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Herne. (JR) Jürgen Schubert ist Geschäftsführer des Herner EV in der Oberliga Nord. Er stand uns für ein Interview über seinen Club, die Oberliga... „Professionalität kann man nicht ausschließlich am Geld festmachen“ – Hernes Geschäftsführer Jürgen Schubert im Interview

Jürgen Schubert – © HEV Media-PR

Herne. (JR) Jürgen Schubert ist Geschäftsführer des Herner EV in der Oberliga Nord.

Er stand uns für ein Interview über seinen Club, die Oberliga Nord und das Deutsche Eishockey zur Verfügung.

Eishockey-Magazin (EM) / Jörg Reich (JR): Hallo Herr Schubert, vielen Dank, dass wir Ihnen ein paar Fragen stellen dürfen!
Die Planungen für die Saison 2022/2023 sind in vollem Gange. Die bisherige Gestaltung des Kaders beim HEV klingt vielversprechend. Der Club scheint auf viele junge Spieler, die am Beginn ihrer Karriere stehen, zu setzen. Einige erfahrene Spieler sollen diese jungen Spieler führen. Ist dies das neue Konzept, auch langfristig, im Herner Eishockey?

Jürgen Schubert: Naja, wir müssen so ehrlich sein, um auch sagen zu können, dass wir aufgrund einer Vielzahl von gesellschaftlichen und gesundheitlichen Problemen, ein Stück weit dazu auch gezwungen sind.

E-M /J. R.: Einige Clubs in der Oberliga rüsten immer mehr auf, und scheinen den Aufstieg mit der Brechstange erzwingen zu wollen. Mit der Einführung eines dritten Kontingentspielers befeuert man dieses eigentlich weiter. Wettrüsten in der Oberliga, wie sehen Sie das aktuell?

Jürgen Schubert: Ich kenne jetzt nicht die Absichten aller Oberliga-Clubs, allerdings wird im Normalfall am Ende maximal ein Verein aus beiden Oberligen aufsteigen können. Auf der anderen Seite haben sich in diesem Sommer die Preise für deutsche Spieler in unverantwortlicher Art und Weise hoch gepusht. Dabei gab es mehrere Beteiligte aus dem Kreise der Gesamtverantwortlichen, die das mit hochgetrieben haben.

E-M /J. R.: In welche Richtung entwickelt sich aus Ihrer Sicht die Oberliga insgesamt? Profiliga oder Ausbildungsliga?

Jürgen Schubert: Es bleibt weiterhin ein Mix aus beiden, wobei man Professionalität nicht ausschließlich am Geld festmachen kann.

E-M /J. R.: Würde die Oberliga als Profiliga auf Dauer bestehen können oder müsste das Ziel einer dritten Liga nicht auf jeden Fall eine Ausbildungsliga mit vielen jungen und einigen wenigen erfahrenen Spielern sein, so wie es der HEV kommende Saison praktizieren wird?

Jürgen Schubert: Das ist sie ja im Grunde genommen schon, es ist eine Profi-Liga auch wenn noch einiges im Argen liegt und es genügend zu tun gibt. Andererseits werden in unseren Ligen junge Kräfte weiter ausgebildet. Eindeutig stelle ich allerdings fest, dass mir persönlich eine Mischung mit mehr jungen Leuten besser gefällt, vielleicht nicht ganz so wie in Krefeld, aber gemixt mit ein paar gestandenen Kräften sowie zwei Ausländern, gefällt es mir erst mal gut. Wir werden sehen, wie wir nach der Saison darüber denken.

Wir in Herne sind erst mal durch mit unseren Planungen

E-M /J. R.: Steht das Team für die kommende Saison schon komplett fest oder sind Sie noch auf der Suche nach Verstärkungen? Welches Ziel verfolgen Sie in der kommenden Saison sportlich?

Jürgen Schubert: Wir in Herne sind erst mal durch mit unseren Planungen. Aber im Sport kann manchmal sehr schnell eine neue Situation eintreten und deswegen sollte man nie nie sagen.

E-M /J. R.: Die Oberliga Nord wird kommende Saison voraussichtlich aus 15 Teams bestehen, für eine Liga eine eher unglückliche Anzahl?

Jürgen Schubert: Ja klar, es wäre besser wenn es eine 14er Liga wäre, aber erstens läuft derzeit das Zulassungsverfahren und zweitens sind wir froh, dass nun auch die Füchse Duisburg wieder bei uns sind.

E-M /J. R.: Eine Doppelrunde mit 15 Teams und 60 Spieltage, eine enorme Belastung für Clubs und Spieler? Was erhoffen Sie sich für eine Struktur der Oberliga Nord für die Zukunft? Welche Anzahl an Teams sollte ihrer Meinung nach die Oberliga Nord auf Dauer haben oder spielt das aus ihrer Sicht keine Rolle? 12, 14 oder 16 Mannschaften?

