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Bad Tölz. (JR) Klaus Kathan war einer der erfolgreichsten Stürmer der DEL und langjähriger Nationalspieler für Deutschland. Insgesamt 16 Spielzeiten verbrachte er bei verschiedenen... Klaus Kathan: „Für Deutsche Spieler über 23 Jahre wird es jetzt nochmals schwieriger in der DEL zu spielen“

Klaus Kathan – © by Ehliz

Bad Tölz. (JR) Klaus Kathan war einer der erfolgreichsten Stürmer der DEL und langjähriger Nationalspieler für Deutschland. Insgesamt 16 Spielzeiten verbrachte er bei verschiedenen Clubs in der DEL.

Seine Karriere ausklingen ließ er da wo alles begann, bei seinem Heimatverein EC Bad Tölz. Der Olympiateilnehmer ist als Trainer im Nachwuchs des EC Bad Tölz dem Deutschen Eishockey erhalten geblieben. Wir haben ihm zum Tölzer Eishockey und zu allgemeinen Themen rund um das Deutsche Eishockey ein paar Fragen gestellt:

Eishockey-Magazin (EM) / Jörg Reich (JR): Hallo Herr Kathan, vielen Dank, dass wir Ihnen ein paar Fragen stellen dürfen!
Die Saison 2020/2021 ist für den kompletten Eishockeysport und vor allem für den Nachwuchs eine schwierige Saison gewesen. Ein Spielbetrieb war nicht erlaubt. In wie weit konnten Sie mit ihrem Team, der U15 des EC Bad Tölz ein Training durchführen?
Klaus Kathan: Zu Beginn der Saison konnten wir in Kleingruppen im Freien trainieren. Kurzzeitig war auch ein Training auf dem Eis möglich, jedoch wurde dies nach kurzer Zeit wieder untersagt. Ausnahmen gab es nur für die Kaderathleten. Insgesamt haben wir versucht das Beste aus der Situation zu machen und alle Spieler haben, soweit es möglich war, voll mitgemacht. Auch die Eltern haben dies vollumfänglich unterstützt, obwohl wir es den Spielern freigestellt haben die Trainingseinheiten wahrzunehmen oder nicht.

E-M / JR: Konnten Sie ohne geregelten Spielbetrieb alle Spieler im Team behalten oder gab es Jungs, die auf Grund dieser Umstände die Lust am Eishockey verloren haben? Wie haben Sie versucht, die Motivation der Spieler hochzuhalten?
Klaus Kathan: Wie schon erwähnt, konnten wir bisher alle Spieler bei der Stange halten und im Bereich der U15 haben wir keine Spieler verloren. Damit sind wir natürlich sehr glücklich und hoffen, dass wir bald wieder „normal“ trainieren können, mit allen Spielern. Das Problem wird vor allem in den jüngeren Jahrgängen zu sehen sein, da ein komplettes Jahr zur Rekrutierung der Kinder fehlt. Wie die Auswirkungen sind, wird man wohl im Laufe der nächsten Saison sehen.

E-M / JR: Wie würden Sie die U15 des EC Bad Tölz in dieser Saison einstufen, ohne Spielbetrieb sicher nicht so einfach? Hatten Sie diese Saison Spieler in ihrem Team, denen Sie eine Profikarriere stand heute zutrauen würden?
Klaus Kathan: Es ist schwierig zu beurteilen, wie die Kinder sich weiterentwickeln, wenn sie älter werden. Aber es gibt auch in dieser Altersklasse bei uns sicherlich einige Spieler, denen stand jetzt eine Profikarriere durchaus zuzutrauen wäre. Insgesamt hätten wir schon eine gute U15 Mannschaft gehabt diese Saison.

E-M / JR: Die Saison 2020/2021 ist so gut wie beendet, die Saison 2021/2022 muss geplant werden. Werden Sie weiterhin die U15 des EC Bad Tölz betreuen oder welches Team übernehmen Sie nächste Saison? Wie ist ihre Planung?
Klaus Kathan: Die Planung ist in vollem Gange und wir hoffen natürlich nächste Saison wieder einen geregelten Spielbetrieb spielen zu können. Aktuell werden beim EC Bad Tölz auch noch einige neue Trainer benötigt. Vermutlich werde ich auch nächste Saison wieder die U15 übernehmen.

