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Ein Siegeszug: Die Geschichte des Eishockeys in Deutschland

Foto: privat

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Der Fußball scheint das Gros der Zuschauergunst in Deutschland dauerhaft hinter sich zu vereinen, doch der Eishockeysport rückt ihm Jahr für Jahr dichter auf die Fersen. Immerhin gab es bereits im Jahr 1881 eine Kunsteisbahn in Frankfurt am Main, es war weltweit die Dritte. Seit 1908 gehört der Eishockeysport offiziell zum breitgefächerten Angebot des Deutschen Eissport-Verbandes, seitdem hat sich einiges getan.

 

 

 

Um 1900: Nationalsport in Kanada – Randerscheinung in Deutschland

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts bildete Eishockey in Deutschland noch eine wenig beachtete Randerscheinung. Erfunden wurde diese Sportart um 1840 in Kanada, wo sie schnell neben Lacrosse zum Nationalsport avancierte, in Deutschland lief die Entwicklung deutlich langsamer ab. Das erste geschichtlich nachgewiesene Eishockeyspiel Deutschlands fand am 4. Februar 1887 auf dem Halensee in Berlin statt, dabei trat der Akademische Sport Club Berlin gegen eine gemischte Studentenmannschaft an und errang mit 11:4 den Sieg. Insgesamt wurde die deutsche Hauptstadt zum Ausgangspunkt des anschließenden allmählichen Siegeszugs einer noch jungen, aber spannenden Sportart. Hier formierten sich die ersten festen Teams, beginnend 1901 mit der Eishockey-Abteilung des Berliner Schlittschuhclubs (BSchC). Nur der Augsburger EV als ältester Eishockeyclub Deutschlands war noch schneller, sein erstaunlich frühes Gründungsdatum liegt im Jahr 1878.

 

Von den ersten Clubs zum internationalen Erfolg

Zu den Berliner Stadtmeisterschaften traten 1910 immerhin zehn Mannschaften an. Der BFC Preußen entschied dieses erste wichtige Turnier auf deutschem Boden für sich, der spätere Rekordmeister (BSchC) belegte den zweiten Platz. Die Gründung weiterer Clubs in einigen anderen großen Städten Deutschlands wie Bremen, Hamburg, München, Dresden und Wiesbaden trug zur Ausbreitung des Eishockeysports in alle Regionen des Landes bei. Im September 1909 schloss Deutschland sich schließlich dem internationalen Eishockey-Verband LIHG als sechste Nation an und trat so relativ früh in den europäischen Wettbewerb ein. Ganz folgerichtig gehörte die frisch gebildete deutsche Mannschaft zu den Teilnehmern der ersten Eishockey-Europameisterschaft in Frankreich, wo die Trophäe für den zweiten Platz auf das Team wartete. Damit holten die deutschen Eissportler die Meisterschaft für das Jahr 1911 in ihre Heimat, ausgetragen wurde der Event dann ein Jahr später in Berlin. Von nun an besaß der LIHG sogar einen deutschen Vizepräsidenten: Hermann Kleeberg hatte insgesamt drei Amtsperioden bis in die 1930er Jahre inne.

 

Eine deutsche Meisterschaft durfte im spannungsgeladenen Turnier-Potpourri natürlich nicht fehlen, diese wurde ab 1912 ausgespielt. Sie komplettierte relativ zügig das Event-Angebot für die deutschen Eishockey-Mannschaften, sodass der Sport schon im frühen 20. Jahrhundert eine solide Basis erhielt, um weiter Fuß zu fassen. Spätestens als Deutschland 1930 zum ersten Mal Europameister und gleichzeitig Vizeweltmeister wurde, nahm Eishockey einen wichtigen Part der Sportberichterstattung in den Gazetten ein. 1934 kam es zum zweiten EM-Sieg, 1936 fand die Weltmeisterschaft im Rahmen der Olympischen Spiele in Garmisch-Partenkirchen statt. Die Goldmedaille ging zwar an Großbritannien, doch das tat der allgemeinen Begeisterung im Land keinen Abbruch.

 

 

 

Zäsur und Auferstehung einer aufstrebenden Sportart

SchlittschuhDanach hielten dunkle Jahre ihren Einzug, das Vereins- und Turnierleben kam in den Wirren des 2. Weltkriegs unweigerlich zum Erliegen. Auch 1946, ein Jahr nach Kriegsende, war in Deutschland noch nicht an neue Meisterschaften zu denken. 1947 kam es schließlich zum Revival des Mannschaftssports: Der SC Riessersee sicherte sich die erste deutsche Meisterkrone nach dem großen Krieg. Insgesamt dominierten die bayerischen Mannschaften in den Anfangsjahren der jungen Bundesrepublik das Turniergeschehen, bis schließlich strammer Gegenwind aus Nordrhein-Westfalen aufkam. Das Zentrum des deutschen Eishockey-Sports bilden jedoch weiterhin Oberbayern, Unterbayern und das Allgäu. Ab 1948 gab es eine Eishockey-Oberliga als höchste Spielklasse, 1953 eroberte die deutsche Mannschaft den zweiten Platz der Weltmeisterschaft – allerdings bei ganzen 4 Teilnehmern.

