Angreifer Niklas Hildebrand, Andre Huebscher, Toni Lamers, Tom Lorer, Aaron McLeod, Thomas Richter und Enrico Saccomani.

Durch geringere Spielergehälter, Reisekosten usw. will man in der Regionalliga rund 200.000 – bis 250.000 Euro einsparen. Gespräche mit Sponsoren sollen in den kommenden Tagen ebenfalls fortgesetzt werden.

Thomas Böttcher: „Können in der Regionalliga bestehen“

Trainer Frank Petrozza – © by Sportfoto-Sale (DR)

Trotz all der aktuellen Probleme und vieler zeitintensiver Gespräche macht Thomas Böttcher den Anhängern der Stechmücken gleichzeitig Mut und zeigt sich kämpferisch: „Fakt ist, dass wir wirtschaftlich in der Regionalliga bestehen können und wir werden wirtschaftlich definitiv auch einen Kader haben, der da mitspielen kann. Wir wollen unseren Zuschauern und Fans natürlich schon guten Sport bieten. Klar ist der Sport in der Oberliga ein anderer als in der Regionalliga. Darüber brauchen wir überhaupt nicht zu diskutieren. Wir haben jetzt das Glück, dass Duisburg den selben Weg gegangen ist. Das heißt, dass wir definitiv tolle Derbys gegen Duisburg haben werden. Aber wir werden uns weiter neuformieren. Wir werden den Verein neu aufstellen und ausrichten. Die Regionalliga soll ja nur für ein, zwei Jahre die wirtschaftliche Konsolidierung des Vereins sein und den Verein auf wirtschaftlich solide Beine stellen, weil das ist in den letzten Jahren halt nicht passiert. Der Verein ist Jahr für Jahr wirtschaftlich an seine Grenzen geführt worden. Und das kann nicht sein. Wir müssen da eine Nachhaltigkeit als Vorstand schaffen. Für unsere Mitglieder, für den Nachwuchs und für unsere Nachwuchsteams. Das müssen wir in der Zukunft behutsam wieder aufbauen.“

Trotz aller Rivalität ist man sich bei den Moskitos auch über die Auswirkungen durch den Rückzug beim Revierrivalen aus Herne bewusst, dem durch die fehlenden Derbys gegen Essen und Duisburg rund 150.00 Euro verloren gehen werden.

Thomas Böttcher hofft, dass die in den letzten Jahren nicht gerade verwöhnten Fans der Moskitos weiter mit im Boot bleiben und ihren Klub weiter unterstützen. Der Vorstand werde alles dafür tun, die Moskitos in der Regionalliga auf seriöse Beine zu stellen. Die Fans, die dem Vorhaben Regionalliga skeptisch gegenüberstehen, will man mit einer jungen Mannschaft und einer hoffentlich entstehenden Euphorie wieder zurückgewinnen.

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Ein Viertel der Spielergehälter soll eingefroren werden. Wie werden wohl die Spieler reagieren?

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