Klaus Kathan im Trikot der Tölzer Löwen – © by Sportfoto-Sale (DR)

E-M / JR: Der EC Bad Tölz gehörte in den letzten Jahrzehnten zu den Clubs, bei denen die Nachwuchsarbeit einen großen Stellenwert hatte. Es gab viele Spieler, die in Bad Tölz ausgebildet wurden und dann den Sprung in die DEL und in die Nationalmannschaft schafften. Wird dies auch in Zukunft das Ziel des EC Bad Tölz sein und wird man auch weiterhin Spieler aus der Tölzer Nachwuchsschmiede in der DEL und der Nationalmannschaft sehen?
Klaus Kathan: Also die Nachwuchsarbeit hat in Bad Tölz einen hohen Stellenwert und es sollte auch in Zukunft das Ziel sein, Spieler für die DEL und die Nationalmannschaft aber natürlich auch für die erste Mannschaft der Tölzer Löwen auszubilden. Ich denke, das wird auch weiterhin so sein, dass wir immer wieder gute Spieler im Nachwuchs entwickeln können und diese dann auch als Profi eine gute Karriere haben werden.

E-M / JR: Die Konkurrenz im Nachwuchs in den älteren Altersklassen vor allem durch Red Bull Salzburg/München ist sicherlich größer geworden. Die Gefahr, dass Spieler schon im Nachwuchs abgeworben werden, hat sich wohl verstärkt. Was tut der EC Bad Tölz, um junge Spieler in Bad Tölz zu behalten und sie möglichst in die DEL 2-Truppe zu integrieren?
Klaus Kathan: Die Konkurrenz mit Salzburg ist groß, auch auf Grund der räumlichen Nähe und man wird immer wieder Spieler an die Red Bull Akademie verlieren. Dennoch muss man sagen, auch hier in Bad Tölz haben wir sehr gute Bedingungen, um junge Spieler ausbilden zu können und ihnen eine Perspektive mit dem Einbau in die DEL-2-Mannschaft zu bieten. Es ist natürlich wichtig, dass sie dann bei den Tölzer Löwen eine Chance bekommen und sie sich da weiterentwickeln können.

E-M / JR: Wie würden Sie die Quantität und Qualität des Nachwuchses in den jüngeren Altersklassen beim EC Bad Tölz einstufen? Kommt da genügend nach, oder sehen Sie aktuell Probleme auf den Club zu kommen?
Klaus Kathan: Der EC Bad Tölz profitiert im Nachwuchs auch davon, dass es mit dem SC Reichersbeuern einen zweiten Club gibt, der intensive Nachwuchsarbeit betreibt. Bis zur U13 hat der SC Reichersbeuern eigene Teams, ab der U15 wechseln diese Spieler dann zum EC Bad Tölz. Somit haben wir dann ausreichend Spieler zur Verfügung. Da sieht man schon, die Bedeutung der Nachwuchsarbeit und des Eishockeys rund um Bad Tölz.

E-M / JR: Die Tölzer Löwen spielen eine sehr starke Saison in der DEL 2. Die Mannschaft spielt mit einem sehr kleinen, aber feinen Kader. Der Trainer Kevin Gaudet ist bekannt dafür, hauptsächlich auf erfahrene Spieler zu setzen. Auf den ersten Blick passt der Trainer nicht unbedingt zu einem Club, dessen Philosophie es ist verstärkt auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu setzen. Denken Sie, dass auch bei Gaudet junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in Zukunft wieder verstärkt in die Profimannschaft eingebaut werden können?
Klaus Kathan: Für einen Club wie die Tölzer Löwen muss es immer das Ziel sein eigene Spieler in die Profimannschaft zu integrieren. Mit Maximilian Leitner und Luca Tosto haben es zuletzt auch zwei Spieler geschafft, das Vertrauen des Trainers zu bekommen. Man muss es auch als Ansporn sehen, die jungen Spieler so gut wie möglich auszubilden, damit Sie auch eingesetzt werden. Ich hoffe auch, dass Jürgen Rumrich als Sportdirektor die Einbindung junger Spieler forciert und vorantreibt.

