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Berlin. (TWL) Er gilt als Königstransfer der Eisbären: Der 28-jährige Goalie Mathias Niederberger wechselte Anfang der Saison von der Düsseldorfer EG (DEG) zu den... Königstransfer Mathias Niederberger: „Ich glaube fest daran, dass wir mit den Eisbären diese Saison Deutscher Meister werden können“

Mathias Niederberger jubelt. – © ISPFD


Berlin. (TWL) Er gilt als Königstransfer der Eisbären: Der 28-jährige Goalie Mathias Niederberger wechselte Anfang der Saison von der Düsseldorfer EG (DEG) zu den Eisbären Berlin.

Schon seit Jahren gehört der gebürtige Düsseldorfer zu den besten deutschen Torhütern, in dieser Saison mit einer Fangquote von 92,2%.

Mathias Niederberger ging nach seiner Ausbildung in Düsseldorf nach Kanada und in die USA (2011-2014). Dort spielte er bei den Barrie Colts in Ontario in der Juniorenliga (OHL) und in der East Coast Hockey League. Dann ging es in die American Hockey League (Manchester Monarchs). 2014 führte sein Weg das erste Mal nach Berlin. Als Backup von Weltmeister-Torwart Petri Vehanen kam er auf 12 Einsätze. Dann ging er in seine Heimatstadt Düsseldorf zur DEG (2015) zurück, wo er zweimal DEL-Torhüter des Jahres wurde.

2016 wurde er Deutscher Nationalspieler. Sein internationaler Stern ging bei der WM 2019 auf. Dort wurde er drittbester Torhüter hinter Andrei Vasilevski (Tampa Bay Lightning) und Kevin Lankinen (Chicago Blackhawks) und erreichte in sechs Spielen eine Fangquote von herausragenden 94,17%.

Mathias Niederberger kommt aus einer begeisterten Eishockeyfamilie. Sein Vater Andreas Niederberger spielte als Verteidiger ebenfalls bei der DEG (5 x Deutscher Meister) und war auch Deutscher Nationalspieler. Bruder Leon ist mittlerweile bei den Krefelder Pinguinen in der Offensive unter Vertrag. Beide spielten auch zusammen eine Zeit lang in Düsseldorf.

In unserem Interview sprachen wir mit Mathias Niederberger über die Saison und die Meisterschaftschancen der Berliner, seine NHL-Ambitionen, sein Torwartspiel und die bevorstehende WM. Das Interview führte Thomas Wisniewski-Lüke.

Goalie Mathias Niederberger – © Sportfoto-Sale (DR)

E-M./Thomas Wisniewski-Lüke (twl): Hast Du nach dem Magentasport-Cup gedacht, dass die Eisbären so eine Hauptrunde hinlegen würden? Klarer Erster in der Nord-Gruppe mit acht Punkten Vorsprung?
Mathias Niederberger: Ich wusste, dass wir stark sein würden. Wir hatten beim Magentasport-Cup noch nicht alle Spieler zusammen, auch viele junge Spieler aus Los Angeles waren da. Wir hatten zu der Zeit einen richtigen Lernprozess. Aber mir war klar, dass wir eine starke Mannschaft haben werden. Man konnte damals nur noch nicht sehen, auf welchem Platz man landen würde.

E-M./twl: Jetzt kommen die Playoffs. Woran kann man in der kurzen Zeit noch arbeiten, damit die Playoffs erfolgreich sein können?
Mathias Niederberger: Es werden noch einzelne wichtige Punkte angesprochen. Aber es wird jetzt nicht alles über den Haufen geworfen. Wir werden uns jetzt so vorbereiten, wie wir spielen wollen. Wir schauen uns an, wo der der Gegner stark ist. Darauf werden wir uns vorbereiten. Und dann bestmögliche Playoffs spielen.

