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München. (JR) Sebastian “Basti” Schwele hat als Eishockeyspieler unter anderem für den ESV Kaufbeuren und den EHC München gespielt. Im Anschluss an seine aktive... Basti Schwele, TV Kommentator und “Stimme des deutschen Eishockeys”, im Interview: “Eine Eishockey WM ist immer auch eine Momentaufnahme”

Moderator Basti Schwele – © EHC Red Bull München / City-Press GmbH

München. (JR) Sebastian “Basti” Schwele hat als Eishockeyspieler unter anderem für den ESV Kaufbeuren und den EHC München gespielt. Im Anschluss an seine aktive Eishockeykarriere wurde er Sportjournalist und ist aktuell für Sport1 und MagentaSport am Mikrofon.

In den letzten Jahren wurde er immer mehr zu der Stimme des Deutschen Eishockeys im TV. Wir haben ihm ein paar Fragen zu ihm und zu Themen rund um das deutsche Eishockey gestellt.

Eishockey-Magazin (EM) / Jörg Reich (JR): Hallo Herr Schwele, vielen Dank, dass wir Ihnen ein paar Fragen stellen dürfen!
Die Eishockey-Weltmeisterschaft 2021 war trotz der Corona-Pandemie und den über weite Strecken fehlenden Fans in der Arena eine sehr ansprechende Veranstaltung. Aus deutscher Sicht begünstigt durch die Erfolge unserer Nationalmannschaft. Wie würden Sie die vergangene WM insgesamt einstufen, auch die Erfolge der Deutschen Mannschaft?

Basti Schwele: Eine WM die im Vorfeld ganz schwer einzuschätzen war….und dann so viel Spaß gemacht hat. Das ganze natürlich durch das grandiose Abschneiden und die Spielweise der deutschen Mannschaft… was aber hängenbleibt: keine Zuschauer, keine Atmosphäre und dadurch natürlich keine WM Stimmung, die immer etwas ganz Besonderes ist.
Aber das Halbfinale der Söderholm-Truppe hat das ganz gut wettgemacht.

E-M /J. R.: Sie haben diese WM zusammen mit Rick Goldmann und Laura Papendick über 16 Tage hinweg begleitet und kommentiert. Als Zuschauer konnte man spüren, wie sehr Sie mit der Deutschen Mannschaft mitgefiebert haben und welche Euphorie auch dadurch rund um die deutsche Mannschaft entstanden ist. Man muss auch in Anbetracht der dann folgenden sportlichen Großereignisse sagen, in dieser Weise konnten weder die Fußball-EM noch die olympischen Spiele begeistern. Wie sehen Sie das?

Basti Schwele: Also mich hat die EM und auch die Olympischen Spiele begeistert. Euphorie ist ja auch immer was man draus macht, oder wie man sich in ein solches Event hineinsteigern kann. Ich persönlich habe alles genossen. Aber muss ich auch zugeben: Bei Sport bin ich im Allgemeinen relativ leicht euphorisierbar.

E-M /J. R.: Das Deutsche Eishockey hat in den letzten Jahren einige beachtliche sportliche Erfolge erzielt. Sind diese Erfolge einer gezielt verbesserten Nachwuchsarbeit durch den Verband, einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Verband und Liga, aktuell vorhandenen starken Einzelspielern und Charakteren oder doch eher glücklichen Umständen zuzuschreiben?

Basti Schwele: Schwer zu sagen…wenn man selbst etwas Nachwuchs macht und mitbekommt – ja, es bewegt sich schon was, vor allem der DEB setzt viel in Bewegung.
Die Kids sehen ja durch Leon, Dominik, Grubi und viele andere was alles möglich ist, was man erreichen kann. Was in den Klubs läuft, kann ich nur bedingt beurteilen, aber da gibt es große Unterschiede in Auffassung und Umsetzung.

E-M /J. R.: Kann die Nationalmannschaft in den nächsten Jahren Erfolge wie eine Halbfinalteilnahme bei einer WM wiederholen oder wird das eher eine Ausnahme bleiben. Was denken Sie?

Basti Schwele: Sie kann nicht nur, sie wird hoffentlich nicht nur alle zehn Jahre ein Halbfinale bei einer WM erreichen. Aber auch ein Bundestrainer ist halt immer wieder davon abhängig was die NHLer machen, wer fit ist und noch ein paar Faktoren mehr um eine gute Truppe zusammen zu bekommen.

E-M /J. R.: Sport1 hat die WM 2021 ausführlich übertragen, Magenta Sport überträgt alle Spiele der DEL live. Ausgewählte Spiele der DEL und der CHL sind live auf Sport 1 zu sehen. Eishockey ist inzwischen im TV durchaus präsent. Reicht das oder wäre hier noch einiges mehr möglich?

