
Iserlohn. (MK) Geschafft! Die Iserlohn Roosters haben sich mit dem 3:0 Sieg am Sonntag in Frankfurt vorzeitig aus eigener Kraft den Klassenerhalt gesichert und spielen auch in der kommenden Saison erstklassig.
Letztlich hätte es durch den Sieg der Düsseldorfer EG in Augsburg auch zum Klassenverbleib gereicht, so aber kann man hoch erhobenen Hauptes sagen, dass man keine Schützenhilfe mehr benötigt hat.
Die Erleichterung war nach Spielende geradezu spürbar. Eine Zentnerlast muss allen Beteiligten von den Schultern gefallen sein. Die Spielzeit 23/24 geht sicherlich als eine, wenn nicht sogar die emotionalste DEL-Saison in die Klubgeschichte ein. Am 32. Spieltag betrug der Abstand zum nun als sportlichen Absteiger feststehenden Team aus Augsburg noch satte zwölf Punkte. Die mit vielen hohen Niederlagen behaftete Zeit bis zur Entlassung von Headcoach Greg Poss, der die Sauerländer in der Vorsaison noch zum Klassenerhalt geführt hatte, belastete offenbar viele Spieler. Und auch der im November vollzogene Wechsel hinter der Bande zu Doug Shedden fruchtete zunächst nicht in Form von Punkten. Die Spielweise wurde besser und die Ergebnisse enger, aber die Siege blieben erst einmal noch aus. Ab Ende Dezember gelang aber die absolute Kehrtwende. Auf der Strecke zwischen dem 33. – und 51. Spieltag haben die Roosters den Augsburger Panthern satte 19 Punkte „abgenommen“.
Den Sieg in Frankfurt konnten mehrere hundert Fans der Roosters vor Ort erleben. Viele Anhänger fieberten daheim vor dem TV mit. Mit der Schlusssirene kannte der Jubel in Frankfurt keine Grenzen mehr. Wildfremde Menschen lagen sich mit Tränen in den Augen in den Armen, während auf dem Eis eine riesige Jubeltraube um den in den letzten Wochen überragenden Keeper Andreas Jenike zu sehen war.
Doug Shedden: „Ich brauche erstmal einen Drink“
„Es fühlt sich unglaublich an. Wir können es noch gar nicht richtig fassen. Uns fällt ein Stein vom Herzen“, fand Verteidiger Colin Ugbekile die ersten Worte nach Spielende bei Magenta Sport.
An selbiger Stelle erklärte der Retter und Vater des Erfolges, Doug Shedden: „Ich brauche erstmal einen Drink! Ich muss meiner Mannschaft ein großes Lob aussprechen. Sie sind seitdem ich da bin in den Playoffs. Wir hatten 13 Punkte Rückstand. Es ist ein großartiges Gefühl. Für den Verein, die Besitzer und die Fans. Wir wissen, dass wir in der DEL bleiben im nächsten Jahr. Jetzt können wir uns an die Arbeit machen und ein gutes Team aufbauen. (…) Man muss in die Mannschaft schauen und gucken, wie sehr das Herz noch schlägt. Die Jungs haben so hart jeden Tag gearbeitet. Das ist eine tolle Truppe. Sie kommen jeden Tag ins Training und arbeiten. Das ist ein tolles Gefühl.“
Der geschäftsführende Gesellschafter Wolfgang Brück sagte gegenüber MagentaSport: „Das ist mein Herz hier. Das ist mein Baby. Da sind alle Emotionen drin. Ich freue mich, dass wir solche Spieler haben. Mir wurde immer gesagt, dass der Spirit in der Kabine gut ist und die Jungs Gas geben. Da geht mir dann das Herz auf, dass sie sich selber belohnen. Das ist schön.“ Zur möglichen Party am Seiler See: „Es wird kein Ende geben. Es ist alles frei. Die Fans sollen feiern. Die Spieler können machen, was sie wollen. Es wird nur noch Vollgas gegeben. Das haben sich alle verdient. Es ist nicht wichtig, was morgen ist.“
Der in den letzten Wochen herausragende Torwart Andreas Jenike erklärte gegenüber Eishockey-Magazin: „Wir waren jetzt am Ende zwar mit diesen vier Punkten vorne, aber es war noch alles drin. Der Stein, der uns nun vom Herzen fällt, ist natürlich riesig.“
Für Stürmer Cedric Schiemenz war mit der Siegesserie im Januar klar, dass sein Team den Klassenerhalt doch noch schaffen kann. „Uns wurde gerade gesagt, dass heute Abend alles auf Wolfgang Brück geht, also mal schauen, wo die Reise heute Abend noch hingeht“, erklärte der im Februar in die Nationalmannschaft berufene Stürmer.
