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Straubing. (MA) Wenn in einem kleinen, etwas verschlafenen Städtchen in Niederbayern von einer Sekunde auf die andere über 5000 Fans komplett ausrasten, kann es... Tigers sind erleichtert und zuversichtlich fürs Viertelfinale
Torwart Matt Climie (Tigers, links), Bjoern Barta (Ingolstadt, mitte) und Colton Jobke (Tigers).<br />  Copyright: ISPFD-Nbg.de

Torwart Matt Climie (Tigers, links), Bjoern Barta (Ingolstadt, mitte) und Colton Jobke (Tigers).
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Straubing. (MA) Wenn in einem kleinen, etwas verschlafenen Städtchen in Niederbayern von einer Sekunde auf die andere über 5000 Fans komplett ausrasten, kann es sich nur um ein Playoff Spiel der Straubing Tigers handeln. Als Low-Budget Team den Vizemeister in den Urlaub zu schicken, ist keine Selbstverständlichkeit und wer das nicht miterlebt hat, hat wirklich etwas verpasst.

Ausflippen ausdrücklich erwünscht

Als Eishockeyfan der Straubing Tigers braucht man ab und an besonders gute Nerven. So auch gestern, als die Tigers bis 113 Sekunden vor dem Ende dem 0:1 Rückstand hinterherliefen, ehe Steven Zalewski erst einmal für die Verlängerung sorgte. Zwischen den beiden Treffern war es ein „Auf und Ab“ der Gefühle. Mancher konnte oder mochte schon nicht mehr hinsehen. Immer wenn Ingolstadt gefährlich vor das Tor der Tigers kam, stockte der Atem und immer wenn die Tigers einen Schuss auf Timo Pielmeiers Gheäuse abfeuerten, kam ein langgezogenes Nein über die Lippen. In der Verlängerung, als Blaine Down von Dustin Friesen gefoult wurde, welches den Tigers ein weiteres Powerplay ermöglichte, lag der Sieg in der Luft. Als Steven Zalewski zu Maury Edwards abspielte und der den Puck mitten ins Panther-Herz hämmerte, stand das ganze Stadion Kopf. Auf den Rängen, sowie auf dem Eis fielen sich alle in die Arme. Der Jubel der weit über das Stadion hinaus hallte, war grenzenlos. Nach dem Spiel gab es viele schöne Momente. Rene Röthke bekam das Grinsen überhaupt nicht mehr aus dem Gesicht. Colton Jobke stand barfuß in kurzer Hose vor der Kabine und gönnte sich ein paar Schluck Bier und auch Sean O’Connor war überwältigt von der Stimmung in der Kabine und bei den Fans.

Sean O’Connor im Interview

Sean wie fühlst du dich nach so einem verrückten Spiel?

Sean O´Connor: „Ich bin stolz und glücklich darüber, wie wir heute das Spiel umgebogen haben. Beim Siegtreffer von Maury Edwards stand ich direkt vor dem Tor. Der Puck flog an mir vorbei ins Netz und eine Sekunde später flippten alle aus. So etwas mitzuerleben ist schon etwas besonderes. Ich denke wir haben die Serie verdient gewonnen, vor allem so wie wir aufgetreten sind.“

Sean O´Connor traf doppelt - © by Eishockey-Magazin (EF)

Sean O´Connor traf doppelt – © by Eishockey-Magazin (EF)

Gegen keine andere Mannschaft hatten die Tigers in den ganzen 10 Jahren DEL – Zugehörigkeit einen schlechteren Lauf als gegen den Vizemeister. Wie kam diese Kehrtwende zustande?

Sean O´Connor: „In den Spielen zuvor, die wir verloren haben, machten wir zu viele Fehler. Ingolstadt hat eine gute Qualität bei den Special Teams, das mussten wir unterbinden. Sicherlich hat bei ihnen ein wichtiger Spieler gefehlt, aber für unser Spiel war es wichtig, dass wir einfaches Eishockey spielen. Das kann manchmal langweilig für den Zuschauer sein, wenn wir erst einmal versuchen keine Fehler zu machen, aber anders kommt man gegen Ingolstadt nicht zum Erfolg. Während dem Saisonverlauf sind wir immer ein Stück näher an sie heran gekommen. Das hat uns auch das nötige Selbstvertrauen gegeben, um gegen sie bestehen zu können.“

Wie war nach dem Spiel die Stimmung in der Kabine?

Sean O´Connor: „Die Stimmung war genial und wir waren alle erleichtert. Es war ein sehr hartes Stück Arbeit für uns. Wir wussten die Panther spielen ums Überleben und haben es uns verdammt schwer gemacht. Jetzt warten wir mal ab wen wir als Gegner bekommen und dann gilt die volle Konzentration auf die nächsten Spiele, die wir mit genau so mit viel Leidenschaft bestreiten werden.“

In Straubing ist Eishockey die Nummer eins. Die Tigers sind das Gesprächsthema in der Stadt. Viele Fans reden vom Playoff Fieber. Fühlt man das im Umfeld, was jetzt hier abgeht?

Sean O´Connor: „Ja das stimmt. Ich bin vorgestern durch die Stadt gegangen und egal wo du hinkommst, die Leute halten dich auf und wünschen viel Glück für das Spiel. Man bekommt es überall mit. Ich sah Menschen mit Tigers Trikots, obwohl an dem Tag überhaupt kein Spiel war. Das ist schon was Spezielles und das hilft uns als Team natürlich auch. Es war schon in Ingolstadt unglaublich. Unsere Fans waren lauter, als die von der Heimmannschaft und heute als alle ausgeflippt sind, da bekommt man richtig Gänsehaut.“

Schiedsrichter erreichen Top-Niveau

Über die Schiedsrichter wurde nicht nur zuletzt von Uwe Krupp auf fehlendes Fingerspitzengefühl hingewiesen. Unter vorgehaltener Hand machten sich einige Sorgen, wie es in den Playoffs laufen könnte. So mancher hatte dabei ein mulmiges Gefühl. Aber wenn die Leistungen der Schiedsrichter annähernd auf dem Niveau von Rohatsch und Schukies sind, dann werden Spieler wie Fans noch viel Freude am Eishockey haben. Zwar war das bayerische Duell stets fair, aber auch hier trug die Präsenz und Körpersprache der Unparteiischen zu einem reibungslosen Ablauf bei. Auch die Linienrichter hatten das umstrittene Hybrid Icing völlig unter Kontrolle und wenn sich Larry Mitchell schon mal zu einem Lob hinreißen lässt, dann sagt das auch einiges aus.

Für die Tigers geht es im Viertelfinale entweder gegen Berlin oder München. Den Fans wäre München natürlich lieber. Zum einen hat man einen kurzen Anfahrtsweg, zum anderen alle vier Spiele in der Saison gewonnen. Aber auch Berlin wäre ein attraktives Los, denn hier ist noch eine Rechnung offen, für alle die sich noch an die Playoffs 2012 erinnern können. Eines ist auf jeden Fall sicher. Das erste Heimspiel im Viertelfinale am Freitag den 18.03.16 wird wieder ausverkauft sein und nicht alle werden Karten bekommen. So ist das, wenn eine Stadt Playoff-Fieber hat.

 

Redaktion