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Duisburg, Essen, Herne und Iserlohn: Vier ursprünglich baugleiche Heimspielstätten stehen vor riesigen Herausforderungen

Kapazität in Duisburg auf 1500 Zuschauer verringert / Essen prüft Neubau / Iserlohn möchte mit Fördermitteln sanieren

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Die Fans der Füchse Duisburg dürfen Teile ihrer Tribüne nicht mehr betreten - © by Sportfoto-Sale (DR)
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Duisburg / Essen / Herne / Iserlohn. (MK/MS) Sie waren einst schon so etwas wie Vorzeigeobjekte in der Freizeit- und Sportbranche. Die Eissporthallen in Duisburg, Essen, Herne und Iserlohn waren allesamt ursprünglich baugleich.

Alle vier Sportstätten wurden Anfang der 1970er Jahre erbaut und in Betrieb genommen. Die damalige IBACO, später zur DSGB-Eissportstätten – Betriebsgesellschaft mbH + Co. KG umfirmiert, war Erbauer und über viele Jahre auch Betreiber der Hallen.

Über den Zeitraum von mehr als fünf Jahrzehnten hat sich in und auch um die Spielstätten herum eine Menge verändert.

Sanierung der Eishalle am Essener Westbahnhof ist unwirtschaftlich / Machbarkeitsstudie zu zwei neuen Hallen wird im Herbst 2026 erwartet

So wurde die Eissporthalle in Essen, nahe dem Westbahnhof, 1972 in Betrieb genommen. Zu DEL-Zeiten wurde die Kapazität auf bis zu 5.500 Zuschauer erhöht, was aber keineswegs zu einer komfortablen Sicht auf den zusätzlichen Plätzen in den Ecken der Halle führte. Nachdem die Moskitos Essen (heutiger Nachfolgeverein sind seit Sommer 2025 die Eagles Essen-West) ihre DEL-Zugehörigkeit beendet und von diversen Finanzproblemen immer wieder ereilt worden waren, hatte sich auch dementsprechend die Zuschauerauslastung verändert. Im Zuge einer Renovierung wurde 2010 die Kapazität auf 3850 Zuschauer heruntergefahren.

Der Eingangsbereich der Eissporthalle Essen am Westbahnhof im Jahr 2007 -© Sportfoto-Sale (MK)

An der Essener Eissporthalle hat mittlerweile der Zahn der Zeit heftig genagt. Eine Sanierung der Halle gilt als unwirtschaftlich, da sie technisch und energetisch in keinster Weise mehr den Anforderungen entsprechen kann. In der Ruhr-Metropole sind die Gedanken mittlerweile schon relativ weit fortgeschritten. 2024 gab es den entsprechenden Ratsbeschluss für eine Machbarkeitsstudie. Es wird derzeit geprüft, ob im Stadtteil Frohnhausen der Bau einer neuen Eissporthalle mit zwei Eisbahnen für rund 86 Millionen Euro machbar ist. Daneben soll eine Dreifachsporthalle entstehen, um unter anderem Handball Zweitligist TuSEM eine Heimspielstätte bieten zu können, da deren Heimarena, die Sporthalle „Am Hallo“, ebenfalls schon über ihren Zenit ist. Die Kosten hierfür werden aktuell auf weitere 62 Millionen Euro geschätzt. Beide Hallen hätten jeweils eine Kapazität von 4.500 Zuschauern. Im dritten Quartal 2026 könnten konkrete Beschlüsse gefasst werden. Liefe alles „glatt“, dann könnte frühestens ab 2031 der Umzug stattfinden. Bis dahin hieße es also weiter durchzuhalten und die marode Eishalle am Westbahnhof irgendwie spielfähig zu halten.

