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Schwenningen. (JR) Alexander Weiß ist inzwischen 34 Jahre alt und spielt bei seinem Heimatverein den Schwenninger Wild Wings in der DEL. Weitere Stationen in... Wild Wings Stürmer Alexander Weiß im Interview: „Die DEL-Clubs sollten die Kontingentstellen reduzieren“

Alexander Weiss – © Sportfoto-Sale (DR)

Schwenningen. (JR) Alexander Weiß ist inzwischen 34 Jahre alt und spielt bei seinem Heimatverein den Schwenninger Wild Wings in der DEL.

Weitere Stationen in seiner DEL-Karriere waren Eisbären Berlin, Kölner Haie und Grizzly Wolfsburg. Besonders erfreulich für ihn ist es, dass er in Schwenningen die Möglichkeit bekommen hat, gemeinsam mit seinem Bruder Daniel zu spielen. Die Weiß-Brüder geben den Wild Wings ein Gesicht und es ist zu wünschen, dass die beiden noch einige Jahre gemeinsam bei den Schwarzwäldern spielen können. Wir haben ihm ein paar Fragen zu ihm, den Schwenninger Wild Wings und dem gesamten Deutschen Eishockey gestellt.

Eishockey-Magazin (EM) / Jörg Reich (JR): Hallo Herr Weiß, vielen Dank, dass wir Ihnen ein paar Fragen stellen dürfen!
Die Schwenninger Wild Wings hatten einen gelungenen Saisonstart und sind aktuell mittendrin im Kampf um einen Playoff-Platz. Auch auf dem Papier verfügen die Wild Wings über einen starken Kader, der von der Qualität her sicherlich zu Recht da steht, wo er derzeit steht. Sind Sie zufrieden, wie die Saison bisher gelaufen ist, aus Sicht des Teams und auch aus ihrer persönlichen Sicht?
Alexander Weiß: Ja wir können sehr zufrieden sein mit dem bisherigen Saisonverlauf. Wir haben noch alle Möglichkeiten die Playoffs zu erreichen. Es wird sicherlich nicht einfach werden, aber wenn wir auf die bisherigen Leistungen aufbauen und diese bestätigen, haben wir auf jeden Fall eine realistische Chance in die Playoffs zu kommen. Wir haben diese Saison eine starke Truppe zusammen, die in jedem Spiel eine Chance hat das Eis als Sieger zu verlassen.

(EM) / (JR): Sie haben ihre DEL-Karriere bei den Eisbären Berlin begonnen und haben schon im Nachwuchs bei den Eisbären Juniors gespielt. Über die Eisbären Juniors in der Oberliga haben Sie dann den Sprung in die DEL geschafft und haben dort auch gemeinsam mit Ihrem Bruder Daniel gespielt. War die Zeit bei den Eisbären die für Sie schönste Zeit ihrer Karriere, neben der Zeit bei den Wild Wings natürlich? Oder wie würden Sie ihre Stationen in der DEL so einordnen?
Alexander Weiß: Die Zeit bei den Eisbären war die schönste Zeit meiner Karriere. In einem Team zusammen mit meinem Bruder Daniel zu spielen, war natürlich wunderbar und gemeinsam die vielen Erfolge mit den Eisbären zu feiern, das war schon wirklich toll. Natürlich genieße ich jetzt auch die Zeit bei den Wild Wings. Jetzt nochmal gemeinsam mit meinem Bruder in Schwenningen und in der Nähe unserer Familie zu spielen, das ist für uns beide auch etwas ganz Besonderes.

Alexander Weiss im Kölner Trikot- © by ISPFD

(EM) / (JR): Die Saison 2020/2021 stellt das Deutsche Eishockey vor große Herausforderungen. Die DEL begann die Saison mit einer zweimonatigen Verspätung und einem angepassten Modus ohne Fans in den Arenen? Wie fühlt es sich an in leeren Hallen zu spielen und wie sehen Sie als Spieler diesen in zwei regionalen Gruppen geteilten Modus?
Alexander Weiß: Es ist natürlich schon sehr gewöhnungsbedürftig vor leeren Rängen zu spielen und die Fans fehlen uns unheimlich. Vor allem in Spielen, in denen das Ergebnis eng ist, würden uns die Fans am Ende das eine oder andere mal zum Sieg puschen. Das alles fehlt diese Saison leider. Aufgrund der Situation mit Corona musste sich die DEL einen alternativen Modus einfallen lassen. Unter den aktuellen Umständen wurde damit wohl eine ganz gute Lösung gefunden.