E-M./twl: Viele Experten und Journalisten haben darauf geschaut, wie die Eisbären gegen die Schwergewichte München und Mannheim spielen. Gegen München habt ihr zweimal verloren, gegen Mannheim jeweils einmal gewonnen und verloren. Wie ist das jetzt mit der Augenhöhe? Wie ist Dein Fazit?
Mathias Niederberger: ich finde, wir haben das Spiel in Mannheim ziemlich dominiert. Da sind wir auf Augenhöhe. Ich habe das auch so erwartet. München hat einfach wahnsinnig stark gespielt. Die Münchener haben uns da zurechtgewiesen. Wir hatten dort nicht unsere besten Spiele. Aber es war wichtig zu sehen, wo man steht.

E-M./twl: Aber jetzt beginnen die Playoffs erst einmal gegen Iserlohn. Die Eisbären haben dreimal gewonnen, einmal verloren. Was muss man bei den Iserlohn Roosters beachten?
Mathias Niederberger: Man muss diszipliniert spielen. Bei Iserlohn sind in der Offensive Spieler, die technische Qualitäten haben, flink und kreativ sind und auch wissen, wo das Tor steht.

E-M./twl: Du sprichst wahrscheinlich die starke erste Reihe der Iserlohner mit Whitney, Bailey und Grenier an. Wie bereitest Du Dich/Ihr Euch insbesondere auf diese Spieler vor?
Mathias Niederberger: Es wird wichtig sein, dass sie gegen uns keine Tore schießen. Wir schauen uns natürlich an, wie sie spielen, auch ihr starkes Powerplay. Ich muss auch schauen, welche Tendenz sie haben, wo sie hin schießen. Aber man darf sich nicht zu sehr versteifen und denken, dass wird dann auch so kommen. Dazu ist das alles viel zu dynamisch. Man kann das nicht alles am Reißbrett planen.

E-M./twl: Düsseldorf ist Dein Heimatverein. Die DEG kommt nicht in die Playoffs. Bedauerst Du das? Es wäre sicherlich ein interessanter Vergleich geworden?
Mathias Niederberger: Es wäre sicherlich interessant gewesen. Natürlich hätte ich es der DEG mehr gegönnt als einigen anderen Mannschaften. Auf der anderen Seite sind sie wohl leider zu recht nicht in die Playoffs gekommen. Die Tabelle lügt da nicht.

Ich möchte dem Team helfen und ein guter Rückhalt sein

Mathias Niederberger – © Sportfoto-Sale (DR)

E-M./twl: In den Playoffs wird es – gerade für einen Torhüter – noch wichtiger sein, keine Fehler zu machen. Wie kommst Du mit dem Druck klar? Hast Du spezielle Entspannungstechniken?
Mathias Niederberger: Ich bereite mich schon seit Jahren mit der gleichen Routine vor. Da geht es zum Beispiel um das Warmmachen und meine Konzentrationsvorbereitung. Ich versuche, die Abläufe immer gleich zu halten. So bekommt man konstante Ergebnisse hin. Es geht nicht unbedingt darum, welches Spiel es ist, sondern der Schlüssel ist, dass zu machen, was man sich vornimmt. Daraus entstehen letztendlich gute Leistungen, so dass ich dem Team dann helfe und ein guter Rückhalt sein kann.

E-M./twl: Du machst einen sehr zielstrebigen Eindruck, liest zum Beispiel Bücher über Projektmanagement. Bist Du ein planerischer Mensch? Überlegst Du Dir auch genau Deine nächsten Karriereschritte?
Mathias Niederberger: Ja, insgesamt schon. Ich bin ziemlich reflektiert. Ich habe ein ziemlich offenes Mindset. Es ist ziemlich wichtig, sich nicht auszuruhen. Es gibt immer Möglichkeiten, zu wachsen. Die versuche ich dann auch wahrzunehmen.

Die Eisbären waren der nächste Schritt

E-M./twl: Jetzt ist die Saison fast um. Du hast gesagt, die Eisbären sind der nächste Schritt nach der DEG. Waren die Eisbären denn wirklich der nächste Schritt?
Mathias Niederberger: Definitiv. Die Eisbären waren der nächste Schritt. Die Erwartungen sind einfach größer. Vom Staff her ist alles größer. Der Torwart-Trainer ist die ganze Zeit da. Das war jetzt schon der nächste Schritt. Auf alle Fälle.

