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Köln. (EM) Der Eishockeysport steckt weiterhin tief im „Corona-Dilemma“. Noch immer ist nicht klar, ob die kommende Spielzeit 20/21 überhaupt starten kann. In den... Gilt Eishockey mit Zuschauern als ein „Superspreading Event“? – Kampf um den Saisonstart wird immer mehr zum Rennen gegen die Zeit

© Sportfoto-Sale (DR)

Köln. (EM) Der Eishockeysport steckt weiterhin tief im „Corona-Dilemma“. Noch immer ist nicht klar, ob die kommende Spielzeit 20/21 überhaupt starten kann.

In den vergangenen Tagen waren die Klubs aus den Profiligen und den Oberligen mit der Abgabe ihrer Lizenzunterlagen beschäftigt. Die Entwicklung der Fallzahlen stimmt mittlerweile viele Funktionäre und Fans positiv, dass die kommende Saison doch noch starten kann.

Nachdem sich in den letzten Wochen die Berichterstattung im Eishockey sehr stark auf die 25%-ige Gehaltsstundung in der DEL und die angedachte Interessensvertretung der Spieler konzentrierte, wird parallel dazu auch an einem Hygiene- und Schutzkonzept gearbeitet. Der Vollvisierhelm mit Lüftungsschlitzen ist dabei nach wie vor ein Aspekt. Die Umsetzung von Abstandsregelungen im täglichen Miteinander der Spieler ist ebenso ein Punkt. In der Praxis ist es sicherlich nur schwer darstellbar, wie zum Beispiel ein mindestens 30-köpfiger Mannschaftstross (Spieler, Trainer, Betreuer) eine stundenlange Anreise, beispielsweise von Bremerhaven nach Schwenningen, bewältigen soll? Eine Verteilung auf zwei Busse würde sofort die Kosten nach oben schnellen lassen. Auch die Umsetzung der Abstände ist in den oft auf sowieso zu wenige Quadratmeter beschränkten Kabinen alles andere als einfach.

„Ziel mit voller Kapazität in der Arena zu spielen“

Daniel Hopp – © by Sörli Binder

„Unser Ziel muss es blieben mit einer vollen Kapazität in der Arena spielen zu können“, sagt Mannheims Geschäftsführer Daniel Hopp. Weitestgehend einig sind sich praktisch alle Klubvertreter von der DEL bis zur Oberliga, dass sie ohne Zuschauereinnahmen die nächste Spielzeit wirtschaftlich nicht darstellen können. Von den drei Säulen aus TV-Geldern, Zuschauereinnahmen und Sponsoringgeldern ist momentan in der DEL nur das Fernsehgeld planbar. Auf dem Sektor der Sponsoren herrscht durch die aktuelle Corona-Krise eine große Unsicherheit. Von satten TV-Geldern träumen DEL2- und Oberligaklubs ohnehin nur.

Knackpunkt für die Aufnahme des Spielbetriebs dürfte bei allen Planspielen die Frage der Zulassung von Zuschauern sein. Reichen allein sinkende Fallzahlen, um vor der von vielen befürchteten „zweiten Infektions-Welle“ im Herbst grünes Licht für Spiele vor Zuschauern zu bekommen? Diese Frage können wohl nur Experten beantworten. „Geisterspiele“, wie im Fußball sind im Eishockey nicht finanzierbar, wie DEL Geschäftsführer Gernot Tripcke schon mehrfach („Das macht keinen Sinn“) unterstrich. Ebenso kann sich keine Sportliga die Finanzierung von Massentests, wie der Fußball es gerade praktiziert, leisten.

Kommt ein Hilfspaket für Erst- und Zweitligaklubs außerhalb des Fußballs?

In Nordrhein-Westfalen haben sich mittlerweile verschiedenste Profiklubs außerhalb des Fußballs zu „Teamsport NRW“ vereint (wir berichteten), um mit einer möglichst starken Stimme gegenüber der Politik aufzutreten. Über ein Hilfspaket für die Klubs aus den ersten und zweiten Ligen wird momentan auch im Sportausschuss des Bundestages diskutiert.

Werden Sportveranstaltungen in geschlossenen Hallen als sogenanntes „Superspreading Event“ eingestuft?

Noch immer weiß man viel zu wenig über das neue Coronavirus Virus Sars-Cov-2. Ging man anfangs von einer Infektion durch Tröpfchen- und Schmiereninfektion aus, so hat sich seit einigen Tagen die Erkenntnis erhärtet, dass eine Übertragung durch Aerosole eine immer bedeutendere Rolle bei der Übertragung einnimmt. Die Empfehlung zu regelmäßigem Händewaschen und zur Abstandsregel bezogen sich zunächst auf die Tröpfchen- und Schmierinfektion durch Niesen, Husten, Atem, Sprechen oder Singen. Hierbei stößt der Mensch Tröpfchen in allen verschiedenen Größen bis zu einem Millimeter aus. Größere Tröpfchen landen nach maximal 1,5 bis 2 Metern und kurzer Zeit auf dem Boden. Hier hilft das Abstandsgebot. Nun aber hat man erkannt, dass sich winzigste Tröpfchen (Aerosole) auch über eine längere Distanz in der Luft halten. Charité-Virologe Christian Drosten erklärt gegenüber dem Deutschlandfunk: „Wir haben neben der Tröpfcheninfektion auch eine deutliche Zunahme der Aerosolinfektion.“ Drosten vermutet, dass etwa ebenso viele Infektionen über Tröpfchen, wie über Aerosole geschehen seien.

Größere Ausbrüche verzeichnete man zuletzt bezogen auf Aerosole in geschlossenen Räumen ohne entsprechende Durchlüftung oder auch beim Singen eines Kirchenchores.

Noch ist auch in diesem Punkt die Forschung erst am Anfang herauszufinden, wie genau sich das Virus verbreitet. Aktuell geht man davon aus, dass man viele Aerosole einatmen muss, um sich zu infizieren. Die Empfehlung, sich möglichst im Freien zu treffen oder in geschlossenen Räumen auch unter Einbeziehung von Ventilatoren und Lüftungsanlangen für Frischluft zu sorgen, dürfte sich auf Eisporthallen / Arenen nur schwer umsetzen lassen. Ist die neue Erkenntnis über die Verbreitung des Virus über Aerosole also der Knockout für Eishockey vor Zuschauern? Man muss es momentan fast befürchten. Noch aber weiß man offensichtlich auch über diesen Infektionsweg nicht genug, um eine klare und abschließende Empfehlung für den in geschlossenen Hallen ausgetragenen Sport auszusprechen. Nimmt man die aktuellen Erkenntnisse zur Hand, dann dürfte man ein Eishockeyspiel vor vielen emotionsgeladenen, schreienden und singenden Fans als sogenanntes „Superspreading Event“ (Superverbreiter) einstufen.

Die Funktionäre werden sicherlich auch in den kommenden Wochen weiter um eine Aufnahme der Saison 20/21 kämpfen. Eines wird aber mehr und mehr deutlich: Es wird immer mehr auch zu einem Kampf gegen die Zeit. Anfang August wäre regulär bei den meisten DEL/DEL2 Teams Trainingsauftakt auf dem Eis.

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Ein Viertel der Spielergehälter soll eingefroren werden. Wie werden wohl die Spieler reagieren?

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