Eishockey-Magazin

Eishockey News, Videos, Fotos, Stories – – – alles kostenlos

Nun ist es also offiziell: Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) bereitet sich ab dem 11.11. mit dem sogenannten Magenta Sport Cup auf den geplanten... „Die Drittelpause“: Verantwortbarer Saisonstart? „Magenta Sport Cup“ zeigt wie uneinig sich die DEL in dieser Frage ist!

© by Sportfoto-Sale (DR)

Nun ist es also offiziell: Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) bereitet sich ab dem 11.11. mit dem sogenannten Magenta Sport Cup auf den geplanten Saisonstart am 18. Dezember vor.
Das klingt doch erst einmal super. Endlich wieder Eishockey und das auf einem hohen Niveau mit attraktiven Gegnern. Rein sportlich kann man sich fast gar nicht besser auf eine Saison vorbereiten. Glückwunsch DEL!

Schade nur, dass nicht alle 14 DEL Klubs am Turnier teilnehmen wollen. Selbstverständlich senden die acht teilnehmenden Klubs mit ihrer Teilnahme und ihren Statements ein insgesamt positives Signal für den gesamten Eishockeysport aus. Das tut dieser Sportart nach einer monatelangen Durststrecke ausgesprochen gut.

Allerdings sollte man auch die Stimmen der anderen sechs Klubs (Augsburg, Straubing, Ingolstadt, Köln, Iserlohn, Nürnberg), die sich eine Teilnahme am Turnier verkneifen, mehr als ernst nehmen. Kein einziger der 14 DEL Klubs hat sich die Entscheidung leicht gemacht.

„Für uns kommt das Turnier leider zu früh“, erklärt Iserlohns geschäftsführender Gesellschafter und DEL Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Brück. Augsburgs Gesellschafter Lothar Sigl bringt es sehr gut auf den Punkt: „Auch wenn wir sportlichen Wettbewerb herbeisehnen und unserem Team die Rückkehr in den Spielbetrieb gerne ermöglichen würden, so müssen wir in Anbetracht der Situation doch vernünftig bleiben. Ohne konkrete Perspektive auf den Start der Penny DEL hat es keinen Sinn, den kompletten Kostenapparat hochzufahren und die prekäre wirtschaftliche Situation, in der wir uns unverändert befinden, weiter zu verschärfen.“

Sind die einen jetzt blauäugig und die anderen sehr vernünftig? Ganz so einfach lassen sich die Entscheidungen der Klubs nicht in schwarz und weiß einteilen. Es gibt sicherlich Klubs, wie Red Bull München oder Berlin, die durch ihre starken Geldgeber mit deutlich weniger wirtschaftlichen Bauchschmerzen einem Saisonstart entgegensehen. Je größer die Abhängigkeit von Zuschauereinnahmen ist, umso schwerer fällt den Klubs offenbar ein Bekenntnis zur Turnierteilnahme. In Köln geht es sogar längst nicht mehr nur um die Frage, ob die Saison starten kann. Es geht um die nackte Existenz der Haie. Ein Klub, der in der letzten Saison über 13.000 Zuschauer pro Spiel begrüßte und nun extrem tief in den Abgrund schaut.

Den Kostenapparat hochfahren bedeutet für viele Klubs, dass sie die Spieler aus der Kurzarbeit „entlassen“ und dadurch die Personalkosten erheblich steigern, Flüge, Wohnungen, Autos etc. bezahlt werden müssen. Und das, ohne die Aussicht wirklich vor Zuschauern spielen zu können. Die Infektionszahlen steigen derzeit rasant an, täglich werden neue Städte und Kreise zu Risikogebieten. Eine Aussicht auf Besserung gibt es kurz vor dem Winter nicht. Das Nein der Klubs ist deshalb kein Nein zum Magenta Sport Cup oder zu einem Saisonstart. Es ist ein Nein zu einem nicht überschaubaren finanziellen Risiko. Und dieses Nein gilt es zu akzeptieren, denn es geht um den Erhalt von Eishockeystandorten. Unter dem Strich der Rechnung ist dann eine attraktive Antrittsprämie der Telekom auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die warnenden Signale der steigenden Infektionszahlen, ein zumindest regional nicht mehr auszuschließender Lockdown, die immer häufiger vor leeren Rängen spielende Handball Bundesliga und nicht zuletzt die Absagen der Russen, Slowaken und Schweizer für den Deutschland Cup unterstreichen die Vernunft derer, die sich gegen eine Turnierteilnahme entschieden haben. Ein Blick in die Nachbarländer genügt, um an der Durchführung einer Saison zu zweifeln.

Teile der Fans sprechen in den sozialen Netzwerken schon von einer Spaltung der DEL. So weit sollte man dann vielleicht doch (noch) nicht gehen. Klar ist aber, dass eine Saison nur mit allen 14 Teams starten sollte. Die Begründungen der einzelnen Klubs zeigen auf, wie uneinig sich die Liga in der Frage eines verantwortbaren Saisonstarts ist. 8:6! Und die Bauchschmerzen dürften auch bei einigen der acht Befürworter täglich mit den Infektionszahlen steigen. Eine Saison sollte nur dann gestartet werden, wenn alle 14 Mitglieder an einem Strang ziehen und der Daumen nach oben geht. Es mehren sich Stimmen, dass möglicherweise eine „Saison“ erst im Januar mit einer Nord- und Südgruppe starten könnte. Ob es sich hierbei um ein ernst zu nehmendes Gedankenspiel oder doch nur um eine „Ente“ handelt? Abwarten!

Die Liga ist insgesamt immer nur so stark, wie das schwächste Glied in der 14er Kette. Momentan schwächeln hier auch einige der „großen“ Mitglieder. Und das nicht erst seit Corona. Beim „Geschäftsmodell“ DEL (Bundesliga) geben leider seit Jahrzehnten zu viele Klubs regelmäßig mehr Geld aus, als sie einnehmen. Lizenzen werden regelmäßig nur erteilt, weil schützende Hände die tiefroten Zahlen „absichern“. Übrigens nicht nur in der DEL. Aus Sicht des Staates ist Eishockey so nicht unterstützenswert.

Über all dem Optimismus, den der Magenta Sport Cup verbreiten kann, schwebt die drohende endgültige Saisonabsage. Der wirtschaftliche Schaden durch fehlende Zuschauereinnahmen erstreckt sich schon jetzt bis in die Nachwuchsabteilungen. Der Patient Eishockey liegt, wenn man ehrlich ist, seit Jahren auf der Intensivstation. Und jetzt hat er auch noch Corona. Impfstoff und heilende Medikamente werden verzweifelt gesucht.

(S. Haldermann / MK)

Über „Die Drittelpause“: In der sogenannten „Drittelpause“ greifen verschiedene Autoren aktuelle Themen auf und beziehen hier klar persönlich Stellung. Hierbei wird Nebensächliches zur Hauptsache gemacht und umgekehrt. Es wird gerne überspitzt, frech und vielleicht auch manchmal einfach nur „anders“ argumentiert und kommentiert. Mal laut, mal leise, mal mit einem Augenzwinkern und mal mit dem Dampfhammer oder in Satireform. „Die Drittelpause“ ist nicht neutral und ausgeglichen, sie ist die oft persönliche Meinung des Autors / der Autorin und soll Anlass zur Diskussion bieten.

Eishockey-Magazin

No comments so far.

Be first to leave comment below.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.