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Der neue Eispiraten-Verteidiger im Porträt Crimmitschau. (PM Eispiraten) Mario Scalzo ist neu in Crimmitschau. Mit 35 Jahren sucht der Deutsch-Kanadier noch einmal eine neue... Mario Scalzo: Demut, Bescheidenheit und Siegeswille

Der neue Eispiraten-Verteidiger im Porträt

Mario Scalzo – © Eispirtane Media/PR

Crimmitschau. (PM Eispiraten) Mario Scalzo ist neu in Crimmitschau. Mit 35 Jahren sucht der Deutsch-Kanadier noch einmal eine neue Herausforderung bei den Eispiraten Crimmitschau in der DEL2.

Dass sich der bescheidene Routinier schnell zu einem Gewinn für die Westsachsen auszahlen könnte, merkt man auf den ersten Blick. Denn nicht nur seine unglaubliche Vita spricht Bände, auch seine Erfahrungen abseits des Eises und seine Werte, die er auslebt, dürften ihn zu einer wichtigen Personalie im Team der Eispiraten machen.

Dass Mario Scalzo Eishockeyspieler wird, war fast schon eine Bestimmung. Schon sein Vater schnürte sich die Schlittschuhe und spielte sich in den Fokus einiger NHL-Clubs. Zwar lief er nie in der Eliteliga des Eishockeys auf, gab seine Passion aber an seinen Sohn weiter, der seinen Fokus spätestens mit dem zwölften Lebensjahr komplett auf den Eishockey legte. „Zuvor habe ich neben dem Eishockey auch Baseball gespielt“, sagt Scalzo, welcher in Saint-Hubert, einem Stadtteil von Longueuil in der Montérégie Québec geboren wurde.

An der Seite von „Sid The Kid“

Schnell zeigte sich, dass Scalzos eingeschlagener Weg der richtige sein sollte – spätestens mit seinem Wechsel zu den Rimouski Océanic in der QMJHL. In der kanadischen Juniorenliga konnte der Offensivverteidiger teils überragende Statistiken verbuchen, erzielte in 221 Partien 57 Tore selbst und bereitete 154 weitere Treffer vor. Neben zahlreichen individuellen Auszeichnungen und Teamerfolgen machte Scalzo auch Begegnungen, die ihn prägen sollten. So spielte er in jungen Jahren an der Seite des heutigen Weltstars Sidney Crosby – oft sogar im selben Block und in Überzahl. „Sidney und ich hatten immer einen sehr guten Draht zueinander“, erzählt Scalzo und ergänzt: „Auch heute haben wir ab und zu noch Kontakt. Er ist natürlich ein gefeierter Superstar in der NHL, aber immer bescheiden und keinesfalls arrogant“. Werte, die auch der Eispiraten-Neuzugang lebt, Werte die ihn ausmachen.

Zwei Jahre im Farmteam der Dallas Stars

Anders als Crosby wurde der Verteidiger trotz guter Statistiken nicht gedraftet. „Für die damalige Zeit war ich mit 1,78 Metern wohl einfach zu klein. Insbesondere Verteidiger mussten damals einfach groß und stark sein. Es ist schade und ich glaube, so wie das Eishockey heute gespielt wird, hätte ich deutlich bessere Chancen“, so der Defensivmann. Über Umwege rutschte Scalzo dann doch in die Organisation eines NHL-Teams, den Dallas Stars. „Die Vorbereitung in Dallas war ziemlich cool. Die Stadt war super, die Mannschaft hatte klasse Spieler und es hat Spaß gemacht am Trainingscamp der Stars teilzunehmen“. Doch auch in Texas konnte der Kanadier nicht ganz oben anklopfen, der Traum von der NHL schien sich schnell zu zerschlagen, als er nach zwei Jahren lediglich für das Farmteam Iowa Stars in der AHL auflief. „Es ist dort schon ziemlich ländlich. Der Ort hatte damals eine neue Arena gebaut und das Team war ziemlich neu für die Bewohner. Aber es war trotzdem eine schöne Zeit, nur eben ein komplett anderes Leben für mich“.

Tapetenwechsel in Europa – WM-Teilnahme als einziger „Nicht-NHLer“

Ein Tapetenwechsel musste her. Es ging für Mario Scalzo 2008 erstmals in seiner Karriere nach Europa – mit gerade einmal 24 Jahren! Damals schloss sich der gute Schlittschuhläufer dem EC Salzburg an, zog nach einer soliden Saison aber weiter. Weiter nach Deutschland, wo er für die Adler Mannheim in der DEL auflief. Eine große Organisation, für die er 102 Spiele bestritt, 24 Tore schoss und 38 Vorlagen für sich verbuchen konnte. Auch in seinem Heimatland Kanada blieben seine Leistungen nicht verborgen. Als einziger Nicht-NHL-Spieler wurde er 2011 in den Kader der Weltmeisterschaft in der Slowakei berufen. „Ich kannte einen der Manager gut, da ich bereits beim Deutschland Cup und beim Spengler Cup für Kanada auflief. Da habe ich ihn wohl überzeugt. Es war eine große Ehre für mich“, erzählt Scalzo stolz. Wieder war er mit zahlreichen Superstars unterwegs. „Wirklich alle Spieler in der Mannschaft waren und sind unfassbar gute Eishockeyspieler und jeder Spieler hat etwas anderes zum Team beigetragen. Menschlich fällt mir da spontan Brent Burns ein. Ein super Typ, mit dem ich auch die meiste Zeit verbracht habe“. Ganz nebenbei lernte er zu dieser Zeit in Mannheim auch seine spätere Frau kennen. Nichtsdestotrotz ging Scalzos Europa-Tour weiter.

