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NHL Playoffs 2017 – Stanley Cup Sieger – Pittsburgh Penguins

Stanley Cup Champion Pittsburgh – © by Penguins Media

Wie konnten sie soweit kommen?
Obwohl die Serie ausgeglichen und spannend war, endeten alle Spiele im Stanley Cup Finale mit mehr als einem Tor Unterschied. Nachdem die ersten fünf Begegnungen jeweils vom Heimteam gewonnen wurden, waren die Penguins in Spiel sechs als erstes Auswärtsteam erfolgreich auf fremdem Eis. Durch das 2:0 gewann Pittsburgh die Serie mit 4:2 und damit den fünften Stanley Cup in der Vereinsgeschichte. Das Torverhältnis in der Finalserie war 19:13 für Pittsburgh.

Was war wichtig?
Trotz am Ende deutlicher Ergebnisse, waren vier Finalspiele sehr ausgeglichen. Beide Mannschaften hätten die Spiele eins, zwei, vier und sechs gewinnen können. Pittsburgh entschied drei dieser Partien für sich.

In Spiel eins gelang den Pinguinen mehr als 37 Minuten kein Schuss aufs Tor von Nashville. Zudem wurde eine 3:0-Führung nach dem ersten Drittel noch verspielt. Doch Jake Guentzels 4:3 ermöglichte den wichtigen Auftaktsieg.

Die folgende Begegnung wurde in den ersten beiden Dritteln größtenteils von Nashville bestimmt, aber Pittsburgh hielt den Spielstand bei 1:1. Im Schlussdrittel reichten dann weniger als vier Minuten um einen Dreitorevorsprung zu erspielen und mit einer Führung von 2:0 nach Tennessee zu reisen.

Spiel vier war die einzige Partie mit ähnlichen Spielanteilen, die von den Predators siegreich gestaltet werden konnte. Allerdings deutete sich hier bereits die offensive Explosion an, die den Penguins in der fünften Begegnung gelang.

Das letzte Spiel war schließlich der engste Vergleich der gesamten Finalserie. Erst 1:35 Minute vor dem Ende der regulären Spielzeit brachte Patric Hornqvist Pittsburgh in Führung.

Wer machte die Tore?
Rookie Jake Guentzel überwand seine Torflaute zum richtigen Zeitpunkt für die Penguins und war mit vier Toren der beste Torschütze beider Teams. Evgeni Malkin erzielte drei Tore, Conor Sheary und Nick Bonino trafen doppelt. Bei den Predators konnte Frederick Gaudreau drei Tore erzielen. Er war damit allerdings auch der einzige Spieler von Nashville mit mehr als einem Erfolgserlebnis. Bei den Penguins trugen sich zwölf unterschiedliche Spieler in die Torschützenliste ein, bei den Predators waren es elf. Den offensiven Vergleich der beiden Abwehrreihen konnte Nashville knapp mit 3:2 Toren für sich entscheiden.

Überzahl oder Unterzahl?
Nachdem Pittsburgh in den Serien vorm Finale ein sehr starkes Überzahlspiel aufs Eis schicken konnte, reichte es gegen Nashville nur zu zwei Treffern bei 22 Versuchen (9,1 %). Den Predators gelang es nach Spiel eins sehr gut das Powerplay der Penguins zu kontrollieren.

Auf der Gegenseite war Überzahlspiel von Nashville mit 22,2 % insgesamt gut. Allerdings konnten die „Preds“ in den letzten drei Spielen kein Tor mehr im Powerplay erzielen. Vor allem dem kurzen fünf gegen drei im letzten Drittel von Spiel sechs dürfte die Mannschaft noch länger nachtrauern.

Zuhause oder Auswärts
Pittsburgh gewann die fünfte Meisterschaft in der Geschichte der Franchise. Bei allen Meisterschaften wurde der Erfolg auswärts gesichert. Die Bridgestone Arena in Nashville wurde ihrem Ruf als eine der lautesten Hallen der Liga jedoch gerecht. Die Party vor und in der Halle während der Spiele drei und vier war überragend. Aber auch die Anhänger der Pinguine sorgten in der PPG Paints Arena für einen Heimvorteil. Lediglich nach dem Ausgleich in Spiel eins war es kurzzeitig sehr ruhig. Verglichen mit den letzten Stanleycupserien gab es in diesem Jahr überraschend viele Heimsiege. Auch das spricht für die Fanlager der beiden Teams.

