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Köln / Neuss. (EM) Seit Wochen arbeiten die Eishockeyklubs in Deutschland daran für ihren Standort das bestmögliche Hygienekonzept mit der größtmöglichen und verantwortbaren Zuschauerzahl... Saisonstart weiter in der Schwebe – Kurzfristige Lösungen gefordert, Sportchefs bei der Kaderplanung in der Zwickmühle

Goalie Timo Pielmeier – © by Sportfoto-Sale (JB)

Köln / Neuss. (EM) Seit Wochen arbeiten die Eishockeyklubs in Deutschland daran für ihren Standort das bestmögliche Hygienekonzept mit der größtmöglichen und verantwortbaren Zuschauerzahl mit den Gesundheitsbehörden abzustimmen.

Dieses Vorhaben verlangt allen Seiten viel ab. Oftmals verhindert schon die Corona-Schutzverordnung des jeweiligen Bundeslandes die abschließende Klärung in Detailfragen (wir berichteten). Und so wappnen sich fast alle Beteiligten mit Absichtserklärungen, für den Tag, ab dem Zuschauer wieder in zumindest begrenzter Anzahl zugelassen werden. Am kommenden Donnerstag trifft Bundeskanzlerin Merkel erneut mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten zusammen. Dann soll auch über die (Teil)Zulassung von Zuschauern bei Hallensportarten gesprochen werden.
DEL und DEL2 haben mittlerweile zumindest ligaintern den Starttermin für den ersten Spieltag festgelegt. Die DEL möchte am 13. November starten und die DEL2 hat den Start erst vor wenigen Tagen um einen Monat auf den 6. November nach hinten verlegt.

Iserlohns Klubchef würde nicht mehr als einen Euro auf den Saisonstart im November wetten

Dort, wo das Eis schon aufbereitet ist, befinden sich auch zumindest die einheimischen Spieler unter Corona Bedingungen im Eistraining. Die meisten DEL-Klubs planen spätestens Anfang Oktober auch die meisten Importspieler in ihren Reihen auf dem Eis zu haben. Schließlich wollen die Klubs möglichst topfit und eingespielt in die Saison starten. Allerdings hält sich der Optimismus bezüglich eines Saisonstarts im November doch eher in Grenzen. So erklärte Iserlohns geschäftsführender Gesellschafter Wolfgang Brück unter der Woche gegenüber dem IKZ (Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung), dass er nicht mehr als einen Euro auf den Saisonstart im November setzen würde. Denkbar wäre aber auch ein Start im Januar. Bei den Roosters habe man sich schon vor vier Monaten auch mit einer kompletten Saisonabsage beschäftigt und würde auch diese überleben. Brück befürchtet aber ein Klubsterben im Profisport. Optimismus pur klingt also sicherlich anders.

Geschäftsführer Walter und Adam fordern kurzfristige Lösungen

Die Geschäftsführer der Kölner Haie und Düsseldorfer EG, Philipp Walter und Stefan Adam, richteten am letzten Mittwoch einen Appell an die Politik. Sie wünschen sich Lösungen, die alle relevanten Blickwinkel berücksichtigen. „Die überregionale Politik muss dazu jetzt dringend Antworten liefern. Und das muss jetzt kurzfristig passieren“, so Stefan Adam mit Blick auf das kleiner werdende Zeitfenster der Eishockeyklubs.
Und weiter: „Unser Veranstaltungs- und Hygienekonzept für den ISS Dome ist in Zusammenarbeit vieler Institutionen im Prinzip vollständig fertiggestellt. Unter den Bedingungen aktueller Infektionszahlen könnten wir verantwortungsbewusst mit Zuschauern Eishockey spielen. Darauf wollen wir aufmerksam machen“, so Stefan Adam.
Philipp Walter von den Haien ergänzt um einen ebenfalls wichtigen Aspekt: „Berufssport wird oft mit Sport-Millionären gleichgesetzt. Darum geht es hier nicht. Sondern es geht um die Erhaltung von vielen Arbeitsplätzen im und rund um den Sportbereich. Es geht um die Existenz unserer Sportarten und all der Menschen, die darin tätig sind.“

Im Düsseldorfer ISS Dome sind zudem Testspiele im Handball geplant, die weitere Aufschlüsse über die Durchführbarkeit des Hygienekonzepts bringen sollen.

Die Umsetzung des Hygienekonzepts im Profi-Fußball war sicherlich auch ein wichtiger Leitfaden für das vor einigen Wochen von der „Task Force Eishockey“ vorgestellte Hygienekonzept. Mit sicherlich mehr als nur gemischten Gefühlen dürften allerdings Vertreter aus den sogenannten „Randsportarten“ die Bilder vom Finaltag der Amateure im DFB Pokal beobachtet haben. Die TV-Bilder zeigten hier gleich mehrfach, dass mit dem Schlusspfiff die Hygieneregeln bei den Siegern völlig losgelöst missachtet wurden. Wenig hilfreich für die nach Klarheit strebenden Hallensportarten wie Volleyball, Handball, Basketball und Eishockey.

