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NHL – Schlechtes Wetter im Sonnenstaat

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New York. (LM) Vor Saisonbeginn in der NHL gehörten die Florida Panthers zum erweiterten Favoritenkreis und die Tampa Bay Lightning galten sogar als Titelkandidat. Nach mehr als der Hälfte der Saison liegen die Panthers jedoch nur auf dem elften Rang in der Eastern Conference, die Lightning sind sogar Letzer im Osten. Wo liegen die Gründe für das schlechte Abschneiden der NHL-Teams aus Florida?

Die Vorrausetzungen für eine Finalserie in der Eastern Conference zwischen den Panthers und den Lightning in dieser Saison waren gut. Florida hatte 2015/16 mit 47 Siegen und 103 Punkten neue Bestmarken in der Vereinsgeschichte gesetzt, und den Titel in der Atlantic Division gewonnen. Tampa Bay war in den Playoffs des Vorjahres erst im Ostfinale am späteren Meister aus Pittsburgh gescheitert. Ein Jahr zuvor waren die Lightning sogar bis ins Stanley Cup Finale eingezogen und am Ende Vizemeister geworden. Beide Teams konnten sich in der Sommerpause zudem auf dem Papier sehr gut verstärken.

Neuzugänge und Vertragsverlängerungen

Die Florida Panthers stellen vor der Saison nicht nur ein neues Logo vor, sie verstärkten sich auch mit einigen passenden Spielertypen. Verteidiger Keith Yandle (30 Jahre) kam von den New York Rangers und unterschrieb direkt für sieben Jahre. Außerdem konnte Jason Demers (28) als Free Agent von den Dallas Stars losgeeist werden. Die beiden erfahrenen Neuzugänge schienen eine gute Ergänzung zu den jungen Talenten Aaron Ekblad (21) und Michael Matheson (22). Ekblad unterschrieb zudem eine Vertragsverlängerung für acht Jahre und 60 Millionen Dollar. Mit einer guten Mischung aus Erfahrung und jugendlicher Energie wurde die Defensive vor Torwart Roberto Luongo verstärkt werden. Als Backup für „Luuuu“ wurde James Reimer, vorher Toronto Maple Leafs, unter Vertrag genommen.

Für die Offensive wurden die Center Jonathan Marchessault (vorher Tampa Bay) und Colton Sceviour verpflichtet. Vincent Trocheck würde für seine gute Saison 2015/16 mit einem neuen Vertrag über sechs Jahre und 28,5 Millionen belohnt. Trocheck (23), Aleksander Barkov (21), Jonathan Huberdeau (23) und Reilly Smith (25) sind das junge Gerüst einer Stürmergruppe, deren Topscorer im letzten Jahr der mittlerweile 45-jährige Jaromir Jagr war. Auch der Tscheche hatte im Mai für eine weitere Spielzeit in Florida verlängert. Auf dem Papier hatten die Panthers mit den verschiedenen Transaktionen die Schwachstellen in ihrem Kader weitgehend adressiert.

In Tampa Bay waren die Veränderungen der Mannschaft auf den ersten Blick eher kleiner. Die Stürmer Cory Conacher und Brayden Point galten eher als Ergänzungsspieler für die hinteren Reihen. Wichtig für die „Bolts“ waren aber nicht die Neuzugänge, sondern die Vertragsverlängerungen mit den eigenen Spielern. Nach einer ereignisreichen Saison mit viel Theater um einen neuen Vertrag oder einem möglichen Wechsel, und schließlich einer monatelangen Pause wegen eines Blutgerinnsels, unterschrieb Mannschaftskapitän Steven Stamkos für acht Jahre und 68 Millionen US-Dollar. Wie auch die Panthers verlängerten die Lightning daneben den Vertrag von Franchise-Verteidigers Viktor Hedman ebenfalls für acht Jahre und 63 Millionen. General Manager Steve Yzerman hatte speziell mit der Unterschrift von Stamkos so manchen Kritiker verstummen lassen, war doch in Fachkreisen befürchtet worden, dass der Stürmer Tampa Bay im Sommer z.B. in Richtung Toronto verlassen würde.

