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New York. (LM) Die Chicago Blackhawks haben den Stanley Cup gewonnen. Durch einen 2:0-Sieg in Spiel sechs, setzten sich die Blackhawks am Ende in...

New York. (LM) Die Chicago Blackhawks haben den Stanley Cup gewonnen. Durch einen 2:0-Sieg in Spiel sechs, setzten sich die Blackhawks am Ende in einer hochklassigen und spannenden Serie gegen die Tampa Bay Lightning mit 4:2-Siegen durch. Mit dem dritten Erfolg seit 2010 hat sich Chicago damit als das momentan dominierende Team der NHL etabliert.

 

Bettman ausnahmsweise genau auf den Punkt

NHL Commissioner Gary Bettman ist nicht immer dafür bekannt, die richtigen Worte zu finden. Doch als Bettmann gestern Nacht vor die Fans der Chicago Blackhawks trat, da sprach er aus, was große Teile der Eishockey-Welt dachten. „Ich würde sagen, Sie haben eine Dynastie,“ verkündete der 63jährige Chef der National Hockey League den 22.424 Fans im United Center in Chicago.

 

Wenige Minuten vorher endete eine der ausgeglichensten Finalserien in der Geschichte der NHL. Das 2:0 der Chicago Blackhawks war der erste Sieg einer Mannschaft im diesjährigen Finale mit mehr als einem Tor Unterschied. Zuvor hatten sich weder die Hawks, noch ihre Widersacher aus Tampa Bay einen entscheidenden Vorteil erarbeiten können. Bis Spiel sechs hatte zu keinem Zeitpunkt der Serie eines der Teams einen Zwei-Tore-Vorsprung erspielen können. Und auch im letzten Spiel der Saison war lange offen, welche der beiden Mannschaften das Spiel gewinnen würde.

 

Stamkos mit Pech und Nerven

Stürmerstar Steve Stamkos - (C) by Media

Stürmerstar Steve Stamkos – (C) by Media

So hatten die Lightning durchaus die größeren Chancen in Führung zu gehen. Doch ausgerechnet Kapitän Steven Stamkos traf – wie in der gesamten Finalserie – nicht ins Tor. Im ersten Drittel scheiterte Stamkos an der Latte, im zweiten Drittel lief er alleine auf Corey Crawford zu, doch dann hatte er nicht die Nerven um das wichtige 1:0 zu erzielen. So blieb am Ende viel Frust für Stamkos nach seiner ersten Finalserie. 26 Playoffspiele hatten die Lightning absolviert, am Ende standen Spieler und Verantwortliche mit leeren Händen da.

 

„Das war viel Eishockey. Aber irgendwie fühlt es sich an, als ob es umsonst war“, sagte Stamkos in der ersten Enttäuschung. „Man setzt so viel ein, spielt trotz vieler verschiedener Dinge, die Jungs im Team ertragen so viel“, zollte der Kapitän seinem Team viel Respekt.

 

Was genau er mit diesen Aussagen meinte, wurde wenig später bekannt. Stammtorhüter Corey Crawford gab bekannt, dass er in Spiel zwei eine Leistenverletzung erlitten hatte, und seitdem mit einem Riss der Adduktoren zwischen den Pfosten gestanden hatte[1]. Stürmer Tyler Johnson war noch schlimmer verletzt, aber auch ein gebrochenes Handgelenk hinderte den Amerikaner nicht daran, in allen sechs Partien mit seiner Reihe für Gefahr zu sorgen.

 

Duncan Keith einstimmig zum MVP gewählt

Während die Verlierer ihre Wunden pflegten, begannen für die Sieger die Feierlichkeiten. Bevor der Stanley Cup überreicht wurde, galt es jedoch noch den wertvollsten Spieler der Playoffs auszuzeichnen. Selten fiel diese Wahl deutlicher aus. Die stimmberechtigen Journalisten entschieden sich allesamt für Verteidiger Duncan Keith. Der zweiunddreißigjährige hatte in den Playoffs ein wahres Mammutprogramm absolviert. Mehr als 700 Minuten spielte Keith in dieser Endrunde, das entsprach einem Durchschnitt von 31:06 Minuten pro Partie.

 

Zusammen mit Corey Crawford im Tor und den anderen Abwehrspielern, sorgte Keith dafür, dass der gefährlichste Angriff der regulären Saison im Finale nicht zur Entfaltung kam. Nachdem Tampa in der Vorrunde im Durchschnitt mehr als drei Tore pro Spiel erzielen konnte, waren es in den Spielen vier, fünf und sechs im Stanley Cup Finale nur noch zwei Treffer insgesamt.

