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NHL Playoffs 2017 – New York Rangers vs. Ottawa Senators: Unter dem Radar

Wie konnten sie soweit kommen?

Sowohl New York, wie auch Ottawa benötigten sechs Spiele um in die zweite Runde der Playoffs einzuziehen. Die Rangers spielten gegen Montreal in zwei Spielen mehr als 60 Minuten, und hatten in der Serie insgesamt ein Torverhältnis von 14:11. Ottawa musste sogar in vier Partien gegen die Bruins in die Verlängerung. Spiel fünf endete gar erst in der zweiten Nachspielzeit. Die Senators hatten ein Torverhältnis von 15:13 gegen die Bruins.

 

Wie gut kennen sich die Teams?

Eine Serie zwischen den Rangers und den Senators gab es bereits 2012. Damals siegte New York nach sechs Spielen. In der Hauptrunde 2016/17 gab es drei Vergleiche, von denen zwei an Ottawa gingen – 8:5 Tore.

 

Was wird wichtig?

In der Metropolitan Division standen die Rangers bereits frühzeitig als viertes Team fest. Die Schlagzeilen beherrschten die Capitals, der Meister aus Pittsburgh und das Überraschungsteam aus Columbus. Ähnlich die Situation für Ottawa. Erst waren die Canadians das große Thema in Kanada nach dem Trade im Sommer, dann folgten die jungen wilden aus Edmonton und Toronto. Beide Mannschaften flogen in der regulären Saison etwas unter dem Radar. Auch in den Playoffs wird sich das erst einmal nicht ändern. Die Paarung New York – Ottawa ist einfach nicht so sexy wie Washington – Pittsburgh. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb lohnt ein genauer Blick auf die beiden Teams.

NHL New York Rangers

Hendrik Lundqvist – © by Eh.-Mag.

Bei den Rangers ist natürlich Henrik Lundqvist der wichtigste Spieler. Der 35jährige entschied den direkten Vergleich gegen den sechs Jahre jüngeren Carey Price in der ersten Playoffrunde für sich. 94,7 % Fangquote und 1,7 Gegentore waren die Basis für den Erfolg der Rangers gegen die Canadians. Dabei war es keineswegs so, dass die Abwehr von New York ihren Torhüter besonders gut schützte. Mehr als 34 Schüsse pro Spiel flogen auf das Tor von Lundqvist. In den Monaten Januar und März kassierte der Schwede knapp 3,5 Tore pro Spiel, und einige Experten prophezeiten bereits den Niedergang von Lundqvist. So wie es aktuell aussieht, nahm sich „König Henrik“ eine Verschnaufpause zum richtigen Zeitpunkt, und ist rechtzeitig in den Playoffs wieder in Form.

 

Eine Auszeit würde auch Erik Karlsson gut zu Gesicht stehen. Der Verteidiger stand in der ersten Runde gegen die Boston Bruins im Durchschnitt mehr als 30 Minuten auf dem Eis. Bereits in fittem Zustand wäre diese Leistung bemerkenswert, denn Karlsson führt damit die NHL in Sachen Spielzeit in den Playoffs an. Doch der Verteidiger ist nicht komplett gesund, sondern zog sich Ende März beim Blocken eines Torschusses zwei Haarrisse im Fuß zu. Trotzdem war Karlsson einer der entscheidenden Faktoren für das Weiterkommen der Senators. Sechs Vorlagen gab der 26jährige, teilweise spektakulär nach Solo über die komplette Eisfläche. Dazu verteilte Karlsson zwölf Checks und blockte trotz seiner Blessur auch noch zwölf gegnerische Schüsse. Der Mannschaftskapitän ist auch der wichtigste Spieler von Ottawa. Für das Erreichen der Finalserie im Osten muss Karlsson wieder auf die Zähne beißen und sein Team anführen.

Wer macht die Tore?

Am 18. Juli 2016 tauschten die New York Rangers Derick Brassard für Mika Zibanejad und einen Zweitrundenpick 2018 nach Ottawa. Stand heute kann dieser Trade als win-win-Geschäft für die beiden Mannschaften angesehen werden. Brassard war mit zwei Toren und sechs Vorlagen der Topscorer für die Senators gegen Boston. Zibanejad sammelte vier Punkte gegen Montreal, und war damit der erfolgreichste Ranger in der Auftaktrunde. Die meisten Tore für New York erzielte allerdings der Norweger Mats Zuccarello mit drei. Dazu trafen Rick Nash, Jesper Fast, Michael Grabner und Brady Skjei jeweils doppelt. Enttäuschend verliefen die Playoffs bisher für den Topscorer New Yorks in der regulären Saison Chris Kreider, und für J.T. Miller. Nach zusammen 50 Toren in der Hauptrunde, warten die beiden aktuell noch auf den ersten Treffer in den Playoffs.

