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Spieler wollen spielen – „Kompromiss-Mix“ ein Lösungsansatz? Köln. (EM) Die Situation ist und bleibt ausgesprochen verzwickt. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) würde nur zu... DEL Start: Alles auf Anfang erst im Sommer 2021?

Spieler wollen spielen – „Kompromiss-Mix“ ein Lösungsansatz?

© GEPA pictures/ Jasmin Walter

Köln. (EM) Die Situation ist und bleibt ausgesprochen verzwickt. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) würde nur zu gerne noch vor Weihnachten in die Spielzeit starten, aber nach der Absage des Startdatums 13. November scheint auch für einen Start im Dezember noch keine Lösung in Sicht.

Für den Eishockeysport allgemein, aber auch für die höchste Profiliga im deutschen Eishockey wäre ein Start enorm wichtig, um einerseits nicht für 18 Monate aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden und andererseits, um Sponsoren und Fans bei der Stange zu halten.

Vier Standorte gelten als Risikogebiet

Es ist hinlänglich bekannt, dass die DEL Klubs extrem stark von den Einnahmen durch Ticketverkäufe und Catering abhängig sind. Die Politik hatte vor Tagen beschlossen bis zum 31.10. bis zu 20% Zuschauerkapazität je nach Infektionsgeschehen zuzulassen. Dann wollte man ursprünglich die Situation neu bewerten. Die Hoffnung auf eine Erhöhung dürfte in den letzten Tagen deutlich geringer geworden sein. In der Fläche sehr stark steigende Infektionszahlen und dadurch teilweise durch die Landesregierungen schon angekündigte weitere Einschränkungen, dürften diese Hoffnung kaum erfüllen. Der in diesen Tagen so oft herangezogene Inzidenzwert von 50, ab dem eine Stadt / Region als Risikogebiet eingestuft wird, wird momentan (Stand 13.10.) von vier DEL Standorten überschritten. Berlin, Köln, München und Düsseldorf gelten somit als Risikogebiet und müssten ohne Zuschauer Geisterspiele austragen. In Mannheim ist man nur knapp unter dem Schwellenwert. Aber auch an anderen Standorten müsste man Stand jetzt mit weniger als den 20 % Zuschauern auskommen.

Staatliche Hilfe ist nur schwer zu bekommen

Der vor Wochen öffentlich ausgesprochene Wunsch nach einer staatlichen Unterstützung von rund 60 Millionen Euro erscheint ebenfalls nicht realistisch. Zumindest ist öffentlich keinerlei Bewegung in diesem Punkt zu vernehmen. Gespräche zwischen Gesellschaftern und Politik sollen aber stattgefunden haben. Bliebe aus finanzieller Sicht noch das vor Wochen aufgelegte 200 Millionen „Rettungspaket Profisport“ des Bundes. Hierzu erklärte Straubings Geschäftsführerin Gaby Sennebogen vergangene Woche beim „Talk am Pulverturm“, dass man erst jetzt den Antrag stellen könne. Die Tigers seien offenbar berechtigt aus diesem Topf Geld zu bekommen. Bei vielen anderen Klubs stehen hier allerdings die hohe Verschuldung und das EU-Recht nicht im Einklang.

Absage der Saison „billiger“?

Bleibt den DEL Klubs als letzter Ausweg nur noch die Absage der kompletten Spielzeit 20/21, wenn man Insolvenzen vermeiden will? Gaby Sennebogen, Geschäftsführerin der Straubing Tigers, erklärte beim „Talk am Pulverturm“, dass eine Absage bei den für die Champions League qualifizierten Tigers mit mindestens 1,5 bis 2 Millionen Euro zu Buche schlagen würde. Das sei aber noch „billiger“ als eine Durchführung einer Saison unter den aktuell gegebenen Bedingungen. Hier müsste man in Straubing, so Gaby Sennebogen, mit einem dicken Minus von rund vier Millionen Euro rechnen.
Umgemünzt auf die Größe der Arenen und den Zuschauerbesuchen in der Vergangenheit, dürfte das Minus an Standorten wie Köln, Berlin oder Düsseldorf somit noch deutlich höher sein.

Turniermodus eine kostensparende Alternative?

Tigers-Manager Jason Dunham brachte beim „Talk am Pulverturm“ auch eine Turniervariante ins Spiel. Sollte die DEL möglicherweise erst im Januar starten können, dann könnte ein Turniermodus mit einer Nordgruppe und einer Südgruppe ein Alternativmodell darstellen. Dadurch könnten lange Anreisen und damit Kosten für die meisten Klubs gespart werden. Ob dieses Modell Gesellschafter und Politik überzeugen kann ist momentan noch Zukunftsmusik und muss abgewartet werden.

