Man habe die internen Ziele erreicht, so der DEB am Mittwoch nach dem Viertelfinal-Aus gegen die Slowakei. Das will wohl auch niemand anzweifeln. Vielleicht kann man aber davon ausgehen, dass das Ziel Viertelfinale das Minimal-Ziel war. Unter dem Strich bleibt eine nicht überzeugende Turnierleitung stehen. Das von vielen als beste deutsche -Nationalmannschaft aller Zeiten bezeichnete DEB-Team der Männer ist dieser Bezeichnung nicht gerecht geworden. Auf dem Papier und von der individuellen Qualität ist es sicherlich so. Man darf aber nicht außer Acht lassen, dass alle anderen Teams auch mit all ihren NHL-Superstars am Start waren und da stellten viele andere Nationen in ihren eigenen Reihen mehr NHL-Spieler auf.
Es ist weniger das Ausscheiden selbst als die Art und Weise, wie das Turnierende zustande kam. Durch das Qualifikationsspiel gegen die Franzosen mit einem Spiel mehr ins Match gegen die Slowaken gegangen, war man sicherlich körperlich und mental nicht ganz so frisch wie der Gegner. Aber das Endergebnis von 6:2 ist zu deutlich, um einfach zur Tagesordnung übergehen zu können. Betrachtet man den Turnierbaum, dann waren die Slowaken der wohl am ehesten „machbare“ Gegner.
Auf diesem krass hohen Niveau mangelte es dem Team an Tiefe im Kader. Das Gefälle innerhalb der Mannschaft war, trotz nachvollziehbarer Kritik an den NHLérn, zwischen Nordamerikalegionären und DEL-Spielern zu hoch. Im Nachhinein hat sich dann auch die eine oder andere Nominierung als fragwürdig erwiesen. Wissmann, Jonas Müller oder Gawanke mal als Beispiel herausgepickt. Sie stehen nicht allein, aber unter anderem auch für eine zu langsame Abwehr in diesem Turnier. Es ist auch zu hinterfragen, ob die Mannschaft wirklich den nötigen Teamspirit hatte, den es braucht, um durch ein solches Turnier mit der entsprechenden Leidenschaft getragen zu werden. Das muss nicht zwangsläufig heißen, dass das Team keine Einheit war. Von außen betrachtet wirkte es zu oft wie zwei Mannschaftsteile in einem Team. Und ja, hinterher ist man natürlich immer schlauer.
Kritisch betrachtet werden darf auch, ob das Trainerteam die bestmöglichen Entscheidungen für den Erfolg getroffen hat? Ist Leon Draisaitl wirklich mit all seinen unbestrittenen sportlichen Qualitäten auch ein Leader, der ein solches Team führen kann und im richtigen Moment Impulse auf und neben dem Eis geben kann? Warum war Mo Müller nicht Kapitän, wenn man ihn schon nominiert hat? Hätte man Nico Sturm spätestens nach dem Lettland-Spiel nicht mehr Verantwortung geben sollen? Warum wurde erst auf den 13. Stürmer verzichtet, um ihn dann mit Justin Schütz auf der Bank schmoren zu lassen?
Fragen über Fragen, die es nun aufzuarbeiten gilt. Es bleibt nicht viel Zeit. In einigen Wochen startet schon wieder die Vorbereitung auf die WM in der Schweiz. In der Endabrechnung steht für das DEB-Team sogar Platz sechs, wenngleich Deutschland nicht das sechstbeste Team der Welt ist. Nicht zu vergessen, dass die völlig berechtigt nicht teilnehmenden Russen ja auch noch Eishockey spielen können.
Schaut man mal mit Blick auf das nächste olympische Eishockeyturnier vier Jahre weiter, dann fällt auf, dass Leon Draisaitl dann 34 Jahre jung ist. Peterka, Reichel, Stützle und Seider sind dann im besten Hockeyalter. Auffällig ist, dass gerade in der Verteidigung hinter Mo Seider eine Leistungslücke klafft. Waren Szuber oder Hüttl wirklich nicht gut genug für den DEB-Olympiakader? Und wo zeichnen sich eigentlich die nächsten Seiders und Stützles ab?
Wenn im Mai bei der WM die Nationalteams wieder nur punktuell auf NHL-Spieler zurückgreifen können, dann ist sicherlich auch wieder etwas mehr Platz im Kader für mutigere Entscheidungen. Diese braucht es aber auch, denn Olympia mit allen Topstars und eine Heim-WM 2027 haben eine nicht zu verkennende Wirkung in der Wahrnehmung außerhalb der Hockey-Blase. Es braucht mehr Mut zu jungen Spielern mit Perspektive und weniger Nominierungen aus Dankbarkeit in der Hoffnung, dass es nochmal reicht. Wer nicht fit ist gehört auf diesem Niveau nicht in den Kader. Mit Blick auf die Heim-WM 2027 wird kein Weg auch an unangenehmen Personalentscheidungen vorbeiführen. Gut möglich, dass in den kommenden Tagen und Wochen einige Spieler auch von sich aus ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklären werden. Mit einem „weiter so“ wird Eishockey-Deutschland auch bei den kommenden Turnieren nicht den eigenen hohen Ansprüchen gerecht werden können.
(MK)
Über „Die Drittelpause“: In der sogenannten „Drittelpause“ greifen verschiedene Autoren aktuelle Themen auf und beziehen hier klar persönlich Stellung. Hierbei wird Nebensächliches zur Hauptsache gemacht und umgekehrt. Es wird gerne überspitzt, frech und vielleicht auch manchmal einfach nur „anders“ argumentiert und kommentiert. Mal laut, mal leise, mal mit einem Augenzwinkern und mal mit dem Dampfhammer oder in Satireform. „Die Drittelpause“ ist nicht zwingend neutral und ausgeglichen, sie ist die oft persönliche Meinung des Autors / der Autorin und soll Anlass zur Diskussion bieten.
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