Welche Anweisungen waren entscheidend?
Mike Sullivan brauchte drei Partien bis er mit seiner Mannschaft den größten Nutzen aus der höheren Qualität auf der Centerposition ziehen konnte. Zudem war die Challenge gegen die vermeintliche Führung von P.K. Subban in Spiel eins eine der entscheidenden Szenen der Serie. Durch die erfolgreiche Titelverteidigung bildet Sullivan zusammen mit Joel Quenneville die Spitzengruppe der NHL-Trainer.

Peter Laviolette muss noch mindestens eine weitere Saison warten, bis er in diesen elitären Kreis aufsteigen kann. Wirkliche Vorwürfe muss sich der Trainer der Predators aber nicht machen. Mit ein wenig mehr Glück hätte sein Team Spiel sieben erreicht, in dem dann alles möglich gewesen wäre. Eventuell war die Einstellung von Nashville vor dem ersten Spiel nicht ideal und führte zum 0:3-Rückstand nach einem Drittel. Außerdem fehlte Pekka Rinne möglicherweise ein bessere Backup, der ihm in den Playoffs eine Ruhepause ermöglicht hätte. Dennoch spricht der Trend für Laviolette. 2015 erreichte Nashville die Playoffs, 2016 war in Runde zwei Schluss und 2017 erst im Finale.

Wer sprach deutsch?
Tom Kühnhackl blieb aus taktischen Gründen ohne eine Minute Eiszeit im Finale. Der Landshuter wird aber trotzdem erneut alle Vorzüge der Meisterschaft genießen dürfen. Die Namensgravur und ein Tag mit dem Stanley Cup sind Kühnhackl sicher.

Wer wurde MVP?
Sidney Crosby zeigte vor allem ab Spiel vier seine Führungsqualitäten. Zwar reichte es dort noch nicht zum Sieg, aber die Begegnung war ein Wendepunkt und ein Zeichen dafür, dass Crosby sich von seinem Schatten P.K. Subban etwas lösen konnte. Insgesamt 27 Punkte sammelte der Kapitän in 24 Playoffspielen und stand dabei pro Partie fast 20 Minuten auf dem Eis. Crosby ist der beste und – zusammen mit Jonathan Toews von den Chicago Blackhawks – auch der erfolgreichste Spieler seiner Generation. Zudem hat er mit dem dritten Gewinn des Stanley Cups Teambesitzer, Vorbild und Vereinslegende Mario Lemieux hinter sich gelassen. In diesem Sommer wird Crosby 30 Jahre alt, aber wenn er nicht wieder von Gehirnerschütterungen gestoppt wird, dann könnte er auch in den nächsten Jahren weitere Trophäen seiner Sammlung hinzufügen.

Wer war MVP?
Bereits in der Vorsaison war Matt Murray einer der Garanten für den Gewinn des Stanley Cups. In diesen Playoffs fehlte der Torhüter zu Beginn verletzt, übernahm dann aber im Eastern Conference Finale wieder als Starter für Marc-André Fleury. Murray wurde bereits im letzten Jahr als ein Kandidat für die Conn Smythe Trophy angesehen, 2017 waren seine Zahlen sogar noch besser. 93,7 % der Schüsse von Ottawa und Nashville hielt Murray. In elf Partien ließ er im Schnitt nur 1,7 Gegentore zu. Mit zwei Shutouts beendete er schließlich die Finalserie. Murray war in dieser Saison offiziell noch Rookie, ist erst 23 Jahre alt und hat dennoch bereits zwei Meisterschaften gewonnen. Die Auszeichnung als wertvollster Spieler der Playoffs hätte er ebenfalls verdient gehabt. Eventuell wäre sogar eine Auszeichnung zusammen mit Fleury sinnvoll gewesen, denn der legte in den ersten beiden Runden die Basis für den Erfolg in den Finalserien.

