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Bad Tölz. (JR) Viona Harrer ist eine ehemalige Nationaltorhüterin der Deutschen Frauennationalmannschaft. Wir haben ihr ein paar Fragen zu ihrer Karriere, zum Eishockey in... „Ich bin nach wie vor noch stark mit dem Eishockey verbunden“ – Viona Harrer, Ex-Nationaltorhütern und Nachwuchs-Torwart-Trainerin beim EC Bad Tölz, im Interview

Viona Harrer im Tölzer Trikot – © Eh.-Mag. (NE)

Bad Tölz. (JR) Viona Harrer ist eine ehemalige Nationaltorhüterin der Deutschen Frauennationalmannschaft.

Wir haben ihr ein paar Fragen zu ihrer Karriere, zum Eishockey in Bad Tölz und zum Deutschen Eishockey gestellt.

Eishockey-Magazin (EM) / Jörg Reich (JR): Hallo Frau Harrer, vielen Dank, dass wir Ihnen ein paar Fragen stellen dürfen!
Sie haben eine sehr erfolgreiche Karriere im Deutschen Eishockey gehabt. Wie geht es Ihnen aktuell?

Viona Harrer: Gut.

E-M /J. R.: Die Zeit nach der Karriere ist für jeden Sportler eine Umstellung. Wie ist Ihnen der Übergang vom Leistungssport in das „normale“ Leben gelungen?

Viona Harrer: Das war zugegebenermaßen schon sehr schwierig. Ich hatte während meiner Karriere schon zwei Studiengänge abgeschlossen und auch echt schon einige Sachen ausprobiert, aber als es dann soweit war, haben mir die Bürojobs alle nicht so richtig gut gefallen. Ich habe sehr lange gebraucht zu akzeptieren, dass ich wohl in keiner anderen beruflichen Tätigkeit nochmal die gleiche Leidenschaft und Erfüllung finden kann, wie ich es im Eishockey hatte und auch die tägliche sportliche Betätigung hat mir einfach gefehlt. Und dann bin ich auch noch Mama geworden und alles war irgendwie noch schwieriger. Jetzt bin ich Mama, arbeite Teilzeit in der Bäckerei und als Honorartrainerin für den DEB (U18 Frauen Torwarttrainerin), eine Kombination die mir sehr gut gefällt.

E-M /J. R.: Nach Ihrer aktiven Karriere haben Sie beim EC Bad Tölz mitgearbeitet, z.B. auch als Kommentatorin für Sprade TV. In wie weit sind Sie aktuell mit dem Sport bzw. mit Eishockey verbunden?

Viona Harrer: Ich bin nach wie vor schon noch stark mit dem Eishockey verbunden. Ich bin als Torwarttrainerin für den gesamten Torwart-Nachwuchs beim EC Bad Tölz und SC Reichersbeuern zuständig, dann eben auch Torwarttrainerin beim DEB und spiele selbst noch für die Frauenmannschaft des EC Bad Tölz – und ab und an ergeben sich eben auch Jobs als Kommentatorin/Moderatorin etc. im Bereich Eishockey.

Denke der Verein wird versuchen das Beste daraus zu machen und hoffentlich wieder eine engere/bessere Kooperation zwischen GmbH und Stammverein forcieren

E-M /J. R.: Die Tölzer Löwen haben einige Turbulenzen hinter sich gebracht und sind letzte Saison aus der DEL2 in die Oberliga abgestiegen. Wie haben Sie die vergangene Saison empfunden und wie stufen Sie die aktuelle Stimmung in ihrem Heimatverein ein?

Viona Harrer: Die Erste Mannschaft habe ich ehrlich gesagt in der vergangenen Saison sehr wenig verfolgt. Erst als am Ende die zwei jungen Torhüter aus dem eigenen Nachwuchs zum Einsatz kamen, die ich ausgebildet habe, hat es mich wieder interessiert. Mein persönlicher Fokus liegt schon stark auf dem Nachwuchs und ich persönlich halte die Oberliga für die bessere Liga für Tölz, aber ein Abstieg ist natürlich trotzdem immer irgendwo auch schade. Es gibt auch Argumente für die DEL2, aber wir sind nun mal abgestiegen und ich denke der Verein wird versuchen das Beste daraus zu machen und hoffentlich wieder eine engere/bessere Kooperation zwischen GmbH und Stammverein forcieren.

E-M /J. R.: Wie würden Sie aktuell die Nachwuchsarbeit beim EC Bad Tölz einstufen? Kann der Verein weiterhin viele junge Talente in den nächsten Jahren für die Oberligamannschaft entwickeln?

Viona Harrer: Ich denke schon, dass in Tölz nach wie vor gute Nachwuchsarbeit geleistet wird, auch wenn noch mehr gehen würde. Aber Vereinsarbeit ist bei den modernen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht unbedingt einfacher geworden. Wichtig wäre, dass unsere U20 wieder in die Division 1 hochkommt, sonst ist auch der Sprung zur Oberliga für die meisten Spieler zu hoch.

E-M /J. R.: Welchen Zulauf hat der Club in den ganz jungen Jahrgängen? Ist Eishockey in Bad Tölz immer noch der Volkssport Nummer eins?

