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Der kleine große Norweger im Interview Düsseldorf. (MR) Nach zehn Jahren DEL (sechs Jahre Augsburg und vier Jahre Düsseldorf) und anschließenden... Ex DEG-Star Tommy Jakobsen: „In Norwegen fehlt der Nachwuchs“

Der kleine große Norweger im Interview

Düsseldorf. (MR) Nach zehn Jahren DEL (sechs Jahre Augsburg und vier Jahre Düsseldorf) und anschließenden drei Jahren in der österreichischen EBEL (Graz) spielte der Verteidiger Tommy Jakobsen weitere vier Jahre bei seinem Heimatverein Lørenskog, ehe er im Alter von 43 Jahren seine aktive Karriere beendete.

Tommy Jakobsen

Tommy Jakobsen 2017 im Interview – © by Eh.-Mag. (DR)

Der norwegische Rekordnationalspieler blieb dem Eishockey insofern erhalten, dass er in Lørenskog mit dem Nachwuchs arbeitet. Im zivilen Leben arbeitet er als „Headhunter“ zusammen mit Trond Magnussen, der in Deutschland ebenfalls aus der DEL bekannt ist (DEG und EV Duisburg).

Jakobsen war mit einer Körpergröße von 1,73 Meter nie der „Hau drauf“, begeisterte aber im Spiel durch immense Agilität und aufopferungsvolles Spiel, was ihn in seinen Teams schnell zum Publikumsliebling werden ließ!

Nach langen Jahren war er nun pünktlich zum Derby DEG – Haie erstmalig wieder in Düsseldorf,

Eishockey-Magazin konnte kurz mit ihm über seine Karriere und einen Ausblick auf die Zukunft des Eishockeys in Norwegen sprechen.


Tommy Jakobsen – der kleine große Norweger

von Michaela Ross

Ich bin erst spät zum Eishockey gekommen, hatte eigentlich das Alter für Teeny-Schwärmerei längst überschritten, als mein späterer Gatte mich zur Brehmstrasse mitnahm.

Und wie es vielen geht, war ich fast augenblicklich infiziert mit dem Virus. Bei der DEG stand zu der Zeit der Hexer, Andrej Trefilov im Tor, als Kapitän wirbelte der Norweger Trond Magnussen.

Im Jahr drauf bekamen wir einen neuen Verteidiger, der bereits sechs Jahre in Augsburg gewirkt hatte, Tommy Jakobsen. Zusammen mit Magnussen und dem ebenfalls neu ins Team verpflichteten Tore Vikingstad bildete er die „Vikinger-Trio“. Tommy hat eigentlich nicht das Gardemaß des Verteidigers, doch die vielleicht fehlende Größe machte er mit großem Kämpferherz wett, sodass er sich auch in Düsseldorf auf Anhieb in die Fanherzen spielte, ich war also nicht allein!

Damals noch nicht journalistisch tätig stand man an der Brehmstrasse nach dem Spiel in einer großen Fanmeute am Spielertunnel und wartete auf die Protagonisten – wie gut dass ich nicht nur älter sondern auch größer war, als der durchschnittliche Fan dort! Und dort kam man ab und zu ins Gespräch auch und vor allem mit Tommy, der immer Zeit für seine Fans hatte. Sehr schön war auch, dass er Deutsch sprach, was heute auch bei langjährig in Deutschland lebenden oder eingedeutschten Nordamerikanern leider oftmals nicht der Fall ist.

Tommy Jakobsen

Tommy Jakobsen 2003 im DEG Trikot – © by Eh.-Mag. (MK)

Tommy Jakobsen hat in seiner aktiven Zeit regelmäßig für Norwegen in der Nationalmannschaft gespielt, führte diese lange Zeit auch als Kapitän an. Und auch hier ging er mit Kampf- und Teamgeist immer voran. So trafen wir ihn, nach seiner Zeit bei der DEG, sowohl bei der WM 2007 in Moskau / Mytischi, als auch in Halifax / Kanada ein Jahr später. Ui, war das aufregend, vor allem in Mytischi, wo alles abgesperrt und bewacht war, man kein russisch konnte und sich doch irgendwie bemerkbar gemacht und mit dem Wachmann durch Zeichen das Okay geholt hat, dass man sich über eine Schranke hinweg unterhalten durfte! Und ein Jahr später in Halifax auf dem Weg zur Halle ruft Tommy mir einen Gruß über die Straße zu – okay, ich trug auch eine kaum auffällige rote DEG-Jacke….

Hier war es dann ein Leichtes, den Spielereingang zu finden und nach einem Spiel noch mit ihm zu quatschen. Dass es wohl sein Hinweis an die Offiziellen war, dass ein Jason Holland (damals AEV) noch nicht lange genug in Deutschland war, um Nationalmannschaft zu spielen – Schwamm drüber! Schön war aber immer wieder zu sehen, dass dieser kleine Mann (1,73 m) keine Bandentüre kennt – selbst wenn er beim Wechsel direkt neben der Tür ankam, musste er über die Bande springen, ja in Mytischi passierte es sogar einmal, dass er versehentlich doch die Bandentür nahm – um gleich aufs Eis zu stolpern.

Die DEG verließ er nach vier Spielzeiten, damals bereits im für einen Profisportler fortgeschritteneren Alter von knapp 36. In Graz in der österreichischen EBEL spielte er weitere drei Jahre, ehe es ihn in die Heimat zurückzog und er bei seinem Heimatverein Lørenskog bei Oslo die aktive Karriere ausklingen ließ.

Seinen etwas unrühmlichen Abschied von der Nationalmannschaft bei der WM in Deutschland erlebten wir auch mit, denn er hatte mich nicht nur für die kleinen, wuseligen Arbeiter auf dem Eis sondern auch für Norwegen eingenommen, und wir „mussten“ bei der Heim-WM 2010 unbedingt auch in Mannheim Spiele der Norweger anschauen. Dabei war eben auch jenes Spiel gegen Kanada, als Jakobsen nach einem – in meinen Augen immer noch unglücklichen – Zusammenstoß mit einem Unparteiischen per Matchstrafe ausschied. Eigentlich schade, dass er danach nicht wieder in / mit der Nationalmannschaft aufgetaucht ist, sodass man ihn erst wieder und das eher zufällig in den sozialen Medien in einem Werbefilm entdeckte!

Irgendwie denkt man doch immer mal wieder an diesen kleinen Spieler mit dem großen Kämpferherz, zuletzt bei der U20 WM 2017 in Bremerhaven, als Norwegen nur den letzten Platz erreichte. Und am 22.1.2017: auf einmal ist Tommy Jakobsen mit seiner Familie zu Besuch in Düsseldorf, guckt sich dort das Derby gegen die Kölner Haie an! Der Tag hatte sich daher schon vor dem Derby gelohnt, denn wir konnten uns etwas ausführlicher mit ihm unterhalten….

Redaktion

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