Verletzungen stoppen beide Teams

Steve Stamkos von den Tampa Bay Lightning - NHL

Steve Stamkos – © by Media

Die Freude über den Verbleib von Steven Stamkos währte in Tampa gerade eineinhalb Monate. Am 15.11. riss sich der Topstürmer im Spiel gegen die Detroit Red Wings den Meniskus. Kurz darauf wurde Stamkos operiert und der Zeitrahmen für seinen Ausfall auf 4-6 Monate geschätzt. Da Tampa aber in der Vorsaison auch mehrere Monate auf den Kapitän verzichten musste, hielt sich die Panik über den erneuten langfristigen Ausfall in Grenzen. So wie in der Vorsaison sollten Spieler wie Nikita Kucherov, Tyler Johnson, Alex Killorn, Ondrej Palat, Ryan Callahan oder Jonathan Drouin die zusätzliche Last im Angriff auf mehrere Schultern verteilen. Allein die Liste der Namen zeigt, dass Tampa sowohl in der Breite, als auch in der Klasse über einen der besten Kader in der gesamten NHL verfügt. Doch auch ein qualitativ und quantitativ guter Kader stößt bei großem Verletzungspech an seine Grenzen. Neben Stamkos fielen der Reihe nach Callahan, Kucherov, Palat, Torwart Ben Bishop, Verteidiger Anton Stralman und einige weitere Spieler aus.

Trainer Jon Cooper konnte diese Ausfälle in seiner Mannschaft nicht mehr kompensieren. Probleme zeigten sich dabei vor allem in der Defensive. Die fünfbeste Abwehr des Vorjahres rutschte ins untere Mittelfeld der NHL. Statt 2,41 Gegentoren fängt sich Tampa aktuell 2,84 Tore pro Partie, was umgerechnet in fast jedem zweiten Spiel einem Gegentreffer mehr entspricht. Die Erfolgsquote im Unterzahlspiel sank von 84 % und Platz sieben auf nur noch 80 % und Rang 21. In der Tabelle fielen die Lightning von fünf in der Eastern Conference schließlich auf den letzten Platz.

Knapp 250 Meilen südöstlich entwickelte war die Situation sogar noch schlimmer. Bereits in der Vorbereitung verletzten sich die Mittelstürmer Jonathan Huberdeau (Achillessehne) und Nick Bjugstad (Handbruch). Der finnische Flügelstürmer Jussi Jokinen hatte Ende Oktober Knieprobleme und Verteidiger Alex Petrovic brach sich Mitte November den Knöchel. Auf Platz zehn im Osten platziert, zogen die Verantwortlichen bei den Panthers die Reißleine. Trainer Gerard Gallant wurde bei einer Bilanz von 11-10-1 von seiner Aufgabe entbunden. General Manager Tom Rowe übernahm das Traineramt.

Viel verbessert hat sich seitdem in Fort Lauderdale aber nicht. Vor allem im Angriff haben die Panthers große Probleme. Nur 2,34 Tore Pro Spiel reichen gerade einmal für den 26. Platz von 30 Mannschaften in der Liga. Zeugnis der fehlenden Durchschlagskraft im Angriff ist das Überzahlspiel mit einer Erfolgsquote von nur 14,4 %. Lediglich die Detroit Red Wings sind zum aktuellen Zeitpunkt noch erfolgloser im Powerplay . Auch das Lazarett lichtete sich weiterhin nur langsam. Aleksander Barkov, zu diesem Zeitpunkt Topscorer, verletzte sich kurz vor dem Jahreswechsel am Rücken. Bezeichnend, dass „Eishockey-Opa“ Jaromir Jagr zu den Spielern mit den meisten Saisonspielen 2016/17 gehört.

Handlungsbedarf oder Geduld?