Das Wichtigste zu den Hallenplänen in Essen im Überblick:
• Neubau einer Eishalle und Sportarena wird geprüft
• Standort: Altendorfer Straße
• Abschluss der Studie: Ende 2026

Sportarena:
• Rund 4.500 Plätze
• Barrierefreie und inklusive Nutzung
• Erstliga-tauglich für Hallensport
• Dreifachsporthalle für Training und Jugendspiele

Eissporthalle:
• Zwei Eisflächen
• 4.000 bis 4.500 Plätze
• Reine Eissportnutzung
• Moderne und energieeffiziente Planung

Herner EV betreibt die Eishalle am Gysenberg

Herner EV
Hernes Mannschaft bedankt sich bei den Fans – © by Sportfoto-Sale

In Herne am Gysenberg wurde die Eissporthalle 1971 festlich eröffnet. Der Herner EV betreibt dort Basisarbeit im Nachwuchseishockey. Die Seniorenmannschaften des HEV sind traditionell in der Oberliga oder zweiten Bundesliga (Nord) aktiv. Darüber hinaus findet in der Halle neben Eiskunstlauf und dem öffentlichen Lauf auch Schulsport statt. Seit über zwölf Jahren ist die Halle vereinseigen, da zuvor der Betreiber insolvent war und sich im Nachgang eine Einigung zwischen Insolvenzverwalter und Herner EV ergab. So löblich der Betrieb durch den Klub auch ist, so sehr stellt er den Verein mit seinen vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern auch immer wieder vor Probleme. 2019 ist es gelungen die Sitzschalen der Haupttribüne zu erneuern. Die Bande wurde erneuert, weil man die in Hamburg (Barclays-Arena, ehem. Heimstätte der HH Freezers) nicht mehr benötigten Banden erwerben konnte. Ein unerwarteter Ammoniakaustritt im Jahr 2020 hätte fast sehr schnell die Saisonplanungen über den Haufen geworfen. Im letzten Sommer wurden die Kühltürme der Halle überholt. 2024 tauchten Probleme mit dem Dach auf. Man ist ständig bemüht die Halle technisch intakt zu halten, ist aber vor bösen Überraschungen aufgrund des Alters der Halle nie auf der sicheren Seite. Ohne Unterstützung durch die Stadt geht es nicht. Die Uhr der Halle tickt auch hier unweigerlich herunter. Pläne oder zumindest Gedankenspiele zu einer weiteren größeren Sanierung oder gar einem Neubau sind zumindest öffentlich nicht bekannt.

Schock in Duisburg: Untere Baubehörde senkt die Kapazität auf 1500 Zuschauer / Halle weist einen Sanierungsstau von 26,4 Millionen Euro auf

Heftig erwischt hat es in diesen Tagen den Oberligisten Füchse Duisburg. Auch hier ist die Halle seit 1971 im Betrieb. Geradezu schockiert zeigen sich alle Eissportfreunde in der Montanstadt darüber, dass ab sofort nur noch maximal 1500 Zuschauer die Spiele der Füchse besuchen dürfen. Unbestätigten Aussagen nach soll sogar eine Kapazität von 800 Zuschauern nur angedacht gewesen sein. Teilbereiche der Halle sind nun gesperrt. Laut EVD weist die Halle einen Sanierungsstau von 26,4 Millionen Euro auf. Vornehmlich sind es der Brandschutz und technische Mängel (Kälteanlage, Licht, Lüftung usw.) die zu diesem Schritt veranlasst haben. Der Zeitpunkt schmerzt natürlich ganz besonders, da gerade um die Weihnachtszeit der Zuschauerzuspruch zunimmt. Bei den Füchsen geht man davon aus, dass es die letzte Saison in der Eissporthalle sein wird. Mittlerweile hat man der Stadt mögliche Szenarien aufgezeigt und auf Alternativen hingewiesen. So wäre eine vorübergehende Zeltlösung, wie zuletzt in Halle praktiziert, denkbar. Beschlüsse gibt es dazu aufgrund der doch sehr kurzfristigen Sperrung noch nicht. Die Zeit drängt in Duisburg aber ganz besonders.
Die Füchse selbst wollen mit möglichst vielen Zuschauern in der Halle unterstreichen, wie sehr der Eis(hockey)sport zu Duisburg gehört. Duisburg ist eben mehr als nur der MSV, KöPi und Rudersport. Ein wenig tritt sich der Fuchs dabei selbst auf den Schwanz, denn aufgrund der besonders in der Oberliga Nord weit verbreiteten ungenügenden Öffentlichkeitsarbeit des Klubs, nimmt das Thema außerhalb des Ruhrgebiets bislang kaum jemand wahr.
Man darf gespannt sein, wie es unter dem extremen Zeitdruck in Duisburg über das Saisonende hinaus weitergehen wird. Anträge müssen kurzfristig gestellt werden und dem Vernehmen nach bis Ende Januar durch den Stadtrat beschlossen und dann gestellt werden.

