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Mannheim. (GK)  Das Saisonziel der Adler 2011/12 war ein Platz unter den ersten vier in der Punktrunde und das Play-Off-Halbfinale. Nach der regulären Saison...

Dennis Endras ist die neue Nummer 1 der Adler – © by ISPFD (sportfotocenter.de)

Mannheim. (GK)  Das Saisonziel der Adler 2011/12 war ein Platz unter den ersten vier in der Punktrunde und das Play-Off-Halbfinale. Nach der regulären Saison lagen sie exakt auf Platz vier und mit dem Einzug ins DEL Finale und der Vizemeisterschaft kann man die Ziele für die abgelaufene Spielzeit als erfüllt betrachten. Doch dies ist eben nur die mathematische, objektive Sichtweise. Die Emotionen sagen etwas ganz anderes. Noch immer schwirrt die dramatische Endspielserie der Mannheimer Adler gegen die Eisbären Berlin vom Frühjahr 2012 in vielen Köpfen rum. Kein Wunder, führten die Kurpfälzer bis 14 Minuten vor Schluss in Spiel vier in der heimischen SAP-Arena bereits mit 5:2 und wären bei diesem Spielstand Deutscher Meister gewesen. Doch dann drehten die  Eisbären das Match und siegten sensationell noch mit 6:5 Toren. Damit erzwangen sie eine fünfte Partie in Berlin und feierten nach einem 3:1 Sieg ihren sechsten Titel. Mit hängenden Köpfen, tiefem Frust und sogar Tränen verließen die Adler am 24. April die Hauptstadt.

 

 

Ziele 2012/13

Die Adler tun sich ein bisschen schwer, die Ziele für die kommende Saison zu formulieren. Irgendwie befindet man sich in der Zwickmühle. Denn was sollte man als Vizemeister schon anderes sagen als die Meisterschaft. Aber das wiederum würde die Mannschaft unter Druck setzen.

Dennoch ist es allgemeiner Tenor im Adler-Lager, dass man die Eisbären angreifen will. Das Mannheimer Trainer-Gespann formulierte denn auch, dass man genauso erfolgreich wie in der vergangen Saison agieren möchte, nur eben ein Spiel mehr gewinnen möchte. Was im Klartext heißt, man will es diesmal packen und den Titel nach Mannheim holen.

Wobei die Adler-Verantwortlichen auch nicht müde werden, zu betonen, dass die Konkurrenz weitaus stärker ist als in der abgelaufene Saison. So hätten etwa Ingolstadt, Nürnberg, Hamburg und auch Köln mächtig aufgerüstet. Nimmt man alle Aussagen zusammen, kommt man auf ein etwas defensiv oder gar zurückhaltendes formuliertes: „Wir wollen den Titel – wenn dies auch ein hartes Stück Arbeit wird und kein Selbstläufer ist.“

 

Kadervergleich

Doug Janik kommt mit der Erfahrung von fast 200 NHL Spielen in die Adler-Familie – © by Media

Nachdem die Mannheimer in den vergangenen Jahren stets die halbe Mannschaft ausgetauscht hatten, machten sie es diesmal gerade umgekehrt. Den zwei Abgängen Chris Lee (Schweden) und Fred Brathwaite (Kanada) stehen nur die beiden Hochkaräter Doug Janik (Abwehr) und Dennis Endras (Tor) gegenüber. Dazu kommen die beiden Youngster Mirko Höfflin (Sturm) und Dominik Bittner (Abwehr). Beide Nachwuchscracks kommen von den Jungadlern und verbrachten nun ein bzw. zwei Lehrjahre in kanadischen Juniorenligen.

Der Weggang von Nico Dimitrakos wird hier nicht gewertet, da er erst spät während der Saison kam und meist obnehin nur auf der Tribüne saß.

 

Vergleicht man die Kader von 2011/12 mit dem von 2012/13  muss man sagen, auf dem Papier sind sie etwa gleich stark besetzt, gerade was die Ab- und Neuzugänge angeht.

Die beiden Torhüter Endras und Brathwaite geben sich von der Papierform her nichts. Chris Lee dürfte zwar als Verteidiger die bessere Offensivqualitäten besitzen als sie Doug Janik hat. Dafür bringt Doug Janik sehr gute Kritiken als Zwei-Wege-Verteidiger aus Nordamerika mit.

Zu beantworten ist jetzt nur die Frage, ob diese Papierform auch dem Praxistest standhält, also Janik und Endras wirklich in die (großen) Fußstapfen ihrer Vorgänger treten können?

 

Ob die Adler stärker sind als in der abgelaufene Saison, darüber wird ein ganz anderer Faktor entscheiden als die Zu- und Abgänge. Und dies wird der Umstand sein, ob sich zwei Gruppen von Cracks weiterentwickelt haben bzw. dies zu tun vermögen. Zu einen sind dies die vor einem Jahr nach Mannheim gewechselten, nordamerikanischen  Verteidiger Shawn Belle, Steve Wagner und Jame Sifers. Die spannende Frage ist,  können sie in ihrem zweiten Jahr in Europa ein Schippe drauflegen? Haben sie sich endgültig an die größeren Spielflächen und das etwas andere Eishockey gewöhnt?

