Waldkraiburg. (PM Löwen) Schmerzverzerrt war das Gesicht von Kapitän Nico Vogl bei seinen beiden Toren am vergangenen Freitag in der heimischen Raiffeisen-Arena.
Augenscheinlich litt er unter großen Qualen, doch ein Kapitän von seinem Kaliber lässt seine Löwen in der entscheidenden Phase der Saison nicht allein. Auch im Spiel gegen Buchloe am Sonntagabend stand er wieder auf dem Eis, um seine Farben Blau und Gelb nach vorne und letztlich zum Sieg zu treiben.
Für die Löwen ging es nach drei vergebenen Satzbällen nicht mehr um den direkten Einzug in die Play-off-Runde – dieser Zug war abgefahren und wurde aus eigenem Verschulden verpasst. Dennoch stand mit dem Heimrecht in der Runde der Pre-Play-offs ein ebenso wichtiges Ziel auf dem Spiel. Diese Runde wird von den Plätzen sieben bis zehn in einer Best-of-three-Serie ausgespielt. Die beiden Sieger ziehen noch in die Play-offs ein, während die Verlierer den Gang in die Abstiegsrunde antreten müssen.
Zu Beginn der Partie konnte man lange den Eindruck gewinnen, dass sich beide Mannschaften zunächst abtasteten, um ein Gefühl füreinander zu bekommen. Zwar musste Max Englbrecht bereits in der zweiten Minute seine Reaktionsschnelligkeit unter Beweis stellen, als er einen Abschluss von Fabio Carciola, dem Top-Torschützen der Buchloer, mit dem rechten Schoner entschärfte, doch im weiteren Verlauf blieb es zunächst ereignisarm. Die besten Möglichkeiten der Löwen in der ersten Hälfte des Drittels hatten Nico Vogl, der einen scharfen Querpass von Jakub Šrámek vor dem Tor nicht verwerten konnte, sowie Šrámek selbst, der den Puck in der zehnten Minute nur knapp am linken Pfosten vorbeisetzte.
Rund vier Minuten vor der ersten Pause nahm das Spiel dann spürbar Fahrt auf. Erneut standen Jakub Šrámek und Nico Vogl im Mittelpunkt. Šrámek tankte sich an drei Verteidigern vorbei und brachte die Scheibe noch in Richtung Tor. Buchloes Schlussmann Dieter Geidl konnte den ersten Versuch zwar abwehren, doch Nico Vogl lauerte am rechten Ort und verwandelte den Nachschuss per Rückhand zur Führung. Beflügelt von diesem Treffer erhöhten die Löwen den Druck und versuchten, die Gastgeber frühzeitig einzuschnüren. Doch diese Rechnung ging nicht auf. Buchloes Neuzugang Mateo Cabral wartete völlig frei an der blauen Linie der Löwen auf einen Pass von Krafczyk, lief allein auf Englbrecht zu und glich zum 1:1 aus. Der Löwen-Keeper war zwar in der richtigen Ecke, gegen den platzierten Abschluss jedoch machtlos. Mit diesem Spielstand ging es schließlich in die erste Pause.
Mit noch wenigen Sekunden Überzahl starteten die Löwen in den zweiten Spielabschnitt. Daniel Hora erspielte sich dabei direkt eine gute Möglichkeit, scheiterte jedoch an Geidl. In den folgenden Minuten plätscherte die Partie etwas dahin. Die beste Gelegenheit dieser Phase hatte erneut Jakub Šrámek, der nach energischem Nachsetzen seines Kapitäns an die Scheibe kam, den Puck jedoch knapp an der anvisierten langen Ecke vorbeisetzte. In der 15. Minute bot sich Andris Džeriņš eine große Chance zur Führung, doch sein unbedrängter Abschluss aus dem Slot landete links neben dem Tor.
Die Gastgeber brachten sich im zweiten Drittel zunehmend selbst mit Strafzeiten in Bedrängnis. Die vierte Strafe der „Pirates“ nutzten die Löwen schließlich konsequent aus. Nach einem erneut starken Zuspiel von Andris Džeriņš durch das gesamte Drittel hatte Daniel Hora auf der linken Seite genügend Zeit und versenkte den Puck passgenau im Netz. Ein weiteres Highlight hatten die Löwen-Fans wenig später zu bejubeln. In eigener Unterzahl eroberte Nico Vogl die Scheibe und fuhr gemeinsam mit Šrámek auf das Buchloer Tor zu. Der Tscheche blieb eiskalt, verlud Geidl sehenswert und erzielte den insgesamt elften Unterzahltreffer der Löwen in dieser Saison – damit stehen die Waldstädter ligaweit wieder an der Spitze dieser Statistik.
Im dritten Drittel gaben die Gastgeber von Beginn an Gas. Mit offenem Visier versuchten sie, den 1:3-Rückstand zu verkürzen und noch einmal Spannung in die Partie zu bringen. Doch auch die Löwen kamen hochkonzentriert aus der Kabine und hielten dagegen. In der vierten Minute hatte Santeri Ovaska eine große Gelegenheit vor dem Buchloer Tor, scheiterte jedoch erneut an Geidl. In der 48. Minute spielten die Waldstädter wieder in Überzahl. Nach einem gewonnenen Bully von Andris Džeriņš zog Jakub Šrámek direkt auf das lange Eck und stellte mit dem 1:4 frühzeitig die Weichen auf Sieg.