Hier erklärt Duisburgs Geschäftsführer die Teil-Sperrung der Tribünen

 

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Iserlohn strebt die Modernisierung der Eissporthalle mit Hilfe von Fördergeldern an

Auch am heutigen DEL-Standort Iserlohn wurde die Eissporthalle 1971 in Betrieb genommen. Von allen vier Hallen wurde hier sicherlich am meisten investiert und umgebaut.
Eine Kapazitätserhöhung und der Ausbau von V.i.P & Hospitalityplätzen wurde in den 2000ér Jahren vorgenommen. Im Rahmen der letzten Ausbaumaßnahmen wandelte man die Kopfseiten in Sitzplätze um. Dazu wurde der Kabinentrakt durch die Verlagerung des Schlittschuhverleihs vergrößert. Viel mehr ist aber auch nicht mehr möglich. In Sachen Erweiterung sind die Möglichkeiten der Halle in ihrem jetzigen Zustand so gut wie ausgereizt. Gerüchteweise diskutiert man momentan noch die Auslagerung der Büroräume, um diese Räumlichkeiten auch noch an den V.i.P-Bereich anzudocken.
Seit einigen Wochen verkauft der Klub sogar je nach Nachfrage nicht benötigte Presseplätze an Fans. Man ist wohl auf jeden Euro angewiesen, wenngleich diese Maßnahme die ohnehin mauen Sicht- und Arbeitsbedingungen für die Medienvertreter weiter verschlechtert.

Momentan darf die Eissporthalle maximal 4.967 Zuschauer fassen. Seit einigen Jahren befindet sich die Eissporthalle in den Betreiberhänden der städtischen Bädergesellschaft (Stadtwerke). Technisch hat zwar auch der Zahn der Zeit an der Halle genagt, aber trotz der bekannten Brandschutzthematik wurde der Halle 2024 noch eine gewisse „Restlaufzeit“ von circa zehn Jahren attestiert.
Allen Stakeholdern ist aber gleichzeitig bewusst, dass am Standort mit der Halle etwas passieren muss, will man die Spielstätte nicht nur erhalten, sondern auch dem letzten verbliebenen Aushängeschild der Stadt, dem DEL-Klub Iserlohn Roosters, eine mittel- bis langfristige Perspektive bieten.

Stellten Anfang November die Idee für den Antrag auf Fördermittel vor: Stehend von links: Tim König (Bäder Betriebsleiter Bädergesellschaft), Fabian Tigges (Vorsitzender des Aufsichtsrates), Sitzend von links: Reiner Timmreck (Geschäftsführer) und M.d.L. Thorsten Schick – © Regional-Stimme / Sportfoto-Sale (MK)

