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„Wegen nächster Saison gibt es noch keine klare Richtung und derzeit sind alle Optionen noch offen“ München. (JR) Korbinian Holzer spielte diese Saison für... Korbinian Holzer signalisiert im Interview Bereitschaft für eine WM-Teilnahme in Riga

„Wegen nächster Saison gibt es noch keine klare Richtung und derzeit sind alle Optionen noch offen“

Korbinian Holzer – © Sportfoto-Sale (DR)


München. (JR) Korbinian Holzer spielte diese Saison für Autobomilist Yekaterinburg in der KHL. Zuvor war der 33- jährige Verteidiger zehn Spielzeiten in Nordamerika aktiv und spielte dabei für die Toronto Maple Leafs, die Anaheim Ducks und die Nashville Predators in der NHL.

Der im Geretsrieder und Tölzer Nachwuchs ausgebildete Nationalspieler ist vor kurzem mit seinem KHL-Team in der ersten Runde der Playoffs ausgeschieden. Die WM in Lettland steht bevor. Wir haben ihm ein paar Fragen zu ihm, der Nationalmannschaft und dem gesamten Deutschen Eishockey gestellt.

Eishockey-Magazin (EM) / Jörg Reich (JR): Hallo Herr Holzer, vielen Dank, dass wir Ihnen ein paar Fragen stellen dürfen!
Nach zehn Jahren in Nordamerika sind Sie zu dieser Saison nach Russland in die KHL gewechselt. Das war sicherlich eine große Umstellung für Sie, von Nordamerika nach Russland? Wie schnell konnten Sie sich an das Leben in Russland gewöhnen und wie verlief die Umstellung?
Korbinian Holzer: Die Umstellung war ehrlich gesagt nicht allzu groß. Klar gab es ein paar Hürden zu bewältigen, besonders bei der Sprache, aber sonst war es wirklich eine tolle Erfahrung in einer sehr schönen Stadt bei einer sehr professionellen Organisation.

E-M / JR: Mit ihrem Team sind Sie leider in der ersten Runde der KHL-Playoffs ausgeschieden. Sicherlich eine Enttäuschung für das Team und Sie persönlich? Gibt es schon Pläne bezüglich der Saison 2021/2022? Steht eventuell eine Rückkehr in die DEL an oder sehen Sie ihre Zukunft eher weiterhin in Russland?
Korbinian Holzer: Eine Enttäuschung ist ein Ausscheiden aus den Playoffs ja immer irgendwie. Unsere Serie gegen Omsk war sehr, sehr eng und leider konnten wir eine 3:1 Führung in Spiel 4 nicht über die Zeit bringen, um die Serie auf 2:2 zu stellen. Die Special-Teams haben den Unterschied gemacht und Omsk war einfach effektiver und abgezockter und ist am Ende verdient weiter gekommen. Wegen nächster Saison gibt es noch keine klare Richtung und derzeit sind alle Optionen noch offen. Mal schauen.

E-M / JR: Corona beeinträchtigt und bestimmt derzeit unser Leben. Die Weltmeisterschaft in Lettland soll stattfinden und die Vorfreude darauf dürfte trotz Corona für alle Eishockeyfans riesig sein. Deutschland sollte eine schlagkräftige Mannschaft stellen, egal ob mit oder ohne NHL-Spieler. Sie gehören aktuell sicherlich zu den wichtigsten Stützen in der Verteidigung. Werden Sie bei der WM dabei sein?
Korbinian Holzer: Ja, ich denke ich werde wieder dabei sein.

E-M / JR: Sicherlich schwer zu beurteilen, da aktuell nicht feststeht mit welchem Team Deutschland bei der WM antreten wird. Dennoch die Frage, was denken Sie, was kann die deutsche Nationalmannschaft in diesem Jahr bei der WM erreichen? Kann man inzwischen sogar von einer Medaille träumen, sollte ein Großteil der Topspieler dabei sein?
Korbinian Holzer: Da sollte man schon auch realistisch bleiben und man muss auch abwarten, welche Spieler insgesamt zur Verfügung stehen, auch bei den anderen Nationen. Aber klar, wir wollen natürlich wieder eine gute WM unter diesmal schwierigen Bedingungen spielen und auf jeden Fall wieder ins Viertelfinale. Dann kann man weiter schauen.

