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Passau. (CW) Am vergangenen Samstagabend platzte die Bombe bei den Black Hawks aus Passau: Die Gründung einer GmbH, die man als Voraussetzung für einen...

Passau. (CW) Am vergangenen Samstagabend platzte die Bombe bei den Black Hawks aus Passau: Die Gründung einer GmbH, die man als Voraussetzung für einen Verbleib in der Oberliga Süd ausgegeben hat, ist trotz intensiver Bemühungen gescheitert. Die Folge: Rückzug in die Bezirksliga Bayern (Gruppe Ost).
Seit Wochen bemühte man sich, um die notwendigen Grundlagen für eine gesicherte Lizensierung in der Oberliga Süd zu schaffen. Sogar der Ligenleiter der Eishockey-Oberliga – Oliver Seeliger – reiste nach Passau, lange Gespräche mit Sponsoren, Partnern und Politikern der Stadt wurden geführt – doch alle bis dahin geleisteten Bemühungen blieben letztendlich erfolglos.
Die GmbH wäre ein rechtliches Konstrukt gewesen, um die Risiken vom e.V. auszulagern, in dem ja die Nachwuchsarbeit die größte Rolle spielt. Hierbei wäre man jeder Gefahr bei finanziellen Engpässen aus dem Weg gegangen, dennoch wäre mit dem e.V. über einen Kooperationsvertrag wieder ein Zusammenwachsen erreicht worden. Zum anderen hatte man gehofft, mit Gesellschaftern ein Netzwerk aufzubauen, um an mehr Sponsorengelder zu kommen und gleichzeitig Sponsoren durch Gesellschaftsanteile die Möglichkeit der Mitsprache zu geben.
Nach Christian Eder, dem Vorsitzenden der Black Hawks, war es keineswegs ein Problem, die Gesellschafter zu bekommen. Einen nachhaltigen Etatplan aufzustellen sei aufgrund der vorhandenen Daten allerdings nicht seriös möglich gewesen. Bemängelt wurde unter anderem auch, dass die großen Firmen in Passau leider kein offenes Ohr für den Spitzensport hätten.
Die sich stellende Frage ist natürlich, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Die Gründe hierfür sind vielfältig; nicht einer, sondern die Summe vieler führte zu dieser Situation. Der Verein hat seine Liquidität größtenteils über private Darlehen gesichert. Die Gläubiger treibt die Angst, dass mit dem e.V. eine weitere Saison in der Oberliga erneut zu einem erheblichen Defizit führen würde und sie, anstatt mit einer Rückzahlung zu rechnen, mit weiteren Krediten einspringen müssten. Ohne „frisches Geld“ würde dies im Fall des Starts in der Oberliga unweigerlich einen Verlust der Vereinsliquidität mit allen Folgen bedeuten.
„Es ist sehr schade, doch ohne Vereinsbrille betrachtet lief uns der sportliche Erfolg voraus, die Strukturen aber immer hinterher. Unser Ansatz in der Vereinsführung, immer alles nur im Ehrenamt zu machen, war wohl zu idealistisch gedacht. Da sind auch von unserer Seite Fehler passiert“, so Christian Eder. Allein die Sponsorenbetreuung wäre schon fast ein Fulltimejob. Der Kraftakt, innerhalb von vier Jahren in den semiprofessionellen Bereich einzutauchen und gleichzeitig fünf Nachwuchsmannschaften aus dem Boden zu stampfen war enorm. Max Haidl, stellvertretender Vorsitzender: „Herzblut allein ist in diesem Bereich enorm wichtig, aber alleine leider auch zu wenig. Die Erfahrung eines echten Kenners der Eishockeyszene hat uns gefehlt!“
Auch an externen Fronten hatten die Black Hawks mit ihrer ersten Mannschaft zu kämpfen, beispielsweise im Bereich der Security: „Bei keinem Club in dieser Liga tauchen so hohe Securitykosten durch die Auflagen wie die des Ordnungsamts Passau auf. Mit der Ausnahme von Regensburg taucht dieser Posten nirgends in einer nennenswerten Größe auf“, so Ligenleiter Oliver Seeliger. Immerhin 10.000 Euro, die die Black Hawks gut für Nachwuchstrainer oder andere Dinge hätten verwenden können.
Wie geht es nun weiter? Kein Geheimnis ist, dass das sportliche Niveau in der Bezirksliga nicht mehr im Ansatz mit dem in der Oberliga zu vergleichen ist. Auch die Anzahl der Begegnungen wird im Gegensatz zur dritthöchsten deutschen Spielklasse rapide nach unten fallen. Nach aktuellem Stand wird die Ost-Gruppe der Bezirksliga aus 11 Mannschaften bestehen. Die Gegner der Black Hawks werden sein:
EV Aich
EV Bruckberg
Dachau Woodpeckers
TSV Erding 1b
ESV Gebensbach
Wanderers Germering 1b
Münchener Luchse
Ottobrunn Hedgehogs
EC Pfaffenhofen 1b
EHC Waldkraiburg 1b.