 

Doch nicht nur in der Verteidigung war Keith der überragende Spieler. Mit 21 Punkten in 23 Spielen konnte er auch offensiv überzeugen. In Spiel sechs setzte Keith nach einem Torschuss erfolgreich nach, und erzielte gegen Ende des Mitteldrittels das letztlich entscheidende Tor zum 1:0. Damit ist der Kanadier der zweite Verteidiger nach Bruins-Legende Bobby Orr, der den Siegtreffer im entscheidenden Spiel erzielte, und danach mit der  Conn Smythe Trophy ausgezeichnet wurde[2].

 

Dritter Cup für acht Akteure, erster und letzter für Timonen

Patrick Kane - © by Media

Patrick Kane – © by Media

Ein Merkmal einer Dynastie ist die Konstanz bei den beteiligten Akteuren. Insgesamt acht Spieler bei den Blackhawks waren bei allen drei Titelgewinnen im Kader. Die Namen Duncan Keith, Brent Seabrook, Jonathan Toews, Patrick Kane, Bryan Bickell, Patrick Sharp, Niklas Hjalmarsson, und Marian Hossa sind alle bereits doppelt auf dem Stanley Cup eingraviert.

 

Erstmals erfolgreich war der Finne Kimmo Timonen, der 2010 als Spieler der Philadelphia Flyers noch gegen die Blackhawks verloren hatte. Für den 40jährigen Verteidiger ist der Titelgewinn allerdings auch gleichzeitig der Abschied vom aktiven Eishockeysport. Timonen war überglücklich, dass er überhaupt noch einmal zurück in die NHL gefunden hatte. Der Finne war im Februar aus Philadelphia nach Chicago getauscht worden, und es war fraglich, ob Timonen jemals wieder Hockey spielen könnte. Zu Saisonbeginn waren Blutgerinnsel in der Lunge und in den Beinen des Routiniers entdeckt worden, und er musste monatelang pausieren. „Ich verlasse das Spiel als Stanley Cup Gewinner. Mehr kann ich nicht verlangen“, lautete das Fazit des überglücklichen Timonen.

 

Gute Perspektiven für Tampa Bay

Auch wenn es in den Minuten nach der letzten Sirene der Saison nicht so ausgesehen hat, die Zukunft der Tampa Bay Lightning ist aktuell klar und vielversprechend. Während die Spieler verweint, ausgepumpt, angeschlagen und stumm in ihrer Kabine saßen, schaute Trainer Jon Cooper bereits wieder voraus. „Unser Ziel ist erneut hierher (ins Finale) zurückzukehren. Ich freue mich auf September“, teilte „Coach Coop“ den Medien mit.

 

Der Kern der Mannschaft um Stamkos (25), die „Triplets“ Tyler Johnson (24), Nikita Kucherov (21) und Ondrej Palat (24), Verteidiger Victor Hedman (28) und die beiden Torhüter Bishop (28) und Andrei Vasilevskiy (20) ist jung und unter Vertrag. Mit der Erfahrung aus diesen Playoffs sind die Lightning in den nächsten Jahren bestens aufgestellt, um jede Saison ein Anwärter auf den Titelgewinn in der NHL zu sein.

 

Viel Arbeit für das Management der Blackhawks

Während der Gegner keine Probleme haben sollte, den aktuellen Kader im Budget des Salary Cap 2015/16 unterzubringen, sind beim Meister – zum wiederholten Mal – Umbauarbeiten angesagt. Wie schon nach dem „ersten“ Titelgewinn 2010 (und teilweise 2013) muss Manager Stan Bowman den Kader der Blackhawks ausdünnen und eventuell einige der Meisterspieler abgeben. Die Gehaltsobergrenze der NHL macht es schlichtweg unmöglich alle Champions erneut unter Vertrag zu nehmen. Das Bowman dieses Kunststück gelingen kann, zeigte er bereits in den letzten Jahren, gut möglich, dass sich Tampa und Chicago demnächst erneut im Finale begegnen.

 

Feiern wie seit 77 Jahren nicht mehr

Die Zukunft interessierte aber am Ende des Abends im United Center allerdings niemanden mehr. Viel zu sehr waren die Spieler und Verantwortlichen damit beschäftigt, das hier und jetzt mit den Mannschaftskameraden und Familien und Freunden zu genießen. Die große Party auf dem Eis wurde dabei von den mehr als 22.000 Fans auf den Tribünen kräftig unterstützt. Immer wieder reckten die Spieler den Stanley Cup in die Höhe. Immer wieder feierten die Anhänger ihre Idole.

 

Und auch außerhalb der Halle dürften die Feierlichkeiten noch lange weitergegangen sein. Schließlich hatten die Blackhawks letztmals 1938 den Stanley Cup auf eigenem Eis gewonnen. Seitdem hat die NHL einige Dynastien kommen und gehen sehen. Die aktuellste zieht jetzt in Illinois ihre Kreise auf dem Eis.

 

[1] In Spiel 4 hatte Andrei Vasilevskiy Bishop vertreten.

[2] Bobby Orr gelang diese Leistung sogar zweimal 1970 und 1972 für die Boston Bruins.

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