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Köln. (MR) Nach sieben Jahren konnte Deutschland erneut eine (halbe) Weltmeisterschaft ausrichten. Wer jetzt aber gedacht hatte, das alleine reichte aus,... „Die Drittelpause“: Deutschland bei der Heim-WM
Heim-WM 2017 - © by EH-Mag. (DR)

Heim-WM 2017 – © by EH-Mag. (DR)

Köln. (MR) Nach sieben Jahren konnte Deutschland erneut eine (halbe) Weltmeisterschaft ausrichten. Wer jetzt aber gedacht hatte, das alleine reichte aus, um den sensationellen vierten Platz von 2010 zu wiederholen, wurde schnell auf den Boden der Tatsachen in Eishockeydeutschland zurückgeholt.

Zwar gab es gewisse Parallelen, so eröffnete das DEB-Team das Turnier erneut mit der Partie gegen die USA, und auch dieses Mal lautete das Endergebnis 2:1 für die Gastgeber, doch danach war es erst einmal vorbei mit der Herrlichkeit! Nach zwei deutlichen Niederlagen – okay, gegen Schwergewichte des Welt-Eishockeys – mussten die Hausherren die letzten Spiele dringend gewinnen, zumal es dann mit der Slowakei, Dänemark und Lettland um die direkte Konkurrenz sowohl in der Weltrangliste als auch den begehrten Platz für das Viertelfinale ging. Doch auch ein Abstieg war natürlich nicht ausgeschlossen. So kam man gegen die Slowakei erst spät ins Spiel, um mit einem Doppelschlag auszugleichen. Im Penaltyschießen wurde Youngster Dominik Kahun zum Matchwinner. Gegen Dänemark war es genau anders herum, und das Spiel plätscherte nach zwei Doppelschlägen im Startabschnitt in die Verlängerung, in der die Gastgeber der nächsten WM das glücklichere Ende für sich hatten – Deutschland verschenkt hier 2 Punkte! Das wichtige Spiel gegen Aufsteiger Italien wurde nach kurzen Anlaufschwierigkeiten letztlich souverän gewonnen; hier standen die NHL’er Leon Draisaitl und Goalie Philipp Grubauer erstmals auf dem Bogen. Am Ende kam es zu einem Show Down zwischen den punktgleichen Teams Lettland und Deutschland. Die komfortable 2:0 Führung ließ man sich wieder vom Brot nehmen, ja, das Team von Marco Sturm geriet anschließend gar in Rückstand, und man sah die letzte Hoffnung dahinschwinden. Bis, ja bis Felix Schütz zum Held wurde, als er Sekunden vor dem Ende die Scheibe über die Linie stocherte und Deutschland in die Overtime rettete. Der andere Held war Grubauer im Tor, der gerade in der Overtime die wütenden Angriffe der Balten entschärfte. Und am Ende wurde ein Dritter zum Helden: Youngster Frederik Tiffels war als einziger Penaltyschütze erfolgreich und ballerte Deutschland ins Viertelfinale!

Jener Tiffels, der als letzter eigentlich in die Vorbereitung gefallen ist, weil Christoph Ullmann absagen musste, der als College-Spieler der einzige Nicht-Profi im Team ist und als einer von nur 9 Spielern alle Vorbereitungsspiele mitgemacht und „überlebt“ hat! Und er ist neben Kahun und Draisaitl der jüngste Spieler im Kader (Jahrgang 1995). Wobei hier gesagt werden muss, dass der hochgelobte Leon Draisaitl zwar viel Eiszeit geschoben hat, letztlich von seiner Punkte-Ausbeute aber doch hinter den Erwartungen zurück geblieben ist. Vielleicht ist ja mehr von seiner Präsenz auf dem Eis ausgegangen? Letzteres ist David Wolf allerdings völlig abgegangen – es reichte hier meist nicht einmal für’s Grobe. Positiv überrascht hat mich Verteidiger Dennis Seidenberg, der viel Eiszeit geschoben und die Mitspieler gut eingesetzt hat – auf ihn war immer Verlass! Das gleiche gilt für Philipp Grubauer: mit ihm hat das Team hinten enorm an Stabilität gewonnen, wohingegen Thomas Greiss im Spiel gegen die USA eine Wand war, sich im nächsten Spiel aber verletzte, und dann eher neben dem Eis für Schlagzeilen sorgte. Münchens Danny aus den Birken konnte seine Playoff-Leistung nicht immer aufs Eis bringen, machte bei mehr als einem Gegentor eine schlechte Figur. Auch das verletzungsbedingte Ausscheiden von Tobias Rieder war für die deutsche Torausbeute nicht hilfreich. Das Kölner Sturm-Duo Hager/Gogulla konnte das blinde Verständnis auch nur zum Teil auf das Eis bringen. Zunächst nahm sich Patrick Hager durch eine Matchstrafe selbst aus dem Spiel, später wurde „jetzt hab ich keine Lust mehr“ Philip Gogulla nicht mehr berücksichtigt.

