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DEB-Team kann zwei Tage durchatmen – Leon Draisaitl: „Ich weiß was ich kann“ – Thomas Greiss offenbar außen vor
Leon Draisaitl

Leon Draisaitl – © by Eh.-Mag. (MK)

Köln. (MK) Er kam, sah und siegte! Beim seit Tagen heiß erwarteten Heim-Debüt von NHL-Star Leon Draisaitl in seiner Geburtsstadt Köln gewann das DEB-Team am Samstagabend vor einer erneut ausverkauften Arena mit 4:1 gegen Italien.

Damit hat das DEB-Team seine Chance auf die Viertelfinalteilnahme gewahrt. Am Dienstagabend kommt es aller Voraussicht nach damit zum „Endspiel“ um Platz vier gegen Lettland.

Trotz eines 12-stündigen Transatlantik-Fluges stand Leon Draisaitl am Samstagabend schon für Deutschland auf dem Eis. Der „Hype“ um den Shootingstar der Edmonton Oilers war schon quasi mit der Bekanntgabe seiner WM-Teilnahme ausgelöst. Und auch schon einige Stunden vor dem Spiel war an fest jeder Ecke im Arenaumlauf sein Name zu hören.

Der 21- jährige sah sein Heim-WM Debüt nach dem Spiel eher gelassen. „Ich denke es war okay. Logischerweise bin ich noch nicht bei 100 Prozent und ich weiß, dass ich noch viel mehr zu geben habe“, so Draisaitl gegenüber unserem Magazin.

Maßgeblichen Anteil am Sieg gegen die Azzurri hatte auch Yannic Seidenberg mit einem Tor und einer Beihilfe.

Yannic Seidenberg und Leon Draisaitl nach dem Sieg gegen die Italiener


Fast untergegangen ist am Samstag, dass mit Torwart Philipp Grubauer von den Washington Capitals der nächste nachnominierte NHL-Star in Köln eingetroffen ist. Er nahm gegen Italien schon auf der Bank Platz. Mit seinem ersten Einsatz ist am kommenden Dienstag durchaus zu rechnen.

Nach dem verletzungsbedingten WM-Aus von Stürmer Tobias Rieder (Arizona Coyotes / Riss des Syndesmosebandes) kann Bundestrainer Marco Sturm also auf zwei weitere NHL-Stars zurückgreifen. Sie könnten gerade gegen die Letten den entscheidenden Unterschied ausmachen.

So gesehen ist also alles „in Butter“ und angerichtet für einen spannenden Hockeyabend am Dienstag.

Thomas Greiss offenbar im wahrsten Sinne des Wortes „aus der Schusslinie genommen“

Philipp Grubauer

Torwart Philipp Grubauer – © by ISPFD

Einzig die „merkwürdig“ anmutende Nichtberücksichtigung von Thomas Greiss sorgt noch immer für Wirbel. Greiss hatte unter anderem als klare Nummer eins im Tor den hauchdünnen Auftaktsieg gegen die USA mit einer herausragenden Topleistung festgehalten. Im Spiel gegen die Slowaken wurde er leicht angeschlagen nach dem 0:1 schon nach 09:23 Minuten gegen den unsicher wirkenden Dany Aus den Birken ausgewechselt. Eine baldige Rückkehr ins Tor schien aber realistisch.

Zu gleicher Zeit sorgten allerdings einige „Likes“ von Thomas Greiss in den sozialen Netzwerken zu politisch fragwürdigen Inhalten für Schlagzeilen neben dem Eis. Nach einem Gespräch zwischen den DEB Verantwortlichen und dem Goalie wurden die „Likes“ von Thomas Greiss zurückgenommen. Die Welle der Empörung hatte da aber schon Fahrt aufgenommen. Unter anderem forderte DOSB Präsident Hörmann für den Wiederholungsfall einen Ausschluss aus dem Olympia-Team für die Olympischen Spiele 2018 in Südkorea.

DEB-Vize Marc Hindelang relativierte unter anderem gegenüber der ARD, dass Vergleiche mit Hitler in keinster Weise vom Verband toleriert werden. „Thomas Greiss ist kein Rechtsextremist, er lebt seit elf Jahren in den USA, ist mit einer Amerikanerin verheiratet und nimmt am politischen Leben teil“, so Hindelang. Er, so Hindelang, geht davon aus, dass so etwas nicht mehr passieren werde.

Thomas Greiss

Thomas Greiss – © by Eh.-Mag. (DR)

Die Wogen schienen also geglättet, allerdings rollte der „Schneeball der Empörung“ bereits mit voller Wucht durch die (Boulevard)Medien. Unruhe, die man zu diesem wichtigen Zeitpunkt so gar nicht im DEB-Tross gebrauchen kann. Andere Nationalspieler (u.a. Patrick Reimer) wollten sich entweder gar nicht zum Thema äußern oder gaben ihrem Goalie Rückendeckung.
„Ich persönlich kenne Thomas schon super lange, er ist mir nie irgendwie negativ aufgefallen. Ich finde, er hat das Recht auf seine politische Meinung. Wenn er Trump unterstützt, ist das seine Sache. Sicherlich war es unglücklich, was er geliked hat“, sagte Christian Ehrhoff gegenüber dem SID.

Sportlich schien ein Comeback von Thomas Greiss im Turnierverlauf durchaus möglich. Mit der Nominierung von Philipp Grubauer hat Bundestrainer Sturm nun mehr als eine Alternative, die Dany Aus den Birken auf internationalem WM-Niveau nicht ist. Es scheint, dass man auch aufgrund dieser Konstellation Greiss aus der Schusslinie genommen hat, um ihn selbst etwas zu schützen, aber auch um Ruhe in der wichtigsten WM-Phase zu haben. Es bleibt also nicht nur auf dem Eis spannend.

Redaktion