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Eishockeystandort Essen liegt wieder einmal am Boden – Wie kann es weitergehen?

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Moskitos Essen – © Sportfoto-Sale (DR)
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Essen. (EM) Das war es dann wohl mit den Moskitos Essen.

Wie bereits berichtet wurde den Moskitos Essen die Lizenz für die Teilnahme am Spielbetrieb der Oberliga Nord verwehrt.

Vor drei Tagen wurde mitgeteilt, dass der ESC Moskitos Essen e.V. keinen Einspruch gegen die Nichterteilung der Lizenz einlegen wird. Darüber hinaus sehen die Verantwortlichen auch keine Möglichkeit in der Regionalliga West an den Start zu gehen. Aufgrund der neuen Berechnungen, die aus der Lohnsteueraußenprüfung für die Jahre 2015 bis 2020 resultieren, ist für die Verantwortlichen um Thomas Böttcher keine wirtschaftliche Basis vorhanden.

Der Eishockeysport in Essen ist damit zum aktuellen Zeitpunkt mausetot. Zumal auch Namenssponsor Wohnbau seinen Rückzug verkündet hat. Die Moskitos Essen dürften Geschichte sein. An der Eissporthalle am Westbahnhof haben Fans mit Schals und Grablichtern ihren Klub quasi schon beerdigt.

Leidtragende sind, wie fast bei jeder Pleite im Eishockey die über 300 Kinder und Jugendlichen im Nachwuchs der Moskitos.

Folgt nun die Gründung eines neuen Vereins?

Alles deutet nun auf einen Neustart hin. Ein neuer Klub soll zeitnah gegründet werden. Der Neubeginn könnte allerdings ganz unten beginnen. In den Durchführungsbestimmungen des Eishockeyverbandes NRW ist klar geregelt, dass Mannschaften, die in der Vorsaison nicht am Meisterschaftsspielbetrieb teilgenommen haben, sich nur für eine Teilnahme in der Bezirksliga bewerben können. Das wäre dann nicht nur ganz bitter, sondern auch ein Schritt mit weitreichenden Folgen für den Standort. Sollte es so kommen, dann dürfte eine Sanierung der über 50 Jahre alten und maroden Eissporthalle noch schwerer zu realisieren lassen. Kenner der Essener Lokalpolitik befürchten sogar über kurz oder lang einen Abriss der ohnehin nicht rentablen Spielstätte, wenn der Eissport wegfallen sollte.

Einlauf Moskitos Essen – © Sportfoto-Sale (DR)

Durch die Hintertür doch noch in die Regionalliga?

Eine kleine Hintertür bliebe bei einem Neustart dennoch. Für einen Start in der viertklassigen Regionalliga müssten die Essener vom EHV NRW Präsidium und den Obleuten grünes Licht erhalten. Voraussetzung dafür wäre neben einem spielfähigen Kader natürlich auch eine wirtschaftliche Stabilität. Aufgrund des geringen Zeitfensters wären Auflagen mit Fristen zu erwarten. Beim Verband legt man Wert darauf, dass Neugründungen keine Schnellschüsse sind, die in überschaubarer Zeit direkt in die nächste Pleite rutschen.

Etwas bessere Perspektive für die Nachwuchsteams

Für den Nachwuchs scheint man im NRW-Verband laut WAZ Essen deutlich wohlwollender gestimmt zu sein. Alle Ligen bis zur U15 sind sogenannte Meldeligen, für die eine sportliche Qualifikation nicht zwingend erforderlich ist. Anders sieht es dann schon wieder für die Jugendlichen der U17 und U20 aus. Beide Teams haben in der letzten Saison unter dem Dach des Deutschen Eishockey Bundes (DEB) in den Nachwuchsligen DNL Div. II Nord (U17) und DNL Div. III (U20) gespielt. Die Skater (ehemals Rockets) der Moskitos könnten ihren Startplatz relativ mühelos an einen neuen Verein übertragen.

