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Iserlohn. (MS) „Wir wollen zukünftig häufiger in den Playoffs vertreten sein, als nicht in den Playoffs“, so die Aussage von Klubchef Brück vor etwas...

Iserlohn. (MS) „Wir wollen zukünftig häufiger in den Playoffs vertreten sein, als nicht in den Playoffs“, so die Aussage von Klubchef Brück vor etwas mehr als einem Jahr. In der vergangenen Saison hat man dieses Ziel zumindest schon mal in die Tat umgesetzt. Allerdings war in den Pre-Playoffs dann auch gleich gegen den Westrivalen DEG Metro Stars Schluss mit Lustig. Mit 1:4 und 4:7 setzte sich die DEG in zwei Spielen durch.

 

Dem sportlich schnellen Saisonende schloss sich eine zähe Sommerpause an. Appetit auf die neue Saison wurde den Anhängern kaum gemacht. Stattdessen kamen die Sauerländer nach ihrer alljährlichen Jahreshauptversammlung ins Gerede. Plötzlich schrillten bei den Anhängern die Alarmglocken. Ein  publik gewordenes Minus in der Jahresbilanz, ein eingeschlagener Sparkurs mit jungen Spielern und Neuverpflichtungen, die eher unbekannt und von vielen als DEL untauglich befunden wurden, ließen bei vielen so gar nichts Gutes erahnen.

 

Vergleicht man die Situation vor einem Jahr mit der Ausgangslage vor der neuen Saison, dann muss selbst der geneigte Beobachter sich etwas verwundert die Augen reiben. Wurde vor einem Jahr stark auf erfahrene Routiniers mit möglichst viel NHL Erfahrung gesetzt, so erlebt man in diesem Jahr eine krasse Kehrtwende in der Personalpolitik. Orendorz, Ortwein, Demuth, Kahle, Nikiforuk, Rogers, Tomassoni, Tepper und Fischhaber heißen die Neuen und größtenteils unbeschriebenen neuen Gesichter im Roostersteam 2012/2013. Zwei eigentlich noch zu besetzende Kontingentstellen bleiben zumindest vorerst aus Kostengründen unbesetzt. Auch das war vor einem Jahr noch anders.

Nachdenklicher Blick bei Doug Mason. Seine Roosters stehen vor einer schweren Saison – © by Eishockey-Magazin (JB)

 

Trainer Doug Mason hatte zum Trainingsauftakt geäußert, dass er sich eine Verjüngung im Kader gewünscht habe. Ob man diese mit gleich sechs nahezu völlig DEL unerfahrenen Spielern vollziehen muss? Im gleichen Atemzug mahnte er auch öffentlich völlig berechtigt die geringe Kadertiefe an.

In Iserlohn soll auch in Zukunft der Leitsatz Gültigkeit haben nicht mehr Geld auszugeben, als eingenommen wird. Kurzum: Was man nicht hat, kann man auch nicht investieren. Warum aber können die Roosters aktuell nicht so nachrüsten, wie es sich viele wünschen? Es ist nach wie vor Spekulation, ob es an der negativen Gesamtbilanz oder am Rückzug von Sponsoren liegt? Die Posse um die Weiterverpflichtung von Lasse Kopitz gab den Spekulationen zusätzlich Rückenwind. Der Verteidiger ist mit der Tochter von Gesellschafter Georg Böhm verheiratet, bekam nach Saisonende kein Vertragsangebot mehr und wurde letztendlich im Juli doch wieder verpflichtet. Nicht ganz ohne Druck des Schwiegervaters, wie viele meinen zu wissen. Lasse Kopitz kann man übrigens keinerlei Vorwurf machen. Er hat sich zu seiner Situation, zumindest öffentlich, zurückgehalten.

 

Das Saisonziel lautet natürlich Teilnahme an den (Pre)Playoffs. Ein anderes Ziel kann man auch in der aktuellen Situation der Roosters kaum ausgeben, schließlich kann ja niemand aus der Liga sportlich absteigen.

