
Nürnberg (STM) – Eine 1-3 Niederlage mussten die Schützlinge von Pat Cortina im letzten Test gegen Team USA vor der Eishockey-Weltmeisterschaft hinnehmen. Den Treffer für Deutschland erzielte Verteidiger Sinan Akdag. Grund zur Freude gab es für den Nürnberger Yasin Ehliz, der nach Spielschluss zum besten Spieler seiner Mannschaft gewählt worden ist.
Es gab noch etwas Eishockey am Kurt-Leucht-Weg in Nürnberg nach dem frühen Ausscheiden der Thomas Sabo Ice Tigers in den Play-offs. Drei Tage vor dem Beginn der Eishockey-Weltmeisterschaft in Minsk traf die Deutsche Nationalmannschaft im letzten Testspiel auf Team USA. Es war also die letzte Gelegenheit sich bei Bundestrainer Pat Cortina für ein Ticket nach Weißrussland zu bewerben. Ehe die Mannschaft am Mittwoch in den Flieger nach Minsk steigt, wartet auf Cortina noch die undankbare Aufgabe, zwei Spieler in den endgültigen Sommerurlaub zu schicken.
Einer der sich mit starken Leistungen in der Vorbereitung nachhaltig für einen Platz im Team beworben hat, ist der junge Yasin Ehliz, der heute in Nürnberg so was wie ein Heimspiel hatte. „Überrascht von den guten Auftritten“, zeigte sich Cortina auf der Pressekonferenz Ehliz sichtlich angetan. An der Seite von KHL-Legionär Felix Schütz spielte Ehliz so, als würde er schon jahrelang ein Bestandteil der Nationalmannschaft sein.
Überhaupt haben sich die jungen Spieler in den letzten Tagen zu Hoffnungsträgern für die anstehende Weltmeisterschaft entwickelt. So tummelten sich in der vierten Angriffsreihe neben dem Mannheimer Matthias Plachta mit Tobias Rieder (Portland) und Leon Draisaitl (Prince Albert) zwei junge Akteure, die für die neue Generation im deutschen Eishockey stehen. Nach den vielen prominenten Absagen der letzten Wochen hatte Cortina aus der Not eine Tugend gemacht und belohnte heute Draisaitl und Rieder mit reichlich Eiszeit.
Team USA, eine interessante Mischung aus NHL- und College-Spielern, benötigte ein paar Minuten um die Partie zu kommen. Aber immer wenn die Mannschaft von Peter Laviolette das Tempo anzog, hatte die Nationalmannschaft erhebliche Probleme, gerade in der eigenen Zone. So genügte dem Team USA ein Doppelschlag binnen 14 Sekunden, um durch Johnson (5.) und Gaudreau (6.) mit 2-0 in Führung zu gehen. Auch in der Folgezeit waren die US-Boys überlegen.

14 Sekunden nach Wiederbeginn nutzte Tyler Johnson die Kufe von Torsten Ankert zum 0-3. Das Team von Pat Cortina steckte auch nach dem deutlichen Rückstand nicht auf und erarbeitete sich zumindest den Ehrentreffer an diesem Abend. Sinan Akdag verwertete ein Zuspiel von Schütz zum 1-3 (35.). Weitere Treffer gab es für die 6300 Zuschauer nicht zu bejubeln, so erfreuten sich zumindest die Nürnberger Anhänger am Auftritt von Yasin Ehliz, der an fast allen gefährlichen Aktionen seiner Sturmreihe beteiligt war.
Team USA nahm in den letzten Minuten der Partie wieder etwas den Fuß vom Gas, sie checkten nicht mehr so hart und energisch vor wie im Mitteldrittel, ohne dabei aber die Kontrolle über das Spiel zu verlieren. Pat Cortina versuchte es am Ende mit dem sechsten Feldspieler, am Ergebnis sollte das nichts mehr ändern. Am Ende wurde es ein ungefährdeter Sieg der US-Boys, die jederzeit Herr der Lage waren und sicherlich nicht ihr volles Potential abrufen mussten.
Mit Beifall verabschiedeten die Zuschauer ihr Team nach Spielschluss vor dem Abflug nach Minsk. Zwei Spieler werden vergeblich auf ein Ticket warten, aber das ist jetzt der Job von Pat Cortina.