(EM) / (JR): Die Spieler haben mit großen Zugeständnissen mit dafür gesorgt, dass es überhaupt eine Saison 2020/2021 geben konnte. Die nächste große Herausforderung wird die Planung der Saison 2021/2022 sein. Eines dürfte wohl jetzt schon klar sein, Gehaltseinbußen im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit wird es weiterhin geben müssen. Ist das den Spielern bewusst?
Alexander Weiß: Ja sicherlich werden die Spieler auch nächste Saison nicht das verdienen können, wie vor der Corona-Pandemie. Ich denke, das müsste allen klar sein.

(EM) / (JR): Mit dem Gehaltsverzicht haben die Spieler ihr Verständnis für die aktuelle Situation in den Clubs gezeigt. Ohne dies, würde es diese Saison kein Profieishockey in Deutschland geben. Obwohl es diese Saison keinen Abstieg aus den Ligen gibt, haben die Clubs der DEL viele Spieler nachverpflichtet, vor allem Kontingentspieler. Oftmals waren diese Nachverpflichtungen nicht zwingend erforderlich und es hätte die Möglichkeit gegeben, dafür jungen Spielern eine Chance zu geben. Auf der einen Seite Gehaltsverzicht, auf der anderen Seite Nachverpflichtungen. Wie sehen Sie das als Spieler?
Alexander Weiß: Das ist sicherlich ein schwieriges Thema. Auf der einen Seite wollen die Spieler mit ihren Clubs erfolgreich sein und wenn dann eine Nachverpflichtung Sinn macht, akzeptieren das die Spieler auch. Es gibt natürlich auch Fälle, in denen Nachverpflichtungen nicht unbedingt notwendig waren und da kann man sich schon seine Gedanken darüber machen. Darüber wird durchaus kontrovers diskutiert.

(EM) / (JR): Haben die Clubs der DEL eine Chance verpasst, diese Corona bedingte Situation weiter für das Deutsche Eishockey zu nutzen und mehr junge Spieler in die Teams einzubauen?
Alexander Weiß: Auf jeden Fall hätte es die Möglichkeit gegeben, mehr junge Spieler in die Teams einzubauen. Auch bei uns trainieren immer wieder junge Spieler mit. Es gab ja auch einige, die in ihren Teams eingesetzt wurden. Richtig gewesen wäre es aber, hätte man noch mehr auf junge Deutsche Spieler gesetzt.

(EM) / (JR): Die DEL sieht derzeit eine Selbstbeschränkung an Kontingentspielern von 9+2 vor. Wäre es inzwischen nicht angebracht, diese Anzahl an erlaubten Kontingentspieler zu verringern, damit mehr junge Deutsche Spieler die Möglichkeit bekommen in der DEL Fuß zu fassen? Wären sechs Kontingentspieler je Club nicht genug?
Sehe ich auch so. Die DEL-Clubs sollten die Kontingentstellen reduzieren und ich hoffe, dass in den Clubs die Bereitschaft dafür inzwischen vorhanden ist und in nächster Zeit eine Reduzierung erfolgt. Sechs oder sieben starke Kontingentspieler würden ausreichen. Dies würde mehr jungen deutschen Spielern die Möglichkeit geben, in der DEL zu spielen und es würde zugleich auch das gesamte deutsche Eishockey stärken, auch die Nationalmannschaft.

Alexander Weiss – © Sportfoto-Sale (JB)

Eishockey Magazin (EM) / Jörg Reich (JR): Die Nachwuchsarbeit hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert und es gibt eine viel größere Anzahl an jungen talentierten Spielern als früher. Ist das für Sie als erfahrenen DEL-Spieler auch erkennbar?
Alexander Weiß: Ja absolut, man sieht schon deutlich, dass es mehr junge technisch gut ausgebildete und schnelle Spieler gibt. Die Ausbildung der Spieler in Deutschland hat sich in den letzten Jahren schon sehr verbessert.

