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Paukenschlag am Seilersee: Iserlohn Roosters beurlauben Cheftrainer Rob Daum Paukenschlag am Seilersee: Iserlohn Roosters beurlauben Cheftrainer Rob Daum
Iserlohn. (MK) DEL-Klub Iserlohn Roosters hat Cheftrainer Rob Daum mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Die bisherigen Assistenten Jamie Bartman und Christian Hommel... Paukenschlag am Seilersee: Iserlohn Roosters beurlauben Cheftrainer Rob Daum

Iserlohn. (MK) DEL-Klub Iserlohn Roosters hat Cheftrainer Rob Daum mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Die bisherigen Assistenten Jamie Bartman und Christian Hommel übernehmen die Betreuung der Mannschaft bis zum Saisonende. Ein neuer Headcoach wird für die nächste Saison gesucht. Das gab der Klub am Mittag auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz bekannt.

Rob Daum hatte die Roosters vor etwas mehr als dreizehn Monaten als Nachfolger von Jari Pasanen übernommen und die Mannschaft noch in die Pre-Playoffs geführt. In der laufenden Saison stehen die Roosters auf Platz elf der Tabelle, fünf Punkte hinter dem zur Playoff-Teilnahme berechtigenden Platz zehn.

„Die Entwicklung, die wir uns nach der Länderspielpause erhofft haben, ist nicht eingetreten“, erklärte Wolfgang Brück, der geschäftsführende Gesellschafter der Roosters, den Hauptgrund für die Trennung.

Manager Karsten Mende erläutert: „Ich habe heute Morgen das Gespräch mit Rob Daum geführt, was mir wirklich nicht leicht gefallen ist. Rob kam letztes Jahr zu uns in einer schwierigen Situation und er kam, sah und siegte. Warum das letztlich jetzt nicht mehr gut genug ist, ist schon schwer nachvollziehbar. Aber Fakt ist, dass die augenblickliche Richtung nicht die richtige Richtung ist. Das kann man nicht wegdiskutieren. Die getroffenen Maßnahmen in der Länderspielpause haben einfach nicht gegriffen. Dem einen oder anderen Spieler fehlte auch ein bisschen de Glaube an den Trainer. Wenn ich als Mensch hinter gewissen Dingen nicht stehe, dann ist das sicherlich schwierig. Letztendlich hat das dann den Ausschlag dafür gegeben, dass wir Rob beurlaubt haben. Fachlich haben wir selten einen Trainer gehabt, der so gut arbeitet und so viel Energie in seine Arbeit eingebracht hat. Aber letztendlich zählen die Dinge auf dem Eis.“

Rob Daum, so Karsten Mende auf Nachfrage, habe die Entscheidung offenbar so nicht erwartet. „Aber letztendlich sind wir Profis und das gehört leider zum Geschäft dazu. Eishockey ist ein toller Sport, aber auch ein scheiß Geschäft.“

In der Führungsetage der Roosters hofft man, dass die Spieler sich nun in den kommenden vier Monaten voll und ganz auf ihr Spiel konzentrieren und alles für den Erfolg der Mannschaft tun werden. Alles andere sei nun unwichtig. Es gebe keine Alibis mehr.

Klartext von Wolfgang Brück: „Entscheidung nicht gegen verdiente Spieler, sondern gegen eine aktuelle Entwicklung

Manager Karsten Mende (links) und GF Wolfgang Brück – © by Eh.-Mag. (MK)

