Kopenhagen. (FG) Laut dem finnischen Sender MTV spitzt sich der Streit über die Reformen der heimischen Eishockeyliga zu.
Der Höhepunkt wird auf der Hauptversammlung Ende November erwartet.
Schon seit Längerem wird im finnischen Eishockey über Veränderungen und Reformen für die höchste Spielklasse diskutiert und gestritten. Die Liiga ist eine Gesellschaft (Jääkiekon SM-liiga Oy), an der die teilnehmenden Vereine Anteile halten. Theoretisch sind somit alle Vereine stimmberechtigt. Da Kiekko-Espoo jedoch noch kein stimmberechtigter Gesellschafter ist, haben nur 15 der derzeit 16 Vereine eine Stimme. Für Veränderungen müssen laut Statuten zehn Vereine zusammenstimmen.
Die Verkleinerung der Liiga
Laut MTV, dem aktuellen Inhaber der Fernseh- und Streamingrechte der Liiga, haben die Vereine Tappara, HIFK Helsinki, TPS Turku und Jokerit, die nach ihrem Rückzug aus der KHL seit zwei Jahren in der zweitklassigen Mestis spielen, im Frühjahr eine Untersuchung gestartet, um herauszufinden, welche Struktur für das finnische Eishockey am besten ist.
Diese drei erstklassigen Vereine führen die Gruppe derer an, die dringende Reformen verlangen. Konkret geht es um zwei Dinge: Die Anzahl der Vereine in der ersten Liga soll verringert werden. Aktuell spielen 16 Klubs um den finnischen Meistertitel. Mit dem Aufstieg von Espoo zur Saison 2024/2025 kam nicht nur das neueste Mitglied in die Liiga, sondern es wurde auch ein System für den Auf- und Abstieg zur zweitklassigen Mestis eingeführt. Das erste Mal seit 2013.
Laut dem Liiga-Vorsitzenden Jyrki Seppä sind sich die Vereine grundsätzlich über eine Reduzierung auf 14 Teams einig, wenngleich es wohl auch Stimmen gibt, die eine Reduzierung auf zwölf Teams bevorzugen. Damit einhergehend ist auch eine Reform der zweiten Liga angedacht. So ist beispielsweise von der Möglichkeit eines direkten Auf- und Abstiegs anstelle der derzeitigen Qualifikationsspiele die Rede.
Vor dem Ligastart im September gab es zudem die Idee, die Liga in zwei Konferenzen aufzuteilen. Laut Informationen von MTV stieß dieser Plan auf großen Widerstand, unter anderem, weil unklar war, wie die Konferenzen zu bilden wären. Anfang September sagte Seppä dazu, dass man zu dem Schluss gekommen sei, die Untersuchungen in diese Richtung einzustellen.
Jokerit mischt mit

Der andere große Verein aus Helsinki, Jokerit, wollte bei seiner Rückkehr ins finnische Eishockey vor zwei Jahren direkt in die erste Liga. Die Joker mussten sich jedoch mit der zweiten Spielklasse zufriedengeben. In der vergangenen Saison gewannen sie zwar die Liga, scheiterten jedoch in den Qualifikationsspielen an den Pelicans aus Lahti.
Dieses Beispiel zeigt, wie schwer der Aufstieg derzeit ist. Die beiden letzten Teams der ersten Liga ermitteln in den Play-outs nicht den direkten Absteiger, sondern lediglich den Teilnehmer, der gegen den Meister der zweiten Liga antritt. Sozusagen als letzte Rettung. Ein System, das auch in der Schweiz angewendet wird und dort ebenfalls zu keiner Veränderung der teilnehmenden Teams führt.
Laut einem Bericht der Beratungsfirma EY ist die Aufnahme von Jokerit mit ihrer Marke für die Attraktivität und Wirtschaftlichkeit der Liga von entscheidender Bedeutung. EY schätzt, dass Jokerit der SM-Liga insgesamt mehr als 15 Millionen Euro an Umsatz einbringen würde. Auch wird im Bericht über die große Kluft zwischen der finanziellen Kraft der Vereine aus Liiga und Mestis geschrieben. Der Aufstieg sei durch das derzeitige System unrealistisch und selbst enorme finanzielle Investitionen in den Kader sind ein viel zu hohes Risiko. All das sind weitere Gründe und weitere Argumente, warum der Verein bei den Reformen so stark mitmischt.
Die Verkleinerung der Liga mit einer Anpassung des Ligasystems scheint also nur eine Frage der Zeit zu sein. Spannender ist jedoch der zweite Grund für den Machtkampf: die Reform der Einnahmenverteilung in den Play-offs.