Mit diesem quasi vorentscheidenden Treffer kehrten Ruhe und Sicherheit ins Spiel der Löwen ein. Zwar wurde Nico Vogl in der 55. Minute an der blauen Linie noch erfolgreich von der Buchloer Defensive gestoppt, doch er behielt die Übersicht und legte auf den heraneilenden Florian Maierhofer ab, der den Angriff zum 1:5-Endstand veredelte.
Nach dem Spiel hieß es für die Löwen noch etwas warten und den Blick auf die übrigen Partien der Bayernliga richten. Als mögliche Gegner in den Pre-Play-offs waren noch Ulm und Peißenberg im Rennen. Der EHC Waldkraiburg selbst schloss die Hauptrunde auf Platz acht ab. Nachdem Königsbrunn in Ulm zunächst den 4:4-Ausgleich erzielte und in der Nachspielzeit sogar noch das 5:4 folgen ließ, steht nun fest: In der kommenden Best-of-three-Serie treffen die Löwen auf die Peißenberg Miners. aha
ESV Buchloe – EHC Waldkraiburg 1:5 (1:1, 0:2, 0:2).
Tor: [X] Englbrecht Maximilian (#45), Backup Sickinger Tobias (#32);
Verteidigung Waldkraiburg: Hora Daniel (#3); Mertz René (#5); Rott Thomas (#20); Ludwig Tim (#23); Kokeš Martin (#50); Cejka Max (#81);
Angriff Waldkraiburg: Lode Philipp (#7); Dillmann Anthony (#11); Šrámek Jakub (#13); Ovaska Santeri (#18); Džeriņš Andris (#25); Decker Leon (#34); Ruß Leander (#63); Maierhofer Florian (#74); Vogl Nico (C) (#88); Zimmermann Patrick (#98);
Tore: 0:1 (17.) Vogl (Šrámek, Hora); 1:1 (17.) Cabral (Krafczyk, Krammer); 1:2 (37.) Hora (Džeriņš, Vogl, PP1); 1:3 (40.) Šrámek (Vogl, SH1); 1:4 (47.) Šrámek (Džeriņš, PP1); 1:5 (55.) Maierhofer (Vogl, Hora);
Zuschauer: 200, Strafen: Waldkraiburg 8 – Buchloe 14.
Löwen müssen auf Pre-Play-Offs hoffen – Auch gegen Dingolfing vergaben sie ihre Chance
Die Eishockey-Bayernliga ist gnadenlos, und in diesem Jahr ist es wahrlich kein leichtes Unterfangen, wenn man es mit den Waldkraiburger Löwen hält. Erneut verlor der EHC Waldkraiburg ein Spiel, an dessen Ende man – im Falle eines Sieges – einen der Sonnenplätze der Tabelle hätte einnehmen können. Jene Plätze, die zur direkten Teilnahme an der Play-off-Runde berechtigen, bleiben den Löwen damit weiterhin verwehrt.
Nach dem Spiel sah sich Trainer Jürgen Lederer einmal mehr gezwungen, Worte zu wählen, die er in dieser Saison bereits zu oft bemühen musste: In dieser Bayernliga reiche es nicht, über 40 Minuten konzentriert zu agieren – es brauche über volle 60 Minuten höchste Aufmerksamkeit und Konsequenz.
Im ersten Durchgang setzten die Löwen durchaus offensive Akzente. Bereits in der dritten Minute landete der Puck erstmals am Torpfosten, als Anthony Dillmann nach einem Zuspiel von Tim Ludwig die rechte Torseite frei vor sich hatte, den Abschluss per Rückhand jedoch nur ans Stahl des Torpfostens setzte. Der Pfosten bewahrte die „Isar Rats“ vor einem frühen Gegentreffer. Das Kernproblem im ersten Drittel offenbarte sich jedoch in der Defensivarbeit, gepaart mit dem Umstand, dass Waldkraiburg im Gegensatz zu den Gästen einen deutlich höheren Aufwand betreiben musste, um überhaupt gefährlich vor das gegnerische Tor zu kommen. Dingolfing hingegen genügten häufig wenige, klar gespielte Pässe, um vor dem von Daniel Henter gehüteten Tor aufzutauchen und sich dort festzusetzen.
So geschehen in der vierten Minute: Ein Dingolfinger Angreifer drang ins Waldkraiburger Spieldrittel ein, bediente einen ungedeckten Mitspieler im Rückraum, dessen Schuss noch abgeblockt wurde. In der folgenden Unordnung reagierten die drei anwesenden Löwen-Verteidiger einen Moment zu spät, was Blake Luscombe im Gewühl nutzte, um das 0:1 zu erzielen. In weiten Teilen verlief der erste Abschnitt weiterhin im Sinne der Gäste. Die Angriffe der Löwen sorgten zwar immer wieder für Entlastung, blieben jedoch zu selten zwingend. So etwa in der zehnten Minute, als Waldkraiburg noch wenige Sekunden in Unterzahl agierte. Andris Džeriņš startete ein starkes Solo durch die Dingolfinger Verteidigung und legte quer auf Leon Decker, der jedoch erneut nur den Pfosten traf.