Es gibt keine Doppelrunde mehr, sondern lediglich Hin- und Rückspiel, sodass man auf eine Gesamtzahl von 20 Saisonspielen kommt (plus anschließender Aufstiegspartien gegen die Teams der anderen Gruppen). Möglicherweise wird man auch am Bayernkrug teilnehmen, dem Pokalwettbewerb der Bayerischen Bezirks- und Landesligisten. Dies ist aber davon abhängig, ob dieser Wettbewerb auch ausgetragen wird; in der abgelaufenen Saison wurde er aufgrund zu weniger gemeldeter Teilnehmer abgesagt.
Eine Zielvorgabe kann bereits klipp und klar genannt werden: Der sofortige Wideraufstieg in die Landesliga. Für dieses Vorhaben bekundeten bereits einige Spieler des letztjährigen Oberligakaders ihr Interesse. Auch einige Nachwuchsspieler, die schon in der abgelaufenen Saison in der Bezirksliga als 1b an den Start gingen, können nun mit der ersten Mannschaft wachsen und gemeinsam den Weg nach oben gehen.
Für den ersten Spieltag der neuen Saison ist schon eine Aktion für die Fans geplant, um der Mission „Aufstieg“ auch gleich den richtigen Rahmen zu geben. „Das Umfeld werden wir auch in dieser Liga nicht verändern, es soll weiterhin einen VIP-Bereich geben und sonst wird man alles dafür tun, um die Fans auch weiterhin zu begeistern“, versprechen Roman Pulec und Marcus Petri, die auch weiterhin die sportliche Leitung der ersten Mannschaft übernehmen werden. Sportlicher Erfolg und Siege bringen hoffentlich auch wieder mehr Leute in die Passauer Eis-Arena. Aus den Fehlern der Vergangenheit hat der Verein sicher gelernt und es ist den Fans, Spielern und Sponsoren gegenüber ehrlicher und gerechter, einen soliden Neustart zu betreiben, als möglicherweise mitten in der Saison vor einem Scherbenhaufen zu stehen, so die einhellige Meinung der Vorstandschaft.
Jahreshauptversammlung 2012
Mittwochabend, 19 Uhr: Der VIP-Raum in der Passauer Eis-Arena war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Anspannung unter allen erschienenen Mitgliedern, Fans, Sponsoren und auch Spielern der letztjährigen Oberligamannschaft war fast greifbar, gleichzeitig aber machte sich bereits vor Beginn der Veranstaltung eine Art Jetzt-erst-recht-Haltung breit.
Nach Feststellung der Beschlussfähigkeit und Vorstellung der Tagesordnungspunkte kam es zum Bericht des 1. Vorsitzenden Christian Eder. Zunächst wurde das Bemühen an allen Fronten um eine GmbH-Gründung herausgestellt, aller Einsatz blieb letztendlich – wie bereits ausführlich in der Pressemitteilung des Vereins vom vergangenen Wochenende beschrieben – leider erfolglos. Einer der Gründe für die aktuelle Situation sei auch der schnelle Durchmarsch von der Bezirksliga in die Oberliga gewesen. Vor allem der letzte Aufstieg von der Bayernliga in die Oberliga sei im Nachhinein betrachtet das Problem gewesen: „Die erste Spielzeit in der dritthöchsten deutschen Spielklasse war ganz klar ein Fiasko, sowohl sportlich als auch wirtschaftlich“, so Christian Eder. „Damals haben wir einfach vieles zu blauäugig gesehen, das müssen wir uns klar eingestehen.“ Die Verpflichtung in diesem Bereich, fünf Nachwuchsmannschaften stellen zu müssen, sei dagegen gut gewesen. So habe man nun die große Chance, den Nachwuchs und die 1. Mannschaft gleichzeitig nach oben zu bringen. Aus den Worten von Christian Eder wurde deutlich, dass der Weg in die Bezirksliga die beste Lösung für den Verein sei: „Besser jetzt einen Schnitt verbunden mit einem Neuanfang, als die Oberliga am Rande des Möglichen zu bestreiten.“
Als klares Ziel wurde der sofortige Wiederaufstieg ausgegeben. Die Euphorie im und um den Verein soll wieder geschürt werden, Fans und Sponsoren sollen wieder gelockt werden. Die Spiele selbst sollen nach außen auch weiterhin so aussehen und ablaufen wie bisher. Um dies in altgewohnter Manier zu bieten, bleibt auch Oliver Czapko, langjähriger Stadionsprecher der Black Hawks, mit an Bord.
Am Ende seines Vortrags bedankte sich Eder, der seit 1997 den Vorsitz der Passau Black Hawks führte, bei allen, die ihm während der gesamten 15-jährigen Amtszeit Rückhalt und Unterstützung boten. „Ich möchte den Weg freimachen für neuen, frischen Wind im Vorsitz unter den Flügeln der Black Hawks, der hoffentlich viel Auftrieb gibt für die vielfältigen Aufgaben in der Zukunft“, so Eder, ehe er das Wort an Max Haidl übergab.