E-M / JR: Leider wird man wohl aber auf Leon Draisaitl, Dominik Kahun, Philipp Grubauer und Nico Sturm verzichten müssen. Die Playoff-Teilnahme derer NHL- Teams ist so gut wie sicher und aufgrund von Corona- und Quarantäne-Bestimmungen wird es dann zeitlich nicht mehr reichen, sollten die Teams in der ersten Runde der Playoffs ausscheiden. Sicherlich wird das die Nationalmannschaft bei der WM schwächen?
Korbinian Holzer: Ja, dass man solche Ausnahmespieler wahrscheinlich nicht dabei haben kann, ist sicherlich schade, aber damit muss man immer rechnen. Mich persönlich freut es, wenn die deutschen Spieler drüben eine gute Rolle spielen und eine Chance auf den Stanley Cup haben. Auch das hilft dem deutschen Eishockey.

E-M / JR: Sie verfolgen sicherlich auch die DEL aufmerksam. MagentaSport überträgt täglich, haben Sie diesen Service auch genutzt, um Spiele aus der höchsten Deutschen Eishockey-Liga anzuschauen?
Korbinian Holzer: Ja, wenn es zeitlich möglich ist, versuche ich immer wieder Spiele zu schauen. MagentaSport hat auch bei mir in Russland oder Nordamerika funktioniert, da war es nur immer etwas schwieriger wegen der Zeitverschiebung.

Korbinian Holzer

Korbinian Holzer im Trikot der Maple Leafs – © by NHL Media

E-M / JR: Die Spieler haben mit großen Zugeständnissen mit dafür gesorgt, dass es überhaupt eine Saison 2020/2021 geben konnte. Obwohl es diese Saison keinen Abstieg aus der Liga gibt, haben die Clubs der DEL munter Kontingentspieler nachverpflichtet. Oftmals waren diese Nachverpflichtungen nicht notwendig und es hätte die Möglichkeit gegeben, dafür junge Spieler einzusetzen. Auf der einen Seite Gehaltsverzicht, auf der anderen Seite Nachverpflichtungen. Wie sehen Sie das?
Korbinian Holzer: Klar hätte die Möglichkeit bestanden und wäre es fürs deutsche Eishockey wünschenswert, wenn die Clubs viele junge deutsche Spieler einsetzen würden, aber da spielen schon auch viele Faktoren mit rein. Ich kenne die Situation bei den einzelnen Clubs leider nicht und deswegen steht es mir da auch nicht groß zu jetzt einfach ein Urteil zu fällen. Am Ende zählen nun mal Ergebnisse und da wollten vielleicht einige Teams nicht das große „Risiko“ eingehen. Dieses Problem besteht leider auch nicht erst seit Corona.

E-M / JR: Es gibt auch diese Saison Clubs in der DEL, die spielen mit sage und schreibe sieben(!) Kontingentstürmern. Ist diese Anzahl nicht eindeutig viel zu hoch und nimmt den jungen Deutschen Spielern die Möglichkeit in der Liga zu spielen? Die DEL sieht derzeit eine Selbstbeschränkung an Kontingentspielern von 9+2 vor. Fast alle Clubs schöpfen diese erlaubte Anzahl an Kontingentspieler aus. Muss man denn nicht jetzt darüber nachdenken, an der Anzahl der erlaubten Kontingentspieler etwas zu verändern?
Korbinian Holzer: Auch diese Diskussion wird in Deutschland schon jahrelang immer wieder mal mehr, mal weniger geführt. Ich persönlich denke schon, dass man mittelfristig gesehen mit den Kontingentstellen runtergehen könnte, speziell mit dem kommenden Auf- und Abstieg wäre eine gleiche Anzahl zwischen DEL und DEL 2 eventuell sinnvoll.

E-M / JR: Die Nachwuchsarbeit hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert und es gibt eine viel größere Anzahl an jungen talentierten Spielern als früher. Eine Reduzierung der Kontingentspieler auf höchstens sechs je Club, dafür ein vermehrter Einbau junger Spieler in die Teams. Wäre das nicht der richtige Weg, neben einem moderaten Gehaltsverzicht der Spieler, die Kosten der Spielerkader zu senken und zugleich das Deutsche Eishockey weiter zu fördern?
Korbinian Holzer: Schwer zu sagen was die „magische Zahl“ ist, aber es hilft den jungen Spielern auch nix, wenn sie nur als Füllmaterial geholt werden. Auf einen Schlag 3-5 Stellen pro Team zu reduzieren ist schon heftig und da stellt sich die Frage, ob dafür schon ausreichend gute, junge deutsche Spieler zur Verfügung stehen. Man muss sich deshalb auch andere Regelungen anschauen, um es machbar umzusetzen. Viele Ü23 Spieler werden ebenso aus der Liga gedrängt, obwohl sie weiterhin gut genug wären und sicherlich auch nicht zu teuer. Eine Reduzierung der Kontingentstellen sollte wenn dann also eher in mehreren Schritten erfolgen, um den jungen Spielern auch die Zeit zu geben sich so zu entwickeln, dass sie bereit sind für die DEL.

