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Augsburg. (JR) Der gebürtige Augsburger Michael Bakos hatte eine erfolgreiche Spielerkarriere hinter sich, in der er ein fester Bestandteil der Nationalmannschaft war. Er spielte... Ex-Nationalspieler Michael Bakos: „Viele Vorstellungen von uns Trainern sind leider nicht immer so einfach umzusetzen, wie wir uns das wünschen“

Michael Bakos – © by Sportfoto-Sale (DR)

Augsburg. (JR) Der gebürtige Augsburger Michael Bakos hatte eine erfolgreiche Spielerkarriere hinter sich, in der er ein fester Bestandteil der Nationalmannschaft war. Er spielte für die Adler Mannheim, den ERC Ingolstadt, die Straubing Tigers und die Augsburger Panther.

Nach seiner Karriere als Spieler war er für den DEB tätig und anschließend als Trainer im Nachwuchs des Augsburger EV verantwortlich. Ziemlich überraschend beendete er seine Trainerkarriere und verabschiedete sich vom Eishockey komplett. Wir wollten ihm dazu und zu der Entwicklung im Augsburger Eishockey ein paar Fragen stellen.

Eishockey-Magazin (EM) / Jörg Reich (JR): Hallo Herr Bakos, vielen Dank, dass wir Ihnen ein paar Fragen stellen dürfen!
Wie geht es Ihnen aktuell und wie intensiv verfolgen Sie das Deutsche Eishockey aktuell noch?

Michael Bakos: Danke der Nachfrage, mir geht es gut. Ich verfolge das Geschehen im deutschen Eishockey, wenn auch nicht besonders intensiv. Bedeutet im Klartext, ich lese mal hier und da einen Artikel und schaue nach den Ergebnissen.

E-M /J. R.: Sie hatten eine sehr erfolgreiche Karriere, sowohl in der DEL als auch in der Nationalmannschaft. Wie gerne denke Sie noch daran zurück?

Michael Bakos: Wenn ich angestupst werde, wie durch diese Frage zum Beispiel, dann kommen da schon Erinnerungen hoch und auch Schöne natürlich. In jedem der vielen Jahre gab es sehr schöne Phasen und Momente. Als Gesamtes blieb mir dennoch die Zeit mit der Nationalmannschaft und die Saison 2011/12 in Straubing am eindrücklichsten in Erinnerung.

E-M /J. R.: Was waren für Sie die Höhepunkte Ihrer Spielerkarriere?

Michael Bakos: Diese Antwort schwebt durchaus im Einklang mit der vorherigen. Die Nationalmannschaft und die Teilnahme an internationalen Turnieren waren für mich sportlich immer ein Höhepunkt, wie auch diese eine ganz besondere Saison in Straubing.

Michael Bakos im DEB-Trikot – © Sportfoto-Cologne


E-M /J. R.: Nach Ihrer Karriere als Spieler gingen Sie zum DEB. Wie war für Sie die Zeit beim Verband? Welche Erfahrungen konnten Sie mitnehmen und wie würden Sie die Strukturen beim DEB beschreiben?

Michael Bakos: Ich hatte eine gute Zeit beim DEB, wurde gut aufgenommen und habe gerade organisatorisch einiges gelernt. Insbesondere die Heim WM 2017 gab hier auf jeden Fall ein riesiges Lernfeld für mich ab, als ich als Teil des Organisationskomitees einen kleinen Teil zur gelungenen Spitzensportveranstaltung beitragen konnte. Mal ganz ohne Schlittschuhe und Ausrüstung.
Zu den Strukturen beim DEB habe ich nicht viel Aufregendes zu berichten, denn der Großteil der Strukturen ergibt sich aus dem Verbandswesen an sich und ist quasi schon fast vorgegeben. Das Einzige, was ich zu diesem Thema sagen kann, ist dass alle Beteiligten zu jeder Zeit mit Herzblut bei der Sache waren und ihr Bestes beigetragen haben, um das deutsche Eishockey voranzubringen.

Michael Bakos´ Karriere in Zahlen


E-M /J. R.: Anschließend waren Sie für den Augsburger EV sehr erfolgreich im Nachwuchsbereich tätig. Eine Aufgabe, die Sie sehr gereizt hat?

Michael Bakos: Ja schon, sonst hätte ich diese damals auch nicht übernommen.

E-M /J. R.: Wie würden Sie die Nachwuchsarbeit beim AEV einstufen? Was könnte man verbessern, um mehr Spieler für den Profibereich zu generieren und wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Panthern?

