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„Die Drittelpause“: Zeichen gesetzt! Bleibt der Disziplinarausschuss nun auch konsequent?

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Spieler knien schützend vor Edwin Tropmann vom ERC Ingolstadt - © Bruno Dietrich / City-Press
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Das Wichtigste vorab: Edwin Tropmann konnte laut ERC Ingolstadt am heutigen Mittwochnachmittag das Klinikum Ingolstadt verlassen. Auf seinem Insta-Account bedankt sich der 20- jährige Verteidiger vor einem Transparent („Stay strong, Edwin“) für die Unterstützung der Fans. Nach der heftigen Attacke von Münchens Fabio Wagner hat er eine Kopf- und Nackenverletzung davongetragen. Bleibt zu hoffen, dass Edwin Tropmann wieder vollständig genesen wird. Alle Daumen sind gedrückt!

Insgesamt 125 Strafminuten verhängten die Schiedsrichter am Dienstagabend gegen München, deren 30 waren es gegen Ingolstadt.
Keine Frage: In den Playoffs geht es nochmal eine Spur intensiver zur Sache und in einem so körperbetonten Sport, wie es Eishockey nun mal ist, passieren Verletzungen und Fouls immer wieder. Emotionen gehören dazu und kochen auch auf und neben dem Eis hoch. Da erzählt man keine neue Geschichte.

Wagners Attacke gegen Tropmann war allerdings mehr als die in letzter Zeit immer häufiger ausgeübten Checks gegen den Kopf- und Nackenbereich. Ganz bewusst wurde in der DEL-Pressemitteilung die folgende Formulierung gewählt: „Der Check wurde extrem rücksichtslos und ohne spieltaktischen Zweck ausgeführt“

Bei der Bewertung der Szene darf es keine Rolle spielen, ob der Anschlag auf die Gesundheit des Berufsgenossen von einem jungen oder verdienten /erfahrenen Spieler ausgeübt wurde. Ebenso müssen Name, Nationalität, Trikotfarbe und bisherige Strafen im Karriereverlauf unberücksichtigt bleiben. Es gilt allein die eine Szene zu bewerten. Der Disziplinarausschuss hat das Strafmaß auf 14 Spiele festgelegt. Mitentscheidend war, dass Wagner keinen Versuch unternahm an die Scheibe zu kommen, der Haupttrefferpunkt des Checks und die Schwere der Verletzung. Die war am Tag danach aber noch nicht vollumfänglich absehbar, da bei Edwin Tropmann noch Untersuchungen anstanden.


Der Disziplinarausschuss hat mit diesem Strafmaß ein deutliches Zeichen gesetzt. Das war überfällig. Solche Aktionen schaden dem Ansehen der Liga. Und nicht zuletzt aufgrund der enormen medialen Empörung über diese Szene, kann man sicherlich auch von einem gewissen Druck sprechen ein Zeichen setzen zu müssen. Schon länger verkündet die DEL keine Sperren mehr via Pressemitteilung. Das war dann am Dienstag auf einmal doch weder der Fall.

Nun sollte man die Liga aber auch in die Pflicht nehmen. Wer A sagt muss auch B sagen und kann dann bei den nächsten Vergehen ähnlicher Art nicht wieder softe Urteile von zwei bis drei Spielen Sperre aussprechen. Die so oft bei den Schiedsrichtern eingeforderte einheitliche Linie gilt doch auch der Disziplinarausschuss oder? Auch wenn die Saison auf der Zielgeraden ist, wird die Öffentlichkeit zukünftig bei ausgesprochenen Sperren hoffentlich viel genauer hinschauen und ggf. ihrer Empörung mehr Stimme verleihen.

Es sollte grundsätzlich jedem Spieler klar sein, dass gerade mit den Attacken gegen den Kopf- und Nackenbereich beim gefoulten Berufskollegen langfristige gesundheitliche Folgeschänden entstehen können, die weit über die sportliche Karriere Beeinträchtigungen mit sich bringen können.

Bei allem Streben nach Erfolg sind hier auch die Trainer gefordert Maß und Mitte den Spielern zu vermitteln. Vielleicht können auch Teamärzte den Spielern im Vorfeld einer Saison aufzeigen, welche Folgen solche Attacken haben können. Investitionen in mehr Prävention sind ganz nebenbei auch ein kleines Zeichen an die Berufsgenossenschaft, deren steigende Beiträge von vielen Klubs ja auch seit Jahren bemängelt werden.

Und ja, manchmal täte es auch gut nach einer solchen Aktion sich vor den TV-Mikrofonen etwas zurückzuhalten. Münchens Coach Oliver David hat verständlicherweise versucht die Wogen nicht weiter hochzutreiben. Natürlich war die Aktion kein Unfall. Die Kritik an seinem Statement direkt nach dem Spiel ist verständlich, aber man sollte auch bedenken, dass er sicherlich nicht wie die TV-Zuschauer etliche Wiederholungen und Einstellungen der Szene gesehen hat.

Zwei Tage nach dem Skandalspiel steht nun auch schon wieder der nächste Spieltag an. Natürlich ist man Seitens der Liga und er Klubs darum bemüht in den Alltag zurückzukehren.
Das soll in der jetzigen Situation auch so sein. Und dennoch gilt es die Geschehnisse vom Dienstag, aber auch die Entwicklungen bezüglich Kopf- und Nackenverletzungen in den letzten Jahren gründlichst aufzuarbeiten. Kaum vermeidbare Unfälle werden immer wieder geschehen. Bewusst ausgeführte Anschläge auf die Gesundheit des Gegenspielers müssen knallhart sanktioniert werden.
Alle, Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Manager und Liga, sind gefordert die Gesundheut der Spieler in einem auch zukünftig harten Wettkampf bestmöglich zu schützen. Das Leben nach der Karriere soll schließlich auch noch ohne Beeinträchtigungen lebenswert bleiben.
(MK)

Über „Die Drittelpause“: In der sogenannten „Drittelpause“ greifen verschiedene Autoren aktuelle Themen auf und beziehen hier klar persönlich Stellung. Hierbei wird Nebensächliches zur Hauptsache gemacht und umgekehrt. Es wird gerne überspitzt, frech und vielleicht auch manchmal einfach nur „anders“ argumentiert und kommentiert. Mal laut, mal leise, mal mit einem Augenzwinkern und mal mit dem Dampfhammer oder in Satireform. „Die Drittelpause“ ist nicht zwingend neutral und ausgeglichen, sie ist die oft persönliche Meinung des Autors / der Autorin und soll Anlass zur Diskussion bieten

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