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Stuttgart. (PM SEC) Stolz tragen die Spieler einer Mannschaft den Namen ihres Vereins auf der Brust. Was in allen Mannschaftssportarten gilt, gilt auch beim... Stuttgart: Ein Trikot, das verbindet – Gemeinsam die Herausforderungen der Corona-Zeit meistern

Trikotübergabe mit Thomas Muth und Dr. Christian Ballarin
– © Mario Vrban

Stuttgart. (PM SEC) Stolz tragen die Spieler einer Mannschaft den Namen ihres Vereins auf der Brust. Was in allen Mannschaftssportarten gilt, gilt auch beim Eishockey: die Zugehörigkeit zur Mannschaft verkörpert Stärke, schafft Identität.

Den Namen des Gegners auf das Trikot schreiben: eigentlich undenkbar. Doch wer genau auf das Trikot der Heilbronner Eisbären schaut, findet dort auch den Ligakonkurrenten aus Stuttgart. Ein Zeichen für die Verbundenheit in der gemeinsamen Sportart und auch die Folge von zwei Jahren, die für beide Vereine alles andere als normal waren.

Das Zusammentreffen der Heilbronner Eisbären mit den Stuttgart Rebels in der Regionalliga Süd-West verspricht nicht nur ein spannendes Match auf dem Eis. So möchte Sven Breiter, Vorstandsmitglied des Heilbronner Eishockeyclubs und aktiver Spieler der Eisbären, auch die Gelegenheit nutzen, um mit der Übergabe eines Trikots ein kleines Dankeschön an die Stuttgarter Kollegen zu überbringen und eine außergewöhnliche Aktion zu Ende zu bringen.

Um die Geschichte des Trikots zu verstehen, muss man im Kalender knapp zwei Jahre zurückgehen. Im März 2020 kam Corona mit voller Macht nach Deutschland und brachte den Spielbetrieb nicht nur im baden-württembergischen Eishockey zum Erliegen. Dabei traf es gerade die Wintersportarten besonders hart: Die laufende Saison wurde abgebrochen und als dann im Herbst 2020 die nächste Saison anstand, beendete die zweite Welle diese, bevor sie richtig angefangen hatte. Das Ganze ging nicht spurlos an den Vereinen vorbei.

In Heilbronn machte sich Corona vor allem auf dem Vereinskonto bemerkbar – mit tiefroten Zahlen. „Durch den Abbruch des Spielbetriebs und den Lockdown sind uns nahezu alle Einnahmen über Nacht weggebrochen: keine Spiele, kein Eislaufen, keine Einnahmen“, fasst Sven Breiter die Situation zusammen: „Geblieben sind jedoch die Kosten insbesondere für Personal und Miete der vereinseigenen Eishalle, die nur teilweise durch staatliche Hilfsprogramme aufgefangen wurden.“ Das Ergebnis des Kassensturzes im Herbst 2020 war ernüchternd: der Verein stand kurz vor der Pleite, es fehlte ein sechsstelliger Betrag. Während man sonst regelmäßig andere Bedürftige durch Spendenaktionen unterstützte, war man nun selbst der Bedürftige: unter dem Motto „Rettet den HEC“ ging man auf Spendensammlung und bat Fans und Förderer um ihre Unterstützung.

Der Hilferuf aus Heilbronn kam auch bei den Kollegen vom Stuttgarter Eishockey-Club an. „Die Lage in Stuttgart war zwar auch nicht einfach“, fasst Finanzvorstand Dr. Philipp Kordowich die Situation zusammen: „Aber wir hatten das Glück, dass Sponsoren, Mitglieder und die Stadt den Verein in der schwierigen Zeit gut unterstützt haben. Und wir haben deutlich geringere Fixkosten, da wir die Eishalle in Stuttgart nicht selbst betreiben.“ Schnell war daher in Stuttgart der Entschluss gefasst, die Heilbronner Spendenaktion mit einem kleinen Beitrag zu unterstützen: „Eishockey ohne Gegner macht keinen Spaß“, ergänzt der Stuttgarter Finanzvorstand die Situation: „Wir sind eine kleine Community.
Man kennt sich und schätzt sich – eine Pleite in Heilbronn wäre auch für uns ein großer Verlust gewesen.“

Vierzehn Monate später hat Corona unser Land immer noch im Griff. Aber der Spielbetrieb im Eishockey läuft wieder, wenn auch mit Einschränkungen. In Heilbronn kann man auch dank der großen Resonanz auf die Spendenaktion wieder nach vorne schauen:
„Durch das Gröbste sind wir durch“, meint Thomas Muth, der in Heilbronn für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und bei der Übergabe mit in Stuttgart war: „Aber viele Herausforderungen haben wir noch vor uns.“ Der aktuell eingeschränkte Betrieb bedeutet für die Vereine gleichbleibende Kosten, aber weniger Einnahmen. Auf Rücklagen können die Vereine meist nicht zurückgreifen, auch die staatlichen Hilfsprogramme schaffen hier nur teilweise eine Kompensation. Doch für Dr. Christian Ballarin, 1. Vorstand des Stuttgarter Eishockey-Clubs, liegt die größte Herausforderung gar nicht beim Geld: „Wir wissen noch nicht, welche Auswirkung die Pandemie auf unsere Nachwuchsmannschaften haben wird. Rund zwei Jahre mussten wir dort den Spielbetrieb einschränken, eine Zeitlang sogar ganz unterbrechen.“ Diese Unterbrechung macht sich auch bei der Leistungsfähigkeit der Nachwuchsspieler bemerkbar. Und vor allem fehlen die Neuzugänge in den jungen Jahrgängen: „Während der Lockdowns war die Nachwuchsgewinnung so gut wie nicht möglich.

Mit unseren Einstiegsprogrammen konnten wir erst im Herbst wieder beginnen. Entsprechend müssen wir jetzt noch intensiver für unseren Sport werben und hoffen, dass wir die Lücken schließen können.“ Die aktuelle Resonanz in der Nachwuchsgewinnung stimmt die Vereine dabei erst einmal optimistisch, aber wie viel des Rückstandes aufgeholt werden kann, wird sich abschließend erst in ein paar Jahren zeigen.

So hofft man sowohl in Heilbronn als auch in Stuttgart, dass das Gröbste der Krise nun überwunden ist. In Heilbronn war dies nur durch die Unterstützung zahlreicher Spender möglich – und für die haben sich die Verantwortlichen etwas Besonderes ausgedacht: „Die Namen der Spender wurden grafisch in unser neues Trikot integriert“, so Sven Breiter.

„Damit wollen wir unseren Dank zeigen und daran erinnern, dass der Spielbetrieb für uns ohne diese Unterstützung nicht möglich gewesen wäre.“
Das Spiel in Stuttgart war dann eine gute Gelegenheit, den Dank auch noch einmal persönlich zu überbringen. Dabei hätte allerdings der Corona-Virus schier auch das Zusammentreffen der beiden Teams verhindert: bis zuletzt war es unsicher, ob die Stuttgart Rebels nach einem Corona-Ausbruch in der Mannschaft vor anderthalb Wochen überhaupt eine spielfähige Mannschaft zusammenbekommen. Doch Stuttgart gelang es, mit einem aus der zweiten Mannschaft verstärkten Team anzutreten und dennoch die Partie mit 5:1 für sich zu entscheiden.
Das Ergebnis blieb am Ende jedoch fast Nebensache. Viel wichtiger ist für die beiden Vereine, dass man sich in den nächsten Jahren weiterhin bei Spielen und Turnieren sportlich messen und den gemeinsamen Spaß am Eishockey nachgehen kann.

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