Neuwied. (PM EHC) Alles reduziert sich auf ein Spiel hatten sie gesagt. Eine ganze Play-off-Serie.
Eine ganze Saison. Aber am Ende reduzierte sich alles auf noch weniger. Auf ein Tor. Diesen einen Schuss, der wie auch immer ins Tor fliegt oder rutscht. 2:2 stand es nach 60 Minuten im fünften und letzten Endspiel zwischen dem EHC Neuwied und UltimAir Hijs Hokij Den Haag um die Meisterschaft in der Central European Hockey League (CEHL). Verlängerung, Sudden Death, Nervenschlacht. Es gibt Chancen auf beiden Seiten. Hier verhindert Felix Köllejan den K.o. für die Bären, dort geht ein Raunen durch das mit 2108 Zuschauern ausverkaufte Icehouse, weil im Angriff des EHC ein paar Zentimeter fehlen. Dann greift Artjom Alexandrov noch einmal an. Nimmt im Bullykreis vor dem eigenen Tor die Scheibe in Empfang, startet ein Solo von rechts diagonal nach links, wieder in die Mitte vors Tor, schießt und trifft – die Bären sind Meister. Alexandrovs Tor zum 3:2-Endstand nach Verlängerung macht Neuwied zum alten und neuen CEHL-Champion in einem denkwürdigen Endspiel.
„Vielleicht wollte es der Eishockey-Gott so. Vielleicht hat er gesagt: ,Diese Mannschaft hat so viel investiert. Sie hat es sich verdient‘“, sagte EHC-Manager Carsten Billigmann nach dem Krimi. Die Niederländer hatten den Serienausgleich vom Freitag mental gut weggesteckt, legten gegen Neuwieds 4:0 an der Nordseeküste wieder eine deutliche Schippe drauf und gingen zweimal nicht unverdient in Führung. Bartek Bison nutzte beim Tor zum 0:1 einen dieser wenigen Momente mit etwas zu viel Platz. Eine springende Scheibe war mit etwas Glück bei ihm in zentraler Abschlussposition gelandet (16.). Das passte bis dahin zum Chancenverhältnis. Die besseren Möglichkeiten hatte Den Haag im ersten Abschnitt. Unter anderem traf Wesley de Bruijn den Pfosten (6.) und Raymond van der Schuit bekam Felix Köllejans Extraklasse mit der Fanghand vor Augen geführt (10.). „Felix hat uns im ersten Drittel im Spiel gehalten“, hob EHC-Trainer Jeffrey van Iersel die Leistung des Torwarts hervor. Fürs Nervenkostüm der Gastgeber war’s gut, dass Janeck Sperling noch vor der Pause schnell ausglich. Neuwieds Nummer 74 blockte hinten den Schuss von Mike van Oeveren, die Scheibe sprang ihm perfekt in den Lauf und im Alleingang zockte Sperling Den Haags Schlussmann Mario Culina aus (18.).
Die Bären standen im zweiten Abschnitt ein weiteres Mal unter Druck. Cody Monds‘ Pass kam über Umwege bei Wesley de Bruijn an, dessen Handgelenkschuss über der Stockhand von Felix Köllejan im Netz einschlug (28.). „Wir haben immer dran geglaubt und nie aufgegeben“, sah Jeffrey van Iersel eine Kurz-Version der ganzen Serie aufs letzte Drittel und die Verlängerung komprimiert. Zurückgelegen, ausgeglichen durch Christian Sprez, der nach präzisem Pass von Marcus Götz ins Gedränge an der richtigen Stelle stand (50.), und schließlich in der Verlängerung gewonnen. „Wenn die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand stand und etwas brauchte, hat sie in der ganzen Saison abgeliefert“, so van Iersel weiter. Den Haag hatte zunächst gute Möglichkeiten, auf 1:3 zu erhöhen, aber auf Köllejan war Verlass. In der Endphase schien der EHC auch ein paar mehr Reserven im Tank zu haben. „Wir haben uns in dieser Serie immer wieder selbst eine Chance gegeben“, sagte Trainer van Iersel. Alexandrov nutzte sie in der Verlängerung mit dem Schuss in die Neuwieder Glückseligkeit.
„Die ganze Mannschaft hat diesen Sieg gewollt, und unser Trainer Jeffrey van Iersel eine Mega-Leistung vollbracht, indem er eine Meistermannschaft zur Titelverteidigung führte“, bedankte sich Billigmann beim Team genauso wie bei Betreuern, Vorstand, Funktionären und Fans. „Das alles macht mich dankbar, Teil dieses Vereins sein zu dürfen.“
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