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NHL Playoffs 2017 – Washington Capitals vs. Pittsburgh Penguins: Ovi vs. Sid Part III

Wie konnten sie soweit kommen?

Washington hatte größere Mühe die aufstrebenden Maple Leafs in die Schranken zu verweisen. In den sechs Spielen gegen Toronto ging es nur in einem Spiel nicht in die Verlängerung, in der zweiten Partie benötigten die Mannschaften sogar eine doppelte Overtime. Das Torverhältnis lautete 18:16.

Im Aufeinandertreffen des zweit- und drittbesten Teams der Eastern Conference siegten die Penguins überraschend deutlich in nur fünf Partien. Nur die vierte Begegnung in Columbus verlor Pittsburgh. Trotz einem Spiel weniger als Washington erzielten die Penguins 21 Tore und kassierten nur 13.

Wie gut kennen sich die Teams?

Das Duell zwischen den Penguins und Capitals ist das dritte Aufeinandertreffen in der Ära von Crosby und Ovechkin. 2009 siegte Pittsburgh in der zweiten Runde in sieben Spielen, davon gingen drei in die Overtime. Im Vorjahr setzen sich die Penguins ebenfalls im Conference-Semifinal in sechs Partien durch. Auch 2016 benötigten die Mannschaften in drei Begegnungen eine Verlängerung um den Gewinner zu ermitteln. Pittsburgh gegen Washington ist die am häufigsten gespielte Serie in der Geschichte beider Vereine. In den bisherigen neun Duellen konnte die Franchise aus der Hauptstadt der USA lediglich 1994 eine Serie für sich entscheiden. Achtmal kam der Sieger aus der „Steel City“.

In der Vorrunde trafen sich die beiden Mannschaften zu vier Vergleichen, davon gewannen beide Teams je zwei Spiele, die Penguins eins davon nach Penaltyschießen. Das Torverhältnis lautete 19:13.

Was wird wichtig?

An dieser Stelle stehen die Defensivabteilungen im Vordergrund. Pittsburgh verlor mit Kris Letang den besten Verteidiger und ein großes Puzzleteil beim Gewinn der Meisterschaft 2016. Justin Schultz, Ian Cole, Olli Maatta, Trevor Daley und Brian Dumoulin sind aber immer noch aktiv. Die Penguins verteidigen vor allem dadurch, dass die Defensive den Puck schnellstmöglich nach vorne an den Hochgeschwindigkeitsangriff übergibt. Gelingt das nicht, dann ist der Torwart gefordert. In diesem Jahr baut Trainer Mike Sullivan gezwungenermaßen wieder auf Marc-André Fleury. Nachdem sich Matt Murray beim Aufwärmen vor Spiel eins gegen die Blue Jackets verletzte, steht Fleury wieder im Kasten. Dass der Kanadier als Backup aushelfen kann, zeigte er in der letzten Saison. Ob der 32jährige allerdings noch immer der Rückhalt beim Gewinn eines Stanley Cups sein kann, ist fraglich. In der regulären Saison lag der Gegentorschnitt über drei Toren und die Fangquote nur bei 90,9 %. Zwar steigerte sich Fleury in der Endrunde auf 2,52 Gegentore und hielt 93,3 % aller Torschüsse, fraglich ist jedoch, ob er diese Form konservieren kann. Fleury muss nicht besser sein als sein Gegenüber Braden Holtby, aber er darf seine Mannschaft auch kein Spiel kosten. Murray scheint nicht einsatzfähig, so dass die Penguins im Extremfall auf den unerfahrenen Tristan Jarry zurückgreifen würden.

In Washington ist die Situation in der Abwehr und im Tor wesentlich entspannter. Zwar fehlt den Capitals mit Karl Alzner auch ein Verteidiger, aber zum einen kann der 28jährige vermutlich bald wieder auflaufen, und zum anderen wurde er von Nate Schmidt sehr gut vertreten. Wichtig wird für die Defensive der Capitals vor allem das Thema Geschwindigkeit und Positionsspiel. Den schnellen Stürmern von Pittsburgh darf nicht das kleinste Stück offene Eisfläche angeboten werden, sonst gibt es Breakaways oder Überzahlangriffe en masse. Gegen Toronto ließen sich erstaunlicherweise die beiden erfahrenen Verteidiger Brooks Orpik und Kevin Shattenkirk in einigen Situationen durch das Forechecking der Leafs zu Fehlern hinreißen, das darf gegen die Penguins nicht passieren, oder Holtby ist auf sich alleine gestellt. Wobei die Capitals mit Braden Holtby sicher einen großen Vorteil gegenüber Pittsburgh haben. Der 27jährige war über die letzten Spielzeiten gesehen der beste Torhüter der Liga. Gegen die Maple Leafs brauchte Holtby vier Partien um wieder seine gewohnten Leistungen zu zeigen. In den beiden abschließenden Spielen mit Verlängerung hielt der Kanadier 96,8 % der Torschüsse. Holtby ist der beste Torwart in dieser Serie und das muss er auch gleich vom ersten Spiel an zeigen.

Alex Ovechkin

Alex Ovechkin – © by Media

Wer macht die Tore?

Die Medien in Nordamerika werden „Ovechkin gg. Crosby Part III“ in den Vordergrund stellen. Dabei ist der Vergleich der beiden Superstars zwar interessant, für den Ausgang dieser Serie jedoch nicht entscheidend. Ovechkin spielte auch in den Folgen I und II gegen Pittsburgh sehr gut und sammelte 21 Punkte in 13 Partien. Crosby dagegen gab in der letzten Saison nur zwei Vorlagen, aber sein Team zog ins Eastern Conference Final ein. Größere Bedeutung bekommen die Spieler aus den zweiten und dritten Reihen. 2016 waren Carl Hagelin (7 Punkte), Phil Kessel (6) und Nick Bonino (5) die besten Spieler in den Playoffs gegen Washington. Hagelin ist aktuell verletzt, Bonino hat bisher nur eine Vorlage gegeben, aber Kessel ist mit acht Punkten in der ersten Runde bereits wieder in sehr guter Form. Dazu haben die Pinguine mit Jake Guentzel (5 Tore, Hattrick in Spiel drei) und Bryan Rust (4 Tore, zwei in Spiel fünf) erneut junge Akteure die in der Endrunde einen Entwicklungssprung vollzogen haben.