E-M./twl: Ich habe mir zur Vorbereitung verschiedene Interviews angeschaut, unter anderem das Format „Eiszeit“ aus dem Jahr 2014 mit einem Interview mit Des Squire. Da bist Du gerade aus der AHL (Manchester Monarchs) nach Berlin gekommen – Petri Vehanen (der finnische Weltmeister) wurde damals auch verpflichtet. Du wurdest damals immer wieder danach gefragt, ob die NHL Dein Ziel bleibt. In einem Interview hast du 2014 so geantwortet: „Die NHL ist eigentlich immer das, was ich erhoffe zu erreichen. Aber jetzt bin ich erst einmal glücklich, hier in Berlin zu sein. Ich möchte mich hier natürlich weiterentwickeln, um dann hoffentlich wieder den Weg nach Nordamerika zu schaffen.“ Ist das auch Deine Antwort im Jahr 2021?
Mathias Niederberger: Sag niemals nie. Mein planerischer Horizont ist aber deutlich kürzer. Ich konzentriere mich erst einmal darauf, in Berlin erfolgreich zu sein.

E-M./twl: Du hast einen Zweijahres-Vertrag bei den Eisbären unterschrieben. Wenn Luc Robitaille, der Präsident der Los Angeles Kings nächste Saison kommt und sagt: „Unsere Goalies Jonathan Quick, Cal Petersen und Troy Grosenick sind alles gute Torhüter. Wir wollen aber, dass Du in der nächsten Saison für uns hältst?“ Was würdest Du ihm sagen?
Mathias Niederberger: (lacht) „Ihr habt die Verfügung über die Eisbären Berlin“ – dann werde ich dagegen nichts machen können.

Bei der WM ins Viertelfinale zu kommen, wäre ein großer Erfolg für Deutschland

Mathias Niederberger – © Sportfoto-Sale (DR)

E-M./twl: In 33 Tagen Tagen beginnt die WM in Lettland. Du warst einer der großen Gewinner der letzten WM 2019. Drittbester Torhüter hinter Andrei Vasilevski (Tampa Bay lLightning) und Kevin Lankinen (Chicago Blackhawks). In sechs Spielen hattest Du eine überragende Fangquote von 94,17 Prozent, besser als ein gewisser Henrik Lundquist (lange Jahre in New York) oder Matt Murray (Ottawa). Ist da Dein internationaler Stern aufgegangen?
Mathias Niederberger: Ja, absolut. Sich international zu messen und erfolgreich zu sein katapultiert einen schon weiter nach vorne. International zu spielen ist sowieso sehr bedeutsam für mich. Deswegen freue ich mich, wenn ich die Chance bekomme für die deutsche Nationalmannschaft zu spielen. Es ist auch schön zu sehen, wenn ich großes Vertrauen vom Bundestrainer genieße.

E-M./tw: Jetzt geht es bald zur WM. Du hast wahrscheinlich regelmäßig Kontakt mit Bundestrainer Toni Söderholm. Wie schätzt Du deine persönliche Situation ein? Wirst Du die Nummer 1 sein im deutschen Tor? Es kann dabei auch sein, dass Thomas Greiss von den Detroit Red Wings nicht in die Playoffs kommen wird und bei der WM spielen wird.
Mathias Niederberger: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich glaube, ich habe insgesamt gute Chancen und glaube, dass mir Bundestrainer Toni Söderholm vertraut. Der Bundestrainer hätte – denke ich – kein Problem damit, wenn ich wieder für Deutschland spielen würde. Wenn die NHL-Torhüter dann kommen, ist das klar, dass sie den Vorzug bekommen. Das verstehe ich auch. Die haben eine sehr große Qualität. Die sind nicht umsonst in der NHL. Das ist dann halt so.

E-M./tw: Wir sind in einer Gruppe mit USA, Kanada, Finnland, Lettland, Kasachstan, Norwegen, Italien. Welche Chancen hat die deutsche Mannschaft weiterzukommen? Was wäre ein Erfolg für Deutschland bei der WM?
Mathias Niederberger: Ins Viertelfinale zu kommen, wäre ein großer Erfolg für Deutschland.

