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Neuss. (EM) Die Spielzeit 21/22 wird durch die Corona-Pandemie immer mehr zur Chaos-Saison im deutschen Eishockey. Begrenzte Zuschauerkapazitäten, Geisterspiele, Spielverlegungen, kurzfristige Spielausfälle, Corona-Fälle, Quarantänemaßnahmen,... DEL Aufsichtsratschef Arnold: „Wir wollen nicht jedes Jahr einen Grund dafür finden, damit es keinen Absteiger gibt“ – DEL und DEL2 kommen an den Gesprächstisch

DEL Aufsichtsratschef Jürgen Arnold – © Citypress

Neuss. (EM) Die Spielzeit 21/22 wird durch die Corona-Pandemie immer mehr zur Chaos-Saison im deutschen Eishockey.

Begrenzte Zuschauerkapazitäten, Geisterspiele, Spielverlegungen, kurzfristige Spielausfälle, Corona-Fälle, Quarantänemaßnahmen, Spielplan-Chaos, Nachholspiele mit zum Teil sehr kleinen Kadern aufgrund von Corona: Praktisch jeder Klub hat in der laufenden Saison mit mindestens einem dieser Probleme schon zu tun gehabt.

Die Leserinnen- und Leser haben in einer Eishockey-Magazin Umfrage (Stand Sonntag, 11 Uhr) ein deutliches Votum abgegeben. Nur für gerade einmal 18% ist die laufende Saison noch fair. 70% betrachten die Saison als alles andere als fair und ausgewogen. Immerhin noch 12% sehen ebenfalls kein Fairplay mehr, würden aber am Modus, sowie an der Auf- und an der Abstiegsregelung festhalten.

DEL2 Boss Rudorisch kontert via Twitter

In den vergangenen Tagen wurden die Rufe nach Wettbewerbsverzerrung immer lauter. Unter anderem Nürnbergs Sportdirektor Stefan Ustorf und dessen Iserlohner Kollege Christian Hommel sprachen öffentlich davon den geplanten Abstieg erneut auszusetzen. Rene Rudorisch, Geschäftsführer der DEL2, konterte via Twitter in Richtung Ustorf und Hommel zurück: „Pandemie-Einflüsse zu diskutieren ist das eine. Damit die Durchlässigkeit des Sports als natürlichstes Konzept im europäischen Sport noch immer generell in Frage zu stellen, ist konzeptlos“, so der Tweet von Rudorisch. DEL-Boss Tripcke stimmte moderatere Töne an und verwies auf die gültige Vereinbarung zwischen DEL und DEL2.

In dieser Saison spielt die DEL bereits mit 15 statt 14 Teams, weil man bereits in der letzten Spielzeit den Abstieg ausgesetzt hatte und Bietigheim sich als sportlicher Aufsteiger qualifizieren konnte und zuvor auch alle Bewerbungsvoraussetzungen erbringen konnte. In dieser Spielzeit steht lediglich den Löwen Frankfurt die Möglichkeit zu von der DEL2 in die DEL aufzusteigen, da alle anderen DEL2 Klubs sich nicht beworben haben oder Fristen versäumt haben. Aus der DEL absteigen würden bei einem Aufstieg der Löwen hingegen zwei Teams, um in der DEL wieder auf die Sollstärke von 14 Teams zu kommen. Bei dieser Konstellation würde die DEL2 also zwei Zugpferde „von oben“ erhalten. Gleichzeitig gilt es allerdings auch die selbe Problematik des fairen Wettbewerbs in der DEL2 im Auge zu behalten. Der momentan Tabellenletzte Selb hat als Beispiel ebenfalls schon erheblich mit Coronafällen zu kämpfen gehabt.

Arnold bestätigt in der Augsburger Allgemeinen Gespräche mit der DEL2

Die öffentlichen Äußerungen mit den entsprechend scharfen Reaktionen auf beiden Seiten scheinen nun aber in einen gemeinsamen Dialog zu münden. Auch deshalb, um nicht noch mehr Porzellan öffentlich zwischen den Ligen zu zerschlagen. So bestätigte der DEL Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Arnold (Ingolstadt) gegenüber der Augsburger Allgemeinen, dass sich DEL und DEL2 an einen Tisch setzen wollen: „Ja, es wird ein solches Treffen geben. Ich denke, es ist absolut legitim und selbstverständlich, dass sich die beiden Ligen zusammensetzen, um über die Themen, die den sportlichen Wettbewerb betreffen, zu sprechen. Zumal in der DEL und DEL2 die Interessen ähnlich gelagert sein müssten. Wir werden jedenfalls völlig ergebnisoffen in dieses Gespräch gehen – wohlwissend, dass ein Vertrag ein Vertrag ist und wir als DEL einen solchen nicht brechen wollen.“
Und weiter zum Thema Auf- und Abstieg: „Was uns als DEL betrifft: Wir werden sicherlich intern diskutieren müssen, was die Auswirkungen für die Liga wären. Für diese Saison, aber auch vor allem in den Folgejahren.“
Was damit wohl gemeint ist: Im Interview mit der Augsburger Allgemeinen befürchtet Arnold erhebliche finanzielle Lücken bei den Klubs, weil die staatlichen Hilfen die wirtschaftlichen Sorgen nur abfedern können. Stand heute werden die staatlichen Hilfen für die Profiklubs bis Ende März zwar verlängert, aber die maximal 500.000 Euro pro Klub werden bei weitem nicht ausreichen die Einnahmeausfälle in den zuschauerstarken Standorten aufzufangen.

Zu einer möglichen Aufstockung der DEL auf 16 Teams erklärte Arnold: „Wir wollen nicht jedes Jahr einen Grund dafür finden, damit es keinen Absteiger gibt. Es kann schließlich nicht das Interesse der DEL sein, die Ligenstärke weiter anwachsen zu lassen. Unser Ziel ist es daher, einen gemeinsamen Weg mit der DEL2 zu finden – was im Übrigen bereits im vergangenen Jahr sehr gut funktioniert hat.“

>>> Zum ganzen Interview

Verkürzung der Playoffs nicht ausgeschlossen

Die DEL scheint also auf dem diplomatischen Weg das Thema Auf- und Abstieg anzugehen und in Anbetracht der steigenden Corona-Fallzahlen auf Sicht zu fahren. Spiele der in dieser Saison schon zwei Mal extrem von Corona gebeutelten Iserlohn Roosters wurden bereits in die Olympiapause verlegt. Eine Verkürzung der Playoffs, die ohnehin schon nur im Modus „best of Five“ ausgetragen werden sollen, scheint ebenfalls eine (letzte) Alternative zu sein, um Freiräume für Nachholtermine zu schaffen. DEL Geschäftsführer Gernot Tripcke unkte schon vor Tagen, dass der Liga die Spieltermine ausgehen. Fakt ist allerdings auch, dass die Belastung der Spieler, gerade nach Infektionen und trotz erfolgreichem Return to Play Protokoll, nicht grenzenlos nach oben gepusht werden kann.

Die Ligen und Klubs tun also gut daran am Gesprächstisch Augenmaß walten zu lassen und vor allem die Gesundheit der Spieler, aber auch die wirtschaftliche Gesundheit der Klubs im Auge zu haben.

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