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Deutschland. (JK) Im Zuge des Winterderbys in Dresden spielte als Vorbegegnung eine Auswahl ehemaliger DDR-Nationalspieler gegen ehemalige BRD-Spieler. Es flammte der alte Konflikt Deutschlands... „Die Drittelpause“: Ost gegen West – auch heute noch?
© by EH-Mag.

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Deutschland. (JK) Im Zuge des Winterderbys in Dresden spielte als Vorbegegnung eine Auswahl ehemaliger DDR-Nationalspieler gegen ehemalige BRD-Spieler. Es flammte der alte Konflikt Deutschlands wieder auf: Ost gegen West, Kapitalismus gegen Sozialismus, Deutschland gegen Deutschland. Daher stellt sich die Frage, ob dieser Konflikt auch im heutigen Eishockey, im Ligaalltag noch Bestand hat, oder die 25 Jahre nach der Vereinigung Wirkung zeigen.

Allein anhand der Teams in der DEL gemessen zeigt sich: Die Eisbären aus Berlin sind allein auf weiter Flur als Ostclub, von den restlichen 13 Mannschaften kommen alle aus dem „Westen“, 5 davon aus Bayern, 4 aus Nordrhein-Westfalen, 2 aus Baden-Württemberg, und jeweils eines aus Niedersachsen und Hamburg.

In der DEL2 jedoch stellt sich die Lage auf komplett andere Weise dar: Dresden, Weißwasser, Crimmitschau, 3 Teams allein aus Sachsen! 21% der Mannschaften kommen damit aus der ehemaligen DDR, jedoch keines aus Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt.

Teams aus diesen Bundesländern sind ab der Oberliga zu finden, das Ungleichgewicht der Mannschaften zwischen den „alten“ und den „neuen“ Länder hat jedoch seine Gründe: Clubs wie Augsburg, Düsseldorf, Krefeld, Iserlohn waren bereits gefestigt, bevor in der DDR Eishockeyclubs gegründet wurden und konnten dadurch nicht nur wirtschaftlich, sondern auch fantechnisch über lange Zeit aufbauen und sich sportlich interessant messen. Im Ligabetrieb des sozialistischen Deutschlands, auch als „kleinste Liga der Welt“ bezeichnet, spielten nur Berlin und Weißwasser über lange Zeit, es ging sportlich hin und her, doch die Begeisterung, auch in staatlich-finanzieller Sicht ließ keinen Raum neben den beiden Dynamos. Daher konnte sich Eishockey nicht zur Sportart Nummer 2 festigen hinter dem Fußball, wie in der BRD, doch die infizierten Lausitzer und Berliner blieben bei ihrem Verein.

Neben dieser Komponente stellt auch die von Fanseite ungeliebte Wirtschaftlichkeit ein Kriterium dar, da Fans fehlen investieren auch weniger Sponsoren in einen Club, dessen Reichweite daher begrenzt ist und die Medienwirkung komplett fehlt. Berlin muss in diesem Punkt ausgeklammert werden, da die Stadt als pulsierende Metropole gilt, viele internationale Unternehmen ansässig sind und die Zuschauerzahlen dort sind wesentlich höher und daher attraktiver (logischerweise, denn wo mehr Menschen sind, interessieren sich immer auch mehr Leute für Eishockey). Sponsoring im Eishockey hat im ehemaligen Westen teilweise auch eine Art Tradition, wo über viele Jahre das gleiche Unternehmen sponsert (Sparkassen und ähnliches). Das fehlt im Osten, wo der Sport über den Staat finanziert wurde.

In diesem Sinne gibt es noch eine sichtbare Grenze oder zumindest Unterschiede, die auch beim Blick auf die Fankurven deutlich werden: Im Block der Eisbären Berlin ist das weiße D auf weinrotem Grund keine Seltenheit, auch die Fahnen der Füchsefans ziert das Logo aus DDR-Zeiten. Fangesänge mit historischem Bezug sind hörbar und die Fahne der sozialistischen Republik wird gezeigt, gekontert wird dies im Westen mit „Ossischweine“ und ähnlichen Rufen. Dieses Geschrei ist schade, doch durchaus verständlich, wenn auf die Geschichte angespielt wird. Jedoch darf man es nicht überbewerten, ist jede Möglichkeit zur Häme gegen den Gegner recht normal. Auch wenn es teilweise zu falschen Konnotationen kommen kann gilt, dass wer Tradition besitzt, diese auch zeigen darf.

Letztendlich lässt sich sagen, dass es noch einen Unterschied gibt und das Eishockey in den „neuen“ Bundesländern immer noch einen Weg vor sich hat, um aufzuschließen. Doch mit dem Erfolg, der gezeigt wird, steht es gut darum, ein halbwegs gutes Gleichgewicht zu finden.

 

Über „Die Drittelpause“: In der sogenannten „Drittelpause“ greifen verschiedene Autoren aktuelle Themen auf und beziehen hier klar persönlich Stellung. Hierbei wird Nebensächliches zur Hauptsache gemacht und umgekehrt. Es wird gerne überspitzt, frech und vielleicht auch manchmal einfach nur „anders“ argumentiert und kommentiert. Mal laut, mal leise, mal mit einem Augenzwinkern und mal mit dem Dampfhammer oder in Satireform. „Die Drittelpause“ ist nicht neutral und ausgeglichen, sie ist die oft persönliche Meinung des Autors / der Autorin und soll Anlass zur Diskussion bieten.

Redaktion

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