Basti Schwele: Eishockey hat mittlerweile schon eine ziemlich gute Präsenz von September bis in den Mai hinein…mehr ist immer möglich, aber das Problem sind meiner Meinung nach die drei bis vier Monate dazwischen, in denen Eishockey komplett verschwindet…

E-M /J. R.: In den Schweizer Medien hat Eishockey einen noch viel höheren Stellenwert. In SF 2 gibt es an jedem Spieltag eine ca. 45minütige Zusammenfassung aller Spiele. Wäre so etwas nicht auch im Deutschen Fernsehen wichtig und möglich? Sport1 wäre doch eigentlich prädestiniert dafür?

Basti Schwele: Klar, aber das sind Rechteangelegenheiten, da bin ich der falsche Ansprechpartner…

E-M /J. R.: Im Fußball gibt es den „Doppelpass“ auf Sport1, im Schweizer Eishockey gibt es im Bezahlfernsehen eine Gesprächsrunde, die nach jedem Spieltag über das Schweizer Eishockey diskutiert. Im Deutschen TV gibt es aktuell kein solches Format über Eishockey. Sollte es nicht auch in Deutschland eine regelmäßige Diskussionsrunde mit verschiedenen Gesprächspartnern über aktuelle Themen rund um das Deutsche Eishockey geben, z.B. auf Magenta Sport? Wäre das nicht ein wichtiger Mehrwert für das Deutsche Eishockey?

Basti Schwele: Ja, und wartet mal den November ab…;-)

E-M /J. R.: Die Schweiz hat in den vergangenen Jahren international nahezu den Anschluss an die Topnationen geschafft. Deutschland steht aktuell international auch sehr gut da. Aber wenn man das Deutsche Eishockey genauer betrachtet, fehlt doch noch einiges um sich mit den Topnationen – auch der Schweiz – vergleichen zu können. Sehen Sie das auch so?

Basti Schwele: Eine Eishockey WM ist immer auch eine Momentaufnahme und in der steht Deutschland eigentlich nach Olympia 2018 und den letzten Weltmeisterschaften ganz ordentlich da, oder?!

E-M /J. R.: Große Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland liegen in der Anzahl der erlaubten Kontingentspieler in der höchsten Liga. In der DEL sind aktuell neun Kontingentspieler auf dem Spielbericht erlaubt, deutlich mehr als in der Nationalliga A. Ist das nicht eindeutig zu viel und wäre hier nicht eine schrittweise Reduzierung dringend notwendig?

Basti Schwele: Ja, eine Reduzierung wäre sicher ein Schritt – gerade im Hinblick auf die drei U23 Spieler, die ab der Saison 21/22 in der DEL pro Team dabei sein müssen – hier limitiert man wieder einen Spieler im besten Alter (auch für die Nationalmannschaft), anstatt einen Import Platz zu reduzieren. Werde ich nie verstehen, denn die Importplätze 7-9 oder 11 sind doch nie Spieler die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dazu haben ja noch etliche Spieler einen deutschen Pass, kommen aber fürs Nationalteam nicht in Frage oder dürften gar nicht spielen. Leider eine Endlosdiskussion.

E-M /J. R.: Es scheint so, als würde die DEL, trotz verbesserter Nachwuchsarbeit, immer noch nicht bereit sein, mehr auf Deutsche Spieler zu setzen. Um langfristig mit der Nationalmannschaft erfolgreich sein zu können, müsste man das aber. Fehlt den Clubs der DEL immer noch das Vertrauen in hierzulande ausgebildete Spieler?

Basti Schwele: Sieht oft so aus, aber viele Klubs machen da Schritte in die richtige Richtung

E-M /J. R.: Die wohl bisher erfolgreichste Zeit im Deutschen Eishockey wurde geprägt von Marco Sturm und Toni Söderholm als Bundestrainer und Stefan Schaidnagel als Sportdirektor, die vieles zum Positiven verändert haben. Toni Söderholm hat die Arbeit von Marco Sturm fortgeführt. Für Stefan Schaidnagel wurden Christian Künast und Claus Gröbner installiert. Können die beiden die konzeptionelle Aufbauarbeit von Stefan Schaidnagel fortsetzen, so dass das Deutsche Eishockey weiter in eine positive Zukunft steuert?

Basti Schwele: Das hoffe ich sehr.

E-M /J. R.: Herr Schwele, vielen Dank für die Beantwortung dieser Fragen!

Karrieredaten Basti Schwele

8303
Gelingt DEL-Aufsteiger Bietigheim Steelers der sportliche Klassenerhalt in der DEL?

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