Stimmen und Emotionen zum Iserlohner Klassenerhalt
Party in Frankfurt setzt sich mit einem triumphalen Empfang am Seilersee fort
Die Reise ging erst einmal mit Verspätung aus Frankfurt los, denn die mitgereisten Fans feierten ihr Team auch am Bus erst einmal nach allen noch vorhandenen Kräften ab. Derweil hatte sich in den sozialen Medien die Fanschar vor der Eissporthalle verabredet, um die Helden von Frankfurt gebührend in Empfang zu nehmen. Und auch wenn das Team mit ordentlich Zeitverzug in Iserlohn ankam, so harrten doch alle aus. Als dann um ca. 21:15 der Mannschaftsbus hupend die letzten Meter von der Seilerseestraße kommend bis vor die Halle abspulte, kannte der Jubel der rund 1300 Anhänger keine Grenzen mehr. Staunende, ja teils ungläubige Blicke waren im Bus zu erkennen. Die Spieler zückten, wie die Fans draußen ihre Handys und mischten sich dann allmählich unter den freudigen Anhang. Einige Spieler schwangen sich aus der Fahrertür heraus empor. Sie feierten und tanzten mit und für ihre treuen Anhänger. Cedric Schiemenz, Andreas Jenike und Kapitän Hubert Labrie gaben ihr „letztes Hemd“ und warfen ihre Kleidungsstücke in die grölende Menge. Der Klassenerhalt wurde bis gegen 23 Uhr wie eine Meisterschaft gefeiert. Der emotionalste DEL-Standort zeigte sich dabei von seiner fairen Seite ohne Zwischenfälle.
Unter den applaudierenden Gästen vor der Eissporthalle war auch Iserlohns erster Bürgermeister Michael Joithe. Er wollte es sich nehmen lassen bei der Ankunft dabei zu sein. „Die Iserlohn Roosters sind einer der Leuchttürme unserer Stadt. Damit haben wir überregionale Bekanntheit.“
Fotostrecke zum Empfang an der Eissporthalle
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Letztes Heimspiel am Freitag gegen Schwenningen
Ganz abgeschlossen ist die aktuelle Spielzeit noch nicht, auch wenn es sich, wie Andreas Jenike erklärte, wie ein Saisonende anfühlt. Am Freitag empfangen die Iserlohner zum letzten Saisonspiel um 19:30 Uhr die Schwenninger Wild Wings. Das Spiel hat kaum noch einen sportlichen Wert. Die Wild Wings sind vom sechsten Tabellenplatz nicht mehr zu verdrängen und können in der Tabelle auch nicht mehr klettern. Die Roosters könnten mit einem Sieg eventuell noch einen Platz nach oben rutschen. Das aber ist nach dieser wilden Saisonfahrt bestenfalls am Ende noch etwas für die Statistikbücher. Dennoch kündigte Goalie Andreas Jenike an, dass man gut trainieren wird und sich möglichst mit einem Sieg bei den Fans bedanken möchte.
Wolfgang Brück kündigt Veränderungen an, Großteil der sportlich Verantwortlichen plus Spieler sollen in die neue Spielzeit mitgenommen werden
Mit dem nahenden Saisonende rücken zwangsläufig auch die Fragen nach den Veränderungen im Kader für die kommende Spielzeit in den Vordergrund. Und natürlich steht immer noch ganz weit oben, wer denn in Zukunft den neuen Kader mitgestalten wird. Nach dem Rückzug von Christian Hommel, der diesen aktuellen Kader maßgeblich mit zusammengestellt hat, hatte Developmentcoach und Nachwuchskoordinator Axel Müffeler Hommels Aufgaben übernommen.
Wolfgang Brück kündigte nach dem Spiel in den Frankfurter Katakomben an, dass es Veränderungen bezüglich der Geschäftsführung geben wird. Dem Vernehmen nach wird er sich selbst perspektivisch ein wenig mehr in den Hintergrund begeben. Mit der Aussage, dass es man neben der entstandenen Euphorie auch einen Großteil der sportlich Verantwortlichen plus Spieler mitnimmt, ließ er dann in einem Nebensatz aber doch aufhorchen.
Die Gerüchteküche brodelt seit Wochen rund um den Seilersee. Beim Klassenerhalt sollen Headcoach Doug Shedden und Stürmer Michael Dal Colle weiterhin am Seilersee wirken.
John Broda, Taro Jentszch und Maciej Rutkowski besitzen noch Verträge. Inwieweit es bereits gezogene Optionen gibt, bleibt abzuwarten. Um Verteidiger Colin Ugbekile, der an den letzten beiden Nationalmannschaftsmaßnahmen teilnahm und mit 33 Scorerpunkten punktbester Verteidiger der Sauerländer ist, sollen die Löwen Frankfurt das Rennen gemacht haben. Offizielle bestätigt, ist weder in die eine noch in die andere Richtung keine Personalie.
Mehr Klarheit sollte dazu die nächste Woche bringen, wenn die traditionellen „Exit-Gespräche“ geführt wurden.
Durch die lange Zeit unklare Ligenzugehörigkeit haben die Roosters sicherlich auf dem Transfermarkt nicht punkten können. Nun aber haben sie zumindest gegenüber dem Absteiger / Aufsteiger einen zeitlichen Vorteil von rund sechs Wochen.
Man darf gespannt sein, wohin sich die nach wie vor nicht auf Rosen gebetteten Iserlohner entwickeln wollen.



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