Einnahmen, Playoffs und die Drohung vom Ausstieg
Die aktuelle Regelung sieht vor, dass alle Einnahmen aus den Halbfinal- und Finalspielen unter den Play-off-Teilnehmern aufgeteilt werden. Laut einer Berechnung von Tappara hat der Verein durch dieses System in der Meisterserie zwischen 2022 und 2024 mehrere Millionen Euro an andere Vereine ausschütten müssen. Gleichzeitig sind die Unterhaltskosten für die neue Nokia-Arena gestiegen, weshalb der Verein in den bestehenden Regeln der Liga nur wenige Wachstumsmöglichkeiten sieht.
Dass ausgerechnet die großen und einnahmenstarken Vereine Tappara, HIFK sowie TPS Turku mit einem Austritt aus der Liga drohen, sollte die Reform und Neuregelung der Einnahmeverteilung nicht durchgesetzt werden, stößt woanders auf Kritik.
MTV zitiert einen Vereinsvorsitzenden, der anonym bleiben möchte, wie folgt: „Hier geht es nicht darum, das Interesse des finnischen Eishockeysports zu retten, sondern vor allem darum, die Verteilung der Einnahmen aus den Play-offs zu ändern.“ Laut dem Sender sind auch weitere Persönlichkeiten anderer Vereine der Meinung, dass dies der wahre Grund für den angedrohten Austritt ist und nicht die Reform des finnischen Eishockeys oder die Verringerung der Anzahl der Mannschaften.
Ein Verein, der sich auffällig zurückhält, ist Tapparas Stadtrivale Ilves aus Tampere. Das könnte daran liegen, dass ausgerechnet der Vereinspräsident Jyrki Seppä auch Vorsitzender der Liiga ist.
Laut mehreren Berichten wäre die Gruppe der großen Vereine bereit, sich aus der Liga zurückzuziehen und eine eigene Liga zu gründen, sollte es nicht zu den geplanten Reformen kommen. In diesem Fall könnte eine Kettenreaktion einsetzen, denn auch wenn es auf dem Eis hoch hergeht, ist es für die meisten Vereine wirtschaftlich ein erheblicher Nachteil, einen Rivalen in einer anderen Liga zu haben. MTV sieht mehrere potenzielle Reaktionen: Espoo würde nicht ohne einen Verein aus Helsinki spielen wollen, Ilves würde mit Tappara in einer Liga spielen, Kärpät Oulu ist auf die anderen großen Vereine angewiesen und Ässät Pori würde dem Rivalen Lukko Rauma folgen – und umgekehrt.
Die Gegner der Reform
Im Gegensatz dazu sind besonders die kleineren Vereine gegen diese Reformen. Einerseits, weil eine Änderung der Verteilung zu weniger Geld führt. Wenn ein Verein mit geringem Umsatz in die Play-offs kommt, lohnt sich die Teilnahme, selbst wenn er in der ersten Runde scheitert. Andererseits dürfte es viel wichtiger sein, dass Vereine wie HPK aus Hämeenlinna, KooKoo aus Kouvola, Sport Vaasa, SaiPa aus Lappeenranta und Jukurit aus Mikkeli auch bei einer Verkleinerung der Liga direkt betroffen wären. Laut MTV zählen sie zu den Gegnern der Reformen. Das könnte dazu führen, dass die Pelicans sowie JYP Jyväskylä zum berühmten Zünglein an der Waage werden.
Hinter den Kulissen passiert auf jeden Fall viel. Die Vorsitzenden des amtierenden Meisters KalPa aus Kuopio, Mika Sutinen, und von HPK, Jyrki Louhi, lobbyieren für das derzeitige System. Auch von Lukko heißt es, dass man sich dem Prozess der Liga verpflichtet hat. Das hat zumindest der Vorsitzende Janne Mokka versichert.
Egal, welche Entscheidung am Ende getroffen wird: Es wird Reformen und Veränderungen geben. Auch eine neue Spitzenliga dürfte so einfach nicht zu verhindern sein, sollte es dazu kommen. Schließlich entschied der Europäische Gerichtshof 2023 im Fußball für das Wettbewerbsrecht und gegen die UEFA (Union Europäischer Fußballverbände). Damals drohte der Fußballverband mit einem Boykott, sollten sich Vereine einer „Superliga“ anschließen. Somit stellt sich die Frage: Wird es irgendwann zwei finnische Meister geben? Vielleicht fällt diese Entscheidung bereits im November, wenn die Vereinsvertreter zusammenkommen.
(Florian Gerlach)
Quellen:
MTV:
https://www.mtvuutiset.fi/artikkeli/sm-liiga-vaarassa-hajota-seuroja-lahtokuopissa/9243824
https://www.mtvuutiset.fi/artikkeli/sm-liigassa-jattimainen-kaanne-kohusuunnitelma-haudattu/9215486
https://www.mtvuutiset.fi/artikkeli/hifk-tappara-tps-ja-jokerit-perustavat-oman-sarjan-asiantuntijalta-kova-arvio-ei-mikaan-esta/9243748
Helsingin Sanomat:
https://www.hs.fi/urheilu/art-2000011573041.html
Yle:
https://yle.fi/a/74-20189497
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