Jürgen Schubert: Mmmmmh, Struktur ist ein gutes Stichwort. Da denke ich liegt die meiste Arbeit beim Veranstalter dieser Ligen, das ist der DEB. Ich denke da unterscheiden wir uns auch noch am meisten von den beiden Ligen über uns, was ich jetzt nicht alles am DEB festmachen möchte. Es gibt genug was die Vereine zunächst mal selbst betrifft. Allerdings veranstaltet der DEB diese Liga, von daher würde ich mir eine sehr gute Struktur wünschen, mit allem Zip und Zap was dazu gehört.

E-M /J. R.: Mit Herne, Duisburg, Essen, Hamm, Herford und Krefeld spielen sechs Teams aus NRW in der Oberliga Nord. Zum ersten Mal seit langer Zeit wohl fast alle Oberliga fähigen Clubs des Westens. Es könnte rein sportlich gesehen eine interessante „Derbysaison“ werden?

Jürgen Schubert: Ja, so langsam sind alle wieder beieinander und ich hoffe das bleibt auch noch eine lange Zeit so. Wir in NRW stellen schon ein wirklich großes Pfund in unserer Liga und wir werden immer stärker.

E-M /J. R.: Der Unterbau in den Regionalligen wurde ausgedünnt, eine Regionalliga West kann nur noch in Zusammenarbeit mit Belgien existieren. Auch der Norden und der Osten haben Probleme mit der Anzahl der Teams in den Regionalligen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Jürgen Schubert: Tja, ich bin ehrlicherweise alleine von meinem Alltag her da schon ein großes Stück weit von entfernt. Allerdings kann so etwas nicht gut sein. Wir brauchen eine gewisse Stabilität durch feste und zeitgemäße Strukturen, in allen Ligen. Erst dann kann es auch wieder dazu führen, dass unser Sport populärer wird und sich auf Dauer wieder mehr Sportler in mehreren Vereinen präsentieren und somit der Unterbau wieder verstärkt wird.

E-M /J. R.: Einen sportlichen Auf- und Abstieg mit den Landesverbänden kann es unter diesen Bedingungen eigentlich nicht mehr geben oder wie sehen Sie das?

Jürgen Schubert: Ich würde es dennoch versuchen, weil Ligen in denen keiner auf-und absteigt am Ende nicht das sind, was wir im deutschen Sport wollen. Wie das dann jeweils gehen kann, das müssen andere beantworten.

Es müssen die Rahmenbedingungen geschärft, aber klar für alle sein.

E-M /J. R.: Wie sollte Ihrer Meinung nach die Ligenstruktur im Deutschen Eishockey insgesamt aussehen? Ist das Deutsche Eishockey hier auf dem richtigen Weg oder besteht Bedarf an Veränderungen?

Jürgen Schubert: In meinen Augen besteht dort weiterhin ein sehr großer Bedarf und ob es der richtige Weg ist, den man derzeit geht, wird sich erst im Nachgang zeigen. Ich würde es mir sehr wünschen, wenn man die Liga versucht weiter positiv voran zu treiben und sie weiterhin zu professionalisieren, auch wenn das ein oder andere mal weh tut zwischendrin. Es wäre fatal wenn wir da wieder Schritte zurück gehen würden. Es müssen die Rahmenbedingungen geschärft, aber klar für alle sein. Vor allem brauchen alle viel eher Planungssicherheiten, auch untereinander müssen klare deutliche Regeln herrschen. Es muss viel mehr Verbindlichkeit in alles rein. Allerdings muss ich auch sagen, dass es in der Oberliga als ganzes ziemlich nach vorne gegangen ist in den letzten Jahren, auch während der Corona-Zeit in den letzten zwei Jahren.

E-M /J. R.: Was sollte sich im Deutschen Eishockey Ihrer Meinung nach unbedingt verbessern?

Jürgen Schubert: Grundsätzlich immer den Nachwuchs fördern, Ausländer-Stellen abbauen und klare einfache Regeln die verlässlich sind. Ebenso wäre es wünschenswert, mehr Live-Übertragungen im TV zu bekommen.

E-M /J. R.: Der DEB hat ein neues Präsidium gewählt. Was erhoffen und erwarten Sie sich von den neuen Präsidiumsmitglieder Dr. Peter Merten, Andreas Niederberger und Hauke Hasselbring?

Jürgen Schubert: Ich wünsche allen Neuen sowie Marc Hindelang ein glückliches Händchen, Ehrlichkeit und natürlich auch Gesundheit und ich erwarte, dass die nächste Stufe im deutschen Eishockey gezündet wird und das mit der richtigen Portion Individualität und Kontinuität sowie Ausdauer.

E-M /J. R.: Herr Schubert, vielen Dank dass Sie sich Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet haben!

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