Erster Kontakt mit Mario Richer

Nach zwei Jahren in der Schweiz bei Biel-Bienne und Bern spielte der Abwehrmann außerdem noch für Turun Palloseura in Finnlands Oberhaus. Schließlich heuerte er 2012 bei den Graz 99ers an, einem Top-Club der EBEL, welcher damals von keinem Geringeren als Mario Richer gecoacht wurde, dem neuen Cheftrainer der Eispiraten. „Mario ist ein sehr leidenschaftlicher Trainer mit viel Erfahrung. Er mag es, wenn seine Spieler mit Herz spielen. Er ist sehr direkt und Respekt ist ihm sehr wichtig“, schildert Scalzo und ergänzt: „Ich weiß was mich unter ihm erwartet. Er will aus jedem Spieler des Beste herausholen, was für mich noch einmal eine neue Herausforderung sein wird. Man darf also nicht faul sein“, grinst der neue Verteidiger der Westsachsen.

2014 trennten sich die Wege von Richer und Scalzo, der beim tschechischen Club Piráti Chomutov anheuerte, wieder. Dort geriet seine Karriere erstmals ins Stocken. „Das war eine eher schwere Saison für mich, weil kaum jemand Englisch gesprochen hat und alle Anweisungen immer auf Tschechisch waren. Dazu gab es Probleme mit meinem Visum, so dass ich kaum gespielt habe. Das hat mir damals etwas die Freude am Eishockey genommen“, erklärt Mario Scalzo. Er legte ein Jahr Pause ein. „Danach habe ich es noch einmal bei Epinal in Frankreich probiert, aber auch dort ist es für mich einfach nicht so gut gelaufen. Es war auch nicht ganz so professionell wie in meinen vorherigen Stationen“. So entschied sich der Verteidiger mit dem Eishockey aufzuhören und sich vermehrt um seine Familie zu kümmern. „Wir sind nach Speyer gezogen, den Heimatort meiner Frau. Sie hat in dieser Zeit studiert und ich habe bei meinen Schwiegereltern in einer Landschaftsbaufirma gearbeitet“. Dazu kümmerte er sich um seinen damals gerade einmal einjährigen Sohn.

Zurück ins Eishockey-Business

Mario Scalzos Lebensmittelpunkt wurde Deutschland. Und hier wollte er nach seinem eigentlichen Karriereende wieder Eishockey spielen. „Mein neuer Agent kannte Joe Gibbs von den Huskies sehr gut. Und so wechselte ich dann nach Kassel“. Doch auch dort folgte schnell ein Rückschlag. Er verletzte sich in der Vorbereitung am Knie, kämpfte sich aber noch einmal zurück. Mit seiner Genesung erhielt Scalzo dann auch seinen deutschen Pass. Es konnte losgehen. Und trotz langer Pause, avancierte er schnell zu einem Leader im Team der Schlittenhunde. In 28 Partien gelangen dem Offensivverteidiger drei Tore und 15 Vorlagen, dazu auch noch eine solide Plus/Minus-Statistik von +4. Kein Wunder also, warum die Huskies gern mit dem Deutsch-Kanadier weiter gearbeitet hätten.

Über Richer zu den Eispiraten

Dennoch entschloss sich Mario Scalzo für den Wechsel an die Pleiße. „Mario Richer hatte schnell Kontakt zu mir aufgenommen und wollte mich in seinem Team haben“. Nach einigen Gesprächen zwischen den Verantwortlichen der Eispiraten und seinem Agenten ging es dann ganz schnell – Scalzo unterschrieb bei den Westsachsen und machte sich prompt ein erstes Bild von den Gegebenheiten in Crimmitschau, dem Stadion und den Mitarbeitern der Geschäftsstelle. „Ich wurde hier gut aufgenommen und erhielt viel Hilfe. Das Clubpersonal ist sehr herzlich. Ich fühle mich hier schon sehr wohl“. So bezog Scalzo schnell eine Wohnung in seiner neuen Wahlheimat und kam früher als gedacht nach Sachsen. „Ich habe nun genug Zeit, die Gegend besser kennen zu lernen und mit dem Training zu beginnen. Ich gehe jeden Tag zum Fitnesstraining, fahre viel Fahrrad, mache Läufe und gehe in Chemnitz ab und an auf das Eis“.

Der Naturliebhaber und selbst ernannte Hobbykoch sei außerdem ein Typ, der die Ruhe liebt und nutzt, um sich auf die neue Saison zu fokussieren. Schnell wird klar, dass Scalzo eine wichtige Rolle im Team einnehmen soll und wird. Die Erfahrung auf und abseits des Eises bringt er ohnehin mit. Werte wie Demut, Bescheidenheit und der absolute Siegeswille sollten ihn zu einem ruhigen Leader machen. Und nicht nur er selbst hofft, trotz seines hohen Alters und dem damit verbundenen Status eines Routiniers, bei seiner Herausforderung Spaß und vor allem Erfolg zu haben. (Aaron Frieß)

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