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„Die Drittelpause“: DEL verhält sich wie die EU mit der Türkei
Paul Gardner

Trainer Paul Gardner mit dem DEL2-Cup – © by DEL2

von Gernot Kirch

So richtig daran glauben wollte eigentlich niemand, dass die DEL wieder den Auf- und Abstieg einführt, besonders die kleinen DEL-Clubs scheinen hier zu mauern, was das Zeug hält. In der Wahrnehmung mancher DEL-Standorte bzw. deren Manager kommt der Abstieg einem Weltuntergang gleich. Dabei muss man sich fragen, was ist eigentlich so schlimm daran, wenn ein Team, das sportlich nicht die entsprechende Leistung zeigt, den Gang in die Zweitklassigkeit antritt und dafür frisches Blut in die Liga kommt? In anderen Sportarten ist dies der Normalfall. Dort sorgt der Klassenkampf für Spannung und Dramatik häufig bis zum wirklich allerletzten Spieltag. Nicht so im Eishockey, da können Clubs, wie teilweise etwa schon Schwenningen, Duisburg oder Straubing, ab Dezember mehr oder weniger bedeutungslos ihre Matches absolvieren und die Zuschauer langweilen. Aber Hauptsache man ist erstklassig, auch wenn die Partien keinen mehr so richtig interessieren. Was wären da hingegen packende Partien um den Klassenerhalt! Doch solche Wahrheiten wollen die Verantwortlichen bei der scheinbar DEL nicht hören.

Die DEL spielt meiner Meinung nach bezüglich der Einführung von Auf- und Abstieg nicht mit offenen Karten. Vielmehr tut sie zwar so, als wolle sie den Auf- und Abstieg wieder einführen, dabei will sie dies meiner Auffassung nach gar nicht. Vielmehr sucht sie jedes Jahr (Schein)gründe und Argumente warum es angeblich nicht geht. Dies kommt mitunter einer Schmierenkomödie gleich. Warum sagt man nicht offen und ehrlich, dass man eine langweilige, geschlossene Gesellschaft bleiben will, bei der jeder mitspielen darf, der einmal beigetreten ist, selbst wenn er seit Jahren hoffnungslos dahin dümpelt.
Mich erinnert das Verhalten der DEL an jenes der Europäischen Union (EU), die jahrzehntelang mit der Türkei um einen Beitritt verhandelte, ohne diesen wirklich zu wollen. Mehr Ehrlichkeit wäre hier angesagt, aber dies ist nicht unbedingt die starke Seite der DEL.

Die Frage ist natürlich, warum überhaupt einen Auf- und Abstieg einführen, wo doch alle angeblich so glücklich sind?
Die Wahrheit ist, es sind nicht alle Pucksportfreunde glücklich über diese geschlossene Gesellschaft, weil dem Eishockey damit eines der wichtigsten Elemente des Sportes genommen wird, den Auf- und Abstieg, der in vielen Sportarten häufig genauso spannend ist wie die Kampf um die Meisterschaft.
Das System der DEL mit einer geschlossen Gesellschaft ist aus Nordamerika übernommen. Dort funktioniert es und die Sportfans kennen es nicht anders. In Europa gehört hingegen der Auf- und Abstieg zur Sportkultur und wird von vielen Fans erwartet. Aber diesbezüglich ist die DEL leider beratungsresistent.

Das Grundproblem in der DEL ist, dass die einzelnen DEL-Clubs – und dies seit Jahrzehnten – nicht das Wohl des deutschen Eishockeys im Blick haben, sondern nur ihren eigenen Verein. Und dieses Interesse, koste es was es wolle, verteidigen. Was irgendwie logisch ist, aber eben dem Gesamtsport schadet. Über den Tellerrand schaut da niemand. Und so wird die Talfahrt oder zumindest die Stagnation des Eishockeys, was das allgemeine, öffentliche Interesse angeht, weitergehen, denn der „normale“ deutsche Sportzuschauer möchte nun mal den Auf und Abstieg. So wie er dies von Fußball, Handball, Basketball kennt. Man kann jetzt von Seiten der DEL einige Zahlen und Statistiken präsentieren und die Entwicklung des Pucksport schönreden, aber Fakt ist, dass Eishockey schon lange nicht mehr der Kronprinz hinter Fußball ist, sondern Handball und Basketball enorm zugelegt haben. Und eine Schwachstelle des Eishockeys ist nun mal der fehlende Auf- und Abstieg, sodass viele Sportfreunde den DEL-Spielbetrieb in den unteren Tabellenregionen für eine Farce halten.
Viele meiner Freunde fragen mich, worum spielen die Teams im Tabellenkeller eigentlich? Eine Antwort darauf habe ich nicht und muss zugeben, dass dort teilweise ein belangloses, langweiliges Schaulaufen stattfindet.

Über „Die Drittelpause“: In der sogenannten „Drittelpause“ greifen verschiedene Autoren aktuelle Themen auf und beziehen hier klar persönlich Stellung. Hierbei wird Nebensächliches zur Hauptsache gemacht und umgekehrt. Es wird gerne überspitzt, frech und vielleicht auch manchmal einfach nur „anders“ argumentiert und kommentiert. Mal laut, mal leise, mal mit einem Augenzwinkern und mal mit dem Dampfhammer oder in Satireform. „Die Drittelpause“ ist nicht neutral und ausgeglichen, sie ist die oft persönliche Meinung des Autors / der Autorin und soll Anlass zur Diskussion bieten.

Redaktion

  • Thomas Klinge

    Duisburg spielt Oberliga-Nord