Michael Bakos: Da der Sport bekanntlich oft sehr schnelllebig ist und ich mein Amt beim AEV mittlerweile schon vor über drei Jahren niedergelegt habe, kann ich hierzu nicht viel sagen, da mir die Grundlage fehlt mich zu äußern. Hinsichtlich der Zusammenarbeit kann ich einzig aus der Perspektive der Vergangenheit berichten und da haben sich in Augsburg alle involvierten Personen voll engagiert eingebracht, um die Verbindung zwischen Nachwuchs und Profis kontinuierlich zu entwickeln und zu stärken. Tja, und zu verbessern gibt es doch immer etwas. Das ist doch im Sport allgemein ein geläufiges Credo, zufrieden sind wir ziemlich selten.

E-M /J. R.: Ziemlich überraschend haben Sie ihre Trainerkarriere beendet und sich komplett aus dem Eishockey verabschiedet. Was waren die Gründe dafür?

Michael Bakos: Es gab mehrere Gründe für meinen Rückzug, die ich aber jetzt nicht mehr aufwärmen möchte. Fakt ist, ich habe mich zu dieser Zeit nicht mehr in der Lage gefühlt, mit meinem Wirken dauerhaft positiv zur Entwicklung des Eishockeys und seiner Beteiligten beizutragen. Punkt.

E-M /J. R.: Im Deutschen Eishockey verabschieden sich immer wieder Funktionäre oder Trainer aus dem Eishockey, die auf langfristige Konzepte setzen und Verbesserungen der gesamten Sportart auf Dauer erzielen wollen. Man hat den Eindruck, es ist nicht gewollt und DEB/DEL-Funktionäre sind daran nicht interessiert. Ist das auch ihre Erkenntnis aus der Zeit als Mitarbeiter des Verbandes bzw. als Trainer eines Clubs?

Michael Bakos: Jeder Funktionär, egal welche Farbe dieser vertritt, wird in erster Linie immer versuchen seiner Partei und deren Vorhaben bestmöglich zu dienen und die nötigen Entscheidungen hierfür treffen. Ich denke nicht, dass Funktionäre grundlegend etwas gegen Trainer mit langfristigen, entwicklungsorientierten Konzepten haben. Die Vorstellungen und Interessen liegen halt zu gegebenem Zeitpunkt im jeweiligen Fall zu weit auseinander. Die Erkenntnisse hierzu aus meiner Zeit im Eishockey sind: Es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Betroffene Trainer, als auch Funktionäre haben meist triftige Begründungen, welche den eigenen Standpunkt veranschaulichen können. Viele Vorstellungen von uns Trainern sind leider nicht immer so einfach umzusetzen wie wir uns das wünschen. Grundsätzlich wäre es wünschenswert, wenn wir im Eishockey mehr Verständnis füreinander entwickeln könnten, das würde schon sehr viel im Miteinander bewirken.

Michael Bakos als Aktiver – © by EH-Mag.


E-M /J. R.: Insbesondere die DEL ist eine von einer sehr hohen Anzahl an Importspielern geprägte Liga. Genau das verhindert aber doch, dass mehr junge Spieler aus dem Nachwuchs der Stammvereine den Sprung in den Profikader schaffen können. Ist das nicht generell ein großes Problem des Deutschen Eishockeys?

Michael Bakos: Ich muss gerade ein wenig schmunzeln, denn diese Frage verfolgt uns doch schon seit dem Bosman-Urteil, das 1995 am Europäischen Gerichtshof ausgesprochen wurde. Ich habe mich an dieser Frage in der Vergangenheit schon des Öfteren, sowohl als Spieler als auch als Trainer/Funktionär, hin und wieder festgebissen. Als ich, als 17-jähriger Hüpfer, in den Profikader der Augsburger Panther gekommen bin, war ich einer von vielleicht sieben waschechten deutschen Spielern im Kader. Davon waren nur Drei, Harry Birk, Rochus Schneider und Sven Zywitza, gestandene Spieler. Es bringt auch nichts, sich daran aufzuhängen. Ich möchte damit nur aufzeigen, dass es schon weitaus schlechtere Zeiten gab. Es ist nämlich kein Problem, es ist ein Umstand mit dem wir schon sehr lange umgehen dürfen. Und wenn ich mir die Entwicklung unserer Nationalmannschaft und des Nachwuchses im Allgemeinen in den vergangenen 5 Jahren ansehe, dann ist das doch ein sehr positiver Trend. Der, wenn er auch zukünftig bestehen bleibt, weitere positive Auswirkungen zur Folge haben wird. Wichtig ist doch, dass es langfristige Nachwuchskonzepte gibt, die umgesetzt und weiterentwickelt werden und von den Proficlubs mitzutragen sind.