Für die beiden südlichsten Vereine der NHL wird es schwer, die Saison noch zu einem guten Ende zu führen. Die Panthers haben ihre Trumpfkarte bereits gezogen. Der Trainerwechsel ist der größtmögliche Schritt um eine Saison zu retten. Unter Tom Rowe verbesserte sich Florida jedoch nur leicht und erzielte eine Bilanz von 12-9-9. Das Resultat sollte eine Warnung für die Tampa Bay Lightning sein. Bei den Lightning ist der Kredit für Jon Cooper nach den erfolgreichen Vorjahren allerdings auch größer, als es der von Gerard Gallant bei den Panthers war.

Wichtiger als die Trainerfrage sind einige Personalien im Kader der „Bolts“. Was macht Manager Steve Yzerman mit Torwart Ben Bishop? Dessen Vertrag läuft im Sommer aus, und die Vertragsverlängerung für die Nummer 1B Andrei Vasilevski zeigt, dass der Russe als Torwart der Zukunft gesehen wird. Für Bishop könnte Yzerman durch einen Tausch vor der Trade Deadline einen kleinen Gegenwert erhalten. Sollte Tampa aber doch noch die Playoffs erreichen, dann wäre Vasilevski erstmals nicht mehr nur Backup, sondern es lastet alle Verantwortung auf seinen Schultern. Gleichwohl zeigte der Russe schon in den Eastern Conference Finals der letzten Saison eine solide Leistung und scheint bereit für den Status als Stammtorhüter. Ein weiterer Kandidat für einen Trade wäre der 32jährige Brian Boyle, der mit zwölf Toren in 48 Spielen seine beste Saison am Golf von Mexiko spielt.

Generell sollte in Tampa auf Zeit gespielt werden. Stamkos kommt bei gutem Heilungsverlauf irgendwann im März ins Team zurück. Können sich die Lightning bis dahin stabilisieren und den Abstand auf die Wildcardplätze halten, oder im besten Fall verkleinern, dann ist ein Endspurt in Richtung Playoffs nicht unrealistisch. Die Krise in Tampa kam zwar überraschend, die Ursachen liegen indessen im Zusammentreffen von Verletzungspech und Formkrisen, und nicht in tiefergründigen Problemen des Kaders. Die Vereinsführung sollte Yzerman und Cooper aufgrund der geleisteten Arbeit vertrauen und keine panischen und vorschnellen Aktivitäten erzwingen.

Am Pazifik darf ebenfalls keine Hektik ausbrechen, weil auch die Panthers für die kommenden Jahre gut aufgestellt sind. Gegenüber dem Nachbarn aus dem eigenen Bundesstaat haben die Panther für die Trade Deadline einen Vorteil. Das Team hat momentan das zweitniedrigste Budget der NHL nach den Carolina Hurricanes. Bei einem Tauschgeschäft könnte also Gehalt nach Florida wandern, ohne dass es zu Problemen mit dem Salary Cap kommen würde. Mit einer Kombination aus Draft Picks der nächsten beiden Jahre könnten vor allem die Probleme im Powerplay adressiert werden. Ein Jerome Iginla ist laut Gerüchten auf dem Markt, würde aber mit Jagr eines der ältesten Duos in der Ligageschichte bilden. Und eine Titelchance böten die Panthers dem Veteranen im Gegenzug heuer auch nicht. Für Spieler die einen großen Qualitätssprung wahrscheinlicher machen würden, müsste der junge Kern des Teams gesprengt werden. Eine Maßnahme, die sich nur lohnen würde, wenn die Florida Panthers danach ein Meisterschaftskandidat wären.

Auch für die zweite Franchise im Sunshine State ist deshalb Geduld eine wichtige Tugend. Jonathan Huberdeau hatte ein gelungenes Comeback, und das bedeutet zum ersten Mal in dieser Spielzeit, dass die Panthers den nominell besten Kader zur Verfügung haben. Mit ein wenig Glück kämpfen die Panthers und Lightning in dieser Saison doch noch direkt gegeneinander. Nur vorläufig erst einmal um den Einzug in die Playoffs und nicht um den Einzug ins Stanley Cup Finale.


Redaktion

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