Deutschland – Team USA 1-3 (0:2/0:1/1:0)
Tore: 0-1 (04:48) Johnson, 0-2 (05:02) Gaudreau (Petry, Stapelton), 0-3 (20:14) Johnson (Nelson, Smith), 1-3 (34:41) Akdag (Schütz, Ehliz),
Strafen: Deutschland 4 min – USA 8 min
Schiedsrichter: Bauer, Jablukov
Zuschauer: 6300
Deutschland: Zepp (41. Grubauer) – Ankert, Braun; Reul, Müller; Boyle, Goc; Krueger, Akdag – Schütz, Barta, Ehliz; Noebels, Weiß, Oppenheimer; Seidenberg, Kink, Pietta; Plachta, Draisaitl, Rieder.
USA: Leggio (34. Hellebuyck) – DeKeyser, Trouba; MaCabe, Jones; Gardiner, Petry; Donovan, Murphy – Nelson, Johnson, Smith, Gaudreau, Stapelton, Wingels, Abdelkader, Trocheck, McDonald; Mueller, K. Hayes, J. Hayes.
Beste Spieler beider Teams:
Tyler Johnson (USA)
Yasin Ehliz (Deutschland)
Stimmen:
Pat Cortina (Deutschland):
Das war heute ein schwieriges Spiel für uns. Das Team ist seit einigen Wochen zusammen und hat schon sieben Testspiele absolviert. So kurz vor dem Abflug nach Minsk will sich natürlich kein Spieler mehr verletzen. Daher hat uns heute etwas die Leidenschaft und der letzte Einsatz gefehlt. Gerade nach dem 0-1 hat mein Team keine gute Reaktion gezeigt und schnell einen zweiten Treffer kassiert. Im zweiten Drittel hatten wir dann eine sehr gute Phase. Immer wenn wir das Spiel einfach halten, sehen wir als Mannschaft gut aus. Ich habe noch keine endgültige Entscheidung über die Nominierung getroffen, werde die Spieler aber am Mittwoch informieren.
Peter Laviolette (Team USA):
Das war heute ein guter Test von uns. Wir sind erst seit ein paar Tagen als Team zusammen und müssen uns noch finden. Es war ein sehr enges Spiel gegen einen gut organisierten Gegner. Für unser erstes Spiel war das heute in Ordnung, wir hatten gute Ansätze, es gibt aber noch Dinge, die in den nächsten Spielen besser werden müssen. Zum Glück ist es uns gelungen, innerhalb weniger Minuten die entscheidenden Tore zu erzielen.
Tobias Rieder (Portland Pirates/AHL): „Wir waren am Anfang nicht so bereit, haben den Beginn etwas verschlafen. Danach sind wir besser reingekommen, aber dennoch war es nicht unsere beste Leistung. Natürlich willst du auch gegen einen solchen Gegner auch gewinnen, aber die Jungs sind schon ein gutes Kaliber. Ich glaube dennoch, dass wir gut vorbereitet sind für die WM.“
Felix Schütz (Admiral Vladivostok/KHL): „Die Amerikaner haben einen guten Start gehabt. Man hat gemerkt, dass sie läuferisch gut sind und stark mit der Scheibe. Sie haben uns das Leben ein wenig schwer gemacht. Aber vielleicht war diese Partie nach den beiden Siegen zuletzt ganz gut. Jeder weiß jetzt, was Sache ist. Über die Vorbereitung müssen wir jetzt aber nicht mehr reden. Das ist vorbei und am Freitag beginnt das WM-Turnier. Da ist egal, was alles vorher war. Nur Minsk zählt jetzt.“
Thomas Oppenheimer (Hamburg Freezers): „Ich finde, dass wir eigentlich in den ersten paar Minuten ganz gut reingekommen sind. Dann aber haben uns die beiden Gegentreffer aus der Bahn geworfen. Danach haben wir zwar wieder etwas zu uns gefunden, aber im Endeffekt geht das Ergebnis schon in Ordnung.“
Philipp Grubauer (Hershey Bears/AHL): „Zu Beginn waren wir vielleicht etwas zu langsam. Doch wir haben uns von Drittel zu Drittel gesteigert. Gerade der letzte Abschnitt ging in die richtige Richtung. Da haben wir die Zweikämpfe angenommen und auch mehr Scheiben zum Tor gebracht.“


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