E-M /J. R.: Hat Sie als Nachwuchstrainer dies nicht besonders frustriert? Gerade bei den Augsburger Panthern besteht in diesem Bereich sicherlich Verbesserungsbedarf? Ist es von den Gesellschaftern der DEL gar nicht gewollt, dass mehr Deutsche Spieler in der DEL spielen?

Michael Bakos: Ich denke das ist keine Frage des Wollens, sondern vielmehr des Könnens. Ich denke die Wirtschaftlichkeit spielt hier für sehr viele Clubs eine gewichtige Rolle. Auch wenn der deutsche Spielermarkt sich in den kommenden Jahren quantitativ und qualitativ stetig verbessert, bleibt er im Vergleich zum internationalen Spielermarkt sehr begrenzt. Es erscheint mir logisch, dass Proficlubs ihre sportliche Konkurrenzfähigkeit weitaus schwieriger und langsamer herstellen könnten, wenn das Ausländerkontingent zu stark limitiert würde. Unsere Proficlubs sind Wirtschaftsunternehmen und keine gemeinnützigen non-profit Organisationen. Vielen wird das nicht gefallen, aber es ist dennoch verständlich, dass die Clubs an erster Stelle zusehen müssen das ihr Unternehmen wirtschaftlich und natürlich auch sportlich funktioniert.

E-M /J. R.: Wie sehen Sie die U 23-Regelung? Macht die U23-Regelung denn nicht nur dann Sinn, wenn gleichzeitig die Anzahl der Importstellen reduziert würden?

Michael Bakos: Grundlegend sehe ich die U23-Regelung positiv und sie macht durchaus Sinn, auch wenn sich an der Importspieleranzahl erst einmal nichts ändert. Denn sie öffnet talentierten deutschen Spielern Türen zum Profisport, Türen die ohne diese Regel sonst manchmal verschlossen wären. Auch wenn hinsichtlich der U23-Regelung und Importspielerkontingent immer wieder Kritik Richtung der Profiligen kommt, sollten wir auch daran denken, dass jeder Spieler, egal wie alt und welcher Nation angehörig, Eigenverantwortung für seine Entwicklung und seine Situation trägt. Ich möchte damit nur sagen, dass bei solchen Diskussionen oft das Handeln des Spielers außer Acht gelassen wird. Was trägt der Spieler zu seiner Entwicklung bei? Denn jeder Spieler kann, wenn er Eigenverantwortung übernimmt, mit guter Einstellung zum Sport und dementsprechendem Handeln selbst sehr viel Positives zu seiner persönlichen Entwicklung beitragen. Mit Diskussionen über das Importspielerkontingent, die nur einen Teil der Beteiligten, die Clubs, in die Pflicht nimmt machen wir es den jungen Spielern nicht leichter. Im Gegenteil, wir erschaffen damit Ausreden für die U23-Spielerkategorie, die wir doch eigentlich bestmöglich unterstützen möchten. Klar sollten wir die jungen Spieler an die Hand nehmen und ihnen beste Bedingungen bieten, absolut notwendig, dabei aber nie vergessen, dass die Spieler selbst eine gehörige Portion zur erfolgreichen Eigenentwicklung beitragen müssen. Sonst funktioniert es nämlich auch nicht, das Förderungsprinzip. Und natürlich sollte es das Ziel der Profiligen sein, u. a. mit Maßnahmen wie der U23-Regelung, den deutschen Spielersektor nachhaltig für den Bereich U24 qualitativ und quantitativ zu verbessern, um als Konsequenz daraus die Anzahl der Importspieler reduzieren zu können.

Marco Sternheimer – © Sportfoto-Sale (RST)


E-M /J. R.: Mit Marco Sternheimer und Maximilian Eisenmenger wurden zwei noch entwicklungsfähige Deutsche Spieler aussortiert, der Abgang von Magnus Eisenmenger war wohl eine Folge dessen. Langfristig gesehen hätte der Club sicherlich mehr davon, auf solche Spieler zu setzen, anstatt diese Spieler auszusortieren und durch Importspieler oder eingebürgerte Nordamerikaner zu ersetzen. Wie sehen Sie das?

