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Köln. (HHK) In seiner slowakischen Heimatstadt Poprad war es für den 1930 geborenen Ondrej Bendik selbstverständlich, schon als Kind Eishockey zu spielen – schließlich...

Ondrej Bendik als Spieler des HC Poprad – © by privat

Köln. (HHK) In seiner slowakischen Heimatstadt Poprad war es für den 1930 geborenen Ondrej Bendik selbstverständlich, schon als Kind Eishockey zu spielen – schließlich war dies die Sportart Nr. 1 im Land. Er zeigte viel Talent als Spieler des HC Tatry und des HC Lokomotiva Vagonka Poprad, entdeckte aber auch schon als 17jähriger sein Interesse daran, selbst Spieler und Mannschaften zu trainieren. Folglich besuchte er die Trainerakademie in Prag, schloss dort als „vorbildlicher Trainer der CSSR“ ab (vergleichbar einem Doktortitel), arbeitete als junger Coach mit dem legendären Ladislav Horsky zusammen und war einer von zwei Slowaken, der in dem tschechisch dominierten Verband  mit Traineraufgeben betraut wurde. Speziell um die Torhüter hatte er sich zu kümmern.

 

1964 übernahm er das Erstligateam TJ Dukla VZZ Kosice als Trainer, danach wechselte er nach Jugoslawien und trainierte Mladost Zagreb. Durch Vermittlung von „Prago Sport“ führte ihn 1969 der Weg nach Deutschland, genauer gesagt nach Köln zum gerade erstmals in die Bundesliga aufgestiegenen Kölner EK.

 

„Ich war überrascht über die Verhältnisse in Köln, die Jungs hatten kaum Training, dabei hatten sie großen Nachholbedarf in allen Dingen, beim Schlittschuhlaufen, in der Puckbehandlung, taktisch usw.  Zweimal pro Woche jeweils eine Stunde Training – viel zu wenig, um die Probleme zu beheben.“ Seine erste Trainerzeit beim KEK dauerte ein Jahr, dann hörte er auf. „Ich hätte gern weiter trainiert, aber nur unter besseren Bedingungen. Als man auf meine Wünsche nicht einging, habe  ich gekündigt.“

 

Ein Jahr später holte ihn der Verein zurück und Bendik begann eine neue Mannschaft zu formen. Akribisch bereitete er seine Trainingseinheiten nicht nur vor, sondern er hielt auch alle Einheiten minutiös in der Nachbetrachtung fest. Noch heute kann er seinen Unterlagen entnehmen, wer etwa zu spät oder gar nicht zum Training erschien, sich dort undiszipliniert aufführte oder Anweisungen nicht befolgte. Nicht alle Spieler kamen damit zurecht: „Sie nannten mich den Ostblockterroristen“. Der Erfolg gab Bendik jedoch recht: 1973 feierte er mit dem KEC im ersten Jahr der neuen Vereinsgeschichte den Aufstieg in die Bundesliga. Eigentlich selbstverständlich, dass der erfolgreiche Coach das Team auch in der Bundesliga betreuen würde, dachte man. Doch als die Vereinsführung erneut nicht auf Bendiks Forderungen bzgl. Trainingsintensität einging oder eingehen konnte, verzichtete der Coach auf einen  neuen Vertrag und widmete sich lieber dem Aufbau des von ihm betriebenen Sportgeschäfts im Eingangsbereich des Eisstadions an der Lentstraße.

Trainer Bendik und der damalige Haie-Präsident Peter Rentergent – © by privat

 

Nur wenige Wochen musste er von außen dem Geschehen zuschauen, dann holte ihn der KEC Anfang November zurück. Fast aussichtslos lagen die Haie bei seinem Amtsantritt mit sechs Punkten aus zwölf Spielen am Tabellenende, der erneut Abstieg schien unvermeidlich. Doch Bendik und seine Mannschaft schafften das kleine Wunder, und am 17. 2.74 durfte sich Bendik nach dem 6:4-Sieg über den EV Landshut als „Retter“ feiern lassen.

 

Diesmal ging der KEC-Vorstand vor der nächsten Saison auf seine Forderungen ein. „Ich wollte 5-6 junge Spieler haben und versprach dem Verein, daraus in wenigen Jahren Nationalspieler zu machen.“ Es kamen die Talente Marcus Kuhl aus Mannheim, Harald Krüll aus Krefeld, Peter Schiller aus Selb sowie die Brüder Karl-Gustav und Axel Richter aus Berlin….

 

In der folgenden Saison hatte der KEC mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun, der Weg ging ins gesicherte Mittelfeld. Auch die Saison 75/76 begann erfolgreich, reihenweise wurden Mannschaften wie der EV Füssen (6:1), VfL Bad Nauheim (9:2) oder EC Bad Tölz (9:0) geschlagen, doch es gab auch Probleme, weil sich viele Akteure taktisch undiszipliniert verhielten: „In Krefeld führten wir 5:0, und spielten dann  nur 6:6 , weil einige Spieler sich nicht an meine Anweisungen hielten.“ Die nächste Partie gegen den Krefelder EV war Bendiks letzte als KEC-Coach. Die Haie verloren 0:7, die Risse zwischen der Mannschaft oder Teilen von ihr und dem Trainer waren nicht mehr zu kitten.

 

Nach dem letzten Spiel der Saison 73/74 drehte Ondrej Bendik auf den Schultern von Fans eine Ehrenrunde im Kölner Eisstadion – © by privat

Vom Profi-Eishockey nahm er seitdem Abstand, trainierte einige Vereine in der Kölner Umgebung, z.B. Bergisch Gladbach und Neuwied, später auch zwei Jahre lang die KEC-Juniorenmannschaft. 26 Jahre lang betrieb er in den Sommerferien eine Eishockeyschule, beschäftigte dabei mehr als 50 Trainer (unter ihnen CSSR-Größen wie Frantisek Kaberle, Eduard Novak und Jiri Holecek) und erlebte als Schüler unter anderem die Kaberle-Söhne Thomas und Frantisek sowie Jaromir Jagr.

 

Als sich vor einigen Jahren die KEC-Traditionsmannschaft neu bildete, stand selbstverständlich Ondrej Bendik bei deren Spielen wieder als Coach an der Bande und beim wöchentlichen Training stand er bis vor zwei Jahren auch regelmäßig noch selbst auf dem Eis.

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