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„Die Drittelpause“: Ehrlichkeit und Offenheit sind auch im Eishockey kein Makel
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Pavel Gross und Charly Fliegauf in Diskussionen mit dem Schiedsrichter – © by ISPFD

Wolfsburgs Trainer Pavel Gross hatte schon vor Wochen von der „Mund-zu-Liga“ gesprochen. Gemeint war seinerzeit die von der Deutschen Eishockey Liga untersagte Kritik an Schiedsrichtern, die man sich in der DEL verbittet. Einige, wie Pavel Gross oder auch Larry Mitchell, haben trotzdem im Laufe der Hauptrunde die Klappe aufgerissen und wurden mit saftigen Geldstrafen (zum Teil zur Bewährung) sanktioniert. Das ist nun nichts Neues mehr und bekannt.

Ebenso ist es schon seit einigen Spielzeiten DEL-Gepflogenheit in den Spielzusammenfassungen strittige Szenen, ja wohlmöglich sogar Fehlentscheidungen der Referees, möglichst nicht zu zeigen. Das kommt dann in den Spielzusammenfassungen auch schon mal etwas „komisch“ rüber. Da wird ein super tolles Siegtor so kommentiert, als spiele man mit fünf gegen fünf, obwohl ein Team in Wirklichkeit aufgrund einer strittigen Szene in Unterzahl spielte. Irgendwie blöd, oder? Da wird der eigentliche Eindruck bewusst verfälscht. Hauptsache es kommt irgendwie schick rüber.

Und ja, man muss sicherlich keine Schiedsrichter derart vorführen, wie in der Fußball Bundesliga, wo jede strittige Szene schon direkt während der Liveübertragung mit 15 verschiedenen Kameraeinstellungen durchleuchtet wird und obendrein vom ehemaligen Weltschiedsrichter kommentiert bzw. je nach Richtigkeit abgestraft wird. Das alles wird dann auf jedem Sender mit TV Rechten in den kommenden mindestens vier Tagen in diversen Wiederholungen und Talksendungen nochmal so richtig ausgeschlachtet. Nein, das wollen und brauchen wir im Eishockey so nicht!

Trotzdem wäre etwas mehr Offenheit wünschenswert. Sport ist Emotion. Emotionslose Trainer sind ebenso langweilig, wie diese geschönten Spielzusammenfassungen. Tolle Spielzüge, harte Checks und klasse Tore, gehörten ebenso in die Berichterstattung, wie Schiedsrichterleistungen und ehrliche Trainerstimmen. Wer sich im Ton vergreift, der soll auch gerne zur Kasse gebeten werden.

„Ich sage lieber nichts, weil das nur Geld kostet“, hat man in dieser Saison von fast jedem DEL-Coach gehört. Schade, man sollte doch meinen, dass erwachsene Menschen ihre Kritik bei allen Emotionen auch fair anbringen können. Die meisten Trainer können es ganz bestimmt, dürfen aber nicht mehr.

Deutsche Eishockey Liga ist längst eine Zwei-Klassen-Gesellschaft

Hauptsache die schöne bunte DEL Welt ist möglichst immer wieder auf den Spuren neuer (NHL)Superlativen. Mehr Zuschauer, noch modernere Hallen, noch höheres Niveau, noch mehr Stars und natürlich noch bessere Einschaltquoten beim ohnehin tollsten TV Sender. Herr Tripcke wird diese Saison sicherlich bald wieder in ähnlicher Form Revue passieren lassen. Eine Zeit lang mögen diese Lobeshymnen ihm ja von den meisten Fans abgekauft worden sein. Mittlerweile aber haben viele Puckfreunde einen klaren Blick für das Wesentliche. In einer im Grunde teilweise hoch verschuldeten und sportlich mittelmäßigen Liga ohne sportlichen Abstieg geben immer mehr die Klubs den Ton an, die von Mäzenen gepowert werden. Die Zwei-Klassen-Gesellschaft gibt es schon länger in der DEL. Noch können finanzschwächere Klubs wie Augsburg oder Bremerhaven positiv überraschen. Nur wie lange noch? Die Liga entfernt sich durch diese Entwicklung, ihr geschöntes Erscheinungsbild und ihre untersagte Offenheit immer mehr vom bodenständigen Fan.

Medial ist Eishockey schon lange eine von vielen Randsportarten, die nur regional boomt. Wer sich von Handball, Basketball, Tennis, Volleyball usw. unterscheiden will, muss „anders“ sein. Ehrlichkeit und Offenheit sind kein Makel. In einem professionellen Umfeld sollte es möglich sein die Dinge auch sachlich und ehrlich beim Namen nennen zu dürfen. Der „Mund zu und Augen zu Trend“ führt in die falsche Richtung. Bitte umdrehen!

Über „Die Drittelpause“: In der sogenannten „Drittelpause“ greifen verschiedene Autoren aktuelle Themen auf und beziehen hier klar persönlich Stellung. Hierbei wird Nebensächliches zur Hauptsache gemacht und umgekehrt. Es wird gerne überspitzt, frech und vielleicht auch manchmal einfach nur „anders“ argumentiert und kommentiert. Mal laut, mal leise, mal mit einem Augenzwinkern und mal mit dem Dampfhammer oder in Satireform. „Die Drittelpause“ ist nicht neutral und ausgeglichen, sie ist die oft persönliche Meinung des Autors / der Autorin und soll Anlass zur Diskussion bieten.

Redaktion