 

Der Kader

Im Tor kann sich Doug Mason auch weiterhin über die Dienste des in der letzten Saison wohl besten DEL Torhüters freuen. Sébastien Caron ist nach seinem NHL Ausflug zu den Tampa Bay Lightning wieder zurück am Seilersee. Seine Topleistungen werden in der neuen Saison sicherlich mehr denn je von Nöten sein. Hinter ihm wird weiterhin der trainingsfleißige Tim Siekmann Platzhalter sein.

 

In der Abwehr hat sich Rekordspieler Collin Danielsmeier bereit erklärt auch als „Halbprofi“ weiterzumachen. Derek Peltier und Mark Ardelan wurden ebenfalls gehalten. Der eigentlich schon verabschiedete Lasse Kopitz bekam nach reiflichen Überlegungen doch noch einen Vertrag. Nachwuchsmann Dieter Orendorz soll in diesem Jahr und seinen Lehrjahren im Dortmunder Oberligateam eine „echte“ Chance in der DEL erhalten. Aus Italien verpflichtete man Brandon Rogers, der über AHL Erfahrung verfügt und einen deutschen Pass besitzt. Komplettiert wird die Abwehr mit dem Youngster Mike Ortwein.

Auf den Schultern von Sébastien Caron ruhen wieder große Hoffnungen in der Iserlohner Abwehr – © by Eishockey-Magazin (JB)

 

Im Sturm bleibt die bewährte Topreihe um Kapitän Robert Hock, Torjäger Michael Wolf und Arbeitsbiene Jeff Giuliano. Mit Tobias Wörle, „Kämpferherz“ Christian Hommel, Thomas Holzmann und dem wieder gesunden Mike York blieben vier weitere Eckpfeiler der letztjährigen Mannschaft am Seilersee. DEL-Erfahrungen bringen der Ex-Nürnberger Simon Fischhaber, der ehemalige Krefelder Marvin Tepper  und der frühere Wolfsburger Alex Nikiforuk mit, den man aus dem italienischen Pustertal verpflichtete. Der kleine kanadische Wirbelwind soll in die Rolle eines weiteren Torjägers hineinwachsen.  Dustin Demuth und der sehr talentierte Marcel Kahle werden am Seilersee erste Erfahrungen im Seniorenbereich sammeln. Sie kamen aus Duisburg bzw. dem Düsseldorfer DNL-Team.

 

Trainer Doug Mason hat einen neuen Co-Trainer an seine Seite bekommen. Jaris Pasanen will den Job von Vorgänger Bernd Haake zumindest bis zum Jahresende ausfüllen. Man darf gespannt sein, wie das Gespann Mason/Pasanen harmonieren wird. Für Pasanen sind die Roosters so etwas wie ein Neuanfang, nachdem er bei seinen vorigen Stationen Schweinfurt, Schwenningen und Essen im Nachgang für viel Unmut gesorgt hatte.

 

Aktuell sind die Personalplanungen der Roosters abgeschlossen. Der Kader genießt das Vertrauen der Verantwortlichen.

 

Prognose:

Zurück im Geschäft: Jari Pasanen wird den Co-Trainerposten bei den Roosters bekleiden – © by Eishockey-Magazin (DR)

Waren die Roosters vor einem Jahr noch ein regelrechter Geheimtipp, so wollen in diesem Jahr selbst die größten Optimisten am Seilersee nicht an eine reelle Playoff-Chance glauben. Dem Kader fehlt es an Tiefe. Die Youngster Demuth, Kahle und Ortwein können eigentlich nicht mit einigen wenigen Vorbereitungsspielen im Gepäck ins eiskalte DEL-Wasser geworfen werden. Die Idee sie beim Kooperationspartner Moskitos Essen in der Oberliga Erfahrungen sammeln zu lassen, wäre für ihre mittelfristige Entwicklung besser und realistischer, ist aber aufgrund des Sparkurses offensichtlich nicht möglich.