Die Zukunft des Standortes Essen ist also mehr als unsicher und zudem steht man unter großem Zeitdruck.

Fabio Frick wechselt nach Hamm

Fabio Frick spielt zukünftig in Hamm – © Sportfoto-Sale (DR)

Klar ist, dass aus dem geplanten Oberligakader die verpflichteten Spieler sich nach Alternativen umschauen. Fabio Frick, immerhin seit 2018 mit einer eineinhalbjährigen Unterbrechung ein Moskito, hat sich bereits dem Reviernachbarn Hammer Eisbären angeschlossen.

Mit Justus Roth, Maurice Becker, Lukas Mannes, Jesper Akerman, Elvis Biezais, Ugnius Cizas, Alex Komov, Lennart Otten, Ralf Rinke, Enrico Saccomani, Lukas Valasek und Daniel Weiß stand bereits ein Dutzend Spieler neben Frick unter Vertrag. Mit Mikhail Nemirovsky wurde bereits ein erfahrener Coach verpflichtet.

Moskitos rutschten seit 2002 immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten

In den sozialen Netzwerken trauern die Anhänger um ihren Herzensklub. Immerhin gab es die Moskitos Essen seit 1994. Aufstiege bis in die DEL (1999) gehörten ebenso zur Historie wie Pleiten. 2002 setzte die Insolvenz mit dem Ausschluss aus der DEL dem Höhenflug vorerst ein Ende: Juristische Auseinandersetzungen und die Ankündigung nur ein „Partyjahr“ bis zur Rückkehr ins Oberhaus einzulegen prägten diese Phase. Es folgte der Neubeginn in der Regionalliga und die schrittweise Rückkehr in die zweite Liga. 2006 konnte durch eine Auffanggesellschaft eine erneute Pleite vermieden werden. 2008 sprangen dem verschuldeten Klub erneut Gönner zur Seite, was die Insolvenz aber letztlich doch nicht verhindern konnte. Mit der zweiten Mannschaft ging es in der Regionalliga weiter. Die nächste Insolvenz ließ 2011 nicht lange auf sich warten. Es ging dennoch sportlich weiter. Nach vier intensiven Jahren konnten die „Stechmücken“ Ende März 2015 das Planinsolvenzverfahren endlich verlassen und wieder als eigenständiger Verein agieren. Es folgte der Einstieg der Wohnbau als Sponsor und Namensgeber. 2020 zogen sich die Moskitos in die Regionalliga zurück. Seit der Saison 21/22 waren sie wieder fester Bestandteil der Oberliga Nord.

Dieser Rückblick zeigt, dass dieser Standort immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten steckte und sich dadurch immer wieder als ambitionierter Oberligist in der Regionalliga neu aufstellen musste.

Große Namen in der Historie, Fans tendieren bei Neustart zu den alten Vereinsfarben des EHC

Michael Wolf im Trikot der Moskitos 2004 – © Sportfoto-Sale / Eh.-Magazin Archiv

In der Moskito-Historie haben ehemalige Größen wie Esa Tikkanen (2000/2001), Tyson Mulock (06/07), Conny Strömberg (06/07), Eric Legros (1994-1999), Rick Goldmann (2000-2002), Radek Toth (1998-2000), Bodo Müller-Boenigk (1994-2000 / 2002/2003), Petr Fical (2001/2002), Michael Wolf (2004/2005), Peter Draisaitl (1998-20009 und Kari Rosenberg (1996-1998) einen besonderen Platz in den Herzen der Fans.

Im Netz fordern immer mehr Anhänger für den Fall eines Neuanfangs eine Rückkehr zu den alten Vereinsfarben blau und gelb des Vorgängervereins EHC Essen-West. Mit den Moskitos scheinen trotz der schmerzhaften letzten Tage viele Fans abgeschlossen zu haben.

Fraglich, ob sich die Geschichte mit diversen Neustarts in der Regionalliga nun erneut wiederholen lässt und ob man nun endlich seriöse Perspektiven schaffen kann?

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