Wolfgang Brück fügt kritisch zur allgemeinen Situation hinzu: „Wir reden im Moment über sehr viele Dinge, die sich außerhalb vom Eis abspielen. Da wird über den Trainer geredet, da geht es um die Torhüterfrage und das eine oder andere noch. Das geht mir sowas von auf den Senkel. Denn zum Schluss muss eine Mannschaft die Leistung erbringen, die wir von ihr erwarten. Wir haben jetzt in der Trainerfrage eine klare Antwort gegeben. Mir gefällt es überhaupt nicht, wie jetzt in der Öffentlichkeit und auch in unserem Umfeld über die Torhüterfrage diskutiert wird. Es ist damals entschieden worden, dass wir einen dritten Torhüter holen. Das hat man mir im Rahmen einer sportlichen Analyse erklärt und ich denke, dass es gar nicht so schwer zu erkennen ist, dass wir mit den meisten Gegentoren defensiv Probleme haben. Und da meine ich nicht nur die Torhüter oder Verteidiger, sondern die fünf Spieler, die auf dem Feld stehen. Aber Fakt ist, dass die beiden bisherigen Torhüter bis zum damaligen Zeitpunkt auch nicht die Leistungen erbracht haben, die sie erbringen sollten. Damit ist dann für mich die Entscheidung der sportlichen Leitung, einen dritten Torhüter zu holen, durchaus nachvollziehbar. Da kann dann der eine oder andere Stammtorhüter, gerade Herr Lange, etwas enttäuscht sein und sagen, dass es etwas mit Vertrauen zu tun hat. Aber ehrlicherweise muss man sagen, dass es Berufssportler sind. Die Entscheidungen werden von den Trainern und der sportlichen Leitung aus voller Überzeugung getroffen. Und die richtet sich nicht gegen einen verdienten Spieler, sondern gegen eine aktuelle Entwicklung im Tor. Es war ein Teil der Fehleranalyse, dass man sich die Torhüterleistung noch besser gewünscht hat, als sie es bisher war. Und dann ist die Zeit des Jammerns für mich vorbei. Das sind Leute, die viel Geld verdienen. Es sind verdienstvolle Spieler, die haben viele Jahre gute Leistungen gebracht. Aber dafür können wir uns jetzt gar nichts kaufen. Deswegen war die Entwicklung für mich völlig nachvollziehbar, dass man sagt man möchte etwas verändern. Ob das dann greift oder nicht, da müssen sich dann am Ende die verantworten, die diese Entscheidung getroffen haben. Das Jammern der Spieler über die Entscheidung werde ich nicht akzeptieren, denn letztendlich war der Sinn die Leistungen der Torhüter über den Wettkampf zu verbessern. Dieses Thema ist kein Thema mehr für uns. Fakt ist: Wir haben drei Torhüter, der Beste wird spielen und ob er dann der Beste ist, wird sich zeigen. Dieses ganze „Geschwaller“ über den Trainer und die Torhüter hat überhaupt keine Priorität mehr. Es gibt überhaupt keine Entschuldigungen mehr für die einzelnen Spieler. Die Spieler haben sich jetzt vollkommen auf das Spiel zu fokussieren. Das kann ich nur auf die Organisation beziehen, nicht auf die Medien und Fans. Ich habe totalen Respekt für die Fans, die zum Teil ihren Unmut über Leistungen geäußert haben, die die eine oder andere Personalentscheidung vielleicht nicht ganz verstanden haben. Da hätten wir vielleicht auch mal klarer drüber kommunizieren können. Aber letztendlich ist das Thema des Lamentierens vorbei. Wir haben Ziele. Und unser Ziel ist Platz zehn und das ist noch nicht so weit weg.“

Taktikfuchs und Interims-Headcoach Jamie Bartman – © ISPFD

Mit Jamie Bartman vertrauen die Iserlohner die Führung der Mannschaft ihrem langjährigen Co-Trainer an. Bartman (56) ist seit 2013 am Seilersee tätig und war am Iserlohner „Höhenflug“ unter Trainer Jari Pasanen maßgeblich beteiligt. Als Headcoach hat er bereits in Bremerhaven, Heilbronn, Bozen und Kassel Erfahrungen gesammelt. Aus Sicht von Karsten Mende müssen vor allem einige Kleinigkeiten im Spiel der Roosters verändert werden.

Christian Hommel (37), als Spieler Publikumsliebling und der Inbegriff für körperbetontes Hockey „Made in Iserlohn“, brachte seine Erfahrung aus 637 DEL Partien zuletzt als Headcoach der DNL-Mannschaft ein. Bei den Profis sammelte er erste Erfahrungen als Video- und Assistenztrainer. Außerdem assistierte er in den DEB U-Mannschaften.

Ob der noch bis zum Ende der Saison 2019/2020 laufende Vertrag mit Rob Daum aufgelöst wird, ließ Geschäftsführer Wolfgang Brück offen. „Für mich sind das ja aus meinem Beruf als Rechtsanwalt heraus keine ungewöhnlichen Dinge. Die Entscheidung ist dem Trainer heute Morgen mitgeteilt worden. Man muss auch ein bisschen respektieren, dass sich da auch erstmal der Pulverrauch verziehen muss. Der Trainer muss sich finden und ist sicherlich auch emotional betroffen. Man wird miteinander sprechen, weil es ja auch immer um das Weiterführen des Vertrages geht. Man wird irgendwann zusammen sprechen und dann wird es Lösungen geben“, so Brück.

Dem neue Trainerduo Bartman / Hommel bleiben nur zwei Tage, denn am kommenden Freitag steht bereits das nächste Heimspiel vor ausverkauftem Haus gegen die Kölner Haie an. Dann wird man erstmals sehen, wie die Reaktion der Mannschaft nach dem Wechsel hinter der Bande ist. Erstes Bully ist um 19:30 Uhr.

Fotos: Rob Daum – © by Eh.-Mag. (JB)
Manager Karsten Mende (links) und GF Wolfgang Brück – © by Eh.-Mag. (MK)

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