Auf den Leistungsträgern Caron, Wolf, Hock, Giuliano und York werden die Hoffnungen ruhen. Aufgrund der Kadergröße werden die erfahrenen und zum Teil in die Jahre gekommenen Leitwölfe voraussichtlich spätestens mit den ersten Schneeflocken im Sauerland ebenso ausgepowert sein, wie die jungen Spieler verheizt.

Mit dem aktuell eingeschlagenen Sparkurs und dem auf die Beine gestellten Kader wagen die Roosters einen Ritt auf der Rasierklinge. Caron, Wolf, Giuliano und York bürgen für höchste DEL Qualität, können aber auch keine Spiele im Alleingang gewinnen. Kann so etwas wirklich gut gehen? Nein, eigentlich nicht. Es sei denn, man findet noch entsprechende Geldgeber, die bereit sind zwei mehr als DEL-taugliche Stürmer zu finanzieren. Damit könnten Qualität und Quantität des Kaders deutlich angehoben werden. Gäbe es einen sportlichen Abstieg, dann müsste das Saisonziel einzig und allein Klassenerhalt lauten.

Nicht völlig unwichtig auf den Start bezogen ist auch die Tatsache, dass man als einer der letzten DEL Klubs die Vorbereitung antrat.

Eine „ewige“ Baustelle ist die Außendarstellung der Roosters. Rief man noch zu Begin des Jahres vor laufenden TV Kameras einen Dreijahresplan aus, so wurde dieser nie öffentlich mit Leben erfüllt. Auch wurden die Fans bis heute nicht klipp und klar auf den eingeschlagenen Sparkurs eingeschworen. Man hat schlicht und ergreifend vergessen die Fans „mitzunehmen“. Für einen Klub wie Iserlohn, der gerade von der Nähe zu den Fans „lebt“, ist das ein böser Schnitzer. Man darf gespannt sein, wie die Stimmungslage während einer Negativserie aussehen wird. Im schlimmsten Fall wird der Fan mit den Füßen abstimmen und den Spielen fern bleiben.

Das letzte Wochenende mit den Testspielen gegen die Ligarivalen Düsseldorf und Wolfsburg lässt nichts Gutes erahnen. Neun Gegentore in zwei Spielen sind schon happig. Letztendlich sind Testspiele aber auch oft Spiele ohne viel Aussagekraft für den Saisonverlauf.

Zum jetzigen Zeitpunkt muss niemand in Panik verfallen. In Ansätzen konnte man eine durchaus gute Abwehrarbeit erkennen. Brandon Rogers könnte hier ein Hoffnungsträger werden. Auch haben die drei DNL-Youngster (Ortwein, Kahle, Demuth) ihr Talent schon unter Beweis stellen können. Noch kann man einiges korrigieren, aber man darf auch nicht die Augen vor der fehlenden Quantität verschließen. Gelingt es Doug Mason die richtige Mischung in der Reihenzusammensetzung zu finden, dann  kann er zumindest drei gute Blöcke aufbieten. Viel schwieriger dürfte es werden den drei Youngstern Eiszeit zu geben ohne sie zu verheizen. Zwangsläufig auftretende Verletzungen und Sperren werden dafür sorgen, dass gerade dieses nur sehr schwer zu schaffen sein wird.

In der Beziehung zwischen Roosters und Fans steckt zudem viel Zündstoff.

 

Wenn man aus allem Negativen etwas Positives herausziehen will, dann die Tatsache, dass sportlich niemand etwas von den Roosters erwartet. So gesehen, kann das Team also nur gewinnen. Vielleicht ja doch häufiger, als es viele (den Autor dieses Artikel einbezogen) im Moment für möglich halten. Jedes Spiel muss schließlich erst einmal gespielt werden.

 

Lesen Sie am Donnerstag den Teamcheck zur Düsseldorfer EG

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