Seit rund einem Jahr gibt es die sogenannte Arbeitsgruppe. Bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Iserlohn, der Bädergesellschaft und den Iserlohn Roosters arbeitet sie an Ideen zum Fortbestand der Halle.
Im November 2025 gab die Bädergesellschaft bekannt, dass man beabsichtigt Fördergelder für die Sanierung von Lehrschwimmbecken und für die Sanierung der Eissporthalle innerhalb des vom deutschen Bundestag beschlossenen Wirtschaftsplan des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität zu beantragen. (wir berichteten) Der für den Antrag erforderliche Beschluss des Stadtrates wurde bereits im Dezember einstimmig gefasst. Im Januar muss der Antrag gestellt werden, um keine Fristen zu versäumen. Inhaltlich will man den Schwerpunkt Nachhaltigkeit noch in den Antrag einfügen.
Eine Machbarkeitsstudie wurde schon vor Monaten angeschoben. Auch wenn immer wieder zu hören war, dass diese Ende November vorliegen solle, so gibt es dazu bislang keine öffentlichen Informationen.
Dem Förderprogramm ist zu entnehmen, dass sich der Bund mit bis zu 45% beteiligen kann. Sollte der Antrag fristgerecht gelingen und sogar positiv vom Bund beschieden werden, dann bleibt natürlich immer noch offen, wie die restlichen 55% finanziert werden könnten. Es besteht laut Förderrichtlinie auch die Möglichkeit einen Investor mit ins Boot zu holen. Der von der Kommune aufzubringende Eigenanteil beträgt jedoch in jedem Fall mindestens zehn Prozent der zuwendungsfähigen Gesamtausgaben. Eine maximale Förderung von sogar 75% ist nur in einer Haushalts-Notlage möglich, die in Iserlohn aber wohl nicht zutrifft, da die Stadt sich in der etwas schwächeren Form der Haushaltssicherung befindet. Die aber keineswegs entspannter für den Kämmerer, die Stadt und ihre Bürger ist.

Eissporthalle Iserlohn – © Sportfoto-Sale (MK)

Sicher ist, dass Bewegung in das seit Jahren diskutierte Thema Modernisierung der Eissporthalle gekommen ist. Im Januar dürfte das Gesamtbild schon klarer werden, über welche Summen man dann spricht und ob diese auch von allen Seiten gestemmt werden können. Momentan ist die Kommunikation zu diesem Thema von allen Seiten bestenfalls auf Sparflamme, wenngleich das Thema auch den Bürgerinnen und Bürgern im Märkischen Kreis unter den Nägeln brennt.
Das Förderprogramm bietet eine kaum wiederkehrende Chance die Halle zu modernisieren. Ohne einen entsprechenden Ausbau der Kapazität dürfte das wirtschaftliche Überleben der Roosters in der höchsten Spielklasse immer schwieriger werden. Um aus dem Teufelskreislauf der begrenzten Einnahmen, verbunden mit den höchsten Mietzahlungen innerhalb der DEL, herauszukommen, benötigt der Klub dringend höhere Einnahmen. Momentan ist die Halle in der laufenden Saison bei den Roosters Heimspielen zu fast 92% ausgelastet.

2026 für Duisburg, Essen und Iserlohn richtungsweisend

Wirft man abschließend den Blick noch einmal auf alle vier Hallen in Duisburg, Essen, Herne und Iserlohn, so wird schnell klar, dass man in Essen und Iserlohn schon weiter ist und keineswegs bei Null steht. In Duisburg ist hingegen die Not nun am größten. Schnelle Hilfe und perspektivische Entscheidungen müssen dort her, um den Standort zu erhalten. Dagegen scheint man in Herne (noch) am ehesten auf der vielleicht auch trügerischen sicheren Seite zu sein. Knapp 1200 Zuschauer im Schnitt sorgen beim Tabellenvorletzten der Oberliga Nord allerdings auch für einen eher überschaubaren Zuschauerschnitt.

Der langen Geschichte der Hallen in Duisburg, Essen, Herne und Iserlohn ist zu entnehmen, dass in den Hallen nicht nur Eissport betrieben wurde. So wurden neben Länderspielen auch Events und Veranstaltungen wie Konzerte (u.a. BAP, Grönemeyer), eine Kegel-WM, die Universiade, Inlinehockey, Catchen, Boxkämpfe, Handball, Trödelmärkte oder Verkaufsveranstaltungen (Silvester) in den Hallen veranstaltet.

Alle vier Hallen gingen einst baugleich in den Betrieb, weisen heute aber im Detail doch sehr unterschiedliche Verschleißerscheinungen auf. Höhere Anforderungen in den Themen Sicherheit und Brandschutz haben den Druck erhöht. Das Jahr 2026 dürfte für Duisburg, Essen und Iserlohn ein sehr zukunftsweisendes Jahr werden.


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