Viona Harrer: Ich kenne die genauen Zahlen nicht, aber Eishockey ist definitiv nach wie vor sehr beliebt in Tölz.

E-M /J. R.: Wie schaut es mit den Mädchen in Bad Tölz aus? Welchen Anteil an Mädchen gibt es in den Nachwuchsteams beim EC Bad Tölz?

Viona Harrer: Bad Tölz ist wie ich finde ein sehr „mädchenfreundlicher“ Standort. Insgesamt ist der Anteil an Mädchen verglichen mit den Jungs natürlich nach wie vor sehr gering, aber es sind in allen Teams außer der U20 Mädchen integriert. Und ab dem Jahrgang 2009 abwärts haben wir in jedem Jahrgang 2-4 Mädchen.

Wenn in den Vereinen nicht täglich gute Arbeit geleistet wird, wird man am Ende auch international nicht voran kommen….

E-M /J. R.: Das Fraueneishockey in Deutschland hat in den vergangenen Jahren doch einige Rückschläge hinnehmen müssen. Erfahrene Spielerinnen wie Jennifer Harss oder Julia Zorn beendeten ihre Karrieren. Wie sehen Sie die Entwicklung im Deutschen Dameneishockey aktuell?

Viona Harrer: Ja momentan steht wieder ein Umbruch an. Ich sehe die Entwicklung in den letzten Jahren aber eigentlich schon positiv. Wir haben deutlich mehr Mädchen die überhaupt Eishockey spielen und teilweise auch gut ausgebildet sind. So haben einige junge Talente aus den Jahrgängen 2002 und 2003 auch den Sprung in die A-Mannschaft der Frauen schon geschafft. Und auch die Wertschätzung und Unterstützung seitens des Verbands (DEB) hat sich enorm zum Positiven verändert gegenüber meiner Zeit. Problem aus meiner Sicht bleibt nach wie vor der Baustein DFEL. Hier herrschen leider wenig professionelle Bedingungen und es ist da nicht anders wie bei den Jungs/Männern: Wenn in den Vereinen nicht täglich gute Arbeit geleistet wird, wird man am Ende auch international nicht voran kommen….

E-M /J. R.: Was könnte oder müsste man tun, damit das Fraueneishockey in Deutschland einen Aufschwung erleben würde und sich auch im internationalen Vergleich verbessert?

Viona Harrer: Einerseits müssen noch mehr Mädchen überhaupt mit dem Eishockey anfangen, um dann am Ende einen größeren Pool an Talenten erhalten zu können. Recruitingmaßnahmen wie der Girls Hockey Day und die aktive Ansprache von Mädchen müssen noch weiter forciert werden und aus Überzeugung stattfinden. Die Vereine müssen den Mädchen und Frauen das Gefühl geben, dass sie ehrlich willkommen sind und dass man sie bestmöglich fördern möchte. Es hängt immer viel davon ab, ob die Personen, die im Verein tätig sind, auch ehrliches Interesse besitzen die Mädels oder auch die Frauenmannschaft richtig gut zu fördern. Ich denke ein wichtiger Baustein ist, dass viel mehr weibliche Trainerinnen, am besten ehemalige Spielerinnen ausgebildet und auch in den Vereinen tätig werden, da sie die Problematiken des Fraueneishockeys gut kennen. Zudem könnten vom Dachverband, zum Beispiel innerhalb des 5-Sterne Programms noch bessere Anreize für die Förderung des Fraueneishockeys in den Vereinen geschaffen werden, so dass die Vereine nicht darum herum können dem Mädchen- und Frauenbereich Rahmenbedingungen zu bieten, die die weiblichen Spielerinnen besser fördern.

Viona Harrers Karriere in Zahlen

E-M /J. R.: Wie sind Sie zum Eishockey gekommen? Wird man in Bad Tölz als Mädchen auch schon fast automatisch mit dem Eishockeyvirus infiziert?

Viona Harrer: Ich habe in Rosenheim mit dem Eishockey angefangen, hauptsächlich weil mein großer Bruder schon gespielt hatte und mein Vater Trainer war. Dennoch hatte ich nie das Gefühl dort als Mädchen willkommen zu sein, aber der Sport hat mir einfach so gut gefallen, dass ich mich durchgebissen habe.

E-M /J. R.: Wie sehen Sie die Entwicklung im Deutschen Eishockey generell?

Viona Harrer: Positiv, die Medienpräsenz ist enorm gestiegen und somit auch die Begeisterung in der breiten Bevölkerung. Wir haben so viele deutsche Spieler in der NHL wie noch nie und auch die Nationalmannschaft hatte ja durchaus nennenswerte Erfolge in den letzten Jahren…

E-M /J. R.: Wenn Sie sich für das Deutsche Eishockey etwas wünschen könnten, was wäre das?

Viona Harrer: Dass die deutsche Frauennationalmannschaft irgendwann ernsthaft in der Lage ist in der Top-Division um eine Medaille mitspielen zu können.

E-M /J. R.: Frau Harrer, vielen Dank dass Sie sich Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet haben!

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