Auch in der 13. Minute prüften die Löwen die Stabilität des Torgestänges, als Daniel Hora von der blauen Linie abzog und lediglich die Querlatte traf. Effektiver zeigten sich dagegen die Gäste. In der 17. Minute platzierte Luscombe seinen Schuss erneut äußerst präzise am Helm von Henter vorbei, sodass dem Torhüter kaum eine Abwehrchance blieb. Nur eine Minute später erhöhten die Dingolfinger erneut. David Zucker, die zweite offensive Schlüsselfigur der „Isar Rats“, kam auch in dieser Szene ohne entscheidende Bedrängnis hinter dem Löwen-Tor hervor und hatte ausreichend Zeit, sich die Ecke für das 0:3 auszusuchen.
Nach diesem Treffer entschied sich Trainer Jürgen Lederer für einen Torhüterwechsel. Dieser war weniger als Schuldzuweisung zu verstehen, sondern vielmehr als Signal an die Mannschaft, denn Henter war an den Gegentreffern augenscheinlich nicht ursächlich beteiligt. Mit einem 0:3-Rückstand ging es schließlich in die erste Pause.
Für die Löwen trat an diesem Abend – etwas überraschend – Kapitän Nico Vogl wieder aufs Eis. Der eigentlich verletzte Topscorer, dem man die Schmerzen bei nahezu jeder Aktion ansah, wollte es sich nicht nehmen lassen, seinem Team in dieser entscheidenden Phase zur Seite zu stehen. Dennoch begann auch der zweite Durchgang zunächst nicht im Sinne der Hausherren. Bereits in der ersten Minute tauchte Dingolfing mit einer Zwei-gegen-eins-Situation im Waldkraiburger Spieldrittel auf, doch diesmal verteidigten die Löwen aufmerksam.
Mit zunehmender Spielzeit fand auch der EHC Waldkraiburg besser in die Partie und bekam – im Rahmen der Möglichkeiten – vor allem die Defensivarbeit stabilisiert. Nachdem Max Englbrecht in der 29. Minute einen Alleingang der Gäste entschärfte, gelang den Löwen der erste Treffer. Nach einem wuchtigen Schuss von Daniel Hora stand Nico Vogl dort, wo ein Torjäger stehen muss, und verwertete den Nachschuss konsequent zum 1:3.
Im dritten Spielabschnitt erhöhten die Löwen den Druck gegen zunehmend müde wirkende Dingolfinger Gäste. Erneut war es der angeschlagene Kapitän, der sich auf der Anzeigetafel verewigte. Nach rund fünf Minuten im Drittel prüfte Max Cejka den stark aufgelegten Gäste-Schlussmann Christoph Schedlbauer, der die Scheibe nur abprallen lassen konnte. Nico Vogl nahm erneut Schmerzen in Kauf und verkürzte auf 2:3. Die Hausherren witterten nun ihre Chance, das Spiel tatsächlich noch zu drehen.
Doch Schedlbauer und die Dingolfinger Defensive warfen in der Schlussphase alles in die Waagschale, machten die Räume eng und verteidigten mit großem Einsatz. Rund eine Minute vor dem Ende war das Tor der Löwen zugunsten eines sechsten Feldspielers verwaist, als Luscombe mit seinem Treffer ins leere Gehäuse den 2:4-Endstand herstellte und die Niederlage der Löwen besiegelte.
Der Mannschaft von Jürgen Lederer bleibt nun der Gang über die Pre-Play-off-Runde. Ob dieser mit Heimrecht angetreten werden darf, entscheidet sich aller Voraussicht nach erst am letzten Spieltag. aha
EHC Waldkraiburg – EV Dingolfing 2:4 (0:3, 1:0, 1:1).
Tor: [X] Henter Daniel (#32, bis 17:45), Englbrecht Maximilian (#45);
Verteidigung Waldkraiburg: Hora Daniel (#3); Mertz René (#5); Rott Thomas (#20); Ludwig Tim (#23); Kokeš Martin (#50); Cejka Max (#81);
Angriff Waldkraiburg: Lode Philipp (#7); Dillmann Anthony (#11); Šrámek Jakub (#13); Ovaska Santeri (#18); Džeriņš Andris (#25); Decker Leon (#34); Ruß Leander (#63); Maierhofer Florian (#74); Vogl Nico (C) (#88); Revaj Jakub (#92); Zimmermann Patrick (#98);
Tore: 0:1 (3.) Luscombe (Zucker, Franz); 0:2 (17.) Luscombe (Zucker, Lengle); 0:3 (18.) Zucker (Franz, Walinski); 1:3 (30.) Vogl (Hora, Šrámek, PP1); 2:3 (46.) Vogl (Hora, Cejka); 2:4 (60.) Luscombe (Zucker, Schander, ENG);
Zuschauer: 661, Strafen: Waldkraiburg 10 – Dingolfing 12.
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