Dieser bedankte sich bei Eder für alle Bemühungen der letzten Jahre. „Der Kampf um die Oberliga dauerte bis Samstagnachmittag, doch die Deckungslücke war einfach zu groß. Die Gefahr einer Insolvenz während der Saison war damit zu präsent“, so Haidl. Dies sei auch eine persönliche Niederlage gewesen, Schuldzuweisungen seien aber völlig fehl am Platz. Im Anschluss daran gab auch Haidl seinen Rückzug vom Amt des stellvertretenden Vorsitzenden bekannt mit der Bitte an alle Fans und Sponsoren, auch in Zukunft zum Verein zu halten.
Auch Prof. Wolfgang Beyer gab in der Folge in einer kurzweiligen Rede seinen Rücktritt als stellvertretender Vorsitzender bekannt. Natürlich sei auch er mitschuldig, auch er habe einfach nicht genug Geld akquirieren können. „Eigentlich ist das ein Fulltimejob. Es ist aber kaum die Zeit da, die man bräuchte“, so Beyer. Dennoch stand bei ihm klar das Positive im Vordergrund, da man trotz alledem sehr viel erreicht habe. Ein weiterer Verbleib in der Oberliga mit einer eventuell folgenden Insolvenz wäre eine Alternative gewesen, was für die Vorstandschaft sicher sogar der leichtere Weg gewesen wäre, „aber Treue und Zusammenarbeit waren uns wichtiger. Daher haben wir uns für den aktuellen Weg entschieden.“ Auch an die großen Unternehmen in Passau und Umgebung richtete Beyer einige Worte: „Natürlich haben die Unternehmen das Recht, ihren Schwerpunkt auf Kultur zu setzen, völlig klar, das muss man auch akzeptieren. Einen Anspruch auf Spitzensport in Passau kann man dann auf der anderen Seite aber eben auch nicht erheben.“
Als nächster Tagesordnungspunkt stand die Präsentation des Kassenberichts an. Nach Abzug der Berufsgenossenschaftskosten in Höhe von gut 30.000 Euro hat man im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von etwa 98.000 Euro gemacht. Ziel ist es, den Verein mit Verbindlichkeiten im unteren fünfstelligen Bereich in die neue Saison zu schicken. Dies ist nur deshalb möglich weil sich die Vorstände zu einem Schulterschluss verpflichtet haben.
Aufgrund des Rücktritts von Christian Eder, Max Haidl und Prof. Wolfgang Beyer waren die Positionen des 1. Vorsitzenden und seiner Stellvertreter neu zu besetzen. Nach Wahl per Akklamation wurde der bisherige Geschäftsführer Roman Pulec zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Neue Stellvertreter sind der bisherige sportliche Leiter Marcus Petri und Christian Eder. Alle drei nahmen die Wahl an.
Im Tagesordnungspunkt „Anträge“ wurden ein reduzierter Beitrag im Inlinehockey für Studenten und Gastspieler sowie eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrags für aktive Mitglieder im Nachwuchsbereich angenommen.
Als neuer Jugendleiter übernahm Werner Danninger für seinen Vorgänger Klaus Sattler das Amt. Aktuell spielen etwa 120 Kinder aktiv in den fünf Passauer Eishockeynachwuchsteams.
Zum Schluss der Versammlung stellte sich Marcus Petri noch einigen Fragen der Anwesenden. Hauptaspekt war das Aussehen der Mannschaft in der anstehenden Bezirksliga-Saison. Vollzug gäbe es noch nicht zu vermelden, aber es würden durchaus positive Gespräche mit einigen Spielern geführt, die nicht abgeneigt sind, den Weg mit Passau auch in die Bezirksliga gehen zu wollen. Genannt wurden unter anderem Andreas Popp, Tim Hirtreiter, Christoph Zawatsky, Florian Horvath und Ruben Kapzan. Man wolle nicht nur auf auswärtige Spieler setzen, sondern auch den eigenen Nachwuchs einbringen. „Es wird wohl drei Reihen geben, die Zusammensetzung ist aber noch offen“, so Petri. Man wolle aber keinesfalls in den Vereinen aus der Umgebung wildern. Im Nachwuchsbereich seien wieder fünf Mannschaften das Ziel, „da in der Bezirksliga aber keine Verpflichtung zu dieser Zahl besteht, wird nicht mit der Brechstange versucht, dieses Ziel zu erreichen“, erklärt Petri. Bezüglich eines neuen Trainers wurde noch nichts bekannt. Ein Spielertrainer sei durchaus eine Option, aber das müsse man nun erst mal abwarten.
Alles in allem waren alle Beteiligten im Vorfeld der Versammlung sichtlich angespannt und nervös, im Nachhinein wurde aber deutlich, dass der Schritt des Rückzugs in die Bezirksliga Bayern als richtig aufgenommen und voll unterstützt wurde. Zieht man nun wieder an einem Strang und lernt man aus den Fehlern der Vergangenheit, dann wird in Passau auch bald wieder höherklassiges Eishockey zu sehen sein. Das Hauptaugenmerk sollte nun aber nicht allzu weit in die Zukunft wandern: Jetzt steht die Bezirksliga vor der Tür, und dort gilt es, den direkten Aufstieg in die Landesliga sofort zu realisieren.

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