Die andere Gruppe sind die „Talente“. Können sie einen entscheidenden Schritt nach vorne machen. Zu nennen sind hier Frank Mauer, Denis Reul, Matthias Plachta, Marc El-Sayed, Dominik Bittner und Mirko Höfflin.

Fasst man alle Aspekte zusammen, bleibt festzuhalten, ganz groß verstärkt hat sich Mannheim mit Top-Spielern nicht. Abgänge und Zugänge halten sich die Waage. Bleibt abzuwarten, ob die nordamerikanischen Verteidiger und Nachwuchscracks einen entscheidenden Schritt nach vorn machen. Gelingt dies, ist Mannheim ein starkes Kollektiv, das sehr schwer auszurechen ist und bei dem fast jeder Tore schießen kann. Bleiben alle Cracks hingegen auf ihrem Leistungsstand, dürfte Mannheim dort stehen, wo sie im vergangen Jahr waren: Hinter Berlin und auf Augenhöhe mit Ingolstadt und Hamburg, wobei die beiden letztgenannten Teams ordentlich aufgerüstet haben. Mit ihnen Schritt zu halten, wird nicht einfach werden.

 

Eine Option bzw. Hoffnung hinsichtlich namhafter Verstärkungen haben die Adler noch. Und dies wäre die Rückkehr von Jochen Hecht aus der NHL zu den Adlern.  Sollte es gar einen „Lock-Out“ in Nordamerika geben, wären sogar Dennis Seidenberg und Marcel Goc denkbare Kandidaten. Doch all dies ist (noch) Spekulation.

 

 

Prognose

Zurück in Deutschland: Mirko Höfflin © by Steve Duchesne

Wo stehen die Adler? Dies ist eine Art Millionen-Euro-Frage. Denn zurzeit vermag sie niemand so recht zu beantworten. Das Vorbereitungsturnier European Trophy war unter dem Strich ein Reinfall. Insgesamt hat man sechs Mal verloren. Und zwar gegen IFK Helsinki, Färjestad, Frölunda, (in) Ingolstadt, Zürich und Bern. Dem stehen nur zwei Siege gegenüber. Diese waren gegen Jokerit Helsinki und Zuhause gegen Ingolstadt. Wobei beide Siege erst nach Penalty-Schießen zustande kamen. Ein erfolgreiche Vorbereitung sieht anders aus. So gab es auch im Lager der Adler enttäuschte Gesichter, zumal man sich für die European Trophy viel vorgenommen hatte und in die Endrunde vorstoßen wollte. Zwar sprach Trainer Harold Kreis gerade in den letzten Spielen gegen die Teams aus der Schweiz und gegen Ingolstadt von einer deutlichen Leistungssteigerung, doch richtig zufrieden kann man mit dem Abschneiden der Adler bei der European Trophy nicht sein.

 

Stellt sich für manchen die Frage, ob der Schock von der verlorenen Endspielserie gegen Berlin doch tiefer als gedacht im Team steckt und die Mannschaft noch nicht aus der mentalen Krise herausgekommen ist? Die optimistischen und kämpferischen Aussagen der Spieler sprechen zwar dagegen, aber ein Fragezeichen bleibt.

 

Kommen wir zur entscheidenden Frage, welche Rolle werden sie in der kommenden Spielzeit einnehmen? Glaubt man dem Umfeld und den Experten, werden die Adler weder Bäume ausreißen und ein Überfliegerteam stellen, noch werden sie einbrechen und nach unten durchgereicht werden. Sie werden sich in den Top-Six einpendeln. Ob es zum große Sprung, also zum Titel reicht, bleibt abzuwarten und ist ohnehin ein wenig Glücksache, zumal die Liga in der Spitzengruppe noch enger zusammengerückt scheint. Aber das Halbfinale sollte als realistisches Ziel drin sein.

Zudem waren alle bisherigen Partien Testspiele – auch wenn die European Trophy einen besonderen Charakter hatte. Richtig ernst wird es erst am Freitagabend in Ingolstadt und am Sonntag gegen Berlin. So haben die Adler zu Beginn gleich zwei echte Top-Spiele die als Standortbestimmung zeigen werden, wo die Adler stehen. Und so könnte in Mannheim  nächste Woche grenzenloser Optimismus aber auch tiefer Katzenjammer herrschen.

 

Der größte Fehler von Cracks, Umfeld und Fans wäre ohnehin, nur noch vom Titel zu sprechen und die Bodenhaftung zu verlieren und den Blick fürs harte Arbeiten und Kämpfen zu verlieren. Denn diese Tugenden waren es, die Mannheim letztes Jahr stark gemacht haben. Und sollte diese Einstellung nicht mehr da sein, wird man sich ganz schnell auf dem harten Boden der Realität wiederfinden, die da heißt, nur mit Schönspielen, Zaubern und Tricksen alleine gewinnt Mannheim nicht. Was dieses Team stark macht, ist das körperliche Spiel, der Wille und der Einsatz.

 

Der Etat liegt unverändert bei 7,5 Millionen Euro.

 

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