Warum wird das eigene Regelbuch nicht angewendet?
Der Erfolg der Penguins in Spiel sechs hat leider einen sehr bitteren Beigeschmack. Colton Sissons erzielte kurz vor Ende des ersten Drittels von Spiel sechs ein reguläres Tor. Murray hatte einen Schuss von Forsberg nicht festhalten können, der Puck rollte über den Schoner des Torwarts vor die Torlinie und Sissons drückte das Spielgerät über die Linie. Nashville hatte den wichtigen Führungstreffer erzielt. Allerdings hatte einer der beiden Schiedsrichter den Puck aus den Augen verloren bzw. war er davon ausgegangen, dass der Puck im Trikot von Murray festhing. Ein fataler Irrtum und eine große Fehlentscheidung. Bei Anwendung des eigenen Regelbuchs hätte die NHL aber trotzdem eine große Kontroverse vermieden. Regel 38.4 besagt, dass nach Ansicht der Videobilder auf Tor entschieden werden darf, „wenn der Zeitpunkt des Piffs irrelevant für das Überqueren der Torlinie durch den Puck am Ende eines fortgesetzten Spielzugs war.“ Natürlich rollte der Puck nicht von alleine ins Tor, sondern Sissons musste mit seinem Schläger unterstützen. Allerdings beeinflusste der Pfiff auch keinen Spieler der Penguins in der Nähe, so dass er eben irrelevant war. Für alle Zuschauer in der Halle und an den Bildschirmen war dies klar erkennbar. Die NHL und die Schiedsrichter hielten es aber nicht für nötig sich die Bilder noch einmal anzuschauen, und schon gar nicht auf Tor zu entscheiden. Diese Fehlentscheidung reiht sich ein in eine Reihe mit dem irregulären Tor von Brett Hull 1999.

Zudem irritierte während der gesamten Saison der Umgang mit Sidney Crosby. In Spiel fünf durfte Crosby ungestraft mehrfach den Kopf von Subban aufs Eis hauen, dazu warf der Kapitän der Penguins eine Wasserflasche aufs Eis, ebenfalls ohne dafür eine Strafzeit zu bekommen. Im Verlaufe der Saison blieben außerdem ein Stockstich in den Unterleib von Ryan O’Reilly und das Zertrümmern des Fingers von Marc Methot mit einem Stockschlag ohne Folge. .

Tatsächlich ist Sidney Crosby viel häufiger Opfer als Täter auf dem Eis. Als ein technisch versierter Center wird der Kanadier immer wieder gehalten und von seinen Gegenspieler mit allen erdenklichen legalen und illegalen Methoden bearbeitet. Das gibt Crosby aber keinen Freifahrtschein, um selbst strafwürdiges Verhalten ungestraft ausüben zu können. Stattdessen sollte die Liga das eigene Regelbuch strenger anwenden. Spieler wie Crosby hätten dann keinen Grund mehr sich selbst mit illegalen Mitteln zu wehren.

Der NHL blieben viele Diskussionen erspart, wenn Regeln einfach angewendet würden. Die sehr guten Playoffs 2017 wären dann noch besser gewesen.

Was bleibt?
Die Titelverteidigung der Penguins ist historisch. Seit Einführung des Salary Cap 2005 gewann kein Team zwei Meisterschaften in Folge. Mit dem Titel von 2009, und somit drei Stanley Cups in neun Jahren, könnte Pittsburgh zudem als zweite Dynastie neben den Blackhawks in der Salary Cap-Ära angesehen werden. Eine Finalserie gegen Chicago wäre ein Traumszenario für Liga und Rechteinhaber. Doch auch eine Neuauflage der Serie gegen die Predators ist nicht abwegig. Nashville hat den jüngeren Kader (Pekka Rinne ausgeklammert) und wird ebenfalls mittelfristig zu den Titelfavoriten gehören.

(Lars Mahrendorf)

Redaktion

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