 

Die Deutschen blieben in Sachen Eishockey über viele Jahrzehnten stets am Ball – oder besser: am Puck. 1958 kam es zur Gründung der deutschen Bundesliga, 1994 folgte die »1. Bundesliga« unter der offiziellen Bezeichnung »Deutsche Eishockey Liga (DEL)«. WM-Turniere fanden 1975, 1983 und 1993 in Deutschland statt. Mit den Jahren avancierte Eishockey zu einer der beliebtesten Mannschaftssportarten in ganz Deutschland.

 

Events und Derbys: Eishockey reißt die Zuschauer mit

Aufgrund der schnellen, kraftvollen, aber auch taktisch spannenden Spielweise fühlen sich die Zuschauer oftmals emotional mitgerissen. Groß angelegte Eishockey-Events wie Anfang dieses Jahres in Dresden, als im Dynamo Stadion die Dresdner Eislöwen auf die Lausitzer Füchse trafen, sind keine Seltenheit mehr. 32.000 Fans durften beim Winter Derby live mit dabei sein und sorgten für einen neuen Zuschauerrekord in der DEL2. Auch das wachsende Interesse an der Champions Hockey League und den Spengler Cup zeigt deutlich an, wohin die Reise geht: Der Eishockeysport trifft den Nerv der Zeit und wird sein Potential sicher noch weiter entfalten.

 

In diesem Zusammenhang ist es auch kein Wunder, dass beim Eishockey inzwischen regelmäßig hohe Wetteinsätze fließen. Immer mehr Sportfans kennen sich gut mit den verschiedenen Teams aus, sie wissen über Höhen und Tiefen der einzelnen Spieler Bescheid und platzieren ihre Wetten entsprechend. Das erhöht für viele die Spannung und liefert gute Gründe, bei allen wichtigen Turnieren live dabei zu sein, um hinterher hoffentlich freudig feiern zu dürfen. Denn die anschließende Siegesparty gehört beim Eishockey ebenso dazu wie beim Fußball.

 

Fraueneishockey in Deutschland: Auch die Damen mischen mit

SC Bern FansNur zögerlich begann die Emanzipation am Hockeyschläger, denn vor allem in den Anfangsjahrzehnten wurde Eishockey als rein »männliche« Sportart betrachtet, aus der die Damenwelt sich tunlichst herauszuhalten hatte. Die Skandinavierinnen setzten ihre Interessen im europäischen Eissport zuerst durch, Frauenligen formierten sich sowohl in Schweden als auch in Finnland, Norwegen und Dänemark bereits in frühen Jahren. Der Internationale Eishockey-Kongress in Chamonix 1930 brachte den passionierten Spielerinnen allerdings eine Ernüchterung: Die Entscheidung zur Einführung von Frauenturnieren wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Schließlich war die Damenwelt aber doch nicht mehr aufzuhalten, spätestens in den 1980er Jahren stieg die Bedeutung des Fraueneishockeys deutlich an, denn die respektablen Leistungen der »Ladies on Ice« waren nicht mehr zu ignorieren. Geregelte Meisterschaften konnte man ihnen nun nicht mehr versagen.

 

Die nordamerikanischen Teams gelten auch bei den Eishockey-Damen als die stärksten der Welt, am häufigsten errang Kanada den WM-Sieg und die Goldmedaille der Olympischen Spiele. Die Finninnen stellen das erfolgreichste europäische Eishockey-Team, während die chinesischen Damenmannschaften ihre männlichen Pendants bei weitem überflügeln. Der MLP Nations Cup ist in Deutschland ohne Frage eines der wichtigsten Frauenturniere, bei dem die Nationalmannschaften gegeneinander antreten. Natürlich gibt es auch echte Stars unter den Eishockey-Damen, wie zum Beispiel Manon Rhéaume, die als erste Profi-Spielerin in der NHL mitmischen durfte. Die Deutsche Viona Harrer erkämpfte sich die Torhüter-Position bei den Tölzer Löwen, einer ansonsten männlichen Profi-Mannschaft. Maren Valenti nahm 1998 die Stürmerposition bei den Eisbären Berlin ein und gilt somit als erste Frau in der Deutschen Eishockey Liga.

 

Steigende Zuschauerzahlen – beste Prognosen

Als die Eishockey-WM im Jahr 2010 zum siebten Mal nach Deutschland kam, herrschte reger Betrieb in den ausrichtenden Städten. Das Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und den USA in der Veltins-Arena Gelsenkirchen zog mehr als 77.000 Zuschauer ins Stadion. Die Zuschauerzahlen steigen insgesamt von Jahr zu Jahr an, darum fällt die Zukunftsprognose gar nicht schwer: Eishockey wird ein aufstrebender Sport mit wachsenden Fan-Zahlen in Deutschland bleiben, nicht als Konkurrent zum Fußball, sondern als perfekte Ergänzung.

Redaktion

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