Sportchefs müssen sich in Geduld üben

Aufgrund der nach wie vor kaum einzuschätzenden Situation zögern auch die Sportchefs der Klubs damit ihre letzten freien Stellen im Kader zu besetzen. Die Positionen der deutschen Spieler sind in der DEL bei vielen Klubs besetzt. Mit der Verpflichtung von Importspielern tun sich viele noch schwer. Im Werben um starke „Imports“ konkurriert die DEL auf internationalem Terrain. Die AHL (American Hockey League) und die ECHL (East Coast Hockey League), aus denen gerade die DEL Klubs viele ihrer nordamerikanischen Spieler rekrutieren, hat angekündigt im Dezember in die Spielzeit 20/21 starten zu wollen. In den skandinavischen Ländern hatte man sich schon früh auf einen Start der Saison geeinigt.

Larry Mitchell Photo: GEPA pictures/ Mathias Mandl

Ingolstadts Sportdirektor Larry Mitchell, der den Markt seit Jahren wie nur wenige andere kennt, erklärte auf der Homepage der Panther: „Ich glaube, dass es viele Faktoren gibt, über die selbst die Berater noch nicht Bescheid wissen. Heißt das, dass in der AHL weniger gezahlt wird? Sind dann weniger Spieler bereit dort zu spielen? Das weiß noch niemand. Das sind also Dinge, die erst noch geklärt werden. Dann könnte das die Entscheidung der Spieler schon beeinflussen. Aber momentan unterschreiben noch täglich Profis in der AHL, weil sie der Meinung sind, dass der Start der Ligen in Europa auch noch nicht sicher ist. Es ist nicht so, dass viele Spieler ein klares nein zu Eishockey in Nordamerika sagen.“

Und solange es noch keine klare Entscheidung für einen Saisonstart gibt, bleibt die Unsicherheit zwischen der Verpflichtung eines guten Spielers und dem finanziellen Risiko für Mitchell und seine Kollegen. Die Sportchefs der Klubs stecken in der Zwickmühle, denn starke AHL Spieler sind aktuell durchaus an lukrativen Jobs in Europa interessiert. Mit gerüchteten Spielern wie Jordan Murray, Darren Archibald, Ben Street, Kerby Rychel, Matt Puempel, Kevin Porter, Michael Mersch oder Wacey Hamilton wären auch einige hochinteressante Spieler für die DEL auf dem Markt. Je eher man Klarheit über den Saisonstart hat, umso größer sind auch die Chancen den einen oder anderen Hochkaräter nach Deutschland zu locken.

DEL-Topspieler zieht es nach Skandinavien

Aus der DEL haben zum Beispiel zwei namhafte Akteure den scheinbar sichereren Saisonstart in Skandinavien mit keinen oder geringeren finanziellen Einbußen einem weiteren DEL Engagement vorgezogen. Borna Rendulic heuerte nach seiner bärenstarken Saison bei den Adlern Mannheim (49 Scorerpunkte in 50 Spielen) bei Örebro in Schweden an. Und Austin Ortega, der bekanntlich der Gehaltsstundung bei den Eisbären Berlin nicht zustimmen wollte, hat sich TPS Turku in Finnland angeschlossen.

Corona-Krise sorgt auch für das vorzeitige Karriereende

Die nach wie vor geringe Planungssicherheit hat auch bei Spielern für ein Umdenken und damit auch für das eine oder andere vorzeitige Karriereende gesorgt. Dustin Friesen (37), der eigentlich in Iserlohn seine Karriere fortsetzen wollte, schlägt nun eine Trainerkarriere ein. Austin Carroll (26, zuletzt Kassel – DEL2) beendete ebenfalls überraschend seine Karriere. Weitere Spieler könnten folgen, je länger die Ungewissheit anhält. Eine Absage der kompletten Saison 20/21 dürfte vermutlich gleich eine ganze Reihe von Karrieren auf einen Schlag beenden.

Marko Friedrich (re.) und Dustin Friesen werden nun doch keine Teamkollegen – © Sportfoto-Sale (JB)

Durch die relativ kurzfristige Entscheidung Friesens müssen die Rosters nun einen anderen erfahrenen deutschen Verteidiger suchen, der Friesens Rolle als Führungsspieler übernehmen könnte. Allerdings sind diese Spieler kaum noch zu haben. Noch ohne neuen Job in der DEL wäre beispielsweise Florian Kettemer, an dem die Roosters schon 2018 gerüchteweise Interesse gehabt haben sollen. Vielleicht aber verpflichten die Sauerländer auch einen ausländischen Verteidiger und einen weiteren deutschen Stürmer. Iserlohns Sportchef Christian Hommel ist sicherlich nicht um diese Aufgaben zu beneiden.

Erfahrene deutsche Spieler plötzlich wieder gefragt?

Ähnlich wie Austin Ortega in Berlin, lehnte auch Nationalgoalie Timo Pielmeier die Gehaltsstundung in Ingolstadt ab. Die Panther verkündeten bekanntlich die Trennung von Pielmeier. Seitdem ist es still um Pielmeier geworden. Wohin sein Weg führt, ist unklar. Panther-Manager Larry Mitchell plant indes mit einem deutschen und einem ausländischen Goalie. Jochen Reimer (34, seit 2017 in Ingolstadt) ist dabei weiterhin ein Thema. Reimer ist momentan neben dem zuletzt in Berlin spielenden Sebastian Dahm der einzige erfahrene deutsche „Free Agent“ auf der Goalie Position.

Allen Planspielen zum Trotz steht und fällt alles weiterhin mit der Planungssicherheit in Punkto Saisonstart vor (Teil)Fans. Es bleibt vorerst ein Spiel auf Zeit. Sollte die Politik am Donnerstag klare Aussagen zum Thema Zuschauer in Sporthallen treffen, könnte eine neue Dynamik in das Thema kommen.

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