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Drei Legenden unter sich: Udo Kießling, Lothar „Schnäuz“ Zimmer und Rainer Philipp (v.l.n.r.) – © by privat

Köln. (HHK) Die Nr. 8 ist eine ganz spezielle Rückennummer bei den Kölner Haien. Nur fünf Spieler haben sie getragen, keine Rückennummer „unter 30“ wurde an weniger Spieler verteilt.  Auch eingefleischten Fans werden die Namen der ersten drei „Achter“ kaum bekannt sein: Jochen Maaßen (1972-1975), Michael „Chico“ Muus (1975-1977) und Christian Nikola (1978-1979) trugen das Trikot mit der Nr. 8; Muus und Nikola gehörten zu den ersten Meistertrams der Domstädter.

Doch erst 1979 rückte die „8“ in den Blickpunkt der Fans. Damals kam mit Rainer Philipp einer der erfolgreichsten Eishockeyspieler an den Rhein, ein Spieler, der jahrelang reichlich Tore gegen die Haie geschossen hatte und die Anhänger des KEC entsprechend „genervt“ hatte. Insgesamt  26mal traf der Nationalspieler gegen den KEC – sein Bruder Horst erzielte auch noch 18 Tore gegen die. Wen wundert’s, dass die Hessen die ersten neun Vergleiche in der Bundesliga gegen die Haie und dessen Vorhänger KEK gewannen.

Aber auch international machte Rainer Philipp in den 1970er Jahren auf sich aufmerksam. 1976 gehörte er zum Nationalteam, das in Innsbruck die Olympische Bronzemedaille gewann und wenige Wochen später sorgte er mit einem Tor wenige Sekunden vor Schluss dafür, dass bei der WM in Kattowitz der Abstieg aus der A-Gruppe vermieden wurde. An der Seite von Erich Kühnhackl und Aloys Schloder spielte Rainer Philipp jahrelang in der Nationalmannschaft, absolvierte insgesamt 199 Länderspiele (90 Tore), nahm an acht A-Weltmeisterschaften und drei Olympischen Spielen teil.

Nach 13 Jahren bei seinem Heimatverein VfL Bad Nauheim wechselte Rainer Philipp 1979 nach Köln. Ein wesentlicher Grund für den Wechsel war die  Unterstützung, die ihm der KEC für die Zeit nach seiner aktiven Laufbahn bot.  In der Kölner Innenstadt eröffnete Rainer Philipp eine Auto-Werkstatt, die er auch schon während seiner aktiven Zeit bei den Haien selbst betrieb.

Ralf und Rainer Philipp – © by privat

Bei den Haien trug er zum Aufbau eines neuen Teams nach der „Erlemann-Ära“ bei, musste aber auch manchen sportlichen Rückschlag erleben. Dennoch: nach fünf Jahren durfte sich Rainer Philipp endlich auch über einen nationalen Titel freuen, als er mit dem KEC 1984 Deutscher Meister wurde. Gemeinsam mit dem Kanadier Drew Callander und dem Kölner Nachwuchsspieler Christoph Augsten bildete Rainer Philipp den so genannten „Bullensturm“, der vor allem in den Playoffspielen   großartige Arbeit leistete und mit seiner physischen Präsenz die notwendige Entlastung für die mit Starspielern wie Gerd Truntschka, Miro Sikora, Holger Meitinger und Markus Kuhl lieferte.

Apropos Bullensturm: einen Tag vor dem Jubiläumsspiel zum 40jhrigen der Haie trafen sich die drei Spieler auf Vermittlung des ehemaligen WDR-Reporters Eddie Körper zum Pizzaessen und Austausch von Erinnerungen.In der Spielzeit 1984/85 – seiner letzten aktiven Saison – lief Rainer Philipp mit der Nr.27 auf, „seine“ Nr. 8 trug sein Neffe Ralf, der Sohn seines oben schon erwähnten Bruders Horst. Ralf Philipp gehörte im Alter von 18 Jahren zu den talentiertesten deutschen Nachwuchsspielern und spielte bei den Haien sowohl in der Juniorenmannschaft unter Trainer Detlef Langemann als auch im BL-Team mit Trainer Joschi Golonka. Sein erstes (und einziges BL-Tor) erzielte Ralf am 8. Januar 1985 beim 8:1 gegen den SC  Rießersee.

Rainer Philipp beendete im Frühjahr 1985 seine großartige Karriere nach 717 Spielen in der Bundesliga, in denen er 454 Tore schoss. Für die Haie spielte er 277mal in der Bundesliga, schoss dabei 126 Tore und kam incl. 150  Vorlagen auf 276 Skorerpunkte – fast ein Punkt pro Spiel.  Den Haien blieb er treu. Er trainierte einige Jahre lang Nachwuchsmannschaften des KEC (und dadurch auch seinen Sohn Thorsten) und hielt sich bei Spielen der Traditionsmannschaften fit.

Das Eishockeymuseum ehrte ihn mit der Aufnahme in die Deutsche Hall of Fame.

Die hoffnungsvolle Karriere seines Neffen Ralf wurde jäh beendet Anfang Juli 1975. In der Nähe seines Heimatortes Niedermörlen bei Bad Nauheim geriet er mit seinem Auto in einer Kurve von der Fahrbahn, prallte gegen die Leitplanke und dann gegen einen Baum. Ralf Philipp war auf der Stelle tot. Sein Tod löste bei Mannschaftskameraden, Vorstand und Fans große Betroffenheit aus, zahlreiche Spieler der Bundesligamannschaft und des Juniorenteams gaben ihm das letzte Geleit.

Rainer Philipp im Trikot des VfL Bad Nauheim, gegen den Köln – © by privat

Spontan entschied KEC-Präsident Heinz Landen, das Trikot mit der Nr. 8, das Ralf in der letzen Saison von seinem Onkel Rainer übernommen hatte, nie mehr zu vergeben. Die 8 wurde damit zur ersten gesperrten Rückennummer bei den Kölner Haien.

Rainer Philipp führte viele Jahre lang seine Autowerkstatt in der Kölner Innenstadt. Eine schwere Erkrankung zwang ihn vor einigen Jahren, die Werkstatt in andere Hände zu geben. Inzwischen geht ihm wieder deutlich besser und man sieht Rainer Philipp auch wider bei Eishockeyspielen. Bei der 50-Jahrefeier am 8.11. war er ebenso dabei wie beim Abschied von Kult-Betreuer Lothar „Schnäuz“ Zimmer vor einem Jahr.

 

Die Karrierestatistiken von Rainer Philipp

Redaktion

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