Michael Bakos: Der Fall Marco Sternheimer ist eine ganz besondere Sache, weil er Augsburger ist, beim Augsburger EV das Eishockey erlernt hat und dann für die Augsburger Panther als Profi aufgelaufen ist. Dazu möchte ich mich nicht äußern, eine Angelegenheit von Marco und den Augsburger Panthern. Das mit der Langfristigkeit ist so eine Sache. Wer kann denn garantieren, dass ein Club langfristig etwas von einem Spieler hat, insbesondere wenn der Club nicht zu den finanzstärksten der Liga gehört. Wenn sich junge Spieler gut bei einem Club wie den Augsburger Panthern gut entwickeln, dann besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass viele dieser jungen Spieler irgendwann den Schritt zu einem anderen Club wagen.

E-M /J. R.: Die Augsburger Panther sind in Gefahr, aus der DEL abzusteigen. Der Angriff schießt bisher die wenigsten Tore. Die nordamerikanisch geprägte Personalpolitik von Lothar Sigl und seinem Team scheint sich sportlich nicht auszubezahlen. Es fehlt ein größerer Stamm an Deutschen Spielern, vor allem im Angriff. Haben sie Hoffnung, dass er auch zu dieser Erkenntnis gelangt?

Michael Bakos: Ich bin optimistisch, dass die Panther noch die Kurve bekommen und in der DEL verbleiben. Mit was anderem außer Phrasen wie, über Personalpolitik lässt sich bekanntlich streiten und im Nachhinein ist man immer schlauer, kann ich Ihnen hierzu aber nicht liefern. Für die Panther ist jetzt am wichtigsten nicht über das Hätte, Wenn und Aber zu sprechen, sondern zusammenzustehen und alle Kräfte zu mobilisieren. Dinge zu kritisieren, die nicht mehr zu ändern sind, ist das letzte, was du in so einer Situation gebrauchen kannst. Da hat Lothar Sigl definitiv was Besseres verdient.

E-M /J. R.: Um mit der Nationalmannschaft international erfolgreich zu sein, benötigt man gute Spieler in der Spitze und in der Breite. Die Breite an Spielern kann es aber nur geben, wenn die Spieler auch die Möglichkeit bekommen in der DEL zu spielen und wichtige Rollen zu übernehmen. Ist dies aus ihrer Sicht in der DEL aktuell ausreichend gegeben?

Michael Bakos: Ich verfolge das Geschehen nur sporadisch und deswegen wäre eine Aussage über das Thema, übernehmen ausreichend deutsche Spieler wichtige Rollen in ihren Clubs, nicht richtig. Eine gewisse Breite in der Qualität ist auf jeden Fall mehr als wünschenswert und macht vieles leichter. Erfolgreich ohne Breite zu sein geht aber auch, die Slowenen haben es über viele Jahre bewiesen. Wir sollten uns daran kein Beispiel nehmen. Doch die DEL ist alles andere als eine klassische Ausbildungsliga. Ich denke die Breite entsteht von unten heraus und die Spitze findet sich dann in der DEL wieder. In der NHL läuft auch nicht jeder Spieler vom ersten Tag seines NHL-Vertrags beim NHL Club auf, sondern muss oftmals erst den Weg über die Zweit-oder Drittklassigkeit antreten. Jüngst hat uns das J.J Peterka gezeigt, der sich über diesen Weg seinen Platz im NHL Team erarbeitet hat.

E-M /J. R.: Haben Sie mit dem Thema Eishockey komplett abgeschlossen oder wäre es denkbar, Sie in Zukunft wieder in einer Funktion im Deutschen Eishockey zu erleben?

Michael Bakos: Mit dem Eishockey werde ich nie abgeschlossen haben, es gehört zu mir wie meine krumme Nase. Momentan bin ich ohne aktive Funktion sehr zufrieden. Die Vergangenheit hat mir gezeigt, dass sich Dinge manchmal schnell verändern können. Vorstellen könnte ich mir eine Tätigkeit die dem Gesamten dienlich ist. Deren neutrale Aufgabe es ist Parteien und unterschiedliche Vorstellungen zusammenzuführen, damit schlussendlich gemeinsame Lösungen erarbeitet werden können und auf den Weg gebracht werden.

E-M /J. R.: Herr Bakos, vielen Dank dass Sie sich Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet haben!

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