E-M / JR: In der Schweiz soll die Anzahl der Kontingentspieler auf sieben je Club erhöht werden. Der Schweizer Eishockeyverband, die Spieler und die Fanszene wehren sich massiv dagegen und haben dies zu einem großen Thema gemacht. In Deutschland scheinen sich Verband, Spieler und Fans nicht in stärkerem Maße für eine Reduzierung der Kontingentstellen einzusetzen. Können Sie uns erklären, warum es hier kein größeres Bestreben gibt, an dem derzeitigen Status quo etwas zu verändern?
Korbinian Holzer: Es kommt ja wie gesagt immer wieder mal die Diskussion dazu auf. Im Endeffekt ist die DEL eine eigene Gesellschaft und die Vereine entscheiden alle zusammen. Da ist es dann so, dass nunmal bei vielen Teams nordamerikanische Manager und Trainer sind und vielleicht nicht der ganz große Wille da ist, die Situation groß zu ändern.

Korbinain Holzer – © by Sportfoto-Sale (DR)

E-M / JR: Mit der Gründung der Spielervereinigung gibt es inzwischen einen Zusammenschluss der Spieler in Deutschland. Sollte sich die Spielervereinigung nicht auch dafür einsetzen, mit den Clubs bezüglich dieses Themas ins Gespräch zu kommen? Wenn sich langjährige erfahrene Spieler zusammenschließen und mit einer gemeinsamen Stimme darauf drängen, dann müsste dies doch auch bei den Clubs Gehör finden?
Korbinian Holzer: Die Spielervereinigung ist und soll ja kein Gegenpol zur Liga sein. Wir wollen konstruktiv zusammen arbeiten. Man kann solch ein Thema sicherlich auf die Agenda setzen und sich mit einer Stimme dafür einsetzen. Dazu gehören dann aber auch die Kontingentspieler, die auch, wie alle anderen Spieler in der Liga, mit Verzichten zu großen Teilen mitgeholfen haben, dass diese Saison überhaupt gespielt werden kann. Das darf man bei der ganzen Diskussion nicht vergessen.

E-M / JR: Franz Reindl hat in Schweizer Medien die Schweizer davor gewarnt die Kontingentstellen zu erhöhen und es als großen Fehler bezeichnet, diese erhöhen zu wollen. Als der inzwischen ehemalige Sportdirektor Stefan Schaidnagel die DEL im Rahmen des Deutschland-Cups 2019 animiert hat, die Kontingentstellen doch endlich zu senken, hielt sich Franz Reindl vornehm zurück. Können Sie verstehen, warum Herr Reindl und der Verband nicht mehr Druck in Sachen Reduzierung der Kontingentstellen auf die DEL ausüben? Sollte da die Spielervereinigung nicht auch das Gespräch mit dem DEB suchen?
Korbinian Holzer: Auch hier gilt der Ansatz von gemeinsamen, konstruktiven Gesprächen zwischen Liga, DEB und nun auch Spielervereinigung. Man muss schauen, dass man zusammen eine Lösung findet, an der alle Beteiligten Interesse haben. Man sollte nicht durch irgendwelche Aussagen Druck ausüben, sondern muss Lösungen präsentieren, die alle überzeugen. Es wird Zeit, dass im gesamten deutschen Eishockey endlich zusammen gearbeitet wird und nicht immer gegeneinander und da glaube ich, ist man mittlerweile nicht mehr auf einem ganz falschen Weg.

E-M / JR: Man hat den Eindruck Kritik an der DEL scheint unerwünscht und derjenige der Kritik an der Liga äußert, wird in seine Schranken verwiesen oder ausgegrenzt. Kritik ist aber etwas, mit dem ein funktionierendes System zu Recht kommen sollte. Können Sie es sich erklären, warum die DEL überhaupt nicht klar kommt, mit sachlichen kritischen Äußerungen zu bestimmten Themen?
Korbinian Holzer: Das ist auch immer irgendwo Ansichtssache. Kritik äußern ist nunmal immer einfacher, als Kritik anzunehmen und jedem ist es selbst überlassen, wie man mit kritischen Aussagen umgeht. Sicherlich, man kann darüber diskutieren, ob auf Seiten der Liga nach außen hin in manchen Situationen etwas transparenter gearbeitet werden kann, um so auch mal Angriffsfläche für Kritik zu nehmen, aber dafür kenne ich auch hier die internen Abläufe zu wenig, um eine klare Einschätzung geben zu können.

E-M / JR: Herr Holzer, vielen Dank dass Sie sich Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet haben!

(Jörg Reich)

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