Ob jetzt natürlich der eine oder andere Spieler, der vorzeitig aussortiert worden war, besser ins Team gepasst hätte, besser das Mammut-Programm der WM hätte absolvieren können? Um diese Aufgabe kann man Bundestrainer Marco Sturm nicht beneiden – klappt es mit der Zielvorgabe, hat er alles richtig gemacht. Wenn nicht, ist der Trainer eh der Buhmann, egal wen er nominiert hat! Und ob man jetzt jammern soll, weil in der Gruppenphase der eine oder andere Punkt liegengelassen wurde? Was wäre denn mehr erreicht worden – eine bessere Platzierung in der Gruppentabelle? Die Schweiz ist dort Zweiter geworden und genauso im Viertelfinale gescheitert – wie übrigens Gruppensieger USA auch!

Was bleibt unterm Strich? Mit dem Erreichen des Viertelfinales hat man doch die Zielvorgabe erfüllt, der achte Platz in der Schlusswertung ist erreicht – damit ist Deutschland wie auch nach der letzten WM erneut in der Weltrangliste aufgestiegen!

Wie aber auch Präsident Franz Reindl meinte: „es gibt noch viel zu tun, wir müssen vor allem an der Basis noch mehr arbeiten, dass wir auf diesem Stand bleiben oder uns am besten noch verbessern!“ Denn – so Marco Sturm – „es wird ja zur nächsten Saison der eine oder andere Nationalspieler altersbedingt ausscheiden“ (Dennis Seidenberg, Christian Ehrhoff, Patrick Reimer, Justin Krüger wären da wohl die Kandidaten aus dem heutigen Kader) – da ist es gut, wenn solche Leute wie die aktuelle 95er Reihe jetzt schon ihr Potential zeigen und weitere nachrücken.

Übrigens: mit den Zuschauerzahlen zeigten sich die Organisatoren sehr zufrieden – die Deutschlandspiele waren jedes Mal (nahezu) ausverkauft – schade nur, dass die beiden Halbfinals vor ziemlich gelichteten Reihen in Köln stattfanden! Auch Paris blieb hinter den Erwartungen zurück, dort aber hatte man frühzeitig angefangen, die Tickets zu rabattierten Preisen im Internet zu verkaufen, auch die beiden Viertelfinale dort! So konnte dann auch Paris zufriedenstellende Zuschauerzahlen melden.

Über „Die Drittelpause“: In der sogenannten „Drittelpause“ greifen verschiedene Autoren aktuelle Themen auf und beziehen hier klar persönlich Stellung. Hierbei wird Nebensächliches zur Hauptsache gemacht und umgekehrt. Es wird gerne überspitzt, frech und vielleicht auch manchmal einfach nur „anders“ argumentiert und kommentiert. Mal laut, mal leise, mal mit einem Augenzwinkern und mal mit dem Dampfhammer oder in Satireform. „Die Drittelpause“ ist nicht neutral und ausgeglichen, sie ist die oft persönliche Meinung des Autors / der Autorin und soll Anlass zur Diskussion bieten.

Michaela-Ross

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