Washington hat das Scoring in dieser Saison auch auf deutlich mehr Schultern verteilt. Das zeigte sich auch gegen Toronto. T.J. Oshie, Justin Williams und Tom Wilson erzielten wie Ovi jeweils drei Tore. Nicklas Backstrom und Marcus Johansson trafen doppelt und gaben noch vier bzw. drei Vorlagen. Einzig die Defensive der Capitals steuerte nur ein Tor zur Offensivproduktion bei. Vor allem Kevin Shattenkirk könnte gegen die Penguins ein entscheidender Faktor sein. Bei Pittsburgh fehlt mit Kris Letang der Denker und Lenker im Powerplay an der blauen Linie. Kann Shattenkirk genau diese Rolle für die Capitals übernehmen, dann würde er das umsetzen, was sich die Verantwortlichen von seinem Trade im Frühjahr erhofft hatten. Außerdem sollten Jay Beagle, Andre Burakowsky, Lars Eller oder Daniel Winnik den einen oder anderen Treffer beisteuern, um die ersten Reihen zu entlasten.

Überzahl oder Unterzahl?

Beide Mannschaften erzielten in der ersten Runde je fünf Überzahltore. Pittsburgh benötigte dafür ein Powerplay weniger, deshalb war die Quote mit 33,3 % etwas besser als die 29,4 % der Capitals. Gegen keine Mannschaften der Liga können Strafen so schnell zu Toren führen, wie gegen Pens und Caps. Im Unterzahlspiel hatten beide Teams eine Erfolgsquote von 83,3 %. Allerdings kassierte Pittsburgh nur 5,2 Strafminuten pro Spiel, und damit die wenigsten aller Playoffteilnehmer.

Zuhause oder Auswärts

Auch in dieser Kategorie lassen sich kaum Unterschiede feststellen. Die Capitals hatten eine Bilanz von 32-7-2 und sammelten 66 Punkte zuhause, Pittsburgh spielte 31-6-4 und erreichte damit ebenfalls 66 Punkte auf heimischem Eis. Auswärts waren die Capitals mit 23-12-6 das zweitbeste Team hinter den Rangers. Pittsburgh gewann „nur“ 19 Spiele und war somit etwas schlechter in der Ferne.

Wer gibt die Anweisungen?

Barry Trotz verfügt über deutlich mehr Erfahrung in den Playoffs als Mike Sullivan. 82 Spiele als Cheftrainer betreute Trotz eine Mannschaft in der Endrunde, nur 36 Spiele stehen in Sullivans Lebenslauf. Allerdings gewann Sullivan fast zwei Drittel seiner Partien, während Trotz nicht einmal die Hälfte der Spiele gewinnen konnte. Trotz erreicht in neun Jahren Playoffs noch nie das Finale einer Conference. Sullivan gewann in seiner zweiten Endrunde direkt den Stanley Cup. Auch in dieser Saison zeigt Sullivan einen guten Matchplan und ließ seinen ehemaligen Mentor John Tortorella in Columbus alt aussehen. Im Vorjahr fand Trotz kein Mittel gegen das Tempo der Penguins. Bleibt auch in diesen Playoffs die entscheidende Idee aus, dann dürfte Trotz die längste Zeit Trainer in der Hauptstadt gewesen sein.

Tom Kühnhackl

Tom Kühnhackl – © by Media

Wer spricht deutsch?

Glücklicherweise blieb Tom Kühnhackl beim hinterhältigen Crosscheck von Matt Calvert in Spiel zwei unverletzt. Der Landshuter schüttelte sich kurz und lachte die Aktion dann weg. In den Spielen war Kühnhackl ein sehr wichtiger Akteur, der vor allem mit seiner Physis den Blue Jackets einige Probleme bereitete. 18 Hits verteilte Kühnhackl in der ersten Runde. Dazu gab er eine Vorlage und traf in Spiel vier selbst. Auch gegen die Capitals werden vermehrt das Forechecking und die Abwehrarbeit von Kühnhackl gefragt sein.

Den zweiten Deutschen in der Serie, Torhüter Philipp Grubauer, sollte Kühnhackl nur ohne Maske und auf der Bank zu Gesicht bekommen. Grubauer saß auch 2016 die komplette Serie gegen die Penguins auf der Bank. Dieses Schicksal wird er auch heuer akzeptieren müssen.

Wie geht es aus?

Viele Themen und Geschichten gibt es auf beiden Seiten, aber letztlich ist diese Serie vor allem entscheidend für den Weg der Washington Capitals. Es ist die letzte Chance mit diesem Spielerkern auf den Stanley Cup, bevor spätestens im Sommer der Expansion Draft und der Salary Cap zu einem Umbruch zwingen werden. Besser als in dieser Saison waren die Capitals nie. Dazu kommen die Verletzungen von Letang und Murray bei Pittsburgh. Die Offensive der Penguins ist gut, aber die eigenen Defizite in der Verteidigung kann der Angriff nicht noch einmal kaschieren. Dieses Jahr gratuliert Sidney Crosby seinem alten Widersacher zum Erreichen des Eastern Conference Finals. Washington siegt in sechs Spielen.

(Lars Mahrendorf)

 

Redaktion