E-M./tw: Du hast ein spezielles Verhältnis zu Philipp Grubauer. Er spielt in der NHL bei Colorado Avalanche.
Mathias Niederberger: Ja, wir haben ein ziemlich gutes Verhältnis. Wir denken ziemlich gleich, was das Torwartspiel angeht. Ich kann mir sehr viel von ihm abschauen. Wir können uns auch ziemlich auf Augenhöhe unterhalten. Wir verstehen uns sehr gut. Er ist auch ein sehr entspannter Typ, genauso wie ich.

E-M./tw: Bei der WM sind viele Scouts aus der NHL da. Wie wichtig ist es für Deine persönliche Karriere, bei der WM zu spielen?
Mathias Niederberger: Na klar. Sich international zu präsentieren, ist immer gut und steigert auch den Marktwert.

Mathias Niederberger im Tor der DEG – © Sportfoto-ale (JB)

Nun zu unserern best of seven:

1. Es ist erstaunlich, wie Dein Eisbären-Torwart-Kollege Tobi Ancicka diese Saison in seinen Spielen hält. Traust Du ihm zu, mal Nummer Eins bei den Eisbären zu werden? Oder noch mehr?
Mathias Niederberger: Ich denke schon. Es ist natürlich schwer zu sagen in dem Alter. Aber es geht in die richtige Richtung.

2. Was macht Dich besser als Ancicka? Was zeichnet Dein Torhüterspiel aus, was andere vielleicht nicht haben?
Mathias Niederberger: Ein Mix aus Athletik, Spielverständnis und Kämpferherz.

3. Es gibt sehr viele gute deutsche Torhüter für wenige Plätze in der Liga. Oder auch international. Wie schwierig ist der Konkurrenzkampf?
Mathias Niederberger: Man muss auch Glück haben. Das beste Beispiel war der Wechsel von Berlin nach Düsseldorf im Jahr 2015. Wäre mein Vorgänger da geblieben, hätte ich die Chance zu spielen nicht bekommen. Ich bin mir sicher, dass ich den Schritt als Stammtorhüter auch geschafft hätte. Aber es hätte vielleicht länger gedauert, vielleicht erst zu einem späteren Zeitpunkt

4. Wer ist momentan der beste Torhüter weltweit?
Mathias Niederberger: Eine schwierige Frage. Kann ich nicht beantworten. Es ist manchmal Formsache. Es gibt keinen. der so deutlich heraussticht.

Als Sportler hat man eine gewisse Plattform. Wenn man die positiv nutzt, hat man auch Einfluss.

5. Du unterstützt den Verein „Hockey is Diversity“ und forderst konsequentes Vorgehen gegen Rassismus. Gesellschaftliches Engagement ist Dir wichtig, das sieht man auch auf deinen sozialen Medien. Wie wichtig ist Dir das?
Mathias Niederberger: Sehr wichtig. Als Sportler hat man eine gewisse Plattform. Wenn man die positiv nutzt, hat man auch Einfluss. Ich bin beispielsweise anderer Meinung als Zlatan Ibrahimovic (Red: Fußballspieler), der gesagt hat, dass man sich als Profisportler nur auf den Sport konzentrieren sollte. In meinen Augen ist das absoluter Riesenunsinn. Man sollte mit seinen Positionen versuchen, auch Debatten zu beeinflussen.

6. Hand aufs Herz. Ist die Trikotnummer 35 von den Eisbären in den ganzen Jahren als Du nicht in Berlin warst (2015-2020) für Dich reserviert worden?
Mathias Niederberger: Ja.

7. Du hast in Interviews immer wieder gesagt, Dein großer Wunsch ist es Meister zu werden. Wäre das jetzt der Moment? Glaubst Du daran jetzt Meister zu werden? Auch ohne Leo Pföderl.
Mathias Niederberger: Na klar. Sonst würde ich nicht spielen und wir bräuchten gar nicht anzutreten. Ich glaube fest daran, dass wir mit den Eisbären diese Saison Deutscher Meister werden können.

Vielen Dank für das Gespräch

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Sollten die Kontingentstellen in der DEL, wie in "Powerplay26" vorgesehen, nun schrittweise bis 2026 auf sechs Stellen reduziert werden?

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