(EM) / (JR): Eine Reduzierung der Kontingentspieler, dafür ein vermehrter Einbau junger Spieler in die Teams. Wäre das nicht auch der richtige Weg, neben einem moderaten Gehaltsverzicht der Spieler, die Kosten der Spielerkader zu senken und zugleich das deutsche Eishockey weiter zu fördern?
Alexander Weiß: Ich denke schon, dass man dadurch auch die Kosten reduzieren kann, da die Kontingentspieler doch meist zu den Topverdienern eines Clubs gehören. Sechs bis sieben Kontingentspieler und dafür mehr junge Deutsche Spieler, damit könnte man aus meiner Sicht schon die Kosten senken.

(EM) / (JR): In der Schweiz ist geplant die Anzahl der Kontingentspieler von vier auf sieben je Club zu erhöhen, unter gewissen Voraussetzungen. Diese geplante Erhöhung stößt auf großen Widerstand des Schweizer Eishockeyverbandes und der Schweizer Eishockeyspieler, so dass es wohl kaum dazu kommen dürfte. In Deutschland scheinen weder der Verband noch die deutschen Spieler, sich in stärkerem Maße für eine Reduzierung der Kontingentstellen einzusetzen. Können Sie uns erklären, warum es hier kein größeres Bestreben gibt an dem derzeitigen Status etwas zu ändern?
Alexander Weiß: Ich habe die Aktion der Schweizer Spieler mitbekommen, als alle Spieler gemeinsam das Eis verließen. Das ist schon bemerkenswert, wie die Spieler hier zusammengestanden sind. Für die Schweizer Spieler und das Schweizer Eishockey hoffe ich natürlich, dass sie mit ihrem Widerstand Erfolg haben und somit langfristigen Schaden für das Schweizer Eishockey abwenden können. Auch in Deutschland wird über das Thema Anzahl der Kontingentspieler viel diskutiert, aber irgendwie fehlt den Spielern bisher der Mut, diese Problematik auch öffentlich anzusprechen.

(EM) / (JR): Mit der Gründung der Spielervereinigung gibt es einen Zusammenschluss der Spieler in Deutschland. Sollte sich die Spielervereinigung nicht auch dafür einsetzen, mit den Clubs ins Gespräch zu kommen, um das Thema Reduzierung der Kontingentstellen anzugehen? Wenn sich erfahrene Spieler zusammenschließen und mit einer gemeinsamen Stimme sprechen, dann müsste dies doch auch bei den Clubs Gehör finden?
Alexander Weiß: Ich gehe davon aus, dass die Spielervereinigung mit den Clubs in nächster Zeit dieses Thema diskutieren wird und wir uns als SVE für eine Reduzierung der Kontingentstellen einsetzen werden. Es gibt genügend erfahrene Deutsche Spieler, die sich hier zusammenschließen können und auch auf die DEL-Clubs gemeinsam zugehen können. Es ist ganz klar ein Thema, das behandelt werden muss, um das Deutsche Eishockey weiter zu stärken. Dies alles auch im Sinne einer starken Nationalmannschaft.

(EM) / (JR): Sie sind inzwischen 34 Jahre alt. Gibt es bei Ihnen schon konkrete Überlegungen, was Sie nach Ihrer Karriere machen werden? Bleiben Sie dem Eishockey erhalten, evtl. als Trainer?
Alexander Weiß: Zunächst einmal möchte ich noch ein bis zwei Jahre in der DEL spielen. Dann wird man sehen, wohin mein Weg mich führen wird. Ich denke schon, dass ich dem Eishockey erhalten bleibe. Durchaus vorstellen könnte ich mir als Trainer zu arbeiten oder auch nach Abschluss meiner aktiven Karriere, als Schiedsrichter in der DEL zu pfeifen, sofern hier Bedarf besteht.

(EM) / (JR): Herr Weiß, vielen Dank dass Sie sich Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet haben!

(Jörg Reich)

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Angenommen, es wäre wieder möglich, die Spiele im Stadion zu besuchen. Die Bedingung dafür wäre jedoch das Vorweisen einer erfolgten Corona-Impfung. Würdest Du zu den Spielen kommen?

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