 

Bei den Senators ist Bobby Ryan aktuell der heißeste Spieler. Vier Tore gelangen dem Flügelstürmer gegen Boston. Mike Hoffmann traf doppelt und Clarke MacArthur konnte ebenfalls zwei Treffer zum Sieg über die Bruins beisteuern. Dabei sah es zu Anfang des Jahres noch so aus, als könnte MacArthur diese Saison gar nicht mehr auflaufen, und müsste vielleicht sogar seine Karriere wegen Gehirnerschütterungen beenden. In einer Saison, die an Emotionen nicht arm war – Craig Anderson! – sorgte MacArthur für die nächsten Gänsehautmomente bei den Fans der Senatoren. Gegen die Rangers müssen aber Spieler wie Zack Smith, Ryan Dzingel und der aus Ottawa geholte Alex Burrows zusätzlich für Torgefahr sorgen.

 

Strategisch hatten die beiden Mannschaften einen unterschiedlichen Ansatz um zum Erfolg zu kommen. Die Rangers hatten gegen Montreal ein Torschussverhältnis von -4 pro Begegnung, die Senators gaben dagegen 3,7 Torschüsse pro Spiel mehr aufs gegnerische Gehäuse ab, als die Bruins. Es wird interessant zu sehen, ob es im direkten Duell Anpassungen dieser Strategien geben wird.

 

Überzahl oder Unterzahl?

Von den verbliebenen Teams in der Eastern Conference kassierten die Rangers in der ersten Runde die meisten Strafminuten (10,17). Aufgrund eines guten Unterzahlspiels von 85 % war die hohe Anzahl an Strafen aber ohne große Folge. Fast folgenlos war aber auch das Überzahlspiel von New York. Bei 15 Versuchen mit einem Spieler mehr, konnte New York nur ein mickriges Powerplay zum Abschluss führen (6,5 %). Auf der Gegenseite sieht die Situation in Überzahl deutlich besser aus. Fünf Tore in sechs Spielen konnten die Senators im Powerplay erzielen (21,7 %). In Unterzahl musste Craig Anderson auch drei Mal hinter sich greifen, jedoch in nur 15 Penalty Killing-Situationen (81,3 %). Die Quoten deuten einen kleinen Vorteil bei den Special Teams für das Team aus Kanada an.

 

Zuhause oder Auswärts

Ottawa gewann drei Spiele in Boston, verlor aber auch zwei Heimspiele. Die Rangers verteilten ihre vier Erfolge im Viertelfinale gleichmäßig auf heimisches und auswärtiges Eis. In der Hauptrunde waren beide Teams zuhause nicht besonders gut – 22 Siege Ottawa, 21 New York. Auswärts waren die „Blueshirts“ jedoch das beste Team der National Hockey League mit 27 Erfolgen. Die Senatoren waren guter Durchschnitt mit erneut 22 Siegen.

 

Wer gibt die Anweisungen?

Zwischen Alain Vigneault und Guy Boucher liegen nicht nur zehn Jahre Altersunterschied, sondern auch jede Menge Erfahrungsdifferenz in den Playoffs. Vigneault ist in seiner fünfzehnten Saison als Trainer in der NHL, der vierten in New York. 2011 verlor er in Spiel sieben das Stanley Cup Finale gegen Boston, 2014 in sechs Spielen die Finalserie mit den Rangers gegen die Kings. In 133 Partien war Vigneault in den Playoffs verantwortlich als Cheftrainer, gewann davon aber auch nur knapp die Hälfte – 66.

 

Bouchers erste Saison in Ottawa ist die vierte in seiner Karriere als Trainer in der NHL. 2011 erreichte er mit Tampa zum ersten und einzigen Mal die Playoffs, führte die Lightning aber auch direkt ins Finale der Eastern Conference. In der aktuellen Spielzeit ist Boucher ein möglicher Kandidat für den Jack Adams Award, der an den besten Trainer der abgelaufenen Saison verliehen wird. Es gelang Boucher trotz Verletzungsproblemen und diversen Baustellen neben dem Eis mit den Senators vergleichsweise souverän die Playoffs zu erreichen. Auch im Duell mit Boston wurde Ottawa nicht als eindeutiger Favorit gesehen, konnte den Bruins aber erfolgreich Paroli bieten.

 

Wie geht es aus?

Für den neutralen Zuschauer bieten beide Teams genügend Grund zum Daumendrücken. Die Rangers, weil der alte schwedische Gentleman im Tor noch einmal nach dem Stanley Cup greifen möchte, und die Senators, weil Greg Anderson trotz der Krebserkrankung seiner Frau ebenfalls sehr gute Leistungen zeigte. Doch bei aller Sympathie für die Torhüter, irgendjemand muss auch Tore schießen. New York hatte in der Hauptrunde satte 44 Treffer mehr auf dem eigenen Konto, und damit auch das größere Potenzial im Angriff. Dazu kommt ein Trainer, der bereits mehrfach eine Finalserie erreichen konnte. Die Saison von Ottawa war bemerkenswert, aber sie gegen das Team aus dem Madison Square Garden. New York siegt in sieben Spielen.

(Lars Mahrendorf)

Redaktion

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