Klar ist, dass die Wissenschaft und Medizin mit Hochdruck an der Entwicklung von Impfstoffen arbeiten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet mit dem Beginn von Impfungen im ersten Quartal 2021. Bis hier eine bundesweite Herdenimmunität erreicht ist, wäre die DEL Saison längst Geschichte. Ein hilfreiches Werkzeug könnten allerdings in naher Zukunft auch sogenannte Schnelltests werden. Im Iserlohner Kreisanzeiger (IKZ) erklärte der Geschäftsführer des Pharmaunternehmens Medice, Dr. Richard Ammer, dass man bereits Schnelltests mit einer sehr hohen Genauigkeit produziere. Das Ergebnis liegt nach ca. zwanzig Minuten vor. Die Kosten von 13 bis 20 Euro sind deutlich geringer, als bei den herkömmlichen PCR Tests. Vorstellbar sei eine Anwendung bei Personal und Besuchern in Altenheimen oder auch bei Großveranstaltungen. Eine erste Lieferung, so Dr. Ammer im IKZ Interview, habe man am vergangenen Samstag nach Spanien für eine Fußballveranstaltung versendet.

Man geht davon aus, dass die Politik in diesen Tagen den angekündigten Einsatz von Schnelltests genauer definieren wird.

Kompromisslösung ein Denkmodell?

Und somit hoffen viele Fans noch immer auf eine Lösung pro Saisonstart. Kostensenkende Maßnahmen der Klubs auf der einen Seite (Turniermodus in einer verkürzten und damit günstigeren Saison, geringere Reisekosten) könnten die Politik milder bei der Suche nach einer Möglichkeit der finanziellen Unterstützung stimmen. Ein hoffentlich wieder etwas geringeres Infektionsgeschehen und die Unterstützung durch Schnelltests könnten auf der anderen Seite helfen die Zuschauerkapazität zu erhöhen. Das ist aktuell natürlich ein Weg mit viel „Wenn und Aber“. Es könnte aber zumindest ein zu diskutierender Lösungsansatz sein, auch wenn er momentan (noch) nicht öffentlich als Kompromisslösung genannt wird.

Zu hinterfragen wäre auch, wieviele Zuschauer beispielsweise wirklich regelmäßig ein Spiel durchgehend mit Maske besuchen würden? Es gibt aus dem Handball erste Anzeichen, dass sich das Interesse hier doch eher in Grenzen hält. Es gab in der Handball Bundesliga bereits Spiele, in denen die zugelassene geringe Zuschauerzahl mangels Interesses deutlich unterschritten wurde.

Spieler wollen spielen

Last but not least sind auch noch die Spieler zu nennen, die mit dem Gehaltsverzicht bereits vor Monaten ein klares Zeichen gesetzt hatten. Sie sitzen momentan auch zwischen allen Stühlen. Mittlerweile haben sie durch die neu gegründete Spielervereinigung eine Stimme gefunden. Das Ziel der Aktiven formulierte SVE Vorstandmitglied Boris Brand gegenüber der Heilbronner Stimme ganz klar: „Die Spieler wollen spielen. Ein Jahr ohne Eishockey ist für einen Profi eine Katastrophe.“

Die Folgen der DEL Auszeit werden mittlerweile fast wöchentlich deutlich. Immer mehr Spieler suchen nach Alternativen, einige beenden ihre ohnehin im Herbst befindlichen Karrieren vorzeitig, junge Spieler spielen mittels Förderlizenz bei den Kooperationspartnern und andere, wie etwa SVE Vorstandsmitglied Patrick Reimer, schnüren in der DEL2 vorübergehend die Schlittschuhe. Ihm gleichtun könnte es übrigens sein SVE Vorstandkollege Moritz Müller. Der 33- jährige Kapitän der Kölner Haie soll nach einem Bericht der HNA vor einer Leihe zu den Kassel Huskies stehen, um dort zu trainieren und unter Wettkampfbedingungen zu spielen. Fix ist aber offiziell noch nichts.

Nachwuchs ebenfalls vom DEL-Ausfall betroffen

Klar ist, dass die Zeit nach einer Lösung drängt. Viele Anhänger wollen so oder so Klarheit und keine erneute Verschiebung ins Jahr 2021.
SOS funken mittlerweile auch einige Nachwuchsabteilungen der DEL Klubs, weil sie am finanziellen Tropf der DEL Klubs hängen und durch die fehlenden Zuschauereinnahmen in der DEL in finanzielle Schieflage geraten sind. Es geht also um deutlich mehr, als nur um den Erhalt von GmbH´ s in der Profiliga DEL.

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Nach dem erneut verschobenen Saisonstart visiert die DEL nun einen Start in der zweiten Dezemberhälfte an. Wird dann ein Saisonstart gelingen?

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