Maximilian Leitner – © Sportfoto-Sale (SD)

E-M / JR: Die Nachwuchsarbeit in Deutschland hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Sehen Sie das auch so? Was sind für Sie die Gründe, warum das Deutsche Eishockey in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt hat?
Klaus Kathan: Ja ganz klar, die Nachwuchsarbeit hat sich enorm verbessert in Deutschland. Vor allem das Fünf-Sterne-Konzept und dem dadurch entstandenen Ansporn, mehr qualifizierte Trainer einsetzen zu müssen, hat dafür gesorgt, dass wir ein viel höheres Niveau erreicht haben. Auch die Ausbildungszentren mit Mannheim, Köln, Berlin und Salzburg haben für eine positive Entwicklung in den letzten Jahren gesorgt.

E-M / JR: Mit Stefan Schaidnagel musste der bisherige Sportdirektor den DEB verlassen. Der Aufschwung des Deutschen Eishockeys ist eigentlich auch eng mit seinem Namen und seinen Konzepten in Verbindung zu bringen. Wie zuversichtlich sind Sie, dass auch mit Christian Künast als Sportdirektor und Claus Gröbner als Generalsekretär der Aufschwung fortgesetzt werden kann?
Klaus Kathan: Also ich kenne sowohl Christian Künast als meinen damaligen Co-Trainer bei den Hannover Scorpions und bei der Nationalmannschaft und auch Claus Gröbner aus meiner Zeit in München. Beide sind mit vollem Herzen und Begeisterung im Eishockey tätig und von daher hoffe ich und denke ich schon, dass wir weiterhin eine positive Entwicklung haben werden.

E-M / JR: Durch die verbesserte Nachwuchsarbeit gibt es inzwischen mehr gute junge Deutsche Spieler als früher. Dennoch ist es für junge Spieler immer noch sehr schwierig in der DEL entsprechende Eiszeiten zu erhalten. Wäre es inzwischen nicht an der Zeit die Kontingentstellen in der DEL zu reduzieren, um den jungen Spieler bessere Möglichkeiten zu bieten und somit auch das Deutsche Eishockey weiter zu stärken?
Klaus Kathan: Ja, ich bin der Meinung sechs Kontingentspieler würden vollkommen ausreichen und es wäre anhand der vielen guten jungen Spieler auch möglich die Stellen für Kontingentspieler entsprechend zu reduzieren. Je mehr Plätze es für junge deutsche Spieler in der DEL gibt, desto besser für die Nationalmannschaft und für das Deutsche Eishockey. Die jungen Spieler müssen ja auch die Möglichkeiten bekommen in Über- und Unterzahl zu spielen und das ist aktuell oftmals nicht gegeben.

E-M / JR: Die DEL erhöht nächste Saison die Lizenzen für U23-Spieler von zwei auf drei, bei gleichbleibender Anzahl der erlaubten Kontingentstellen. D.h. die Plätze für Deutsche Spieler über 23/24 Jahren werden reduziert und eingeschränkt. Können Sie das verstehen? Eine Schrittweise Reduzierung der Kontingentstellen im Zuge der Erhöhung der U23-Spieler auf dem Spielbericht, wäre das nicht eine bessere Alternative?
Klaus Kathan: Generell bin ich nicht so der Freund von vielen Beschränkungen, so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Für Deutsche Spieler über 23 Jahre wird es jetzt nochmals schwieriger in der DEL zu spielen und von daher wäre eine Reduzierung der Kontingentstellen wichtig. Die Clubs argumentieren dagegen immer damit, dass bei einer Reduzierung der Kontingentstellen die Deutschen angeblich so teuer werden. Die Clubs machen die Preise allerdings ja selbst. Diese Diskussion gibt es ja schon seit Jahren. Wenn wir die Kontingentstellen reduzieren, profitieren wir alle davon, auch die Clubs durch eine höhere Identifikation mit den Fans.

E-M / JR: Eine Liga und Sportart ist nur dann eine gesunde Liga und Sportart, wenn sie überwiegend ihre Spieler selbst entwickelt und dann mit einigen starken Spielern aus dem Ausland garniert. Eine Aussage, die man so bestätigen kann?
Klaus Kathan: Absolut richtig, das wäre auch meine Wunschvorstellung.

E-M / JR: Herr Kathan, vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen!

(Jörg Reich)

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Sollten die Kontingentstellen in der DEL, wie in "Powerplay26" vorgesehen, nun schrittweise bis 2026 auf sechs Stellen reduziert werden?

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